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Veröffentlicht am 18.07.2019

Fast wie richtige Memoiren

Lady Trents Memoiren 1
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Über die Felswyrme von Vystrana – Ihre Anatomie, Biologie und Aktivitäten, mit besonderer Würdigung ihrer Beziehungen zu Menschen und der Enthüllung ihres Trauerverhaltens von Jacob Camherst und anderen ...

Über die Felswyrme von Vystrana – Ihre Anatomie, Biologie und Aktivitäten, mit besonderer Würdigung ihrer Beziehungen zu Menschen und der Enthüllung ihres Trauerverhaltens von Jacob Camherst und anderen ist eigentlich eine Abhandlung die unter dem Namen der eigentlichen Autorin Isabella Camherst, der jetzigen Lady Trent hätte erscheinen sollen. Wie es zu diesem Werk der inzwischen weltberühmten Drachenforscherin kam und warum es letztendlich unter dem Namen ihres Mannes erschien, schildert Lady Trent rückblickend auf ihre Jugend.
Aus gutem Hause stammend, gut situiert verheiratet hatte Isabella entgegen allen Konventionen ihrer Zeit schon immer einen Hang zur Erforschung der Drachen ihrer Welt. Denn über diese wusste man bis dato so gut wie nichts und es blieb immer Männern vorbehalten sich mit so gefahrvollen Themen auseinander zu setzen. Wie gut, dass ihr Ehemann so viel Verständnis für sie hat und sie mit auf eine Forschungsreise ins unwirtliche Vystrana nimmt.

Woran erinnert mich das Buch nur? Richtig, an spätviktorianische Lebensgeschichten.
Marie Brennan ist es aus meiner Sicht wirklich gelungen halb erzählerisch als Reisebericht, halb als berichtende Memoiren die fiktiven Jugendjahre einer scirländischen Dame ins Leben zu rufen. Dabei erinnern sowohl die Gesellschaft als auch die Regionen in der der Roman spielt an ein spätvictorianisches England mit Abstechern auf den Balkan (das hier unter russischer Herrschaft steht). Aber durch diese Anlehnungen wirken die Memoiren so glaubhaft und authentisch, sogar in Bezug auf die Drachen. Ihre Erforschung sollte ja laut Titel im Vordergrund stehen; erweisen sich jedoch eigentlich eher als Aufhänger und Rahmenhandlung. Aber dadurch wirkt die Szenerie ja so real und zugänglich. Die wenigen aber richtig schönen Illustrationen in diesem Buch unterstreichen zudem den Charakter der Memoiren (oder auch des Reiseberichtes). Dazu dann noch die schön rational, wissenschaftlichen Erklärungen wenn es um die Drachen geht (man erkennt die Bezüge zum Studiengebiet der Autorin) und schon hatte ich zumindest einen kurzweiligen und unterhaltsamen Lesegenuss.

Ich empfehle dieses Buch (und die Reihe – so viele Lorbeeren im Voraus habe ich bisher noch nie verteilt) absolut gerne weiter. Für Leser, die Highfantasy mit actiongeladenen Drachen erwarten ist das Buch definitiv nichts. Wer jedoch einen Hang zu ‚fantastischen, historischen Biographien‘ hat wird sich Bestens unterhalten fühlen.

Veröffentlicht am 18.07.2019

Steampunk mit Krimi

Frost & Payne - Die mechanischen Kinder 1: Die Jagd beginnt
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Lydia Frost ist eine Frau mit Vorgeschichte, die sich ein unabhängiges Leben als Privatdetektivin wünscht. Doch just in dem Augenblick, da sie ihren ersten Fall, die Suche nach einem ehemaligen Pinkerton-Agent ...

Lydia Frost ist eine Frau mit Vorgeschichte, die sich ein unabhängiges Leben als Privatdetektivin wünscht. Doch just in dem Augenblick, da sie ihren ersten Fall, die Suche nach einem ehemaligen Pinkerton-Agent erhält, holt sie auch schon wieder ihre Vergangenheit ein.
Doch diese plötzlichen sich überschneidenden Ereignisse bescheren ihr auch ihren zukünftigen Agenturpartner – Jackson Payne.
Zudem tauchen in London wieder Kinderleichen auf, doch was haben diese mit Lydia Frost zu tun?

Die mechanischen Kinder 1 ist ein Sammelband der ersten drei Geschichten aus der Reihe Frost & Payne der Autorin Luzia Pfyl. Und ich muss hier einmal wieder meine Meinung zu „Autorinnen und Fantasy“ positiv revidieren. Luzia Pfyl kann locker mit ihren männlichen Kollegen mithalten.
Die Geschichten haben mich gut unterhalten und ich habe sie auch in einem Stück wirklich zügig lesen können. Es handelt sich um tollen Steampunk. Die Welt ist stimmig viktorianisch, die Triadenstruktur Chinatowns in London ist griffig beschrieben, der gesellschaftliche Umgang zwischen den Menschen trotz Steampunkanpassungen absolutes England des 19. Jahrhundert.
Was soll ich noch sagen?
Frost & Payne zu lesen macht Spaß und die Spannung der Handlung erweckt Erwartungen auf deren Fortgang. Die mechanischen Kinder 2 lächelt mich regelrecht an.

Veröffentlicht am 05.07.2019

Freunde muss man teilen können

Luna und der Katzenbär gehen in den Kindergarten
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Udo Weigelt hat sich in diesem Band einem für Kinder recht schwierigen Thema gewidmet – Menschen und Beziehungen zu diesen teilen zu lernen. Freundschaften knüpfen fällt den lieben Kleinen ja meist gar ...

Udo Weigelt hat sich in diesem Band einem für Kinder recht schwierigen Thema gewidmet – Menschen und Beziehungen zu diesen teilen zu lernen. Freundschaften knüpfen fällt den lieben Kleinen ja meist gar nicht so schwer, aber Freunde dann auch mit anderen zu teilen, da kommen sie dann in ein ernstes Gefühlschaos.

Indem der Autor dieses Thema auch noch in den Kontext zu einer neuen Umgebung, den Kindergarten setzt, führt er Kinder für diese sehr verständlich in das Thema des Buches ein.
Mein Sohn konnte Carlo ja so gut verstehen, der weiterhin wie gewohnt mit Luna spielen wollte – aber eben auch Luna, die gerne auch mit anderen Kindern spielen möchte. Als die Situation zu aller Zufriedenheit im Buch geklärt wird, war auch mein Sohn sehr zufrieden und fand vor allem die Geschichte, die Carlo wieder einmal für Luna hatte, warum er bei ihr war und wie nun auch die neue Freundin in das Beziehungsgefüge passt wunderbar.

Wie bei jedem Band kann ich nur sagen – tolle Bilder, super schöne Einteilung von Wort und Bild, so dass Grundschüler das Buch auch sicherlich gerne lesen werden. Also mehr als nur ein Vorlesebuch!

Veröffentlicht am 21.06.2019

Wilder Westen trifft Tausend und eine Nacht

AMANI - Rebellin des Sandes
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In einer orientalischen Welt, die wie ein Wildwestfilm daherkommt versucht die junge Heldin Amani ihren Platz im Leben zu finden. Sie will raus aus dem Kaff, in dem sie groß geworden ist, in dem ihr Leben ...

In einer orientalischen Welt, die wie ein Wildwestfilm daherkommt versucht die junge Heldin Amani ihren Platz im Leben zu finden. Sie will raus aus dem Kaff, in dem sie groß geworden ist, in dem ihr Leben als Frau aber so gar nichts gilt, in der Hoffnung in der Hauptstadt ihr Glück zu finden. Doch dafür muss sie sich erst einmal verstellen – denn als Frau kann man sich halt nicht in der Gesellschaft behaupten. Und so verkleidet sie sich als Junge und lässt sich auch mehr oder minder bereit auf die Gelegenheit zum Ausbruch aus ihrer Umgebung ein, als sie den fremden jungen Mann Jin kennen lernt. Doch aus ihrem Traum von der Freiheit in der Stadt wird erst einmal nichts, denn durch Jin stolpert sie mitten in eine Rebellion gegen das bestehende System. Zudem stehen ihr während ihrer Zeit an der Seite des jungen Mannes zunehmend ihre eigenen Gefühle im Weg und letztendlich zum Ende des Buches auch die Erkenntnis, wer sie eigentlich ist.

Klar, in diesem Roman bahnt sich auch wieder eine Liebesgeschichte an. Die ist aber so gekonnt in die Handlung integriert, dass sie dieser nicht die Show stielt.
Für mich stand die Beschreibung der Welt, die mich irgendwie an ein sehr arabisch coloriertes osmanisches Reich zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert, gepaart mit den Mythen aus 1001 Nacht und einer Priese Wilder Westen im Vordergrund. Warum?
Da sind die Beschreibungen der Geschichten und Legenden aus der Wüste, die mystischen Kreaturen der Djinni und Buraqi auf der einen Seite, sowie die zunehmende Technisierung der Wüste durch Eisenbahn und Gewehr- sowie Munitionsfabriken auf der anderen Seite. Zudem die Konflikte der tradierten Lebensweise der Wüstenbewohner und den fremden Truppen aus Galla, die alles nicht menschliche Leben für Hexerei erachten und ausrotten. Wenn man genau liest findet man viele Ansatzpunkte aus der realen Geschichte, die man unterschwellig heranziehen kann. Aber das macht diese Fantasywelt und damit das Buch so spannend.

Ich kann diesen Fantasyroman eigentlich nur rundweg empfehlen, denn ich wurde super unterhalten

Veröffentlicht am 21.06.2019

Guter Einstieg in den Ausstieg

Einfach plastikfrei leben: Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Alltag
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Mein erster Eindruck, als ich das Buch in den Händen hielt war: ‚Jung, hip und noch ein Weltverbesserer. Wo nehmen die jungen Leute immer nur so viel Zeit her?‘

Aber bereits im einleitenden Kapitel wurde ...

Mein erster Eindruck, als ich das Buch in den Händen hielt war: ‚Jung, hip und noch ein Weltverbesserer. Wo nehmen die jungen Leute immer nur so viel Zeit her?‘

Aber bereits im einleitenden Kapitel wurde mir die Autorin samt Buch sehr sympatisch. Denn sie kommt nicht mit der „Belehrungskeule“ daher, das man alles und gleich umstellen muss und soll. Sehr angenehm versucht Charlotte Schüler den Leser im plastikvollen Alltag erst einmal abzuholen und für das Thema zu sensibilisieren. Dabei klärt sie auf, ohne den Verbraucher zu verurteilen. Das kam bei mir super an und hat mich darin unterstützt das Buch von Anfang bis Ende zu lesen.

Hauptaugenmerk liegt auf dem Vier-Schritte-Programm der Autorin, mit dem diese den Leser bei einem langsamen, aber um so nachhaltigeren Ausstieg aus dem Plastikkonsum behilflich sein möchte. Dabei versucht die junge Bloggerin durch die Vermittlung ihrer eigenen Erfahrungen dem Leser Hilfen und Anregungen zu bieten, wie dieser sich langsam eine plastikfreie oder zumindest plastikfreiere Lebenswelt schaffen kann. Und dies ist aus meiner Sicht die Stärke des Buches. Man fühlt sich nicht gezwungen etwas in seinem Leben umzustellen sondern wird dazu positiv ermuntert. Aus meiner Sicht eine Methode die nachhaltiger bei den meisten Lesern funktionieren wird.

Und ja, einige Tips habe ich sogar ausprobiert und sie haben funktioniert, so dass ich diese wohl beibehalten werde.

Ich empfehle das Buch wirklich gerne weiter, da es eine gute Bereicherung für unser Leben darstellt.