Ein Krimi aus dem Hamburg der Nachkriegszeit
Im Haus der LügenDieser Krimi aus dem Hamburg der Nachkriegszeit ist meine erste Begegnung mit Wilhelm Berger, dem Polizisten aus dem Nachkriegs-Hamburg. Der Kriminalfall erstreckt sich über mehrere Jahre zwischen 1947 ...
Dieser Krimi aus dem Hamburg der Nachkriegszeit ist meine erste Begegnung mit Wilhelm Berger, dem Polizisten aus dem Nachkriegs-Hamburg. Der Kriminalfall erstreckt sich über mehrere Jahre zwischen 1947 bis 1955.
Doch von Beginn an:
1947 wird in einem Teich nahe Hamburg die nackte Leiche eines Mannes aufgefunden. Noch ganz im Banne des sogenannten „Trümmermörders“ liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein fünftes Opfers des Serienmörders handelt, den man niemals fassen konnte.
Wilhelm Berger und sein Kollege Pagels übernehmen den Fall, in dem wenig so ist, wie es scheint. Immer wieder wird Berger von der Vergangenheit eingeholt. Sein Vater hat dunkle Geschäfte mit einem Nazi abgewickelt. Die Ermittlungen ziehen sich bis Dänemark und nach Ostdeutschland.
Kaum ist eine Frage mehr oder weniger zufriedenstellend beantwortet, tauchen zwei neue auf. Beinahe verlaufen sich Berger und Pagels in dem Verwirrspiel um den Toten aus dem Teich. Es scheint, dass alle Zeugen die Unwahrheit sagen.
Meine Meinung:
Dieser Krimi ist nicht min erster von Jürgen Ehlers, der es meisterhaft versteht, die Nachkriegszeit in Hamburg einzufangen. Die Besatzung durch die Engländer ist sehr glaubwürdig geraten. Wir erfahren einiges über die politische und wirtschaftliche Situation der Menschen.
Hamburg, durch die alliierten Bomben schwer beschädigt, leidet extrem unter der Wohnungsnot. So werden die wohnungslosen Menschen in halbwegs intakte Häuser einquartiert. Man arrangiert sich mehr recht als schlecht. Nicht immer weiß man, wer der Zimmernachbar ist. Das öffnet natürlich Tür und Tor jenen Menschen, die etwas zu verbergen haben- Identitätsschwindel, Verschweigen von Nazi-Vergangenheit usw. - alles ist möglich.
Die Charaktere, die Jürgen Ehlers hier zeichnet, sind Menschen mit vielen Ecken und Kanten. Manche haben mehr, manche weniger braune Flecken. Immer wieder wird das Tun oder Lassen in der NS-Diktatur thematisiert. So ist auch der sympathische Wilhelm Berger nicht ganz frei von Schuld, weil er, den Netzwerken des Vaters vertrauend, für seine Tochter lebensrettende Begünstigungen benützt hat. Kann man ihm deshalb Vorwürfe machen? Hier der besorgte Vater, der seine halbjüdische Tochter vor den Nazis retten will, dort der Nutznießer der Beziehungen, der vielleicht das eine oder andere Mal weggesehen hat. Es ist schwer, ihn zu verurteilen, wie es Pagels manchmal tut.
Dieser Krimi ist eng an einen echten Kriminalfall angelehnt, der vor Jahren unter dem Titel „Stahlnetz“ für das Fernsehen verfilmt worden ist.
Ich werden jedenfalls alle Vorgänger zu Wilhelm Berger lesen, denn er ist eine interessante Figur.
Fazit:
Ein eher ruhiger Krimi, der sich durch einen hohen Spannungsbogen und guten Sprachstil auszeichnet. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.