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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2021

Von Liebe und Vergebung

Zuckerfee 2.0
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Eve erbt überraschend ein Café im beschaulichen Cooper und freut sich über diese positive Wende in ihrem Leben bis Mac als Miterbe auftaucht. Noch bevor die juristischen Details geklärt sind, haben Mac ...

Eve erbt überraschend ein Café im beschaulichen Cooper und freut sich über diese positive Wende in ihrem Leben bis Mac als Miterbe auftaucht. Noch bevor die juristischen Details geklärt sind, haben Mac und Eve sich zuerst in den Haaren, dann in den Armen. Sobald sie aufeinandertreffen, flammt Leidenschaft auf und tiefgehende Gefühle entwickeln sich. Die Funken fliegen, eine Challenge muss gewonnen werden und spritzige Dialoge unterhalten den Leser bestens. Doch eines haben beide zwar mahnend im Hinterkopf, doch schützen können sie sich dennoch nicht: vor den schmerzhaften Schatten der Vergangenheit.

Megan McGary schafft es mit ihren harmonisch-flüssigen und bildhaft-präzisen Schreibstil ein traumhaftes Café, zauberhafte Leckereien und zu Herzen gehende Charaktere zum Leben zu erwecken. Nicht nur, dass der Leser lesend fühlt, nein er riecht auch alles, was er vor seinem inneren Auge hat.
Besonders gerührt war ich von der Tatsache, dass es nicht nur eine kribbelnde Liebesgeschichte mit gewitzten Protagonisten ist, sondern auch gravierende Probleme wie PTBS, Angst, Eifersucht und Verlust eine Rolle spielen. Dies ist brillant recherchiert und verleiht Authentizität und Tiefgang. Während Eve eine kreativ-offene Seele ist, ist Mac ein verschlossener, aber absolut loyaler und ehrlicher Mensch. Für mich war es zum ersten Mal überhaupt, dass ich den männlichen Protagonisten mehr mochte als den weiblichen. Mac ist so treffend beschrieben, authentisch und genial-kantig.
Es ist ein besonderes Buch, weil es kein typischer Liebesroman mit einem garantierten Happy End Versprechen ist, sondern im Gegenteil zur Mitte der Geschichte scheint alles so verworren, dass selbst der geübte Leser den Ausweg nur erhoffen kann. Doch die Protagonisten wachsen über sich selbst hinaus und machen das Unmögliche möglich. Sie überwinden alte, tiefsitzende Verletzungen und lassen los, weil es nur einen Weg nach vorn gibt: mit Vergebung und Liebe.

Meine absolute Leseempfehlung für alle, die ein bisschen mehr suchen und bereit sind, sich auf schmerzhafte, erhellende und verliebte Lesestunden einzulassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2020

Irland, Fairies und die große Liebe bezaubern

Burning Oceans: Reisende zwischen den Gezeiten
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Als die 16-jährige Cait mit ihrer Familie von London in den Westen Irlands umzieht, ändert sich ihr Leben, ihre Sicht auf die Vergangenheit und auf die mythischen Sagen Irlands, dem Heimatland ihrer Mutter ...

Als die 16-jährige Cait mit ihrer Familie von London in den Westen Irlands umzieht, ändert sich ihr Leben, ihre Sicht auf die Vergangenheit und auf die mythischen Sagen Irlands, dem Heimatland ihrer Mutter und Großmutter. Schnell findet sie Anschluss und begegnet seltsamen Charakteren und trifft auf Blake, den geheimnisvollen Jungen, der sie zugleich magisch anzieht und aufgrund seines Verhaltens verwirrt. Ist sie vor Gefühlsduselei blind geworden oder geschehen tatsächlich unerklärliche Dinge auf dieser grünen Insel? Und was hat das alles mit Blake, Cait und ihrer Familie zu tun?

Linda Schirmer entführt den Leser ins naturgewaltige Irland mit seinen rauhen Charakteren, fantastischen Sagen und mysteriösen Orten. Durch präzise Details und Ortsbeschreibungen lässt sie irische Bilder erstehen, die auch in ihrer keltischen Schrift einen bildlich-prägnanten Eindruck hinterlassen. Eine Karte über den Westen Irlands mit einem Verzeichnis der Inseln, Strände, Städte und Caits Cottage wäre noch eine wunderbare Ergänzung. Aus Sicht der Protagonistin Cait erzählt, erlebt und fühlt der Leser hautnah mit ihr mit: Verlust, Geheimnisse und Liebe. Cait ist eine liebenswerte Protagonistin, der Ehrlichkeit, Loyalität und Gerechtigkeit über alles gehen. Als sie tiefe Gefühle für Blake entwickelt, bleibt sie sich selbst dennoch treu. Auch reifere Leser können sich in sie hineinversetzen, ist sie doch für ihr Alter reif und zu sich selbst schonungslos ehrlich. Als Protagonistin bleibt sie stets spannend und vielschichtig.

Ein wunderbar flüssig geschriebener, fein ausgearbeiteter Roman über die Mysterien der ersten Liebe und des Lebens, der Lust auf mehr irische Mythen macht. Fantastischer Auftakt der Burning Oceans-Trilogie! Ein Buch für Jung und Junggebliebene.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2020

Ein Buch, das zur Reflektion über die Welt anregt und lange nachwirkt

Der Wal und das Ende der Welt
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Joe Haack, ein Analyst einer Londoner Bank, entwickelt ein Computersystem, das mit Daten aus der Weltpresse und Zahlen des Finanzmarktes gefüttert, Kursschwankungen berechnen und für wenige Tage vorhersagen ...

Joe Haack, ein Analyst einer Londoner Bank, entwickelt ein Computersystem, das mit Daten aus der Weltpresse und Zahlen des Finanzmarktes gefüttert, Kursschwankungen berechnen und für wenige Tage vorhersagen kann. Doch einen Faktor hat Joe dabei übersehen: den menschlichen Faktor der Emotion, die das menschliche Handeln bestimmt.
Als Joe sich nach dem Crash im kleinen Fischerdorf St. Piran in Cornwall wiederfindet, wird er nicht nur neu geboren, rettet einem bedeutenden Wal sein Leben, sondern findet auch zu sich selbst zurück.

Ironmongers Buch ist ein Buch der leisen Töne mit philosophischen Weisheiten und antiken Mythen gespickt, das den gewaltigen Inhalt vom Untergang der Welt und der verbindenden Menschlichkeit perfekt umrahmt. Wir begleiten Joe nach seinem persönlichen Untergang bei der Bank ins ruhige Cornwall, das mit den Gefahren der Natur lebt und durch seine authentischen Charaktere lebt. Aus Sichtweise von Joe erzählt, ist der Leser ganz nah im Geschehen und fühlt sich in die Geschichte um Joe in St. Piran ein.
Dieser flüssig-harmonische Schreibstil lässt die Geschehnisse durch uns gleiten und berührt den Lesenden in seiner Schönheit und nüchternen Ehrlichkeit.
Besonders die Dialoge zwischen Joe und seinem Chef Lew Kaufmann über das mögliche Ende der Welt, die eindringlich Szenarien aufleben lassen, die vom Egoismus des Einzelnen im Kampf ums Überleben und von der Blindheit der modernen Welt gegenüber Ressourcenendlichkeit und Überbevölkerung erzählen. Doch auch die Freundschaften und Gespräche im Dorf sind von einer unter die Haut gehenden Art, dass es wirkt, als habe der Leser Anteil am Gespräch, einfach indem sie uns selbst zum Nachdenken über unser Handeln anregen.

Ein fulminantes Buch, das philosophische Weisheiten und erschreckende Voraussagen über die Menschheit bietet, dem sich keiner entziehen kann. Absolute Leseempfehlung für alle, die sich Gedanken um die Verantwortung einer globalen Gemeinschaft machen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2020

Von eiskalter Perfektion und wärmender Schönheit

Splitter aus Silber und Eis
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Veris ist die Prinzessin des ewigen Frühlings und einziges Kind des Königs im Land Aurum. Als Sakral ausgewählt, muss sie die Grenze zum Land Rhigos überwinden und dem Prinzen des Winters gegenübertreten, ...

Veris ist die Prinzessin des ewigen Frühlings und einziges Kind des Königs im Land Aurum. Als Sakral ausgewählt, muss sie die Grenze zum Land Rhigos überwinden und dem Prinzen des Winters gegenübertreten, der mit Eissplittern die Herzen ihres Volkes vergiftet. Keiner ihrer Vorgängerinnen ist es je gelungen, erfolgreich zurückzukehren, doch Veris’ verschlagener Liebreiz scheint die perfekte Waffe, um Nevans eiskaltes Herz zu erweichen.

Splitter ist ein graphisch wunderschön gestaltetes und liebevoll erzähltes Buch über die erste große Liebe, familiären Zwänge und den steinigen Weg zu sich selbst. Cardeas Schreibstil ist präzise markant und flüssig, so dass der Leser mitten im Geschehen ist und ganz nah erlebt und fühlt. Abwechselnd wird aus Veris und Nevans Perspektive erzählt, sodass der Leser einen ganzheitlichen Einblick in die Erlebnisse bekommt und den Protagonisten so scheinbar immer einen kleinen Schritt voraus zu sein scheint. Dennoch bleiben genug Leerstellen, die viel Überraschung bieten. Die Autorin schafft es phänomenal, einiges anzudeuten, manches komplett zu verschleiern und vieles möglich zu machen, so dass stets spannend und überraschend bleibt und der Leser hinters Licht geführt wird.

Veris ist eine charakterstarke junge Prinzessin, die sich in der Fremde erstaunlich gut schlägt. Ohne zu viel verraten zu wollen, wird sie dem Leser sofort sympathisch ohne ihr ganzes Wesen zu offenbaren. Sie ist empathisch, gewieft und dennoch emotional nahbar.
Nevan scheint ihr genaues Gegenstück zu sein, weshalb die beiden auch ein so unterhaltsames Paar abgeben. Doch ist der Prinz viel mehr als nur ein meisterlicher Krieger und ein erkaltetes Herz, denn er hat sich eine Menschengüte hinter den Eisschilden bewahrt.
Die zarte Liebe, die trotz allen Widerständen zwischen Veris und Nevan wächst, wird zu ihrer größten Prüfung und ihrer einzigen Rettung.

Ich liebte es, dieses Buch zu lesen und fürchtete den Schluss, der das Ende dieses einmaligen Lesevergnügens verkündet. Mein absolutes Überraschungshighlight in diesem Lesejahr. Man muss es unbedingt lesen und sich verzaubern lassen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.10.2020

Csorwe auf ihrer Reise zu sich selbst

Die dunklen Pfade der Magie
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Die junge Braut des Unaussprechlichen, Csorwe, wendet sich am Tag ihrer Opferung von ihrem Gott ab und folgt dem mächtigen Magier Belthandros Sethennai in eine andere Welt. Sie wird seine rechte Hand und ...

Die junge Braut des Unaussprechlichen, Csorwe, wendet sich am Tag ihrer Opferung von ihrem Gott ab und folgt dem mächtigen Magier Belthandros Sethennai in eine andere Welt. Sie wird seine rechte Hand und Schwertkämpferin auf der Suche nach einem für ihn so wertvollem alten Artefakt. Dabei lernt sie neue Welten kennen und trifft auf neue Freunde und alte Feinde.

Zunächst kam ich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut in die Geschichte hinein, da die Idee einfach so kreativ und innovativ ist, dass man sich als Leser erst zurechtfinden muss: Es gibt mehrere Welten, in die man durch Tore in Kuttern fliegen kann, es gibt Magier, Götter, Inquisitoren und menschliche Figuren mit Hauern.
Die Idee dieses Buches ist fantastisch, doch die Umsetzung leider weniger, weil zu viel zu schnell passiert, der Figurenwechsel zu rasant ist und die Namen zu lang, als dass sich der Leser diese merken könnte. Auch die Entwicklung der Charaktere ist zu oberflächlich, da keine Hintergründe genannt werden, aber ein großer Zeitsprung von 5 Jahren mitten in der Geschichte überwunden werden muss. Die Gefühle und Erlebnisse der Figuren müssen so eher erraten werden und es entsteht eine emotionale Distanzierung. So ist die Protagonistin Csorwe zu Beginn erst 14 Jahre und lernt eigentlich diese außergewöhnliche Welt gemeinsam mit dem Leser kennen, doch kann in über 500 Seite keine Nähe zwischen ihr und dem Leser entstehen, denn über ihre inneren Beweggründe, Gefühle, Sorgen oder Gedanken kann nur geraten werden. Auch ihre Liebe zu Shuthmili ist ohne große emotionale Spannung oder feinfühlige Beschreibung – auch als sie in einer Schlüsselszene trotz aller Gefahren offen zu ihrer Liebe steht. Der Schreibstil von Larkwood ist distanziert und wenig rund: Wichtige Schlüsselszenen werden kurz abgehackt, andere unwichtige Nebenszene episch erzählt.
Dies lässt den Leser manches Mal etwas verwirrt zurück, auch wenn die Grundgestaltung der Welten und die Idee erfrischend neu sind.

Fazit: Der Debütroman von Larkwood lebt von einer fantastischen Idee, doch leider konnte diese nicht so umgesetzt werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere