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Veröffentlicht am 25.11.2024

Spannender Einblick in eine Mutter-Töchter-Beziehung

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
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Über einen Zeitraum von 20 Jahren beschreibt Anna Brüggemann die Beziehungsdynamik zwischen Mutter Regina und ihren beiden Töchtern Wanda und Antonia, deren eigene Persönlichkeitsentwicklung sowie die ...

Über einen Zeitraum von 20 Jahren beschreibt Anna Brüggemann die Beziehungsdynamik zwischen Mutter Regina und ihren beiden Töchtern Wanda und Antonia, deren eigene Persönlichkeitsentwicklung sowie die mehr oder weniger gelungene Abgrenzung der Töchter. Regina, Nachkriegskind, in der eigenen Elternbeziehung nicht satt geworden, beständig nach Anerkennung und Bestätigung hungernd, sehr hart und fordernd sich selbst aber auch ihrem Ehemann und ihren Töchtern gegenüber - eine Figur, die aufgrund der eigenen narzisstischen Persönlichkeitsstruktur erst mal wenig Sympathien hervorruft und doch spürt man beim Lesen, unter welchem Druck sie steht (u.a. in fortgeschrittenem Alter nochmal eine Dissertation zu verfassen). Sehr spannend fand ich die jeweilige Entwicklung der beiden Töchter und deren unterschiedlichen Möglichkeiten sich aus der Verstrickung zu lösen bzw. darin zu verharren (Thema "nicht satt werden"(dürfen) bei einer der beiden Töchter). Interessant fand ich zudem die Idee der Autorin, die Mutter als Psychotherapeutin arbeiten zu lassen bzw. auch deren Dissertstionsthema über Eltern-Kind-Beziehungen - dabei immer sich selber als "nicht ausreichend genährtes" Kind im Blick und die Beziehung zu ihren Töchter so wenig realistisch reflektieren könnend. Über den Titel, der zunächst etwas sperrig klingt, musste ich lange nachdenken, und hat sich für mich erst durch die Worte der Autorin im Rahmen eines Interviews erschlossen: "Ich finde außerdem interessant, wie die Konkurrenz unter Schwestern eher indirekt ausgetragen wird, das Messen an der eignene Mutter aber auch. Vordergründig sind Frauen (Mütter, Schwestern) nett zueinander, aber nachts – also im Unterbewussten – brodelt es."
Alles in allem habe ich das Buch sehr gerne gelesen und würde es jedem empfehlen, der sich für die ganz besondere Dynamik zwischen Müttern und Töchtern, aber auch deren Persönlichkeitsentwicklung über einen längeren Zeitraum interessiert. Es regt zum Austausch und Mitfühlen an. Ich gebe dem Buch gerne 4.5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Hölzerner Schreibstil und inhaltliche Längen

Das Buch der neuen Anfänge
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Den Vorgängerroman der Autorin kannte ich nicht, hatte aber viel Gutes gehört und bin mit der Erwartung auf eine herzerwärmende Geschichte an einem kuscheligen Herbstabend gestartet. Anfangs fühlte es ...

Den Vorgängerroman der Autorin kannte ich nicht, hatte aber viel Gutes gehört und bin mit der Erwartung auf eine herzerwärmende Geschichte an einem kuscheligen Herbstabend gestartet. Anfangs fühlte es sich für mich an, als würde man im Ferrari versuchen über einen brandenburgischen Feldweg zu fahren. Den Schreibstil empfand ich als sehr holprig und ich musste mein Lesetempo ordentlich drosseln. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, vielleicht ist es aber auch einfach der Stil der Autorin. Es wurde im Laufe der Geschichte besser, aber nur in einzelnen Passagen kam so etwas wie ein Lesefluss für mich auf. Die Geschichte um Joanne, die nach einer gescheiterten Beziehung einen Neuanfang im Schreibwarenladen ihres Onkels startet, ist grundsätzlich ganz hübsch - skurrile und liebenswerte Figuren, die tatkräftige Umgestaltung des in die Jahre gekommenen Ladens, das Anbahnen neuer Freundschaften in einer "veeery british" höflichen Weise. Und gleichzeitig hat der Roman Längen. Besonders die Idee, die die Autorin um längst verstorbene Persönlichkeiten eines berühmten Londoner Friedhofs, entwickelt, fühlte sich für mich eher nach einem Workshop für Autoren mit Schreibblockade an und konnte mich überhaupt nicht packen. In der Summe mit dem für mich etwas sperrigen Schreibstil und der thematischen Längen musste ich mich öfters überwinden, das Buch zu Ende zu lesen. Um mit dem im Buch sich mehrmals wiederholenden Satz "Ein Platz für alles, und alles an seinem Platz" abzuschließen, darf das Buch in den öffentlichen Bücherschrank weiterwandern, in der Hoffnung es möge dort doch noch seinen Fan finden.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Poetisch und farbenfroh

Die Geschichte vom zauberbunten Garten
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Am Rande einer grauen Stadt, die leer und anonym erscheint, wohnt eine alte Frau in ihrem liebevoll angelegten Garten. Deren farbenfrohen Blumen finden mal ganz versteckt dann wieder intensiv farbig und ...

Am Rande einer grauen Stadt, die leer und anonym erscheint, wohnt eine alte Frau in ihrem liebevoll angelegten Garten. Deren farbenfrohen Blumen finden mal ganz versteckt dann wieder intensiv farbig und groß ihren Weg zu den Menschen. In einfacher Sprache wird diese kleine verträumte Geschichte über das Teilen von Glück erzählt. Beim Ansehen der Bilder ging mir das Herz auf, wie von den ersten grauen Bildern ein Wechsel zu intensiv bunten Illustrationen erfolgt. Dabei wirken die Bilder teils verschleiert, leicht neblig, was einen traumartigen Eindruck hinterlässt. Die Bilder wirken poetisch und erreichen sicher nicht nur Kinder, sondern auch den einen oder anderen Erwachsenen. Meine Kinder empfanden die Bilder teilweise etwas düster und gleichzeitig üben sie eine Faszination aus, auf die man sich emotional vielleicht auch ein wenig einlassen muss. Ein feines und tiefsinniges Buch. Ich bin dankbar, über dieses Kinderbuch auf die Illustratorin Stella Dreis aufmerksam geworden zu sein, die unter anderem 2023 den Deutschen Kinderbuchpreis für die beste Illustration bekommen hat, da deren Bilder tatsächlich ästhetisch etwas Besonderes sind und sich von anderen Kinderbüchern abheben.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Wunderbares Buch darüber, dass Sehnsucht nach Liebe und Lebendigkeit kein Alter kennt

Ava liebt noch
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Bei Lesebeginn hatte ich wenig Erwartungen und war dann schneller in der Geschichte als gedacht. Gefühlt haben sich die Blätter beim Lesen wie von selber umgeblättert. Sehr nachvollziehbar schreibt Vera ...

Bei Lesebeginn hatte ich wenig Erwartungen und war dann schneller in der Geschichte als gedacht. Gefühlt haben sich die Blätter beim Lesen wie von selber umgeblättert. Sehr nachvollziehbar schreibt Vera Zischke von Ava, einer 43 jährigen Mutter, die zugunsten ihrer Familie den eigenen Job aufgegeben hat und nun mehr oder weniger im Funktionsmodus den Familienalltag durchschifft. Leidenschaft und persönliche Begeisterung - Fehlanzeige. Bis sie den fast 20 Jahre jüngeren Kieran trifft und plötzlich sich in einer Liebesbeziehung voller Sinnlichkeit und Lebendigkeit wiederfindet. Ich hab das Buch sehr gerne gelesen. Sowohl sprachlich als auch von der Figurenentwicklung her empfand ich den Roman gelungen und unterhaltsam. Persönlich blieb mir Kieran bis zum Schluss etwas oberflächlich und wenig differenziert dargestellt. An einigen Stellen hat der Kitsch doch ganz vorsichtig um die Ecke geblinzelt... Aber das sind auch schon die einzigen kleinen Kritikpunkte. Insgesamt war es ein toller Roman - teils humorvoll, immer wieder authentisch und emotional, manchmal nachdenklich stimmend. Vermutlich ein Buch mit hohem Identifikationspotential für viele Frauen.

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Veröffentlicht am 22.10.2024

Mütter und ihre eigenen kleinen Monster

Kleine Monster
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Angesprochen durch das fein gestaltete Cover und die Leseprobe bin ich mit einiger Vorfreude ins Buch gestartet in Erwartung eines psychologisch interessanten Familienromans. Die Geschichte hat zu Beginn ...

Angesprochen durch das fein gestaltete Cover und die Leseprobe bin ich mit einiger Vorfreude ins Buch gestartet in Erwartung eines psychologisch interessanten Familienromans. Die Geschichte hat zu Beginn tatsächlich einen gewissen Sog. Dabei ist die Sprache klar und schnörkellos. Der 7 jährige Sohn soll in der Schule ein Mädchen übergriffig behandelt haben und schweigt. In der Mutter entstehen Ängste und Sorgen, kennt sie ihr Kind wirklich? Das muss doch ein Irrtum sein. Gleichzeitig liest sich zwischen den Zeilen heraus, dass auch die Mutter als Kind Teil einer Tragödie war. Vieles scheint unausgesprochen und ungeklärt zu sein. Und während der Vorfall in der Schule mehr und mehr in den Hintergrund tritt, bekommt der Leser eine Ahnung, welche "kleinen Monster" die Ich-Erzählerin in sich trägt. Allerdings verliert mich der Roman leider ab der Mitte zunehmend. Beim Lesen entstanden immer mehr Fragen in meinem Kopf und mir war es dann am Ende tatsächlich etwas zuviel der Ungeklärtheiten und es blieb das Bild einer unschönen familiären Tragik mit einer Protagonistin, die wenig Sympathie und Mitgefühl auslöst, zurück. Wenn man als Leser die Aufklärung des Vorfalls in der Schule in den Hintergrund stellen kann zugunsten der Thematik um eine komplexe Mutterfigur, die durchaus beim Lesen polarisiert, wird man mit "Kleine Monster" seine Freude haben.

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