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Veröffentlicht am 07.02.2026

Highlight

Der gefrorene Fluss
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Dies ist die beeindruckende Geschichte einer Hebamme aus dem 18.Jahrhundert, die mich als Hörbuch knappe 16 Stunden begleitet hat und die ich von Anfang bis Ende geliebt habe.

Martha Ballard ist eine ...

Dies ist die beeindruckende Geschichte einer Hebamme aus dem 18.Jahrhundert, die mich als Hörbuch knappe 16 Stunden begleitet hat und die ich von Anfang bis Ende geliebt habe.

Martha Ballard ist eine empathische, zupackende Persönlichkeit, die mit ihren 50 Jahren einen großen Erfahrungsschatz gesammelt hat und bei den vielen Geburten, die sie begleitet hat, nie eine Frau verloren hat.

Ihr medizinisches Wissen ist umfangreich, so dass sie auch zu einer Untersuchung gerufen wird, als aus dem gefrorenen Fluss des Städtchens eine Leiche geborgen wird. Sie attestiert Mord an dem Kerl, dem Keiner im Ort eine Träne nachweint. Denn er war beteiligt an der Vergewaltigung der Pfarrersfrau, die nun zu allem Übel auch noch schwanger ist. Der aufgeblasene Arzt, Dr. Pears widerspricht ihrer Einschätzung später, doch Martha lässt sich nicht beirren.

Die Autorin baut von Anfang an Spannung auf, wobei ihr Roman auf historischen Fakten basiert, sie diese aber mit fiktiven Elementen weitererzählt. Martha Ballard war eine kluge Frau, sie konnte lesen und schreiben, kämpfte für Frauenrechte und begehrte gegen die Ungerechtigkeiten ihrer Zeit auf. Unterstützung bekam sie uneingeschränkt von ihrem Ehemann Ephraim und ihren inzwischen erwachsenen Kindern. Die Kombination zwischen historischem Roman und Kriminalgeschichte konnte mich überzeugen.

Ich könnte mir diese Geschichte so gut verfilmt vorstellen und das winterliche Setting in Maine passte gerade wunderbar in die Jahreszeit.

Eine große Empfehlung für dieses Hörbuchhighlight, welches mich nicht zuletzt durch die wunderbare Erzählstimme von Sandrine Mittelstädt begeistern konnte.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Zwischen Freiheit und Fürsorge - eine Mutter - Tochter Geschichte

Halbinsel
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Die Vorstellung, dass die erwachsene Tochter , die längst ausgezogen ist und ein erfolgreiches Leben jenseits ihres Elternhauses führt, plötzlich wieder zu Hause einzieht und ihren Lebensweg komplett in ...

Die Vorstellung, dass die erwachsene Tochter , die längst ausgezogen ist und ein erfolgreiches Leben jenseits ihres Elternhauses führt, plötzlich wieder zu Hause einzieht und ihren Lebensweg komplett in Frage stellt, ist krass.

Genau das passiert Annett, nachdem ihre Tochter Linn während eines Vortrages einen Zusammenbruch erleidet.

Linn möchte sich zunächst ein paar Wochen bei ihrer Mutter an der Nordsee erholen, doch dann löst sie ihren Hausstand auf , renoviert ihr altes Kinderzimmer und nimmt eine Hilfstätigkeit in einer Bäckerei an.

Annett macht sich Sorgen und die Spannungen zwischen Mutter und Tochter nehmen zu. Sie müssen sich aussprechen, doch das ist nicht einfach. Linn hat sich seit dem Abitur mit dem Klimawandel befasst, ihr Studium und ihr weiterer Werdegang, alles war darauf ausgerichtet etwas zu bewirken. Jetzt ist sie in der Realität angekommen, frustriert und desillusioniert. Hat sie überhaupt noch eine Zukunft?

Warum sind an die Wünsche ihrer Mutter immer Erwartungen geknüpft?

Auf der anderen Seite wird Linn jetzt, wo sie wieder Zuhause wohnt erst die Leistung ihrer Mutter bewusst, sie alleine großgezogen zu haben.

Die Trauer über ihren Mann, der so plötzlich in jungen Jahren verstorben ist, musste diese konsequent an die Seite schieben, denn sie hatte ein Kind zu versorgen.

Die Geschichte beinhaltet viele innere Monologe von Annett, wobei sich auch immer wieder ihrer toter Mann in ihre Gedanken schleicht und sie überlegt, was er jetzt wohl gesagt hätte. Linn‘s Gedanken fallen etwas in den Hintergrund und werden hauptsächlich indirekt von Annett wiedergegeben. Ich hätte Linn‘s Sicht gerne noch etwas näher beleuchtet gesehen.

Mir gefiel Kristine Bilkau‘s ruhiger Erzählstil aber gut und ich konnte mich besonders gut in Annett hineinversetzen.

Das Ende ist offen und lässt Platz für einen eigenen Schluß. Das mag ich nicht immer, aber zu dieser Geschichte passt es gut.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Zu wirr und leider fehlte es auch an Spannung

Himmelerdenblau
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20 Jahre ist es jetzt her, dass Julie, im Alter von 16 Jahren entführt wurde. Den Jahrestag nehmen sich die Podcaster Liv und Philipp zum Anlass den Fall nochmal neu zu besprechen und bei der Recherche ...


20 Jahre ist es jetzt her, dass Julie, im Alter von 16 Jahren entführt wurde. Den Jahrestag nehmen sich die Podcaster Liv und Philipp zum Anlass den Fall nochmal neu zu besprechen und bei der Recherche vielleicht auch auf neue Spuren zu stoßen. Julie‘s Vater , der an Demenz erkrankte Herzchirurg Theo Novak, schöpft neue Hoffnung und erklärt sich bereit für ein Interview zur Verfügung zu stehen. Seine Tochter Sophie ist dagegen, kann ihren Vater aber nicht von seinem Vorhaben abbringen.

Gut gefallen hat mir die Art und Weise wie Theo dargestellt wurde. Mal hatte er klare Tage, dann wiederum war er sehr verwirrt und unberechenbar. Er erhält in einigen Kapiteln eine eigene Stimme, und es war sehr berührend seinen Kampf gegen das Vergessen mitzuerleben , seine Wortfindungsstörungen und seine Verzweiflungsausbrüche, die er kaum steuern kann. Während Liv sehr mitfühlend ist und sich immer bemüht Theo nicht vorzuführen, wurde mir Philipp immer unsympathischer. Er war sehr berechnend und nur darauf aus, seine vorgefertigten Meinungen zu untermauern, um als der Held dazustehen, der einen Cold Case in seinem Podcast erfolgreich lösen konnte. Dich natürlich läuft so gar nichts nach Plan.

Es gibt immer wieder Passagen, die die Geschichte unnötig in die Länge ziehen und die es für den Plot nicht gebraucht hätte. Die ein oder andere Wendung fand ich zu wirr. Alles in allem war es ganz unterhaltsam aber für einen Thriller fehlte es an Spannung.

Ich mochte „Liebeskind“, das Buch mit dem Romy Hausmann bekannt geworden ist, deutlich lieber.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Eine Ehe auf dem Prüfstand

Die Liebe, später
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Kora und Anselm, zwei gestandene Persönlichkeiten, sie eine erfolgreiche Journalistin, er Biologe, stehen mit ihrer Ehe an einem Scheideweg.

Jahrelang hatten die Beiden eine Wochenendbeziehung und dieser ...

Kora und Anselm, zwei gestandene Persönlichkeiten, sie eine erfolgreiche Journalistin, er Biologe, stehen mit ihrer Ehe an einem Scheideweg.

Jahrelang hatten die Beiden eine Wochenendbeziehung und dieser Wechsel zwischen Distanz und Nähe hat ihre Beziehung jung gehalten. Jetzt hat Anselm die Rente eingereicht und träumt von mehr Zweisamkeit und einem Libellenteich, den er im Garten bauen möchte. Die einige Jahre jüngere Kora muss nach einer Herz OP verkraften, dass man sie in ihrer Redaktion gerne in den Ruhestand schicken möchte. Hält ihre Ehe soviel Nähe aus? Hält sie das aus, Anselm jetzt permanent um sich zu haben?

Kora flüchtet zunächst einmal auf die Geburtstagsfeier ihrer ehemaligen Mentorin, und auch der Hilferuf eines entfernten Bekannten, ihr bei der Suche nach seiner verschwundenen Frau zu helfen, ist für Kora ein guter Vorwand die Auseinandersetzung mit der eigenen Ehe noch ein bisschen aufzuschieben.

Doch das Nachdenken und Reflektieren setzt trotzdem ein.

Bei diesem Buch habe ich ständig gedacht, ja genau, so fühle ich auch. Gisa Klönne hat genau die richtigen Worte für ein Lebensgefühl um die 60 gefunden, ganz klar nicht mehr jung, aber in der Selbstwahrnehmung noch längst nicht alt, jedoch für die Gesellschaft halt doch schon alt. Diese Angst sich als Paar im Alter nur noch schweigend gegenüberzusitzen auch wenn das zur Zeit gar nicht der Fall ist, kann ich sehr gut nachvollziehen.

Die Autorin hat einen gut lesbaren, sensiblen und nachdenklichen Schreibstil, der mir unglaublich gut gefallen hat. Zwischendurch streut sie kleine Auflistungen ein, z.b Fünf Dinge, die Anselm nicht von ihr weiß, oder Fünf Themen, über die Anselm nicht gerne spricht, Fünf Vorteile einer langjährigen Liebe. Das ließ mich kurz innehalten und für mich selbst reflektieren: „ Wie ist es denn bei mir und meinem Partner?“

Ein ganz großer Einschnitt in Kora‘s Leben war sicherlich ihre Herzerkrankung und die notwendige OP, die ihr und ihrem Mann die Endlichkeit des Lebens nochmal ganz deutlich vor Augen geführt hat. Ich glaube nach so einer Erfahrung ist man nicht mehr der Mensch, der man vorher war.

Die Kapitel mit der Überschrift „ Orionzeit“ , die immer wieder in der Geschichte auftauchen, beinhalten Kora‘s Ringen mit dem Tod und ihr langsames Zurückfinden ins Leben.

Gisa Klönne hat wirklich eine ganz wunderbare Liebesgeschichte geschrieben. Ich mochte sehr, dass ihre Protagonisten schon etwas älter und lebenserfahrener sind. So konnte ich mich prima mit ihnen identifizieren.

Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Viele überraschende Wendungen

Local Woman Missing – Du wirst sie nicht finden
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Eher zufällig bin ich an diese Geschichte geraten und hatte gar keine großen Erwartungen.

Das Setting ist eine amerikanische Vorstadt mit einer auf den ersten Blick netten Nachbarschaft. Beunruhigend, ...

Eher zufällig bin ich an diese Geschichte geraten und hatte gar keine großen Erwartungen.

Das Setting ist eine amerikanische Vorstadt mit einer auf den ersten Blick netten Nachbarschaft. Beunruhigend, dass eine junge Mutter nicht vom Joggen zurückkehrt und bald als vermisst gemeldet werden muss. Noch beunruhigender, dass kurz darauf eine weitere Frau und ihre sechsjährige Tochter verschwinden. Die Polizei tappt im Dunkeln, während die Autorin den Blick der Leser auf einen dunklen Keller lenkt , in dem ein Mädchen seit langer Zeit gefangen gehalten wird.

Immer wieder springt die Handlung von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück. Plötzlich taucht nach 11 Jahren die verschwundene Delilah wieder auf. Was ist passiert und hängen die Fälle der verschwundenen Frauen irgendwie zusammen? Die Autorin deckt immer mal wieder ein Puzzleteilchen dieser Geschichte auf und führte zumindest mich als Leserin beim Miträtseln konsequent in die nächste Sackgasse. So blieb es für mich die ganze Zeit spannend und das Ende war durchaus überraschend.

Vielleicht war dieser Thriller teilweise ein bisschen konstruiert, aber mich hat die Geschichte abgeholt und wunderbar unterhalten.

Ich hatte das Buch als Hörbuch vorliegen und hatte großen Spaß an der gelungenen Vertonung.

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