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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.01.2020

Eine ungewöhnliche Mordmethode

Blutmond
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„Blutmond“ ist nach „Krokodilwächter“ der zweite Fall für die Ermittler Jeppe Kørner und Anette Werner und problemlos ohne den Vorgänger zu lesen. Wie bei jeder Reihe ist es allerdings schön, schon etwas ...

„Blutmond“ ist nach „Krokodilwächter“ der zweite Fall für die Ermittler Jeppe Kørner und Anette Werner und problemlos ohne den Vorgänger zu lesen. Wie bei jeder Reihe ist es allerdings schön, schon etwas Vorwissen zu den Protagonisten zu haben.
Ich mag Katrine Engbers Schreibstil sehr gerne und auch ihr Ermittlerteam, bestehend aus Jeppe und Anette, sowie aus Sara Saidani und Thomas Larsen, sind mir sehr sympathisch. Mir hat es auch gut gefallen, mehr aus dem Privatleben von Jeppe und Anette zu erfahren. Zudem gibt es ein Wiedersehen mit der cleveren Rentnerin Esther de Laurenti und ihrem grantigen Untermieter Gregers, die beide bereits aus „Krokodilwächter“ bekannt sind.
Der Fall entwickelt sich zunächst nur langsam, wird dann aber immer spannender. Diesmal ist Jeppe persönlich betroffen, da sein bester Freund Johannes den Toten gut kannte und auch auf der Party war. Es gibt viele verschiedene Spurem, die die Ermittler und den Leser in die Irre führen und erst gegen Ende des Buches wird der richtige Täter gefunden.

Fazit: Ein gut konstruierter Krimi, der zwar nicht übermäßig spannend ist, den ich aber trotzdem sehr gerne gelesen habe.

Veröffentlicht am 21.01.2020

Ein verstecktes Vermögen

Das Mädchen aus der Severinstraße
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Inhalt: Köln 1937: Die 17-jährige Maria Reimer reist heimlich nach Düsseldorf, um sich als Fotomodell zu bewerben. Hals über Kopf verliebt sie sich dort in den jüdischen Fotografen Noah, doch der möchte ...

Inhalt: Köln 1937: Die 17-jährige Maria Reimer reist heimlich nach Düsseldorf, um sich als Fotomodell zu bewerben. Hals über Kopf verliebt sie sich dort in den jüdischen Fotografen Noah, doch der möchte sie unbedingt von dem Fotoatelier fernhalten, genauso wie ihr Vater, den Noah von der Sache informiert. Maria ist von beiden Männern enttäuscht, bis sie den Grund dafür erfährt…
Jahrzehnte später findet Marias Enkelin Sabine unter Marias Wohnzimmerteppich ein kleines Vermögen an alten Geldscheinen. Maria reagiert überraschend fassungslos und beide Frauen möchten unabhängig voneinander herausfinden, was in den Dreißigerjahren wirklich passiert ist.

Meine Meinung: Inspiriert von ihrer eigenen Familiengeschichte schrieb Annette Wieners diesen fiktiven Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt. Die Handlung in der Vergangenheit beginnt im Jahr 1937 und handelt von Marias tragischer Liebe zu Noah und den Ereignissen in den ersten Kriegsjahren. Trotz ihrer Jugend ist Maria eine sehr mutige Frau, die trotz der Gefahr für Ihr eigenes Leben für andere Menschen eintritt und genau weiß, was sie will. Allerdings wirkte ihre Liebe zu Noah doch etwas unrealistisch auf mich, denn sie kannte ihn ja kaum.
In der Gegenwart wird die Geschichte größtenteils von Sabine erzählt, bis gegen Ende beide Erzählstränge geschickt miteinander verknüpft werden. In Sabines Geschichte nimmt ihre Arbeit im Jugendamt viel Raum ein, was mich trotz einer Parallele zur Vergangenheit etwas verwundert hat. Sabine versucht aber auch herauszufinden, woher ihr Großvater das Geld hatte.
Die Geschichte entwickelt sich nur langsam und nimmt erst gegen Ende an Spannung zu. Vermisst habe ich auf beiden Handlungssträngen die Zeitangaben. Die fehlen gänzlich.
Bis zur Auflösung am Ende des Buches bin ich nicht hinter das Geheimnis des Großvaters gekommen und konnte mir nicht vorstellen, woher er das Geld hatte. Dann war ich allerdings ziemlich geschockt!
Fazit: Ein gut recherchierter Roman, der mir geschichtlich einige neue und interessante Informationen über die Nazi-Zeit in Köln lieferte.

Veröffentlicht am 15.01.2020

Emotional aufwühlend

Goldkind
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Inhalt: Peter und Paul sind 13 jährige Zwillinge. Sie leben mit ihren Eltern Joy und Clyde Deyalsingh in einfachen Verhältnissen in einem alten Stelzenhaus in Buschnähe in Trinidad. Während Paul hochintelligent ...

Inhalt: Peter und Paul sind 13 jährige Zwillinge. Sie leben mit ihren Eltern Joy und Clyde Deyalsingh in einfachen Verhältnissen in einem alten Stelzenhaus in Buschnähe in Trinidad. Während Paul hochintelligent ist, tut sich Paul mit dem Lernen sehr schwer. Eines Tages kommt Paul von einem seiner vielen Streifzüge durch den Busch nicht zurück. Der Ärger seines Vaters Clyde über sein Ausbleiben und der vergeblichen Suche nach ihm verwandelt sich bald in Sorge. Als sich schließlich Entführer melden, steht Clyde vor der härtesten Entscheidung seines Lebens: Soll er wirklich das Leben eines Sohnes zugunsten des anderen opfern?

Meine Meinung: Ich habe den Roman schon vor einigen Tagen beendet und musste das Gelesene erst sacken lassen, bevor ich nun eine Rezension schreiben kann. Es fällt mir schwer sachlich zu bleiben und nicht zu spoilern, da mich das Buch emotional sehr aufgewühlt hat.
Die Geschichte spielt in den 80er Jahren in Trinidad. Höchst interessant und lesenswert sind die sehr anschaulichen Beschreibungen des Landes mit seiner exotischen Natur, der unterschiedlichen Lebensumstände der Einwohner, der verschiedenen Religionen, der ständig lauernden Gefahr entführt, ausgeraubt, oder sogar getötet zu werden und der Korruption der Behörden. Ein wunderschönes Land mit einer für uns völlig fremden Kultur.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Teil eins und drei befasst sich mit der Gegenwart, wohingegen Teil zwei mit der Geburt der Zwillinge beginnt und von den letzten dreizehn Jahren der Familie Deyalsingh bis zur Gegenwart erzählt. Dieser Teil zieht sich meiner Meinung nach etwas, auch wenn er wichtig für das Verständnis ist. Dadurch, dass Claire Adam aus den verschiedenen Perspektiven von Clyde, Pater Kavanagh (einem Lehrer der Jungen) und Paul erzählt, erhält man Einblick in die Gedanken dieser Charaktere, was sie sehr nahbar macht. Paul, der so anders ist als sein Bruder, habe ich sofort ins Herz geschlossen und immer, vor allem aber während seiner Entführung, mit ihm mitgefühlt und -gelitten.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass Clyde oder Joy einen ihrer Söhne bevorzugen oder mehr lieben würden als den anderen. Die Entscheidung, die Clyde schließlich getroffen hat, war für ihn wirklich sehr schwer, doch seiner Meinung nach die Richtige.

Fazit: Ein schockierender, emotional aufwühlender Roman, der ganz sicher lange im Gedächtnis bleibt. Mir persönlich war er zu heftig.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2020

Ein spannender Krimi mit überraschenden Wendungen

Nebeljagd
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Inhalt: In dem kleinen Dorf Ochsenwang auf der Schwäbischen Alp wird die betagte Ines Schneider tot aufgefunden. Schnell ist klar, dass sie ermordet wurde. Als dann belastende Beweise in der Wohnung ihres ...

Inhalt: In dem kleinen Dorf Ochsenwang auf der Schwäbischen Alp wird die betagte Ines Schneider tot aufgefunden. Schnell ist klar, dass sie ermordet wurde. Als dann belastende Beweise in der Wohnung ihres Pflegesohnes Johann Haug auftauchen, ist der Polizei, sowie allen Bewohnern des kleinen Ortes klar: Johann ist der Mörder! Schon seit seiner Kindheit ist Johann aus verschiedenen Gründen ein Außenseiter und als vor über zwanzig Jahren die junge Vanessa Beckmann grausam getötet wurde, hielten ihn die Dorfbewohner trotz seines Alibis für den Täter.
Die Rechtsanwältin Linn Geller übernimmt seine Verteidigung, obwohl auch sie immer wieder an Johanns Unschuld zweifelt.

Meine Meinung: „Nebeljagd“ ist bereits der zweite Fall der Anwältin Linn Geller. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, ist das Buch zwar auch als Einzelband zu lesen, aber natürlich fehlt dann etwas Vorwissen zu Linns Berufs- und Privatleben.
Der flüssige Schreibstil von Julia Hofelich und die düstere Atmosphäre in dem Dorf Ochsenwang und dessen Umgebung haben mir gut gefallen. Linn und ihren Kollege Götz mochte ich sofort, die Bewohner des Dorfes dagegen sind alle schwer zu durchschauen und äußerst unsympathisch. Eine kleine Gruppe von Männern scheint das ganze Dorf zu beherrschen. Auch Linns Klient Johann Haug ist schwer einzuschätzen und ganz bestimmt kein Sympathieträger. Bis ganz zum Schluss stellt sich für Linn und auch für den Leser die Frage, ob er schuldig oder unschuldig ist.
Im Vordergrund der Handlung steht eigentlich eher der Mord an Vanessa vor 22 Jahren, als der Mord an Ines Schneider. Bei ihren Recherchen gerät Linn immer wieder in gefährliche und sogar gruselige Situationen, die den Spannungsbogen ansteigen lassen. In beiden Mordfällen gibt es unvorhersehbare Wendungen, die mir nicht alle gleich gut gefallen haben. Das Ende fand ich dann etwas abrupt und kurz gehalten. Da hat mir noch etwas gefehlt.

Fazit: Ein komplexer und spannender Krimi mit überraschenden Wendungen, bei dem man miträtseln kann.

  • Spannung
  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.12.2019

Russisches Märchen voller Magie

Der Bär und die Nachtigall
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Inhalt: Marina, die Frau von Pjotr Wladimirowitsch, dem Fürsten von Lesnaja Semlja, stirbt kurz nach der Geburt ihres 5. Kindes. Das kleine Mädchen bekommt den Namen Wasja. Sie ist ein hässliches kleines ...

Inhalt: Marina, die Frau von Pjotr Wladimirowitsch, dem Fürsten von Lesnaja Semlja, stirbt kurz nach der Geburt ihres 5. Kindes. Das kleine Mädchen bekommt den Namen Wasja. Sie ist ein hässliches kleines Ding, mit wilden schwarzen Haaren, langen Fingern und riesigen Füßen, aber ihre großen Augen haben die Farbe des Waldes. Sie entwickelt sich zu einem wilden unbezähmbaren Mädchen mit eigenem Willen. Sie unternimmt einsame Ausflüge in den Wald und begegnet häufig den dort lebenden Geistern, denn Wasja hat das 2. Gesicht. Doch sie kann nicht nur die freundlichen Haus- und Waldgeister sehen, sondern auch die Dämonen und Wiedergänger. Pjotrs 2. Frau Anna hat ebenfalls das 2. Gesicht, aber während Wasja ihre Gabe positiv zu nutzen weiß und sich sogar mit einigen Geistern anfreundet und ihnen zu essen gibt, fürchtet sich die fromme Anna ganz entsetzlich vor ihnen. Als ein neuer Geistlicher nach Lesnaja kommt, entsteht ein Konflikt zwischen dem Glauben an die alten Mythen und dem Glauben der russischen Kirche. Die Folgen dieses Konfliktes lassen eine uralte grausame Macht erwachen…
Meine Meinung: „Der Bär und die Nachtigall“ hat mich von Anfang an begeistern können, denn der Schreibstil ist wunderbar märchenhaft und sehr passend zur Geschichte. Auch die düstere Atmosphäre im Haus und im Wald, die magischen Wesen, der Winterkönig mit den frostblauen Augen, sowie die klirrende Kälte des russischen Winters sind toll beschrieben. Das Einzige, das meinen Lesefluss etwas gebremst hat, waren die vielen russischen Ausdrücke und Namen. Im Laufe der Geschichte habe ich mich aber daran gewöhnt. Leider habe ich erst sehr spät gesehen, dass am Ende des Buches alle russischen Ausdrücke übersetzt und ausführlich erklärt werden.
Wasja, das ungestüme und unerschrockenen Mädchen, mochte ich sofort. Ihre Offenheit und Freundlichkeit den Geistern gegenüber machen sie sympathisch und zeigen ihr gutes Herz. Auch ihre enge Verbindung zu ihrem Bruder Aljoscha und ihre Zuneigung zu ihrer Halbschwester Irina, trotz des schlechten Verhältnisses zu ihrer Stiefmutter Anna, haben mir gut gefallen.
Die Geschichte entwickelt sich erst langsam, steigert sich dann aber zu einem spannenden Finale.
„Der Bär und die Nachtigall“ ist der erste Teil einer Trilogie und ich hoffe, dass die beiden anderen Teile möglichst bald ins Deutsche übersetzt werden.

Fazit: Ein märchenhafter Roman, inspiriert von uralten düsteren russischen Mythen und voller Magie. Perfekt für kalte Winterabende!