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Veröffentlicht am 15.10.2025

Morde in den malerischen Cotswolds

Das Geheimnis der weißen Weihnacht
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Es ist kurz vor Weihnachten und die berühmte Psychiaterin und Hobby-Detektivin Mrs Beatrice Adela Lestrange Bradley beschließt, die Feiertage bei ihrem Neffen Jonathan und seiner frisch angetrauten Ehefrau ...

Es ist kurz vor Weihnachten und die berühmte Psychiaterin und Hobby-Detektivin Mrs Beatrice Adela Lestrange Bradley beschließt, die Feiertage bei ihrem Neffen Jonathan und seiner frisch angetrauten Ehefrau Deborah in den Cotswolds zu verbringen. Da er der örtliche Friedensrichter ist und außerdem ein Anwesen besitzt, sieht er sich verpflichtet, auch einige Personen aus dem Dorf einzuladen. Als die Feiertage überstanden sind und das Haus sich endlich wieder leert, könnte alles ganz friedlich sein – bis Jonathan draußen im Schnee eine Leiche entdeckt.

„Das Geheimnis der weißen Weihnacht“ ist bereits der 23. Band der Reihe um die eigenwillige Mrs Bradley und ihre Fälle. Leider wurden über die Jahrzehnte hinweg nur wenige Bände übersetzt; diesen, und auch den bereits erschienenen 7. Band „Geheimnis am Weihnachtsabend“, übertrug Dorothee Merkel für die Cozy Crime-Reihe von Klett-Cotta ins Deutsche. So fehlt uns natürlich der Hintergrund, wie die Protagonistin eigentlich zu ihrer Karriere als Amateurschnüfflerin kam – das tut dem Lesespaß jedoch keinen Abbruch.

Wenn man ehrlich ist, spielen die Weihnachtsfeiertage nur eine Rolle als Hintergrundkulisse, denn die erste Leiche wird erst später entdeckt. Dafür erleben wir ein klassisches Dorf mit viel Gerede, Feindschaften und sogar anonymen Schmähbriefen. Mittendrin befindet sich Mrs Bradley; sie wird entweder als harmlos wahrgenommen, weshalb man ihr alle möglichen Geheimnisse erzählt, oder als eine Bedrohung, weil sie ihre Nase in alles hineinsteckt. Da muss Chauffeur George sie schon mal mit dem Gewehr beschützen.

An der eigentlichen Kriminalhandlung hat mir vor allem gefallen, dass sie realistisch abläuft. Hier wird der Fall nicht in Rekordzeit geknackt, sondern es benötigt mehrere Monate und selbst, als schon lange klar ist, wer die Morde begangen hat, muss das erst einmal bewiesen werden. Dazu noch eine sympathische, wenn auch verschrobene Ermittlerin, zahlreiche Verwicklungen und eine tolle Atmosphäre in den malerischen Cotswolds – was will man mehr? Wenn nur endlich jemand der Reihe eine komplette deutsche Übersetzung schenken würde; sie hätte es verdient!

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Weibliche Solidarität

Plant Lady
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Yu-hee hat ihren frustrierenden Bürojob hinter sich gelassen. Da sie nichts mehr liebt, als Pflanzen, ist es nur konsequent, dass sie daraufhin einen eigenen Laden eröffnet, den sie schlicht „Pflanzen-Shop“ ...

Yu-hee hat ihren frustrierenden Bürojob hinter sich gelassen. Da sie nichts mehr liebt, als Pflanzen, ist es nur konsequent, dass sie daraufhin einen eigenen Laden eröffnet, den sie schlicht „Pflanzen-Shop“ nennt. Als Yu-hee und ein Kunde sich näher kommen, nimmt das Schicksal seinen Lauf: als er übergriffig wird, tötet sie ihn und von nun an scheint sich alles zu verselbstständigen. Immer mehr Frauen, die von Männern gequält werden, finden sich in Yu-hees Laden ein. Und sie hilft ihnen, auf sehr gründliche Weise.

„Plant Lady“ ist der erste, in deutscher Sprache erschienene Roman der Autorin und Chefredakteurin eines Filmmagazins Minyoung Kang. Die deutsche Übersetzung stammt von Kyong-Hae Flügel, die auch schon Werke von Han Kang, Un-su Kim oder Mi-ye übertrug. Der Roman wird hauptsächlich aus der Perspektive von Yu-hee erzählt, springt aber auch zu verschiedenen Nebenfiguren, wenn etwas wiedergegeben werden soll, das sich an einem anderen Ort ereignet hat. Der Stil ist recht nüchtern und steht damit im Gegensatz zu den Themen der Geschichte.

Rein zufällig etabliert sich Yu-hee in ihrem Viertel als Problembeseitigerin. Sei es ein Vater, der seine Tochter schlägt, ein Krimineller, der seine Nachbarin verfolgt oder eine ganze Gruppe von Männern, die in einer Chatgruppe heimlich anzügliche Bilder von Kolleginnen austauschen. Yu-hee ist solidarisch mit den Frauen, die zu ihr kommen, tröstet und kümmert sich um das Problem. Oft schenkt sie ihnen auch eine Pflanze, denn die scheinen ihre Sprache zu sein.

„Plant Lady“ ist ein feministisches Gedankenspiel über die Frage, was passieren würde, wenn Frauen plötzlich zurückschlagen. Und obwohl wir nach und nach etwas über Yu-hees Vergangenheit erfahren, blieb sie mir doch sehr fremd. Nicht, weil ich ihre Motivation nicht verstehen könnte, sondern weil ich abseits davon gar nicht weiß, was für ein Mensch sie ist. Was macht sie, wenn sie nicht im Laden ist? Was mag sie noch außer Pflanzen? Hat sie Freunde? Wer empfindlich auf manche Themen reagiert, sollte hier vielleicht aufpassen; es werden beispielsweise auch Tiere gequält.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Spannender Ausflug in die Welt der Kryptowährung

Bis zum Mond
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Eun-song, Ji-song und Da-hae sind Freundinnen, seit sie am gleichen Tag ihre Arbeit bei einem der führenden Snack-Hersteller Koreas aufgenommen haben. Da sie aber nicht von einer Eliteuniversität oder ...

Eun-song, Ji-song und Da-hae sind Freundinnen, seit sie am gleichen Tag ihre Arbeit bei einem der führenden Snack-Hersteller Koreas aufgenommen haben. Da sie aber nicht von einer Eliteuniversität oder aus einem der Programme des Unternehmens rekrutiert wurden, steckt ihre Karriere fest – ohne die Chance, jemals weiter aufzusteigen. Da erzählt Eun-song eines Tages, dass sie digitale Währungen für sich entdeckt und begonnen hat, in Ethereum zu investieren. Ji-song und Da-hae reagieren ablehnend, doch Eun-songs Gewinn wächst vor ihren Augen. Kann das wirklich der Ausweg aus ihrem begrenzten Leben sein?

„Bis zum Mond“ ist der erste, auf Deutsch erschienene Roman der südkoreanischen Autorin Jang Ryujin. Sie war 7 Jahre in der IT-Branche tätig, bevor sie sich Vollzeit dem Schreiben widmete. Die deutsche Übersetzung verfasste Jan Henrik Dirks. Die Geschichte spielt im Jahr 2017 und umfasst knapp 1,5 Jahre. Erzählt wird aus der Perspektive von Da-hae, die im Kreis der Freundinnen eine eher vermittelnde Position hat. Während Eun-song die Mutige ist, die sich in die neue Investition stürzt, lehnt Ji-song dieses „virtuelle Geld“ rigoros ab. Da-hae ist neugierig, will aber auch ihr hart erarbeitetes Vermögen nicht aufs Spiel setzen.

Im Zentrum des Romans steht das Thema der Klasse. Für die drei Freundinnen gibt es kaum eine Möglichkeit, ihr begrenztes Leben zu verlassen, eine größere Wohnung zu mieten oder gar ein Auto zu kaufen. Sie sind nicht wirklich arm, aber bei Weitem auch nicht reich. Eine Ausflucht wäre eigentlich nur eine Heirat, was für keine der drei so richtig in Frage kommt. Kryptowährung bietet Ihnen die Chance, endlich zu Geld zu kommen, doch sehen sich die drei auch Streitereien, fallenden Kursen und moralischen Dilemmas gegenüber. Ist es eigentlich anständig, mit „so etwas“ sein Geld zu verdienen?

„Bis zum Mond“ war mein erster Roman, der sich mit virtuellen Währungen beschäftigt und mir gefällt besonders gut, dass alle drei Protagonistinnen Frauen sind, für die das Geld auch Emanzipation bedeutet. Dennoch gelingt es der Autorin gut, auch die Schattenseiten solcher Investitionen zu beleuchten.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Ein weihnachtlicher Fall für Kater Elvis

Alle Jahre wieder mit Elvis
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Es ist Dezember in Koblenz, aber besinnliche Stimmung will nicht so recht einkehren. Oma Klärchen hat Streit mit ihren Kindern, die sie Weihnachten zu sich holen und ihr die Besuche bei ihrem Freund Josef ...

Es ist Dezember in Koblenz, aber besinnliche Stimmung will nicht so recht einkehren. Oma Klärchen hat Streit mit ihren Kindern, die sie Weihnachten zu sich holen und ihr die Besuche bei ihrem Freund Josef verbieten wollen. Und während Elvis pelzige Freundin Chloe eine Demo gegen Katzen als Geschenke unterm Weihnachtsbaum plant, beobachtet Nachbarskater Oskar die Menschen im Haus gegenüber. Irgendetwas geht dort vor sich – und tatsächlich wird bald darauf der unbeliebte Juwelier Bornemann tot aufgefunden. Klar, dass Elvis und Chloe nun wieder ermitteln müssen – und ganz nebenbei das Weihnachtsfest retten.

„Alle Jahre wieder mit Elvis“ ist bereits der zweite Band der Koblenzer Katzenkrimis der Autorin S. Sagenroth. Die Handlung folgt die meiste Zeit dem Protagonisten, Kater Elvis, wechselt aber auch die Perspektive, um etwas zu erzählen, dass er nicht sehen konnte. Zudem sind zwischen die erzählenden Kapitel der Geschichte immer wieder Gedanken der Tatverdächtigen eingeschoben, z.B. von Bornemanns Nachbar Bayo oder seiner Tochter Nora, so dass wir den Fall aus weiteren Blickwinkeln sehen können.

Wenn man sich darauf einlassen kann, macht die Vorstellung ermittelnder Katzen einfach nur Spaß. Elvis und Chloe finden alles durch Beobachtung, Zuhören oder einfach den Einsatz ihres flauschigen Charmes heraus. Dabei gelingt es S. Sagenroth immer, auch ernste Themen mit einfließen zu lassen; sei es Einsamkeit im Alter, Rassismus, familiäre Konflikte oder die wichtige Feststellung, dass Tiere nun wirklich nicht als Geschenk unter den Weihnachtsbaum gehören.

Der eigentliche Kriminalfall ist spannend, auch wenn sich eine gewisse Tendenz schon erahnen lässt. Das mag ich persönlich aber viel lieber, als hoch konstruierte Mordpläne, bei denen man den Täter sowieso nie selbst erraten kann. Ergänzt wird die Geschichte noch durch eine Playlist und einige Rezepte und macht richtig Lust, auf ein gemütliches Weihnachten. (Oder darauf, in Kater Oskars riesigem Kratzbaum zu sitzen und die Welt da draußen zu beobachten.) Und wer genau liest, entdeckt auch Freunde aus früheren Werken der Autorin. Bitte noch mehr Fälle für Elvis!

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Loyalitätskonflikt

Schwanentage
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Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ...

Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ein unabhängiges Leben führen zu können. Alles kommt jedoch ganz anders: aus dem Radio erfährt sie, dass Großvater des Jungen wegen Korruption verhaftet wurde und den restlichen Familienmitgliedern dasselbe Schicksal droht. Yu Ling muss sich entscheiden, wo ihre Loyalität liegt und was sie bereit ist, für ihren Job und ihren Schützling aufzugeben.

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und gehört zu den wichtigsten Stimmen junger Literatur. „Schwanentage“ ist ihre erste Übersetzung ins Deutsche, verfasst wurde sie von Karin Betz. Der Titel bezieht sich auf die gemeinsame Zeit von Yu Ling, Kuan Kuan und einer Gans, die der Kleine unbedingt freikaufen wollte. So wie er diese Gans als einen Schwan wahrnimmt und von seinem Kindermädchen dabei nicht korrigiert wird, so bewegt er sich auch völlig ahnungslos durch diese schwierige Zeit. Für ihn ist, dank Yu Ling, alles ein einziges Spiel und Abenteuer.

Der Roman macht die Diskrepanz zwischen den beinahe mittellosen, wenig geschätzten Hausangestellten und dem Reichtum, von dem sie umgeben sind, deutlich. So ist es an sich nicht verwunderlich, dass Yu Ling für ihre Treue gerne ein Stück des großen Kuchens abhaben möchte, vor allem ihr neuer Freund Chen Donghu bestärkt sie immer wieder in diesen Gedanken. Während Yu Ling jedoch Gewissensbisse hat, handelt eine weitere Angestellte sofort, als die Vorwürfe gegen die Familie lautwerden und verschwindet mit Schmuck und einem Teil der Einrichtung.

Auch wenn das Thema ein wichtiges ist, plätschert der Roman die meiste Zeit leider nur vor sich hin und beschreibt ausführlich, was Yu Ling kocht und was Kuan Kuan so anstellt. Das Ende jedoch hat es in sich und zeigt noch einmal umso deutlicher, welchem Konflikt Yu Ling ausgesetzt ist und welche folgenschweren Entscheidungen sie treffen muss. Hier ist „Schwanentage“ wirklich stark – die Hinleitung hätte aber kürzer sein dürfen!

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