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Veröffentlicht am 12.05.2021

Eine Geschichte die zeigt, dass Entfernung kein Hindernis ist

Long Distance Playlist
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Eine Fernbeziehung, das klingt meistens direkt kompliziert und nicht sonderlich langwierig. In „Long Distance Playlist“ lernt man aber, dass es auf seine eigene Weise schön und einzigartig sein kann. Nachdem ...

Eine Fernbeziehung, das klingt meistens direkt kompliziert und nicht sonderlich langwierig. In „Long Distance Playlist“ lernt man aber, dass es auf seine eigene Weise schön und einzigartig sein kann. Nachdem Isoldes Freund sie betrügt und sie ihn dabei sogar noch erwischt ist es aus zwischen den beiden. Isolde ist total am Boden zerstört und vergeigt dann auch noch ihr Ballettvortanzen, was aber so wichtig für sie war, weil sie davon träumt an eine große Ballettschule gehen zu können. Alles ist blöd, bis sich Taylor bei ihr meldet, ein Freund aus Neuseeland, den sie schon ihr ganzes Leben kennt. Sie können sich nicht oft sehen, da Isolde in Australien lebt und nach einem großen Streit hatten sie lange Zeit keinen Kontakt miteinander. Doch die Freundschaft blüht in vielen Mails und Playlists, die Taylor für Isolde zusammenstellt, wieder auf und es ist Hoffnung in Sicht, denn schon bald wird Isolde mit ihrer Familie nach Neuseeland reisen und sie können sich endlich wieder sehen. Eine Geschichte über das feste Band einer so langen Freundschaft und das Prickeln, das sich daraus entwickelt.

„Long Distance Playlist“ war mein erstes Buch von Tara Eglington und auch mein erstes Young-Adult Buch und zu Beginn hat es mir auch noch wirklich gut gefallen, meine Begeisterung nahm aber im Laufe des Buchs immer weiter ab.

Das Buch ist nicht klassisch als Fließtext geschrieben, sondern ein Wechsel aus Mails, Chatnachrichten, Fließtext und auch den Playlists, die Taylor für Isolde erstellt. Trotz, dass Emotionen und Gefühle durch Textnachrichten theoretisch nicht so gut übermittelten werden können, da sie einfach nicht direkt angesprochen werden können, kam doch sehr viel beim Leser an und es fehlt insofern an nichts. Anfangs sind es sehr viele Mails und Nachrichten und wenig erzählter Fließtext, das ändert sich aber gegen Ende, wenn sich Isolde und Taylor sehen, weil dann müssen sie sich ja nicht mehr schreiben. Mir hat die Mischung aus den verschiedenen Erzählformen wirklich sehr gut gefallen, da so alles etwas aufgelockert wurde und man viel Abwechslung beim Lesen hatte. Teilweise sind es dann doch sehr viele Nachrichten und es kratzte immer etwas an der Grenze zu „zu viel“, war aber immer noch in einem angenehmen Rahmen.

Wie bereits erwähnt, hat mir das Buch im Laufe des Lesens leider immer weniger gefallen. Das liegt unter anderem am Spannungsbogen, der zwar in gewisser Weise da war, dann aber nie wirklich überrascht hat. Zu Beginn gab es für mich viele verschiedene Wege, wie es im Buch weiter und am Ende auch ausgehen kann. Das brachte etwas Spannung rein und ich wollte dann auch unbedingt weiterlesen. Im Verlauf der Geschichte wird dann aber leider immer wieder der offensichtlichste Weg eingeschlagen, sodass die Stimmung schon etwas kippte. Ich habe dann auf einen großen Plottwist gehofft, der kam aber nie, wodurch der Geschichte das gewisse Etwas, das sie einzigartig macht und vor allem wodurch sie in Erinnerung bleibt, fehlt. Das ist sehr schade, weil dadurch komplett die Dynamik und auch die richtige Handlung fehlt. Man hat das Gefühl, dass nicht wirklich viel passiert, weil immer das offensichtlichste eintritt, was man eigentlich schon ausgeschlossen hat, weil es zu offensichtlich ist.

Trotzdem gibt es sehr viele schöne Szenen, in denen ich das Kribbeln zwischen Taylor und Isolde selbst spüren konnten und die wirklich sehr schön geschrieben waren. Diese Szenen gaben mir beim Lesen ein wirklich angenehmes Gefühl und ich war wirklich gerne in deren Welt. Das war aber leider nicht bei allen Szenen der Fall.

Die Personen finde ich an sich alle sehr authentisch. Taylor und Isolde haben beide schon einiges erlebt und auch die Personen um sie herum runden die Geschichte ab. Teilweise fand ich sie dann aber doch etwas kindisch, aber das ist eben auch das Genre. Man hätte manche Streits zwischen den Personen verhindern können, weil es einfach Missverständnisse waren und das hat mich dann beim Lesen einfach so genervt, weil es Passagen im Buch gibt, in denen sich ein Missverständnis an das nächst reiht, das war dann teilweise zu viel und dann war ich einfach zu genervt, sodass auch dadurch mein Gesamteindruck vom Buch schlechter wurde.

Das Ende war für mich dann leider auch nicht rund. Das Buch hört einfach auf, ohne klaren Abschluss. Ich bin ein großer Fan von offenen Enden, weil man dann seiner Kreativität einfach nochmal freien Lauf lassen kann. Bei „Long Distance Playlist“ bleibt aber einfach viel zu viel offen und es wird kein Rahmen für weiteres Kopfkino geboten. Ein Epilog hätte hier definitiv geholfen, denn so fehlt der Geschichte am Ende einfach etwas, was sie abrundet und den Leser mit einem guten und angenehmen Gefühl zurücklässt.

Am Ende lässt mich das Buch leider mit nicht so einem guten Gefühl zurück. Ich war anfangs wirklich begeistert, dann fehlte mir aber einfach in der zweiten Hälfte einiges und schließlich auch ein Plottwist, der etwas Schwung in die Geschichte bringt. Es war ein auf und ab der Gefühle zwischen Wohlführen und genervt sein von den Charakteren. Ich würde das Buch jemandem empfehlen, der etwas für Zwischendurch sucht und einfach etwas lockeres lesen möchte, aber nicht jemandem, der auf viel Spannung hofft.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 05.04.2021

Eine wunderschöne Geschichte vom Alltag einer Mutter, die zum Lachen, aber auch zum Weinen bringt…

Kleine Wunder überall
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„Kleine Wunder überall“, die muss man im Alltag erstmal entdecken – und genau das lernt die Protagonistin Charlotte im Laufe dieses wunderschönen Romans. Charlotte ist Mitte 30, Mutter von zwei Mädchen ...

„Kleine Wunder überall“, die muss man im Alltag erstmal entdecken – und genau das lernt die Protagonistin Charlotte im Laufe dieses wunderschönen Romans. Charlotte ist Mitte 30, Mutter von zwei Mädchen und absolute Perfektionistin. Zumindest soll es nach außen so wirken, denn sie möchte neben ihrem Mann Markus erfolgreich in deren Agentur sein, aber auch die perfekte Mutter für ihre Töchter. Markus ist ihr aber im Alltag nicht wirklich eine Hilfe, denn er sitzt lieber stundenlang auf dem Klo oder wirft ein Auge auf die frisch getrennte, gutaussehende Salome Schwalbenbach, eine potentielle Kundin. Und dann taucht auch noch Charlottes Mutter Barbara auf, die vor 20 Jahren die Familie verlassen hat. Barbara taucht aber nicht ohne Grund auf, denn sie ist schwer krank und benötigt Hilfe von Charlotte. Aber kann Charlotte ihr verzeihen und über viele Enttäuschungen hinwegsehen? Und kennt sie wirklich die gesamte Geschichte, weshalb Barbara sie damals verlassen hat? Die Geschichte von dem Alltag einer Mutter, die lernt zu verzeihen, ihren Perfektionismus abzulegen und schließlich ihr Leben überdenkt und einmal komplett umkrempelt.

Der erste Eindruck, den mir das Buch gab, war super. Das Cover ist wunderschön und man steckt bereits nach der ersten Seite mitten im stressigen Alltag von Charlotte. Zu Beginn rechnete ich mit einer leichten lustigen Geschichte für zwischendurch, das wandelt sich allerdings im Laufe des Buches etwas. Es wird immer klarer, dass hinter dem lustig-leichten Schreibstil eine traurige Geschichte mit viel Tiefgang steckt. Und genau das habe ich an dem Buch auch so sehr geliebt: es ist so lustig und leicht geschrieben, wenn man allerdings etwas mehr hinter die Fassade blickt, entdeckt man doch sehr viel Tiefgang und das macht die Geschichte wahnsinnig facettenreich! Das schafft eine sehr angenehme Atmosphäre beim Lesen zwischen vielen Lachern, aber auch der ein oder anderen Träne. Das Thema Krankheit ist oftmals sehr bedrückend in Büchern, was hier aber, trotz dass es sehr ausführlich behandelt wurde, nicht der Fall war, weil einfach ein sehr angenehmer Humor immer wieder dazu gestreut wurde. Katrin Lankers hat es geschafft, den Kontrast zwischen Leben und Tod perfekt und angenehm miteinander zu vereinen!

Das gesamte Buch über helfen Metaphern immer wieder, sich Situationen bildlich vorzustellen und liefern schöne und klare Bilder im Kopfkino. Genauso ist es auch bei den Charakteren, denn sie alle verkörpern ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, welche durch die Namen super gut unterstützt werden. Die kleine, süße Finja; die pubertierende Merle; die gutaussehende und unsympathische Salome Schwalbenbach, die Namen passten für mich alle perfekt zu den beschriebenen Charakteren und lieferten mir sofort Bilder.

Katrin Lankers hat wirklich sehr interessante und authentische Charaktere erschaffen, die alle auch ihre Fehler haben, aber doch perfekt so sind, wie sie sind. Charlotte ertrinkt schon fast in ihrem Perfektionismus, aber sie lernt im Laufe der Geschichte, dass es auch einfach mal in Ordnung ist, wenn im Haus nicht alles perfekt aufgeräumt ist. Sie macht eine super schöne Wandlung im Buch, die auch den Leser lehrt, dass nicht immer alles perfekt sein kann, man sich selbst nicht vergessen darf und Veränderungen gut sein können. So lernt auch ihr Mann Markus, was es heißt sich alleine um zwei Töchter und den Haushalt zu kümmern und bekommt Charlottes Leben zu spüren. Und so lernen alle Personen im Laufe des Buches voneinander und nehmen uns mit, als sie lernen, dass alle Geschichten mehrere Sichtweisen und Seiten haben.

Die Geschichte ist teilweise vorhersehbar und die großen unerwarteten Wendungen bleiben aus, das ist aber vollkommen in Ordnung so. Denn so kann man sich voll und ganz auf die Emotionen und die Geschichten der Personen konzentrieren – ein besonderer Plot Twist würde da einfach nur stören. Trotzdem überrascht uns die Geschichte immer wieder mit kleinen Details, die mir oft auch Tränen in die Augen getrieben haben, weil sie traurig und wunderschön zugleich waren. Nicht jede Geschichte benötigt einen besonders steilen Spannungsbogen und diese hier kam definitiv perfekt mit einem leichten klar, der sie perfekt und rund machte.


Mich hat das Buch total fasziniert, weil es bedrückende Themen sehr angenehm behandelt hat und nie seinen Humor verloren hat. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, weil ich mich in Charlottes Welt total wohl gefühlt habe und mich gut in die Geschichte fühlen konnte. Die Geschichte ist aus dem echten Leben und ich bin mir sicher, dass viele andere Mütter sich in der ein oder anderen Situation selbst wiederfinden, aber genau das macht sie eben auch aus: sie ist simpel und real, aber total schön erzählt. Ich kann „Kleine Wunder überall“ also definitiv empfehlen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Atmosphäre