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Veröffentlicht am 28.03.2026

Ein packender historischer Roman

Der Fährmann
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Zwei Dörfer an der deutsch-östereichischen Grenze, getrennt durch die Salzach. Ein Fluss, der in diesem Buch für Verbindungen und Trennungen, Vertrauen und Misstrauen, Freude und Trauer steht.
Der historische ...

Zwei Dörfer an der deutsch-östereichischen Grenze, getrennt durch die Salzach. Ein Fluss, der in diesem Buch für Verbindungen und Trennungen, Vertrauen und Misstrauen, Freude und Trauer steht.
Der historische Roman spielt in der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Hannes, Elisabeth und Annemarie verbindet eine enge Freundschaft.
Doch ihre Wege werden sich trennen. In der damaligen Gesellschaft waren die weiteren Lebenswege vorprogrammiert. Hannes, bestimmt dazu, der neue Fährmann zu werden. Ein Leben in Einsamkeit, ohne Familie, ständig den Gefahren des Flusses ausgesetzt.
Hannes wird durch den ganzen Roman nicht nur die Verbindung zwischen den beiden Dörfern sein, sondern auch das Bindeglied zwischen den Personen und in der Handlung. So wird der Beruf des Fährmann auch zum Symbol seines Lebens.
Elisabeth wird gezwungen den Sohn des Großbauern heiraten, einen brutalen und unbarmherzigen Menschen. Obwohl ihr Herz von Kind an für Hannes , den Fährmann schlägt, der diese Liebe auch erwidert.
Annemarie,die Tochter der Wirtsleute, verdammt dazu, freundlich zu den Gästen, vor allem den Männlichen zu sein. Gezwungen, allen Wünschen nachzugeben.
Ein Schreibstil, der einen direkt packt. Versetzt in eine andere Zeit, mit anderen Werten und Regeln, als die, die uns geläufig sind. Eine Zeit, in der Frauen zu gehorchen hatten. Eine Zeit, in der Männer sich nehmen konnten, was sie wollten.
Diese Konstellationen führen zu Schicksalsschlägen, unglücklichen Verbindungen, Tod und Kummer. Der Beginn des Ersten Weltkrieges nimmt den Dörfern die Männer. Die Frauen, auf sich alleine gestellt, lernen, dass auch sie etwas zählen.
Nach allen tragischen Entwicklungen findet der Roman ein gutes Ende. Die Liebesgeschichte ein runden Abschluss.
Regina Denk hat die damaligen Umstände, die untergeordnete Rolle der Frau und die herrschende Gewalt in den Familien vor dem historischen Hintergrund toll in Szene gesetzt. Ein lesenswerter und packender historischer Roman.


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Veröffentlicht am 28.03.2026

Wem kann man trauen?

Das Gehöft
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Leo Brandt, der Autor, bislang kenne ich ihn nur, unter anderem Namen, als Verfasser einer ausgezeichneten Krimireihe.
Hier hat er einen Thriller vorgelegt, der schon auf dem Cover ein düsteres Szenario ...

Leo Brandt, der Autor, bislang kenne ich ihn nur, unter anderem Namen, als Verfasser einer ausgezeichneten Krimireihe.
Hier hat er einen Thriller vorgelegt, der schon auf dem Cover ein düsteres Szenario bietet. Handlungsort, eine Hallig, das ist die Abgeschiedenheit schon Programm.
Lara und ihr Lebensgefährte Henry ziehen mit einem weiteren Paar und Laras autistischen Bruder Malte auf diese Hallig. Die idealistische Vorstellung der fünf ist die ökologische Bewirtschaftung der Hallig.
Der Prolog lässt schon ahnen, dass es vielleicht doch nicht alles so idyllisch werden könnte.
Zunächst ist alles gut, Silke ist Ärztin, Lara Biologin, Henry und Kenan IT-Experten. Doch dann ändert sich das Wetter, eine Sturmflut wird angekündigt. Es kommt zum Streit mit Henry, Malte verschwindet und Lara findet sich in einem Albtraum wieder. Sie weiß nicht mehr, wem sie noch trauen kann, am allerwenigsten vielleicht Henry.
Der größte Pluspunkt des Thrillers ist die Beschreibung der Atmosphäre. Die ungestüme Gewalt des Wetters, die Einsamkeit auf der Hallig, schaffen ein Kopfkino, bei dem man den Regen spürt und den Wind heulen hört.
Das Thema Vertrauen, Misstrauen und wie schnell so etwas umschlagen kann, ist gut gelungen. Als Leser stellt man sich ständig die Frage, wo das Motiv liegen könnte.
Einige Entwicklungen sind anders gelaufen, als man erwartet hatte, andere Handlungsstränge waren dagegen offensichtlich.
Was mich etwas gestört hat, war die Naivität, wie die fünf diesen Umzug angegangen sind. Stellenweise hätte es dann auch etwas weniger Drama und Wetter sein dürfen.
Überhaupt nicht gepasst hat für mich der Epilog, der auch keinen Mehrwert für die Handlung geboten hat.
Insgesamt aber ein spannender und unterhaltsamer Thriller, der aber an die Krimireihe nicht heranreicht.



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Veröffentlicht am 21.03.2026

Spannender Serienstart

Dunkelmann
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Dunkelmann von Jacob Weinreich und Lars Findsen punktet mit erschreckend realitätsnaher Handlung und einer kontinuierlich vorhandenen Spannung. Maja Birk und Daniel Hartmann ermitteln für den dänischen ...

Dunkelmann von Jacob Weinreich und Lars Findsen punktet mit erschreckend realitätsnaher Handlung und einer kontinuierlich vorhandenen Spannung. Maja Birk und Daniel Hartmann ermitteln für den dänischen Geheimdienst, ein Leben, das mit der “James Bond” Vorstellung nichts gemeinsam hat. Eigene Wünsche und Privatleben werden dem Job untergeordnet, Risiken für Leib und Leben an der Tagesordnung.
Findsen, als ehemaliger Chef des dänischen Geheimdienstes, gewährt dem Leser einige interessante Einblicke in die Arbeit der Geheimdienste.
Dieser politische Thriller kommt zum größten Teil ohne Gewalt aus. Die Spannung entsteht subtil im Hintergrund, da das Ziel lange im Dunklen bleibt.
Es werden mehrere Handlungsstränge kombiniert und die Leser durch die Türkei, Dänemark und Grönland geschickt.
Die Mischung aus wirtschaftlichen Interessen, authentischen Charakteren und aktuellen Bezügen ( Interesse an Grönland und der Aufbau einer neuen Seidenstraße) die macht diesen Thriller lesenswert.
Wer politische Thriller liebt, ist hier genau richtig. Von mir eine klare Empfehlung.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Nicolaus von Verdun und der Dreikönigenschrein

Der Schrein der Könige
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Der Schrein der Heiligen Drei Könige, wohl eines der bekanntesten Reliquiare der Welt. Gold, Silber, Edelsteine, prunkvoll steht es im Mittelpunkt des Kölner Dom, der Kathedrale, die extra für den Schrein ...

Der Schrein der Heiligen Drei Könige, wohl eines der bekanntesten Reliquiare der Welt. Gold, Silber, Edelsteine, prunkvoll steht es im Mittelpunkt des Kölner Dom, der Kathedrale, die extra für den Schrein errichtet wurde.
Diesem Kunstwerk widmet sich Sabine Weiss in ihrem neuesten historischen Roman. Das Cover stellt den Schrein vor dunkelrotem Hintergrund gold schimmernd in den Vordergrund.
Im Jahr 1164 überführte der Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige aus dem eroberten Mailand nach Köln.
Der Goldschmied Nicolaus von Verdun, dem historisch Teile des Schreins zugeordnet werden, wird nach Köln berufen, um den Schrein zu bauen.
Damit kommen wir zum Fokus des Romans, der Goldschmied und seine Familie. Da es hier keine historischen Belege gibt, ist die Geschichte rund um Nicolaus komplett fiktiv.
Familiäre Angelegenheiten, die Schwierigkeiten mit den in Köln ansässigen Goldschmieden, kirchliche und weltliche Herrscher, die bei der Gestaltung des Schreins eigene Vorstellungen haben, all dies bestimmt einen großen Teil des Romans. Die Atmosphäre in Köln, das alltägliche Leben mit all seinen Gepflogenheiten und Regeln ist sehr authentisch dargestellt. Die Handwerkskunst der Goldschmiede wird dem Leser nahe gebracht.
Was mir fehlt, ist eine deutlichere Einbettung in die damaligen historischen Ereignisse. Das kommt etwas zu kurz, auch wenn der Fokus offensichtlich auf der Familie liegt, habe ich mir da mehr erhofft.
Der Roman selbst ist unterhaltsam, der Schreibstil flüssig und bildhaft. Zu den Charakteren baut man sehr schnell eine Verbindung auf. Man hofft, bangt, leidet und freut sich mit den Figuren. Manches ist etwas überzogen, so dass man denkt, das hätte es jetzt nicht gebraucht, aber es bleibt im Rahmen.
Ein Personenverzeichnis und Anmerkungen zum historischen Hintergrund vervollständigen die Lektüre.
Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, dem etwas mehr Historie und dafür weniger Familie gut getan hätten.


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Veröffentlicht am 13.03.2026

Eine Kindheit im Krieg

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna
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Westpommern 1938, im Mittelpunkt steht die Geschichte der Familie Gehrken, die sich in dem kleinen Dorf ein neues Leben aufgebaut hat.
Sie arbeiten hart, sind tief im katholischen Glauben verwurzelt und ...

Westpommern 1938, im Mittelpunkt steht die Geschichte der Familie Gehrken, die sich in dem kleinen Dorf ein neues Leben aufgebaut hat.
Sie arbeiten hart, sind tief im katholischen Glauben verwurzelt und immer hilfsbereit den Mitmenschen gegenüber. Die Familie besteht aus den Eltern Paula und Bernhard, dem Großvater, Hanna und ihren drei Brüdern. Später wird noch die kleine Schwester Rosa geboren, der Hannas ganzes Herz gehört.
Das Besondere an der Geschichte ist, dass sie aus der Perspektive von Hanna erzählt wird, also auch mit all ihren kindlichen Gedanken und Empfindungen.
Die Herrschaft der Nationalsozialisten macht auch vor dem kleinen Dorf nicht halt und wir erleben hautnah, wie die Ideologie das Leben der Familie beeinflusst und ein Dorf zunehmend in zwei Lager gespalten wird.
Wir begleiten die Familie und Hanna bis zur Flucht im Jahr 1945. Das Buch liest sich wirklich gut. Aber es gibt auch Kritikpunkte. Die Welt von Hanna bleibt erstaunlich unberührt und der Familie scheint es an wenig zu fehlen, was etwas verharmlosend wirkt. Das Thema der Flucht wurde relativ kurz abgehandelt, obwohl dort etwas Wesentliches passiert, das Hanna bis an ihr Lebensende begleiten wird. Das Buchende war für mich leider sehr unrealistisch.
Insgesamt aber ein Roman, der sich gut lesen ließ und einen EInblick in diese dunklen Jahre gegeben hat.

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