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Veröffentlicht am 19.03.2020

Sieben Leben

Das eiserne Herz des Charlie Berg
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Charlie Berg ist eine Art moderner Jean-Baptiste Grenouille. Er ist neunzehn, hat ein schwaches Herz, ist ein Außenseiter und hat die Nase eines Bluthundes. Seine Wahrnehmung kann Düfte in Atome zerlegen ...

Charlie Berg ist eine Art moderner Jean-Baptiste Grenouille. Er ist neunzehn, hat ein schwaches Herz, ist ein Außenseiter und hat die Nase eines Bluthundes. Seine Wahrnehmung kann Düfte in Atome zerlegen und er kann Duftspuren auch noch geraume Zeit später folgen. Seine Eltern sind Künstler - seine Mutter nie zuhause, sein Vater kifft und jammt im Keller. Seine siebenjährige Schwester ist Savant-Autistin, also jemand mit Inselbegabung. Charlie ist derjenige, der irgendwie versucht, die Familie zusammenzuhalten und dabei noch den großen deutschen Roman zu schreiben, der ihn berühmt machen soll. Und dann geht alles schief und Tote pflastern seinen Weg.

Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses Buch bewerten soll. Es ist eindeutig ein Unfall, einer mit viel Blut und Körperflüssigkeiten. Man möchte sich abwenden, und doch fährt man im Schritttempo an der Unfallstelle vorbei und versucht, alles mitzubekommen, all die schrecklichen Details. Der Autor ist eindeutig das Alter Ego des Protagonisten - natürlich hoffe ich, dass er weniger Leichen im Keller hat - aber ansonsten passt es. Wie es um seine Nase bestellt ist, weiß ich nicht, aber sicher ist, dass er schreiben kann. Allerdings übertreibt er es manchmal mit den Metaphern (ein Gedicht in der Kurve einer Bobbahn, ehrlich jetzt?) und was er an Poesie hinten aufbaut, reißt er vorne mit seinem Geschlecht wieder ein. Ich formuliere das mit Absicht so, wer das Buch liest, weiß, was ich meine. Manchmal hat man wirklich das Gefühl, die feuchten Träume eines vorpubertierenden Zwöfljährigen zu lesen, eines, der wie Freund David Käfer keinerlei Maß und Hemmung besitzt. Auch nach über 700 Seiten weiß ich nicht, was mir der Autor eigentlich sagen möchte, es liest sich im Endeffekt wie das Tagebuch von jemandem, der mehr Drogen nimmt, als er verträgt. Zum ersten Mal in meiner Rezensentenlaufbahn muss ich sagen: Lest es selbst und entscheidet für euch, ich kann lediglich eine Keine-Ahnung-was-ich-geben soll-Bewertung verteilen. Wäre also in der Regel 3 Punkte, da der Autor jedoch schreiben kann (auch wenn er das nicht immer so zeigt), bekommt er noch einen Bonus. 3,5/5 Punkten für einen buchpreiswürdigen Unfall, von dem ich meinen Blick nicht abwenden konnte.

Veröffentlicht am 18.03.2020

Morde in der Mandschurei

Mutter Omoshis Pfeife
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Leslie L. Lawrence ist ein Völkerkundler, und als solcher studiert er in verschiedenen Klostern Europas einen vergessenen Teil von Chinas Geschichte. Seltsamerweise sterben dabei immer wieder Mönche in ...

Leslie L. Lawrence ist ein Völkerkundler, und als solcher studiert er in verschiedenen Klostern Europas einen vergessenen Teil von Chinas Geschichte. Seltsamerweise sterben dabei immer wieder Mönche in seiner Umgebung - und wenn ihn nicht alles täuscht, werden sie von einem geheimnisvollen Mönch umgebracht. Als er sich wenig später bei einer Expedition in der Mandschurei befindet, geht das Sterben und Morden weiter und Leslie und die Mitglieder der Expedition bekommen langsam den Verdacht, dass hinter den Morden jemand steht, der seit über 300 Jahren tot sein sollte ...

Das ist mal ein Abenteuer, wie es auch Karl May oder Indiana Jones hätte passieren können. Auch Leslie zeichnet sich durch krasse Fähigkeiten aus - er ist schlagfertig (in jeder Hinsicht), beherrscht ein Dutzend Fremdsprachen, hat ein Händchen für Frauen und versucht meistens, sich menschlich zu verhalten. Zusammen mit ihm tappt man lange im Dunkeln, worum es eigentlich sämtlichen Parteien und dem Mörder gehen könnte. Da es für mich nach Jahren mal wieder ein Re-Read war, blieb die Überraschung natürlich aus, aber ich weiß genau, dass ich beim ersten Mal lesen nicht dahinterkam. Wenn mich was stört, dann vielleicht die exzessive Verwendung von Auslassungspunkten und dass nur Frauen Leslie widerstehen können, die sich Gott versprochen haben, ansonsten ist das eine kurzweilige Geschichte für alle, die noch Abenteuer erleben möchten.

Veröffentlicht am 16.03.2020

Zauberlehrlinge

Die Magier von Paris
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Claire Delune kommt aus einem traurigen Grund von ihrem Internat nach Hause: ihr Vater ist gestorben. Jetzt ist die Zwölfjährige die Letzte aus ihrer Familie, die noch zaubern kann, aber sie ist nur ein ...

Claire Delune kommt aus einem traurigen Grund von ihrem Internat nach Hause: ihr Vater ist gestorben. Jetzt ist die Zwölfjährige die Letzte aus ihrer Familie, die noch zaubern kann, aber sie ist nur ein Lehrling, wie soll sie das Familienerbe weiterführen? Dann lernt sie Rafael Belleson kennen, den gleichaltrigen Sohn des Erzfeindes ihres Vaters. Auch dieser starb unter ungeklärten Verhältnissen - am selben Tag wie ihr eigener! Und dann gibt es noch einen erwachsenen Zauberer in Paris, der etwas plant, sodass Claire und Rafael nichts anderes übrig bleibt, als sich zusammenzuschließen und ihre Kräfte zu vereinen.

Mir gefiel der Anfang ziemlich gut, gerade die Sache mit den Vorfahren, die in der Mauer sind, Ratschläge geben und sich wohlfühlen. Warum das allerdings nur Männer waren und die auch nur zu viert, wurde mir bis zum Schluss nicht klar. Scheinbar hat die Autorin was gegen Mütter und/oder Frauen, denn die Tante in Claires Haushalt war - gelinde gesagt - seltsam und gefährdend mit ihren giftigen Fröschen, die Mütter der Kinder tot/verschollen und die andere Frau, die noch auftauchen durfte, äußerst unsympathisch. Allgemein hätte der Aufbau des Buches meiner Meinung nach durchdachter laufen müssen, gerade was die Rückblenden auf Aristide und die beiden anderen Zauberer betrifft, dann wäre die Lösung, was sowohl mit ihm als auch mit Baltasar passiert ist, nicht so wie im Nachhinein eingeschoben worden. Alles in allem war es zwar nett zu lesen, konnte mich aber nicht gänzlich überzeugen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 15.03.2020

Schnell hin, schneller wieder weg

Four Dead Queens
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Keralie ist siebzehn und eine Taschendiebin in Quadarra, dem viergeteilten Land, das von vier Königinnen beherrscht wird. Alle Quadranten haben eine Besonderheit - einer ist besonders technisch, der nächste ...

Keralie ist siebzehn und eine Taschendiebin in Quadarra, dem viergeteilten Land, das von vier Königinnen beherrscht wird. Alle Quadranten haben eine Besonderheit - einer ist besonders technisch, der nächste legt Wert auf Natürlichkeit, wieder einer schätzt die Freuden des Lebens über alles und so weiter. Keralie arbeitet für einen jugendlichen Gangsterboss und wird von diesem als sein bestes Pferd im Stall geschätzt. Eines Tages stiehlt sie einem Boten Erinnerungschips und als es hart auf hart kommt, wird sie gezwungen, diese zu schlucken und zu sehen, was da drauf ist. Plötzlich werden sie und der Bote gejagt, doch auch im Palast der vier Königinnen ist es nicht mehr sicher, denn ein Attentäter trachtet ihnen nach dem Leben.

Eigentlich habe ich mir das sehr cool vorgestellt: eine taffe Heldin, eine actionreiche Handlung. Doch auch, wenn es sich vom Schreibstil her schnell lesen lässt, war ich am Ende enttäuscht. Die Protagonisten bekamen so wenig Fleisch auf die Rippen, ich konnte sie nicht greifen. Keralie ging mir schnell mit ihrer Art auf die Nerven und der Bote ... na, hm. Der war ernsthaft. Und ernst. Und ehrlich. Sorry, das reicht mir nicht. Dazu kommt, dass ein kriminelles Genie alles um einhundert Schritte vorausgeplant hat - andererseits bekommt man schon mittendrin erzählt, wer dahintersteckt. Echt jetzt? Das ist uncool, warum wird das nicht verschleiert? Wo ist da noch die Spannung? Nicht zu vergessen, dass unser Attentäter mitten durchs Schloss schleicht, tagelang, Königinnen ermorden will, die eigentlich gut bewacht werden - außer wenn sie es dann nicht mehr werden? Wie logisch ist das? Und woher wusste das kriminelle Genie oder Attentäter von den versteckten Zetteln der einen Königin? Hier passte einiges nicht zusammen, auch nicht die plötzliche Zuneigung der beiden Protagonisten zueinander. Hätte man durchaus viel mehr draus machen können. Mit viel Wohlwollen gibt's noch knappe 3 Punkte. Sehr knappe.

Veröffentlicht am 12.03.2020

Sprung ins Ungewisse

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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Im Jahre 2020 verursachte ein gewaltiger Vortex die Vermengung der Welt. Seitdem gibt es Menschen, die mit diversen Elementen verbunden sind – sie können Stürme entstehen und Bäume wachsen lassen, Feuerbrünste ...

Im Jahre 2020 verursachte ein gewaltiger Vortex die Vermengung der Welt. Seitdem gibt es Menschen, die mit diversen Elementen verbunden sind – sie können Stürme entstehen und Bäume wachsen lassen, Feuerbrünste entfachen oder einfach im Wasser leben. Etwa 80 Jahre später sind diese Vermengten und die Menschen Todfeinde, und die Vortexläufer sperren Vermengte in Zonen ein. Elaine ist eine Anwärterin zur Läuferin, doch an dem Tag, als ihre letzte Prüfung statttfindet, passiert etwas mit ihr im Vortex – sie gewinnt nicht nur das Rennen, es stellt sich heraus, dass sie besondere Fähigkeiten besitzt. Doch bevor diese erforscht werden können, wird die Zentrale in Neu London von Feuervermengten angegriffen und Elaine gelangt in die Gefangenschaft einer Gruppe Vermengter. Dort muss sie ihre ganzen Ideale und ihr Wissen neu überdenken, doch viel Zeit bleibt ihr dabei nicht. Plötzlich sind so ziemlich alle hinter ihr her und ihre einzige Hilfe ist ein Junge, der sie zutiefst verachtet.

Ich gebe zu, ich habe eines der typischen 08/15-Bücher erwartet und wurde angenehm überrascht. Nicht nur, dass die Autorin schreiben kann und weiß, wie sie Spannung hält, sie hat eine wirklich faszinierende schöne neue Welt geschaffen, die auf den zweiten Blick so schön dann doch nicht ist. Ihre Protagonistin ist nicht unbedingt sympathisch, aber sie macht eine gute Entwicklung durch und mir gefällt, dass bei der sich anbahnenden Romanze keiner gleich seinen Verstand und sein Höschen verliert. Was ich auch mochte, war, dass man bei dem männlichen Protagonisten manchmal wirklich spürte, dass er sich mit 13 aus der „echten“ Welt ausgeklinkt und nur wenig Erziehung oder Unterricht seitdem erhalten hat. Er ist manchmal bockig und stur wie ein Pubertierender. So kann ich sagen, dass ich wirklich Spaß am Lesen hatte und den zweiten Teil auf der Stelle lesen möchte.