Magisch und mystisch
Konstantinopel im Jahr 1007: Ein unheilvoller blauer Stern steht über der Stadt, und seit sieben Jahren liegt Europa in einem Griff aus Eis und Dunkelheit. In Der Weg des ewigen Winters entwirft Niilo ...
Konstantinopel im Jahr 1007: Ein unheilvoller blauer Stern steht über der Stadt, und seit sieben Jahren liegt Europa in einem Griff aus Eis und Dunkelheit. In Der Weg des ewigen Winters entwirft Niilo Sevänen eine eindrucksvolle Vision einer Welt, in der die Zivilisation zerbrochen ist und Gewalt den Alltag bestimmt.
Der Roman beginnt mit einem Schockmoment: Eine Hochzeitsgesellschaft wird von marodierenden Banden brutal ausgelöscht. Nur ein kleines Mädchen, Halla, und ihre Mutter überleben – gewarnt von einem geheimnisvollen Fremden. Bald wird klar, dass Halla mehr ist als ein verängstigtes Kind: Sie trägt eine Macht in sich, die den endlosen Winter beenden könnte. Doch diese Gabe macht sie zugleich zur Zielscheibe.
Gemeinsam mit Orpheus, einem scheinbar ziellosen Lautenspieler, begeben sich Mutter und Kind auf eine gefährliche Reise durch eine Welt voller Schrecken. Sevänen zeichnet diese Reise gnadenlos und atmosphärisch dicht: Eisige Landschaften, zerfallene Städte und die allgegenwärtige Bedrohung durch Gewalt verleihen dem Roman eine beklemmende Wucht. Dabei gelingt es ihm, Fantasy, historische Elemente und Endzeitstimmung zu einem außergewöhnlichen Gesamtbild zu verweben.
Besonders eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Halla steht für die fragile Möglichkeit von Erlösung, während Orpheus als gebrochene, zutiefst menschliche Figur Tiefe und Wärme in die Geschichte bringt. Die mystische Komponente fügt sich organisch ein und verstärkt den epischen Charakter des Romans, ohne die emotionale Ebene zu überlagern.
Der Weg des ewigen Winters ist ein düsterer, kraftvoller Roman über Überleben, Opfer und Hoffnung in einer gefrorenen Welt.