Mehr als nur ein Krimi: Frida Skybäcks Eisenblume lässt dich nicht los
EisenblumeWer denkt sich bitte so was aus? Eine eingemauerte Leiche, die 35 Jahre lang brav in der Wand schmort, während draußen die Welt weiterdümpelt? Frida Skybäck natürlich. Und ich bin ihr dafür dankbar! Eisenblume ...
Wer denkt sich bitte so was aus? Eine eingemauerte Leiche, die 35 Jahre lang brav in der Wand schmort, während draußen die Welt weiterdümpelt? Frida Skybäck natürlich. Und ich bin ihr dafür dankbar! Eisenblume hat mich von der ersten Seite an gepackt und so schnell nicht mehr losgelassen – Schlaf? Überbewertet.
Fredrika Storm und Henry Calment sind so ein Duo, das sich anfühlt wie Kaffee und Lakritz – ungewöhnlich, aber genau deshalb richtig gut. Fredrika mit ihrem Dickschädel und Henry, der lieber Bücher als Menschen mag, wühlen sich durch einen Fall, bei dem sich jeder fragt: Wieso redet hier keiner Klartext? Spoiler: Weil fast jeder Dreck am Stecken hat. Und das merkt man beim Lesen – herrlich unangenehm und unfassbar spannend.
Die Atmosphäre? So dicht, dass ich fast einen Atemschutz gebraucht hätte. Ich habe förmlich gerochen, wie der modrige Klinikputz von den Wänden bröckelt. Skybäck schreibt mit einem psychologischen Feingespür, dass ich mich zwischendurch fragte, ob ich beim Lesen nicht selbst einen leichten Knacks bekomme – im positiven Sinne, versteht sich.
Und diese Cliffhanger! Ich schwöre, ich wollte das Buch gemütlich an drei Abenden lesen. Wurde nichts draus. Ich saß wie ein Hypochonder beim Arzt und musste wissen, was da im Oktober ’87 wirklich gelaufen ist. Und als dann auch noch eine frische Leiche auftauchte – ich hab’s gefeiert. Kalter Kaffee war gestern, Cold Cases sind die wahren Muntermacher.
Frida Skybäck versteht es meisterhaft, mit den Erwartungen zu spielen. Du denkst, du hast den Durchblick? Falsch gedacht! Jeder Verdacht wird einmal ordentlich durch den Wolf gedreht, bevor du überhaupt ansatzweise auf die Lösung kommst.
Kurz gesagt: Eisenblume ist wie ein schwedischer Mittsommernachtstraum auf der dunklen Seite des Mondes – düster, verschroben, fesselnd. Für Krimi-Fans ein absolutes Muss. Und wer nach dem Lesen noch ruhig schläft, hat das Buch definitiv nicht richtig gelesen.