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Veröffentlicht am 31.07.2025

Holly Jacksons bisher schwächstes Buch

Not Quite Dead Yet
2

Es ist der Abend von Halloween, als Margaret – genannt Jet – nach einem Jahrmarkt in ihrem eigenen Haus überfallen und schwer verletzt wird. Sie wacht zwar zwei Tage später im Krankenhaus wieder auf, doch ...

Es ist der Abend von Halloween, als Margaret – genannt Jet – nach einem Jahrmarkt in ihrem eigenen Haus überfallen und schwer verletzt wird. Sie wacht zwar zwei Tage später im Krankenhaus wieder auf, doch die Ärzte haben schlechte Nachrichten für: in ihrem Kopf steckt ein Knochensplitter, der in wenigen Tagen ein tödliches Aneurysma verursachen wird. Einzige Alternative ist eine OP, die weniger als zehn Prozent Erfolgschance hat. Jet entschließt sich gegen die OP und dafür, das Krankenhaus zu verlassen. Doch eines will sie in den verbliebenen Tagen unbedingt schaffen: ihren Mörder zu finden.

„Not Quite Dead Yet“ ist der sechste Roman der erfolgreichen Autorin Holly Jackson, die durch „A Good Girl’s Guide to Murder“ bekannt wurde, und ihr erster, der sich gezielt an Erwachsene wendet. Dennoch ist die 27-jährige Jet mit all ihren Fehlern und Schwächen sicherlich auch für Jugendliche eine Identifikationsfigur. Sie selbst ist es auch, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, so dass wir immer nur so viel wissen, wie Jet bis zu diesem Zeitpunkt herausgefunden hat, was zum Miträtseln einlädt.

Jets Familiensituation ist kompliziert. Ihre ältere Schwester Emily starb als Teenager und das Verhältnis zu ihrem Bruder Luke und dessen Frau Sophia (ehemals Jets beste Freundin) ist schwierig. Jets Mutter ist stets schroff und bestimmend, während der Vater darunter leidet, Jet seine Nierenkrankheit vererbt zu haben. Das alles führt auch dazu, dass Jet sich in ihren letzten Tagen von der Familie abwendet und Billy, ihren Freund aus Kindheitstagen, um Hilfe bei ihren Ermittlungen bittet.

Dass eine junge Frau mit einer solchen Kopfverletzung draußen herumspaziert und Detektivin spielt, ist zwar unrealistisch, das konnte ich als Prämisse der Handlung aber noch nachvollziehen, da ansonsten das Szenario, im Fall des eigenen Mordes zu ermitteln, nicht möglich gewesen wäre. Leider wirkt die letztendliche Auflösung dann sehr konstruiert und lässt viele Fragen völlig unbeantwortet. Auch fiel es mir schwer, zu Jet mit ihrem schwarzen Humor eine Beziehung aufzubauen. Für mich Holly Jacksons bisher schwächstes Buch.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 24.07.2025

Moderner Reiseführer für Zugfans

Japan – Die schönsten Zugreisen
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In ihrem kürzlich erschienenen Reiseführer „Japan. Die schönsten Zugreisen“ stellt uns die freie Journalistin Aimie Eliot, die seit 2020 selbst in Tokyo lebt, ausführlich Routen und Sehenswürdigkeiten ...

In ihrem kürzlich erschienenen Reiseführer „Japan. Die schönsten Zugreisen“ stellt uns die freie Journalistin Aimie Eliot, die seit 2020 selbst in Tokyo lebt, ausführlich Routen und Sehenswürdigkeiten für das Reisen auf der Schiene vor. Dabei zeigt sie, wie effizient und dicht Japans Eisenbahnnetz ist und dass man mit dem Zug auch in die entlegensten Winkel der vier Hauptinseln gelangt. Das ist vor allem attraktiv, wenn man bedenkt, dass der Zug noch immer das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ist.

Zu Beginn des Reiseführers finden wir zunächst eine Karte, auf der alle beschriebenen Strecken eingezeichnet und mit unterschiedlichen Farben markiert sind. Diese Farben werden weiter hinten bei der ausführlichen Etappenbeschreibung wieder aufgenommen, so dass die Zuordnung stets klar und verständlich ist. Ein einführendes Kapitel erzählt anschließend von der Geschichte der japanischen Bahn, die über 30.000 Kilometer Schienennetz verfügt und im Schnitt nur eine Minute pro Zug verspätet ist. Der 1964 eingeführte Shinkansen kommt sogar nur auf 20 Sekunden Verspätung im Mittel. Kein Wunder also, dass die Bahn in Japan beliebt ist und neben einem Fernsehsender und verschiedenen Zeitschriften sogar eine Vielzahl an Fanartikeln besitzt.

Die vorgestellten Strecken sind in unterschiedliche Etappen eingeteilt. Viele davon haben die Großstädte Tokyo, Kyoto oder Osaka als Ausgangspunkt, andere hingegen führen quer über die vier Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu. Dabei ist jede Etappe mit Bildern versehen und liefert wichtige Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Fahrzeiten, Ticketpreisen, Restaurants, Übernachtungsmöglichkeiten oder sogar Ideen für Mitbringsel aus der Region. Zwischendurch gibt es auch allgemeine Informationen, zum Beispiel zu bestimmten Blütezeiten, japanischen Toiletten, Verhaltensregeln oder dem Railpass. Ein Glossar und ein Register von A bis Z runden den Reiseführer ab.

Fazit: Ein umfassender, modern gestalteter Reiseführer für alle, die Japan gerne per Zug erkunden möchten

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Emotionaler Roman über Demenz und eine Familie zwischen zwei Kulturen

Onigiri
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Als Aki vom Tod ihrer Großmutter erfährt, ist ihr klar, dass sie ihre demenzkranke Mutter Keiko noch einmal in ihre Heimat Japan bringen will, bevor das vielleicht nicht mehr möglich ist. Während der Vorbereitungen, ...

Als Aki vom Tod ihrer Großmutter erfährt, ist ihr klar, dass sie ihre demenzkranke Mutter Keiko noch einmal in ihre Heimat Japan bringen will, bevor das vielleicht nicht mehr möglich ist. Während der Vorbereitungen, auf der gesamten Hinreise und im Hotel wirkt Keiko verloren und scheint nicht recht zu begreifen, was vor sich geht. Ein Besuch in ihrem Elternhaus, bei ihrem Bruder und der Schwägerin bringt jedoch endlich ein wenig Ruhe und fördert Erinnerungen zutage. Zum ersten Mal seit langer Zeit scheint Keiko wieder in der Lage, für sich selbst zu sprechen und zu entscheiden.

„Onigiri“ ist der Debütroman der studierten Kulturwissenschaftlerin Yuko Kuhn. Zuletzt war sie an der Hochschule für Film und Fernsehen München tätig und arbeitet seit diesem Jahr als freiberufliche Autorin. Die Handlung wird aus der Sicht von Aki in der Ich-Perspektive und der Gegenwartsform erzählt, so als würden wir Tochter und Mutter auf ihrer Reise begleiten. Dabei lenkt die Autorin nicht nur den Fokus auf Demenz als Erkrankung, sondern zeichnet auch das Bild einer komplizierten Familie zwischen zwei Kulturen.

Es scheint, als sei Keiko nach ihrer Heirat mit einem deutschen Mann nie ganz angekommen. Dessen Eltern, Akis Großeltern, schlossen die „fremde“ Frau stets aus, so dass nie ein richtiges Verhältnis zwischen ihn entstand – nach der Trennung von Keiko und Karl und dessen Versuch, sich das Leben zu nehmen, wurde dieser Graben nur noch größer. Erst in hohem Alter schafft Keiko es zum ersten Mal, den Schwiegereltern die Stirn zu bieten und schlägt eine Einladung einfach aus.

Besonders emotional sind die Szenen zwischen Aki und ihrer dementen Mutter. Keiko vergisst immer wieder Lebensereignisse, wie zum Beispiel den Tod ihrer Mutter, und Aki muss ihr stets dieselben Dinge erklären. In einigen Momenten vergisst sie sogar, dass sie überhaupt Kinder hat. Yuko Kuhn beschreibt sehr eindringlich, wie Aki dabei an ihre Grenzen gerät und oft auch die Geduld verliert, während ihr Bruder Kenta oder ihr Mann Felix immer ruhig und besonnen bleiben.

Fazit: Ein emotionaler Roman über einen Abschied auf Raten und eine Familie zwischen Japan und Deutschland

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Body Horror mit wichtigen Themen

Das Beste sind die Augen
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Seit ihr Vater sie verlassen hat, ist Ji-wons Familie wie erstarrt. Die Mutter weint viel und lauscht ständig an der Wohnungstür auf die Rückkehr ihres Mannes. Auch Ji-wons jüngere Schwester Ji-hyun wartet ...

Seit ihr Vater sie verlassen hat, ist Ji-wons Familie wie erstarrt. Die Mutter weint viel und lauscht ständig an der Wohnungstür auf die Rückkehr ihres Mannes. Auch Ji-wons jüngere Schwester Ji-hyun wartet sehnsüchtig auf ihn. Doch dann lernt die Mutter George kennen, einen weißen Amerikaner mit einem Fetisch für asiatische Frauen. Der nistet sich nun in der Familie ein, obwohl er nicht einmal die Namen der Töchter richtig aussprechen kann und sie daher nur JW und JH nennt. Darüber hinaus wirft er ihnen anzügliche Blicke zu, was die Mutter nicht zu bemerken scheint oder gar nicht erst bemerken will. Doch Ji-won ist sich sicher: sie wird Mutter und Schwester beschützen – egal wie!

„Das Beste sind die Augen“ ist das Debüt der koreanischen Amerikanerin Monika Kim, deren Eltern – wie auch die im Roman – in die USA eingewandert sind; die deutsche Übersetzung stammt von Jasmin Humburg. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der 18-jährigen Ji-won in der Ich-Form und im Präsens, so dass wir unmittelbar ihren Abstieg in den Wahn miterleben. Im Verlauf der Handlung steigert sie sich immer mehr in den Aberglauben hinein, dass es Glück bringt, die Augen eines Fisches zu essen und entwickelt eine starke Obsession für Augen im Allgemeinen. Durch Interaktionen mit Ji-hyun oder mit ehemaligen Freundinnen fangen wir außerdem an, ihre Rolle als Erzählerin anzuzweifeln. Stimmt etwas mit Ji-won nicht?

„Das Beste sind die Augen“ ist vordergründig zunächst ein Body Horror-Roman, spricht aber auch wichtige Themen an. Es wird beschrieben, wie schwer es Ji-wons Familie gefallen ist, in den USA Fuß zu fassen und wie sie immer noch Außenseiter geblieben sind. Zudem geht es um Gewalt gegen Frauen: Die Mutter wird von George ausgenutzt, für den asiatische Frauen nur Lustobjekte oder bessere Putzfrauen sind. Und auch Ji-won wird an der Uni von einem Kommilitonen gestalkt. Darüber hinaus stellt sie auch die eigene Sexualität in Frage, was vor dem Horrorthema leider in den Hintergrund rückt.

Fazit: Ein verstörender Roman mit wichtigen Themen, der am Ende etwas übertreibt

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Was macht den Menschen aus?

Toward Eternity
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In einer nahen Zukunft ist es Forschern gelungen, mit einer experimentellen Therapie Krebs zu heilen. Dabei werden menschlichen Zellen durch so genannte Naniten, also Roboterzellen, ersetzt. Überwacht ...

In einer nahen Zukunft ist es Forschern gelungen, mit einer experimentellen Therapie Krebs zu heilen. Dabei werden menschlichen Zellen durch so genannte Naniten, also Roboterzellen, ersetzt. Überwacht wird dieses Projekt in Kapstadt von Dr. Mali Beeko, die sich jedoch gerade einem Problem gegenüber sieht: Der Literaturwissenschaftler Dr. Yonghun Han – ihr Patient Eins – ist verschwunden. Hat die neue Nanitentechnologie etwas damit zu tun?

„Toward Eternity“ ist der erste Roman des preisgekrönten Übersetzers Anton Hur, der zum Beispiel die Texte von Bora Chung oder Park Seolyeon ins Englische übertrug. Hurs eigenes Werk übersetzte Cornelius Reiber, wobei der Autor selbst sich dafür einsetzte, dass dessen Name auf dem Cover genannt wird. (Wie es, ehrlich gesagt, ja auch sein sollte!) Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive der verschiedensten Figuren, mal in der Vergangenheits-, mal in der Gegenwartsform, aber immer aus der Ich-Perspektive. Das lässt uns die Geschichte sehr unmittelbar erleben.

Neben Dr. Beeko und Dr. Han spielen noch weitere wichtige Charaktere eine Rolle. Da ist zum Beispiel Ellen van der Merwe, eine Cellistin und Patientin Zwei, die nach der Nanitenbehandlung mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Oder Pandit, ein Computerprogramm für die Analyse literarischer Texte, das von Dr. Han erschaffen wurde und ein eigenes Bewusstsein zu besitzen scheint. Und schließlich sind da noch die Evas, eine Armee von Soldatinnen, die alle aus demselben Prototyp eines Nanodroiden erschaffen wurden – doch auch in ihnen regt sich ein eigener Wille. Verbunden werden die einzelnen Kapitel durch ein Notizbuch, in welchem die Figuren ihre Gedanken festhalten.

„Toward Eternity“ spricht eine Vielzahl von interessanten Themen an: Wenn alle Zellen des eigenen Körpers ersetzt werden, ist man selbst dann überhaupt noch ein Mensch? Und was macht einen Menschen aus? Existiert die Seele? Und ist die Unsterblichkeit, die mit der Behandlung einhergeht, Fluch oder Segen? Anton Hur ist hier ein grandioser Roman gelungen – nur hätte ich gerne bei manchen Figuren länger verweilt.

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