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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2020

Paris in der Besatzungszeit

Die Königin des Ritz
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Paris 1940: Das prunkvolle Pariser Luxushotel Ritz ist zum Hauptquartier der deutschen Besatzer geworden und nur noch wenige der reichen Stammgäste, wie zum Beispiel Coco Chanel, sind geblieben. Stattdessen ...

Paris 1940: Das prunkvolle Pariser Luxushotel Ritz ist zum Hauptquartier der deutschen Besatzer geworden und nur noch wenige der reichen Stammgäste, wie zum Beispiel Coco Chanel, sind geblieben. Stattdessen wehen überall Hakenkreuzfahnen und deutsche Soldaten wohnen in den opulent ausgestatteten Zimmern.
Blanche Auzello, die temeramentvolle Ehefrau des Direktors Claude Auzello, kann es kaum ertragen, wie unterwürfig ihr Ehemann sich den Nazis gegenüber verhält. Dann beginnt sie, Aufträge für die Résistance zu übernehmen und englische Soldaten aus dem Land zu schmuggeln. Dabei geht sie große Risiken ein. Blanche ahnt nicht, dass auch Claude schon lange für die Résistance arbeitet…

Die Autorin Melanie Benjamin ließ sich für diesen Roman von der wahren Geschichte der Blanche Aurello, von der es nicht sehr viele Informationen gibt, inspirieren.
Der Roman wird im Wechsel aus den Perspektiven von Blanche und Claude erzählt. In der ersten Hälfte gibt es sehr viele Rückblicke auf ihr Kennenlernen und die ersten Jahre ihrer turbulenten Ehe. Blanche ist temperamentvoll und lebenslustig und erfüllt überhaupt nicht die Erwartungen, die Claude an eine Ehefrau hat. Weder kann sie kochen, noch sitzt sie zuhause und wartet auf ihn. Dagegen nimmt sich Claude die Freiheit heraus, ganz offen eine Geliebte zu haben, die er Donnerstags regelmäßig besucht. Da fliegen schon mal die Fetzen. Doch beide lieben das Ritz.
Dieser erste Teil des Buches hat mich ziemlich gelangweilt. Erst als beide bei der Résistance tätig sind, nimmt die Handlung an Fahrt auf und konnte mich mehr fesseln. Leider hat es auch sehr lange gedauert, bis ich mich Claude und Blanche nahe fühlte. Erst ziemlich gegen Ende der Geschichte, als auch die Handlung immer spannender und dramatischer wird, konnte ich emotional mit ihnen mitfiebern.
Das Leben in Paris und im nach wie vor glanzvollen Hotel Ritz wird sehr eindringlich und glaubwürdig geschildert. Die Pariser leiden immer mehr unter der Naziherrschaft und müssen hilflos mitansehen, was geschieht. Die Situation spitzt sich immer weiter zu.

Fazit: Leider hat es mir zu lange gedauert, bis die Handlung interessant wurde und ich einen Bezug zu den Charakteren bekommen habe. Deshalb hat mich das Buch nicht völlig überzeugt.

Veröffentlicht am 21.10.2020

Die Schlafgewohnheiten der Tiere

Die Koalas träumen hoch oben in den Bäumen
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Alle müden Kinder gehen abends in ihr Bettchen. Aber weißt du auch, wo kleine Koalabären schlafen? Wie kuscheln sich die Elefanten zusammen, wenn sie müde sind? Wo träumt wohl das dicke Nilpferd am liebsten?

„Die ...

Alle müden Kinder gehen abends in ihr Bettchen. Aber weißt du auch, wo kleine Koalabären schlafen? Wie kuscheln sich die Elefanten zusammen, wenn sie müde sind? Wo träumt wohl das dicke Nilpferd am liebsten?

„Die Koalas träumen hoch oben in den Bäumen“ ist ein niedliches Bilderbuch für das abendliche Einschlafritual. Auf den großformatigen Doppelseiten erzählt die Autorin Sabine Ludwig, die schon zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht hat, in kurzen und witzigen Reimen von den verschiedenen Eigenschaften und Schlafgewohnheiten von Krokodil, Koala, Nilpferd, Elefant, Gazelle, Otter und Kolibri. Die großen und farbenfrohen Illustrationen von Kerstin Schoene runden das Buch wunderbar ab. Kerstin Schoene war mir schon gut bekannt von einigen anderen Bilderbüchern, z.B. der „Siebenschläfer-Reihe“. Besonders gut gefällt mir an den Illustrationen, dass auch schon kleine Kinder an der Mimik der Tiere deren Stimmungslage ablesen können. Bei manchen Bildern und Ausdrücken gibt es etwas Erklärungsbedarf, doch beim Betrachten und Lesen von Bilderbüchern finde ich einen Austausch sowieso immer angebracht. Auf dem letzten Bild sind alle Tiere zusammen als Kuscheltiere im Bett des Kindes zu sehen. Eine wirklich schöne Idee, doch die Illustration ist mir persönlich zu kitschig und hat mich etwas enttäuscht. Kinder haben da aber wahrscheinlich eine andere Wahrnehmung, denn mein Enkel (2;3 Jahre) hat sich nicht darüber beschwert.

Fazit: Ein süßes und liebevoll gemachtes Bilderbuch, vom Verlag empfohlen für Kinder ab 3 Jahren.

Veröffentlicht am 09.10.2020

Der beste Teil der Reihe

Die Knochennadel
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Inhalt: Zusammen mit seiner Freundin Elisabeth und seiner Nichte Tatjana möchte Privatdetektiv Peter Hogart einen Kurzurlaub in Paris machen. Doch zuerst hat Elisabeth, eine Kunsthistorikerin, noch etwas ...

Inhalt: Zusammen mit seiner Freundin Elisabeth und seiner Nichte Tatjana möchte Privatdetektiv Peter Hogart einen Kurzurlaub in Paris machen. Doch zuerst hat Elisabeth, eine Kunsthistorikerin, noch etwas Berufliches zu erledigen. Als Auktionarin leitet sie eine Veranstaltung in der Opéra Garnier, bei der die millionenschwere „Knochennadel“, ein mittelalterliches Artefakt, versteigert wird. Als Hogart nach der Auktion zusammen mit Tatjana auf Elisabeth wartet, taucht sie jedoch nicht auf. Sie ist spurlos verschwunden - genauso wie die Knochennadel. Wenig später wird ein Kunstsammler, der auf der Auktion mitgeboten hatte, ermordet. Doch das ist nur der Anfang einer fieberhaften Suche nach Elisabeth und der Knochennadel...

Meine Meinung: „Die Knochennadel“ ist bereits der dritte Fall für Peter Hogart, doch problemlos als Einzelband zu lesen.
Die Geschichte beginnt sofort fesselnd mit dem Prolog und hält fast ununterbrochen das Tempo. Die Grundidee des Buches - die Suche nach einem mittelalterlichen Artefakt - hat mir gut gefallen. Andreas Gruber hat einfach einen mitreißenden und bildhaften Schreibstil und seine Thriller enthalten auch immer eine ganz kleine Prise Humor. Seine Charaktere beschreibt er vielschichtig, detailliert und interessant. Wie immer hält sich Hogart nicht unbedingt an die Dienstvorschriften und geht seinen eigenen Weg, weil ihm die Polizei zu langsam reagiert. Bei seinen Nachforschungen muss er mehr als einmal Prügel einstecken, doch davon lässt er sich nicht besonders beeindrucken und behält immer sein Ziel vor Augen, die Knochennadel und damit auch Elisabeth zu finden. Eine rasante Hetzjagd durch Paris und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Andreas Gruber hat dabei wirklich nicht an Leichen gespart. Leider werden einige Morde sehr blutig und brutal geschildert, was ich nicht so gern mag.
Schon relativ früh kann man gewisse Zusammenhänge erahnen, doch das beeinträchtigt keineswegs die Spannung.

Fazit: Ein temporeicher und spannender Thriller. Für mich der beste Teil der Peter Hogart Reihe.

Veröffentlicht am 05.10.2020

Spannend und verwirrend

Dein kaltes Herz
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Inhalt: Felicity ist Glaziologin und arbeitet in Cambridge für das British Antarctic Survey. Doch aus Angst vor ihrem Ehemann Freddie nimmt sie eine Stelle auf einer kleinen arktischen Insel in Südgeorgien ...

Inhalt: Felicity ist Glaziologin und arbeitet in Cambridge für das British Antarctic Survey. Doch aus Angst vor ihrem Ehemann Freddie nimmt sie eine Stelle auf einer kleinen arktischen Insel in Südgeorgien an - so weit weg wie möglich. Aber auch dort lebt sie in ständiger Angst und kontrolliert panisch die Passagierlisten der Kreuzfahrtschiffe, die regelmäßig die Insel anlaufen. Schließlich läuft das letzte Schiff vor der Winterpause ein - und tatsächlich ist Freddie an Bord…

Meine Meinung: Die Geschichte ist geschickt aufgebaut. Sie ist in vier Teile unterteilt und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Teil 1 und 4 spielen in Südgeorgien und schildern Felicitys atemlose Flucht vor Freddie in der unwirtlichen und gefährlichen Eislandschaft von Südgeorgien. Dabei verstärkt das eisige Setting die düstere und beklemmende Atmosphäre.
Teil 2 und 3 sind dagegen Rückblicke auf die Monate vor Felicitys Flucht. Wegen ihrer Blackouts und Ängste hat Felicity regelmäßig Therapiesitzungen bei dem jungen Dr. Joe Grant. Im Lauf der Zeit und vor allem während einer Hypnosesitzung werden erschreckende Erinnerungen in ihr geweckt. Auch nach ihrer Abreise lässt Joe Felicitys Schicksal keine Ruhe und er forscht weiter in ihrer Vergangenheit. So klärt sich endlich einiges auf. Als dann seine Mutter Delilah, eine Polizeibeamtin, einen unglaublichen Verdacht äußert, reisen beide Felicity nach.
Felicity ist eine undurchschaubare junge Frau, die äußerst kompetent in ihrem Beruf ist, aber privat unter gravierenden Gedächtnislücken leidet und oft unberechenbar handelt, so dass sie mir nicht immer sympathisch war. Joe mochte ich dagegen sehr gerne. Er engagiert sich in seiner Freizeit für Obdachlose und schafft es nicht immer, eine professionelle Distanz zu wahren, genauso wenig, wie bei seiner Patientin Felicity, von der er sich stärker angezogen fühlt, als es für einen Therapeuten angemessen wäre. Aber er wirkt offen und ehrlich. Auch Joes Mutter Delilah, zu der er eine enge Beziehung hat und die als leitende Ermittlerin den Mord an einer Obdachlosen aufzuklären hat, fand ich interessant. Sie ist unkonventionell und etwas verschroben.
Der Schreibstil von Sharon Bolton ist wie immer flüssig und mitreißend und die Geschichte wirft viele Fragen auf, die aber letztendlich alle geklärt werden. Auch wenn mir nicht alles ganz realistisch und nachvollziehbar erschien, so diente es doch dem Spannungsaufbau.

Fazit: Ein spannender und verwirrender Thriller mit sehr vielen Überraschungen und unvorhersehbaren Wendungen, der aber leider auch - vor allem in Teil 2 - einige Längen hat.

Veröffentlicht am 05.10.2020

Ein einzigartiger Fall

Wohin der Himmel uns führt
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Inhalt: Tim und Beth Brandon haben wegen Tims Krebserkrankung in einer Kinderwunschklinik Embyonen konservieren lassen. Doch die ersten Versuche schwanger zu werden misslingen. Nur ein einziger Embryo ...

Inhalt: Tim und Beth Brandon haben wegen Tims Krebserkrankung in einer Kinderwunschklinik Embyonen konservieren lassen. Doch die ersten Versuche schwanger zu werden misslingen. Nur ein einziger Embryo ist noch übrig und fünf Jahre nach Tims Tod entschließt sich Beth dazu, einen letzten Versuch zu wagen.
Izzy und Pete ist dagegen schon vor acht Jahren gelungen, auf diese Weise Eltern zu werden und ihr Sohn Noah ist ihr größtes Glück. Leider hat ihre Ehe nicht gehalten und seit einiger Zeit leben sie getrennt. Doch dann ändert ein einziger Anruf alles…

Meine Meinung: Dani Atkins hat mit diesem Roman ein sehr emotionales Thema aufgegriffen, das mich (als Mutter) sehr berührt und zum Nachdenken gebracht hat. Wie würde ich selber in dieser Situation fühlen und handeln? Einfach unvorstellbar! Der Roman ist mitreißend und einfühlsam geschrieben und lässt sich super flüssig lesen, doch an manchen Stellen, vor allem gegen Ende war mir die Geschichte doch etwas zu rührselig. Auch gibt es ein paar Längen. Izzy und Beth sind zwei starke Protagonistinnen, die ich beide sofort gerne mochte und für die ich Verständnis hatte und mitfühlen konnte. Auch Liam, den Beth zufällig auf dem Friedhof kennenlernt, war mir sehr sympathisch. Die sehr starke emotionale Bindung, die Beth noch zu ihrem vor fünf Jahren verstorbenen Ehemann hat, genauso wie Liam zu seiner verstorbenen Frau, wird mir viel zu ausführlich und zu oft thematisiert. Das nervte mich mit der Zeit.
Die Entscheidung, die schließlich getroffen wird, hat mich zufriedengestellt und das Ende ist so, wie ich es erwartet hatte.

Fazit: Ein unterhaltsamer und emotionaler Roman über einen einzigartigen Fall, der jedoch nicht in die Tiefe geht. Für Fans von Dani Atkins ein Muss!