Profilbild von Raeubertochter

Raeubertochter

Lesejury Star
offline

Raeubertochter ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Raeubertochter über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2026

Fesselnder Roman auf drei Zeitebenen

Spiegelland
0

1999: Nach Jahren voller Angst flieht Cato in einer regnerischen Nacht, zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kira, vor ihrem gewalttätigen Ehemann Sven. Sie hat von ihrer Großmutter ein altes Haus ...

1999: Nach Jahren voller Angst flieht Cato in einer regnerischen Nacht, zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kira, vor ihrem gewalttätigen Ehemann Sven. Sie hat von ihrer Großmutter ein altes Haus im Moor geerbt, von dem Sven nichts weiß und findet dort Zuflucht. Doch ist sie dort wirklich sicher vor ihrem Ehemann?

2025: Viele Jahre später versteckt sich der vierzehnjährige Elias bei seiner Großmutter im Moor, nachdem er großen Mist gebaut hat. Er braucht Zeit um nachzudenken.

Im Jahr 1756 begleiten wir die junge Aletta, die in einen heftigen Streit zwischen den Bewohnern der Dörfer Breddorf und Heudorf im Moorland gerät. Das Leben im Moor war geprägt von harter Arbeit, Armut und katastrophaler Lebensbedingungen.
Aletta hätte dieses Leben in Kauf genommen und als Tante (unverheiratete Angehörige) bei ihrem Bruder und seiner Frau gelebt, doch ein Mann sah das anders …

Meine Meinung: Der Schreibstil von Rebekka Frank ist flüssig, lebendig, bildhaft und atmosphärisch. Das Setting, das „Teufelsmoor“ in der Nähe von Bremen, hat mir richtig gut gefallen. Es ist düster und geheimnisvoll und ganz nebenbei erfahren wir noch eine Menge über die Natur dort.
Durch die nicht allzu langen Kapitel, sowie die häufigen Cliffhanger am Ender der Kapitel, entwickelt der Roman eine Sogwirkung und man rast nur so durch die Seiten. Außerdem versteht es die Autorin, sehr geschickt Verbindungen und Parallelen zwischen den einzelnen Zeit- und Handlungssträngen herzustellen. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.
Die Geschichte, die in „Spiegelland“ den größten Raum einnimmt, ist die von Cato im Jahr 1999 und hat mir persönlich auch am besten gefallen. Nach der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann - ohne Geld, ohne Auto und ohne Handy - nimmt sie ihr Leben selbst in die Hand und arbeitet als freie Journalistin, was zu der Zeit als Frau nicht ohne Hürden ist. Doch sie nimmt Rückschläge in Kauf, um für sich und ihre Tochter ein neues Leben aufzubauen - in ständiger Angst vor Sven.
Auch Aletta ist eine starke Frau, die sich gegen den von Männern bestimmten Weg wehrt. Ihre Geschichte ist durch die Schilderungen des Lebens im 18. Jahrhunderts im Moor sehr interessant und ihr persönliches Schicksal sehr dramatisch.
Etwas schwächer dagegen und ohne viel Mehrwert für den ganzen Roman, fand ich Elias Geschichte im Jahr 2025, aber da die Kapitel kürzer gehalten sind, störten sie mich auch nicht.
Übergreifendes Thema aller Zeitebenen ist das seit Urzeiten herrschende Patriarchat vieler Männer, sowie Gewalt und Aggression gegen Frauen. Glücklicherweise gibt es aber in diesem Roman auch einige sehr nette Männer :). Insgesamt war es mir etwas zu viel, da es fast in jeder Generation der Familie einen gewalttätigen Mann gibt. Das ist auch ein Grund dafür, dass ich Elias Geschichte nicht mehr gebraucht hätte. Ein Epilog in dem erzählt wird, was in den folgenden Jahren passiert ist, hätte mir gereicht.

Fazit: Spiegelland ist ein über mehrere Zeitebenen erzählter Familienroman über starke Frauen, die sich gegen gewalttätige Männer zur Wehr setzen. Eine Triggerwarnung zu Beginn des Buches wäre vorteilhaft gewesen.

Veröffentlicht am 09.10.2025

Aufwühlender Familienroman

Die Verlorene
0

„Die Verlorene“ ist mein erstes Buch von Miriam Georg, aber ganz sicher nicht das letzte. Ihr lebendiger und flüssiger Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut.
Die Autorin erzählt diese bewegende Geschichte ...

„Die Verlorene“ ist mein erstes Buch von Miriam Georg, aber ganz sicher nicht das letzte. Ihr lebendiger und flüssiger Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut.
Die Autorin erzählt diese bewegende Geschichte auf zwei Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven.
Im Jahr 2019 begleiten wir Laura ins ehemalige Schlesien auf der Suche nach Informationen über ihre Großmutter und deren Familie. Ich habe diese Kapitel sehr gerne und mit Interesse gelesen, aber noch viel mehr haben mir die Rückblicke in die Vergangenheit in Schlesien gefallen. Änne lebte mit ihren Eltern und Geschwistern auf einem Gutshof. Zwar war Schlesien von Kriegshandlungen verschont, doch die Auswirkungen des Krieges waren auch dort zu spüren. Miriam Georg erzählt sehr bildhaft, glaubwürdig und lebendig von dem Leben der Familie auf dem Gutshof von 1943 bis 1946. Von ihren Ängsten, Sorgen, vom Verlust, aber auch von ihrer Willensstärke und ihrem Mut. Im Laufe der Kriegsjahre veränderte sich die Stimmung, der Hass der Fremdarbeiter auf die Deutschen, so wie auch die Angst vor der Ankunft der Russen wuchs.
Durch die detaillierten und bildhaften Beschreibungen konnte ich mir Menschen, Hof und Gegend sehr gut vorstellen. In der Vergangenheit genauso wie in der Gegenwart.
Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und leider war Änne nicht die sympathischste Protagonistin. Auch wenn sie sich großen Herausforderungen stellen musste und später viel Kraft zeigte, hat sie doch Dinge getan, die mich fassungslos gemacht haben.
Von Anfang an hat mich „Die Verlorene“ begeistert und schnell in einen Lesesog gezogen. Ich habe mit den Frauen mitgefiebert und -gelitten, vor allem auf den letzten gut hundert Seiten. Von Kapitel zu Kapitel steigerte sich die Spannung. Im Lauf der Geschichte habe ich viel spekuliert, dann viele Gedanken wieder verworfen und war überrascht, wie viele Wendungen die Geschichte gegen Ende nahm.

Fazit: Die Verlorene“ ist ein aufwühlender und spannender Familienroman auf zwei Zeitebenen, eine Zeitreise in die Vergangenheit unserer Großeltern. Absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.08.2025

Spannend und atmosphärisch

Schattengrünes Tal
0

Gesendet mit der mobilen Mail App

Lisa arbeitet für einige Stunden in der Woche im familiengeführten, inzwischen schon ziemlich heruntergekommenen Hotel „Zum alten Forsthaus“ in der Buchhaltung. Sie würde ...

Gesendet mit der mobilen Mail App

Lisa arbeitet für einige Stunden in der Woche im familiengeführten, inzwischen schon ziemlich heruntergekommenen Hotel „Zum alten Forsthaus“ in der Buchhaltung. Sie würde es gerne übernehmen und sanieren, doch ihr sturer Vater Carl wartet immer noch, dass sein Sohn Felix, der keinerlei Interesse an dem Hotel hat, zurück kehrt und die Führung übernimmt.
Als sich eines Tages die hilflos und verloren wirkende Daniela im Hotel einquartiert, löst das eine Kette unvorhergesehener und teilweise dramatischer Ereignisse aus.

Kristina Hauff erzählt diese Geschichte aus den Perspektiven von Lisa, Simon, Margret und Carl aus. Durch die wechselnden Perspektiven wird Spannung aufgebaut und Dynamik erzeugt. Wir lernen nach und nach die unterschiedlichen Charaktere und deren Sichtweise kennen. Nur Daniela wird von außen betrachtet, wodurch verschiedene Facetten von ihr sichtbar werden. Ihre Wirkung auf andere Menschen hat mich allerdings manchmal erstaunt und alles konnte ich auch nicht komplett nachvollziehen (z.B. ihre Rolle im Chor).

Die Geschichte beginnt langsam, doch nach und nach entsteht eine bedrückende Atmosphäre und schon bald beginnt man zu ahnen, dass Daniela nicht so hilfsbedürftig ist, wie sie vorgibt zu sein. Der bildhafte und flüssige Schreibstil trug dazu bei, dass ich in einen Lesesog gezogen wurde, dem ich mich nur schlecht entziehen konnte, so dass ich das Buch nur ungern zur Seite gelegt habe.

Lange gehegte Geheimnisse werden aufgedeckt, Ungesagtes ausgesprochen und das eigene Leben und Tun hinterfragt.

Wie nebenbei werden auch wichtige Themen, wie die Natur und ihre Veränderung durch den Klimawandel angesprochen, was mir gut gefallen hat.

Das Ende war mir dann allerdings zu abrupt, da fehlte mir was.

Fazit: Ein fesselnder Roman über zwischenmenschliche Beziehungen, Lebenslügen, Familienbande und Manipulation.

Veröffentlicht am 23.05.2025

Fesselnd und gut konstruiert

Der dunkle Sommer
0

Verwinkelte Gassen, flirrende Hitze, ein Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist. In Botigalli gibt es Häuser für nur einen Euro. Ein verlockendes Angebot - und eine Falle. Denn wer hier einzieht, kauft ...

Verwinkelte Gassen, flirrende Hitze, ein Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist. In Botigalli gibt es Häuser für nur einen Euro. Ein verlockendes Angebot - und eine Falle. Denn wer hier einzieht, kauft mehr als nur Mauern. Er kauft die Geheimnisse, die darin wohnen. Auch die dunklen.


Meine Meinung: Vera Buck erzählt diese Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven. Da ist zum einen Tilda. Die Halbitalienerin aus Deutschland ist Architektin und will ein traumatisches Erlebnis, an dem sie sich schuldig fühlt, verarbeiten und kauft deshalb in dem verlassenen Geisterdorf Botigalli im Hinterland Sardiniens ein Haus für nur einen Euro, um es selbst zu restaurieren und dort einzuziehen - trotz versprenkelter dunkler Flecken und Einschusslöchern in den Wänden.
Zum anderen ist da Enzo. Der Journalist will ein Buch über Botigalli und die Entführungen, mit denen das Dorf in der Vergangenheit in Zusammenhang gebracht wurde, schreiben. Dazu interviewt er regelmäßig, doch relativ erfolglos den letzten Einwohner, den alten gebrechlichen Silvio.
Von der 17jährigen Franka , die mit ihrer Familie und ihren Freunden in Botigalli lebt, erfahren wir nach und nach in Rückblicken in das Jahr 1982, was sich Schreckliches in dem Dorf zugetragen und dazu geführt hat, dass es nun seit über 40 Jahren verwaist ist.
Der Schreibstil von Vera Buck ist lebendig, bildhaft und mitreißend und ich habe das Buch nur sehr ungern zwischendurch zur Seite gelegt, auch wenn sich die Spannung nur langsam aufbaut. Die Idee dieser Geschichte hat mir richtig gut gefallen, ich hätte mir aber bei den Kapiteln in der Gegenwart - schon allein wegen des tollen und geheimnisvollen Settings - noch mehr Spannung und Grusel gewünscht und auch mehr über das Haus, das Dorf und den Wald gelesen. Frankas Geschichte fand ich sehr gut aufgebaut und auch spannend. Nach und nach verknüpfen sich die drei Erzählstränge geschickt miteinander und es gibt noch einige Überraschungen. Enzos Handlungen gegen Ende des Buches fand ich leider wenig glaubwürdig und überzeugend.
Trotz kleiner Kritikpunkte habe ich „Der dunkle Sommer“ sehr gerne und auch in kürzester Zeit gelesen.

Veröffentlicht am 22.04.2025

Spannend und unterhaltsam

Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli
0

Inhalt: Hamburg 1913:
Für die junge und aus gutbürgerlichem Haus stammende Louise, ändert sich von einem Tag auf den anderen alles. Ihr Mann Viktor, dem sie völlig vertraute, ist ein Betrüger und lässt ...

Inhalt: Hamburg 1913:
Für die junge und aus gutbürgerlichem Haus stammende Louise, ändert sich von einem Tag auf den anderen alles. Ihr Mann Viktor, dem sie völlig vertraute, ist ein Betrüger und lässt sie völlig mittellos zurück. Bei der Suche nach einer günstigen Unterkunft trifft sie Ella, eine ehemalige Prostituierte, und die beiden freunden sich an. Als ein Mord in ihrer Nähe geschieht, lernen sie Paul kennen. Der Ex-Polizist hat nach einem gewalttätigen Angriff einer brutalen Straßenkinderbande einen Arm verloren und schwört vor allem dem Anführer der Bande Rache.
Diese drei unterschiedlichen jungen Menschen sind auf der Suche nach der Wahrheit und einem Neuanfang …

Meine Meinung: „Die Lichter über St. Pauli“ ist der 1.Teil der 2-teiligen Elbnächte Reihe von Henrike Engel, die bereits die „Hafenärztin-Reihe“ geschrieben hat. Am 30. Oktober erscheint „Schatten über St. Pauli“.
In wechselnden Kapiteln lernen wir zunächst die drei Protagonist*innen kennen und erfahren einiges aus ihrem bisherigen Leben, bevor sie aufeinandertreffen. Ihre Herkunft und Bildung unterscheidet sich sehr voneinander, doch alle drei Charaktere - aber vor allem die stets gut gelaunte und lebensfrohe Ella mit ihrer Mopsdame Principessa - sind mir im Lauf der Geschichte ans Herz gewachsen und so konnte ich gut mit ihnen mitfühlen und habe mich über ihre Weiterentwicklung gefreut.
Der Schreibstil von Henrike Engel ist lebendig und bildhaft und lässt sich wie gewohnt schnell und flüssig lesen. Die Handlung ist kurzweilig und beinhaltet neben spannenden Passagen auch immer wieder humorvolle und auch leicht makabere Abschnitte, die man vielleicht nicht ganz so ernst nehmen sollte. Diese Mischung hat mir besonders gut gefallen.
Auch die Schauplätze im historischen Hamburg werden so anschaulich beschrieben, dass ich alles gut vor Augen hatte und die „alte Zeit“ für mich wieder lebendig wurde.
Das Buch ist in sich abgeschlossen und kommt glücklicherweise ohne Cliffhanger aus, auch wenn es noch einige offene Fragen gibt, die hoffentlich in der Fortsetzung beantwortet werden.

Fazit: Ein sehr unterhaltsamer und fesselnder Roman mit sympathischen und gut gezeichneten Charakteren, den ich gerne weiterempfehle.