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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2021

Tolle Atmosphäre und eine clevere junge Ermittlerin

RAVNA – Tod in der Arktis
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Inhalt: Die 18-jährige Samin Ravna Persen macht ein sechswöchiges Praktikum bei der örtlichen Polizei in Vardø, einer kleinen Stadt in der Arktis, weit über dem Polarkreis. Gleich an ihrem 1.Tag begleitet ...

Inhalt: Die 18-jährige Samin Ravna Persen macht ein sechswöchiges Praktikum bei der örtlichen Polizei in Vardø, einer kleinen Stadt in der Arktis, weit über dem Polarkreis. Gleich an ihrem 1.Tag begleitet sie die Polizisten an einen Tatort. Der reiche Grundbesitzer Olle Trygg ist ermordet worden. Ravna kennt den Toten und macht Entdeckungen, die auf ein samisches Ritual hindeuten. Der aus Kirkenes hinzugezogene Kommissar Rune Thor glaubt Ravna und bindet sie in die Ermittlungen ein.

Meine Meinung: Das Buch hat mich von Anfang an gefesselt. Das Setting in der Arktis ist fremd, außergewöhnlich und gut gewählt. Durch die Kälte und die Dunkelheit der Polarnacht, sowie den Bezug auf die alten Riten und Gebräuche der Samen, entsteht eine düstere Atmosphäre, die einen ganz besonderen Reiz hat. Ravna ist hier, wo jeder jeden kennt, aufgewachsen und wird von vielen nicht ernst genommen. Zum einen, weil sie samischer Herkunft ist, zum anderen weil sie sehr jung und zudem noch eine Frau ist.
Ravna ist eine starke Protagonistin und ich mochte sie sehr gerne. Sie ist überaus clever, mutig und will ihren eigenen Weg gehen. Ich finde es allerdings total unrealistisch, wie sie bereits in ihrer ersten Praktikumswoche bei er Polizei agiert. Sie überschreitet ganz klar ihre Kompetenzen, erteilt sogar Polizisten Anweisungen und führt selbstständig Befragungen durch. Ihre Fragen wirken, als hätte sie schon jahrelange Berufserfahrung. Das ist allerdings auch mein einziger Kritikpunkt an der Geschichte.
Dann ist da noch Rune Thor, mal wieder ein depressiver und alkoholkranker Kommissar mit einer sehr traurigen Vergangenheit. Trotzdem mochte ich ihn. In seinem Job ist er äußerst kompetent, außerdem akzeptiert er Ravna, nimmt sie ernst und bindet sie voll in die Ermittlungen ein.

Fazit: Dieser All-Age Thriller von Elisabeth Herrmann hat mir richtig gut gefallen. Spannend und interessant, mit einer ganz besonderen Atmosphäre und einer cleveren jungen Ermittlerin.

Veröffentlicht am 12.04.2021

Unterhaltsamer Roman

Klaras Schweigen
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Inhalt: Freiburg 2018: Miriam wächst nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihren Großeltern Klara und Eduard auf. Als Klara nach einem Schlaganfall plötzlich französische Worte spricht, wird Miriam neugierig ...

Inhalt: Freiburg 2018: Miriam wächst nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihren Großeltern Klara und Eduard auf. Als Klara nach einem Schlaganfall plötzlich französische Worte spricht, wird Miriam neugierig und möchte mehr aus der Vergangenheit ihrer Großmutter erfahren. Was passierte in den Jahren nach dem Krieg, als Freiburg unter französischer Besatzung stand? Miriam kommt erschütternden Familiengeheimnissen auf die Spur…

Meine Meinung: Bettina Storks erzählt die Geschichte im Wechsel auf zwei Zeit- und Handlungsebenen. Zuerst war ich überrascht und auch etwas enttäuscht von den Kapiteln, die in der Vergangenheit spielen, denn ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Der Mann, dessen Name Klara im Krankenhaus erwähnt, nimmt in der Geschichte kaum Raum ein und bleibt deshalb eher uninteressant und blass. Auch die häufigen Zeitsprünge, die Klaras Leben wie im Schnelldurchlauf erzählen, fand ich nicht ganz so gut. Nachdem ich mich aber auf einen anderen Handlungsverlauf eingestellt hatte, begann mich das Buch doch immer mehr zu fesseln. Das hatte allerdings auch ganz viel mit dem angenehm zu lesenden und flüssigen Schreibstil der Autorin zu tun. Auch die Protagonisten Klara, Eduard und Miriam gefielen mir gut, auch wenn ich nicht all ihre Handlungen nachvollziehen konnte.
Klara hat schwere Jahre hinter sich, doch ich fand sehr positiv, dass sie nicht dem hinterhertrauert, was hätte sein können, sondern sich etwas Neues aufbaut und eine glückliche Ehe führt.
Es wird die Frage gestellt (ich glaube von Miriam), ob wir - oder die Generationen vor uns - verpflichtet sind, alles aus unserer Vergangenheit zu erzählen. Ich bin der Meinung, dass niemand dazu verpflichtet ist und auch Klara das Recht hatte zu schweigen. Vielleicht kam ich deshalb nicht so gut damit zurecht, dass Miriam Klaras komplette Vergangenheit wieder aufwühlt. Dabei kommen einige Geheimnisse ans Licht, die auch für Miriam schmerzhaft sind. Andere bringen Klara aber auch ihren Frieden.

Fazit: Ich habe "Klaras Schweigen" trotz einiger Kritikpunkte sehr gerne gelesen. Ein unterhaltsamer und berührender Roman, bei dem mir vor allem Klaras Geschichte und der geschichtliche Hintergrund der Nachkriegszeit gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 08.04.2021

Ausbaufähiger Auftakt einer Krimi-Reihe

Nordwesttod
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Meine Meinung: Ich lese sehr gerne Krimis, die an der Nordseeküste spielen und St. Peter-Ording ist einer meiner Lieblingsorte. Deshalb habe ich mich gefreut, dass ich wenigstens gedanklich dorthin reisen ...

Meine Meinung: Ich lese sehr gerne Krimis, die an der Nordseeküste spielen und St. Peter-Ording ist einer meiner Lieblingsorte. Deshalb habe ich mich gefreut, dass ich wenigstens gedanklich dorthin reisen durfte.
Sehr gut gefallen haben mir die beiden Ermittler Hendrik und Anna. Um nach dem Tod seiner Frau mehr Zeit für seine beiden Söhne zu haben, wechselt Hendrik von der Mordkommission zur Schutzpolizei in seinem Heimatort St. Peter-Ording. Der berufliche Rückschritt fällt ihm nicht leicht. Zudem leidet vor allem sein älterer Sohn, der 13-jährige Lasse, sehr unter dem Verlust seiner Mutter und gibt Hendrik immer wieder Grund zur Sorge. Hendrik war mir trotz seiner zunächst sehr abweisenden Art sofort sympathisch und ich konnte mich gut in ihn hineinversetzen. Auch Anna mochte ich sofort. Mit ihrer Kompetenz und ihrer Unkompliziertheit schafft sie es, die Anerkennung von Hendrik zu erlangen und es entsteht sogar der Beginn einer Freundschaft. Die Einblicke in das Privatleben der beiden haben mir gut gefallen.
Im Fall der verschwundenen Nina geht es hauptsächlich um die Ermittlungsarbeit der Polizei. Lange stellt sich die Frage, ob Nina ermordet wurde oder doch noch lebt. Leider hat mir die eigentliche Krimihandlung nicht so gut gefallen, was zum Teil sicher auch an den vielen verschiedenen Perspektiven, sowie den vielen verdächtigen und unsympathischen Charakteren lag. Für mich gab es da einige Längen. Erst gegen Ende des Buches nimmt die Handlung an Fahrt auf. Interessant fand ich den aktuellen Bezug auf den wachsenden Tourismus an der Nordseeküste, sowie den Bau neuer Hotels.

Fazit: Ein Krimi mit einem tollen Setting, sehr sympathischen Protagonisten - die neugierig auf den nächsten Teil der Reihe machen - und einer noch ausbaufähigen Krimi-Handlung.

Veröffentlicht am 05.04.2021

Von der Liebe zur Literatur

Die Buchhändlerin
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Inhalt: Frankfurt, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Christa liebt Bücher über alles und möchte Literatur studieren. Doch als Frau ist sie an der Universität nicht gern gesehen und so muss sie bald wieder ...

Inhalt: Frankfurt, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Christa liebt Bücher über alles und möchte Literatur studieren. Doch als Frau ist sie an der Universität nicht gern gesehen und so muss sie bald wieder gehen. Deshalb arbeitet sie stattdessen in der Buchhandlung ihres Onkels, die sich nach und nach wieder mit Büchern füllt. Ihre Leidenschaft für Bücher bringt sie auf die Idee einen Literaturkreis zu gründen, in dem sie schnell Gleichgesinnte und Freunde findet. Doch das Schicksal legt ihr auf ihrem weiteren Weg immer wieder Steine in den Weg.

Meine Meinung: Das Buch schildert sehr lebendig die schwierige Situation nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Männer sind gefallen, andere werden noch vermisst. Kinder sind zu Waisen geworden. Es herrschen Hunger, Kälte, Krankheiten und Wohnungsnot, aber auch die Sehnsucht nach einem neuen Anfang. Auch das damalige Frauenbild wird sehr deutlich. Gegen den Willen ihrer Mutter, die der Meinung ist, Frauen sollten sich auf ein Leben als Ehefrau, Mutter und Hausfrau vorbereiten, kämpft Christa zielstrebig für ihren Traum, Literatur zu studieren und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Doch der Weg dorthin ist sehr holprig und sie muss einige Opfer dafür bringen.
Die Literatur, vor allem die Lyrik, nimmt in diesem Roman viel Raum ein, doch oft wirkten diese Passagen auf mich zu konstruiert und emotionslos. Aber auch der Hunger der Deutschen nach Literatur wird deutlich und obwohl Bücher sehr teuer sind, werden sie gut verkauft. Hier hätte ich mir noch mehr Interaktion mit den Kunden der Buchhandlung gewünscht.
Das Buch lässt sich sehr flüssig und unterhaltsam lesen, es ist allerdings für die relativ geringe Seitenzahl (330 S.) recht vollgestopft mit den unterschiedlichsten - keinesfalls uninteressanten -Themen. Leider empfand ich das Buch dadurch als etwas zu oberflächlich.

Fazit: Ein unterhaltsamer und flüssig zu lesender Roman, der die Stimmung nach dem Zweiten Weltkrieg gut widerspiegelt.

Veröffentlicht am 30.03.2021

Unterhaltsame Geschichte

Das Leben, ein ewiger Traum
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Inhalt: Berlin 1920. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes nimmt die 30-jährige Magda Fuchs eine Stelle als Polizeiärztin in Berlin an. Schnell wird sie mit den Schattenseiten der großen Stadt konfrontiert. ...

Inhalt: Berlin 1920. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes nimmt die 30-jährige Magda Fuchs eine Stelle als Polizeiärztin in Berlin an. Schnell wird sie mit den Schattenseiten der großen Stadt konfrontiert. Der 1.Weltkrieg ist überstanden, doch jetzt sind Hunger, Not, Verbrechen und Prostitution in der glitzernden Metropole an der Tagesordnung. Doch es ist auch die Zeit, in der Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Meine Meinung: In diesem ersten Teil der Trilogie um die Polizeiärztin Magda Fuchs geht es um Kinderhandel. Kein einfaches Thema und so manches Mal musste ich schwer schlucken, denn die geschilderten Erlebnisse von Magda gehen teilweise unter die Haut. Trotzdem konnten das Autorenduo mich mit der lebendig erzählten Geschichte fesseln und mich für einige Zeit in das Berlin der 20er Jahre entführen.
Magda, die aus dem ruhigen Hildesheim kommt, ist zuerst etwas überfordert mit der Situation in der großen Stadt, doch im Laufe der Zeit wird sie immer selbstbewusster und couragierter. Hilfe bekommt sie dabei von der Fürsorgerin Ina und dem neuen Kommissar Kuno Mehring.
Die gesellschaftlichen Unterschiede werden sehr deutlich beschrieben. Während die einen betteln, stehlen und sich prostituieren um zu überleben, leben die anderen in Saus und Braus.
Ich konnte mich gut in Magda hineinversetzen und sie war mir sofort sympathisch, denn sie zeigt viel Empathie anderen Menschen gegenüber und besonders das Schicksal der Kinder liegt ihr sehr am Herzen. Die 20-jährige Celia, eine andere Protagonistin, ist die Tochter von Magdas Vermieterin. Die verwöhnte Arzttochter ist behütet aufgewachsen, wurde dann aber von ihrer Mutter zur Heirat mit einem wohlhabenden Mann gedrängt. Celia ist unglücklich in ihrer Ehe mit dem 23 Jahre älteren Albert. Viel lieber würde sie Medizin studieren. Auch alle anderen weiblichen Charaktere, ob sympathisch oder unsympathisch, werden sehr vielschichtig und interessant beschrieben. Alle versuchen, sich in der männerdominierenden Gesellschaft zu behaupten.


Fazit: Ein unterhaltsamer historischer Roman mit Krimi-Elementen, der Einblick in die „goldenen“ 20er Jahre in Berlin gibt. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.