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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2025

Absolut überzeugend

Endlosschleifentage
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„Endlosschleifentage“ ist ein Buch über den Verlust und die Individualität der Trauer. Es ist ein wunderschönes und emotionales Buch, das eine sehr authentische Geschichte erzählt und noch lange nachwirkt.

David ...

„Endlosschleifentage“ ist ein Buch über den Verlust und die Individualität der Trauer. Es ist ein wunderschönes und emotionales Buch, das eine sehr authentische Geschichte erzählt und noch lange nachwirkt.

David verliert seine Frau tragisch bei einem Autounfall. Mit im Auto war ihre gemeinsame beste Freundin Kinga, die - mit einem schwer verletzten Bein - nun bei ihm wohnt. Zunächst stützen sie sich in ihrer Trauer, doch schon bald zeigt sich, dass beide ganz unterschiedlich mit dem Verlust umgehen.

David findet in Marie, die er auf dem Friedhof kennenlernt, und in der Musik Trost und kann sich im Alltag kleine Lichtpunkte erkämpfen. Die Charaktere und deren Beziehung finde ich absolut authentisch umgesetzt. Dabei spielen Liebe und Verbundenheit ebenso eine Rolle wie Verletzung und Distanz. Die handelnden Personen haben Ecken und Kanten und genau das liefert so viel Identifikationsfläche.

Mit Marie hat der Autor zudem einen etwas unkonventionellen Charakter ins Spiel gebracht, der einen Finger auf gesellschaftliche Konventionen legt und provoziert. Ich empfand das als sehr erfrischend, da es einen zarten Humor mit in die Geschichte bringt, der der Geschichte die Schwere nimmt. Außerdem bekommt man so den Spiegel vorgehalten und setzt sich gedanklich doch sehr intensiv damit auseinander, was Trauer für den einzelnen bedeutet und wie unterschiedlich der Umgang damit sein kann.

Das Buch liest sich einfach gut und ist von Anfang bis zum Ende stimmig. Mir hat es viel Freude bereitet und ich kann es wirklich empfehlen.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Humorvoll und wissenswert

True Crime in Nature
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True Crime in Nature ermöglicht uns einen sehr spannenden und teils skurrilen Blick in die Tier- und Pflanzenwelt. Dabei unterhält es uns prächtig mit einem kurzweiligen Stil, viel - teils flapsigem - ...

True Crime in Nature ermöglicht uns einen sehr spannenden und teils skurrilen Blick in die Tier- und Pflanzenwelt. Dabei unterhält es uns prächtig mit einem kurzweiligen Stil, viel - teils flapsigem - Humor und lustigen Illustrationen.

Ich bin eigentlich kein Sachbuchleser - meistens beginne ich motiviert und verliere nach 1/3 den Atem. Das war bei diesem Buch anders - nicht zuletzt weil es einfach super locker und voller kleiner Wortspiele geschrieben wurde. Mir hat das sehr gefallen.

Dabei kam dennoch die Fachlichkeit nicht zu kurz - und ich habe wirklich sehr viel gelernt. Was noch recht vorhersehbar mit der Geschichte vom Nesträuber Kuckuck begann, stieg schnell in die faszinierende Welt der Parasiten, Insekten, Vögel und Pflanzen ein. Freunde des True Crime kommen hier tatsächlich auf ihre Kosten, denn das kriminelle Potential der Tier- und Pflanzenwelt ist schlichtweg unausschöpflich. Ich musste wirklich mehrfach staunen, was es alles für grausame und skurrile Machenschaften gibt - wenn sie auch am Ende alle dem Arterhalt dienen.

Faszinierend fand ich in dem Kontext auch, was die Menschheit schon alles erforscht hat und das ein oder andere Mal habe ich mich gefragt, wie man solche Dinge an solch kleinen Lebewesen überhaupt feststellen kann.

Etwas unschlüssig bin ich bezüglich des Einsatzes der Fotos. Diese sind schön und wurden von der Autorin selbst aufgenommen - allerdings erscheinen sie mir stilistisch als Störfaktor und ich habe sie bis zum Einsatz des ersten Bildes auf Seite 40 tatsächlich auch nicht vermisst. Vielleicht auch, weil die Illustrationen zwar nicht realitätsgetreu aber sehr lustig und passend sind. Und da die Fotos von der Autorin kommen, konnten auch nur die verwendet werden, die sie gemacht hat. So dachte ich immer mal wieder, dass wenn man schon Fotos verwendet, man dies auch häufiger hätte machen können. Bzw, dass an manchen Stellen eines schön gewesen wäre, wo es dann keines gab.

Insgesamt kann ich das Buch guten Gewissens allen empfehlen, die sich mal auf eine etwas andere Art mit dem Tierreich befassen wollen und die Spaß an einem sehr humorvollen und dennoch lehrreichen Umgang mit dem Thema haben.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Interessanter Öko-Thriller

Die Herde
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In China verlässt eine Herde Elefanten ihr sicheres Revier und zieht nach Norden - eine Spur der Verwüstung hinter sich herziehend. Während der Zoologe Peter versucht, die Elefanten vor einem beauftragten ...

In China verlässt eine Herde Elefanten ihr sicheres Revier und zieht nach Norden - eine Spur der Verwüstung hinter sich herziehend. Während der Zoologe Peter versucht, die Elefanten vor einem beauftragten Großwildjäger zu retten, merkt er, dass die Lage in China sich an anderen Orten der Erde mit anderen Tierarten wiederholt. Die Zeit rennt und es wird nicht leicht, die Mächtigen zu überzeugen, dass es hier Zusammenhänge gibt und die Ursachenforschung bedeutend ist.

In recht schnell wechselnden Kapiteln reisen wir zwischen Mexiko, China und Amerika hin und her. Dieses Tempo nimmt einen mit und erhöht durch die kleinen Cliffhänger auch immer wieder die Spannung.

Die Charaktere haben mir überwiegend sehr gut gefallen. Ich hatte den Eindruck sie gut kennenlernen zu können und jede Person hatte auch ein Päckchen zu tragen, was sie interessanter und authentischer machte. Einzig der „Bösewicht“ war mir etwas zu übertrieben gestaltet. Am Höhepunkt ist er schon arg zu einer Karikatur geworden, hier hätte etwas weniger auch gereicht.

Ich würde das Buch jetzt nicht als klassischen Thriller bezeichnen, aber es bietet auf jeden Fall eine spannende Geschichte und thematisiert wichtige Themen. Es zeigt sehr eindrücklich, dass der Mensch mit seinem Verhalten und seiner Lebensweise Einfluss auf die Natur nimmt und damit auf den Lebensraum der Tiere. Es ist ein Buch, das definitiv Denkanstöße liefert.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Distanzierter Schreibstil

Yoko
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Yoko, Inhaberin einer Glückskeksmanufaktur und mehrfaches Opfer von Vergewaltigungen tritt aus ihrer Opferrolle heraus und wird zum Racheengel. Dafür muss sie sich mit der chinesischen Mafia anlegen - ...

Yoko, Inhaberin einer Glückskeksmanufaktur und mehrfaches Opfer von Vergewaltigungen tritt aus ihrer Opferrolle heraus und wird zum Racheengel. Dafür muss sie sich mit der chinesischen Mafia anlegen - kein ungefährliches Unterfangen.

Insgesamt muss ich schon sagen, dass mich das Buch irgendwie gepackt hat. Ich habe es sehr zügig durchgelesen, fand es sehr spannend und sowohl in Sachen Story als auch vom Schreibstil her originell. Der Autor war mir bis dato noch nicht bekannt.

So ist das Buch sehr arm an Dialogen und wenn es welche gibt, sind diese listenartig notiert. Das Buch arbeitet komplett ohne Anführungszeichen. Kann man machen, konnte ich mich gut drauf einlassen. Was mir allerdings gefehlt hat, ist die Nahbarkeit der Charaktere, allen voran von Yoko. Durch den sehr erzählenden und distanzierten Stil ist sie mir irgendwie fremd geblieben, ebenso wie alle anderen. So gingen mir die diversen tragischen Szenen auch nicht so wirklich ans Herz.

Da mir Charaktere, Psychologie und Emotionen insgesamt sehr wichtig sind, fehlte mir hier etwas. Aber als eine etwas andere Spannungslektüre zwischendurch hat es für mich gut funktioniert und ein bisschen neugierig bin ich nun doch auf die Fortsetzung: 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Erschreckend realistisches Szenario

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Dieses Hörbuch ist heftig - und das liegt in erster Linie an den beängstigenden Szenarien, die hier den Handlungsrahmen liefern. Es sind solche, die erschreckend oft an aktuelle Dynamiken erinnern, die ...

Dieses Hörbuch ist heftig - und das liegt in erster Linie an den beängstigenden Szenarien, die hier den Handlungsrahmen liefern. Es sind solche, die erschreckend oft an aktuelle Dynamiken erinnern, die den Finger tief in gesellschaftlich-politische Wunden legen und sich darin dann genüsslich drehen. Die Themen sind vielschichtig, es geht um Rassismus, Politik, die Diskrepanz zwischen Fakten und Meinung und nicht zuletzt die Macht künstlicher Intelligenz.

Marc-Uwe Kling versteht es meisterlich, gesellschaftliche Themen, oft gehörte Argumente und Diskussionen aufzugreifen und dem Leser um die Ohren zu hauen. Und wäre es nicht alles so traurig und erschreckend wahr, könnte man vielleicht auch darüber lachen. So bleibt einem das Lachen im Hals stecken, denn wir bewegen uns hier schon deutlich mehr in der Realität als auf satirisch sicherem Boden.

An den Autor als Sprecher seines eigenen Buches musste ich mich erst gewöhnen, mir kam es stilistisch oft zu monoton vor. Allerdings ist die Stärke dieser Umsetzung, dass Kling die Hoheit darüber hat, wie er den Text gelesen haben möchte. Und ich finde, es kam gut rüber, was er selbst empfindet und ich habe mich mit der Zeit gut eingefunden.

Aus meiner Sicht ein wichtiges, ein erschreckend wahres, ein mutiges Buch, das zumindest mich nach dem Verklingen des letzten Wortes sprachlos hat innehalten lassen. Das Buch wirkt definitiv nach.

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