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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.09.2024

Spannung und Wohlfühlatmosphäre

Signora Commissaria und der lachende Tod
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Als es in Florenz zu einer bizarren Mordserie kommt, bei der die Opfer mit einem starren Lächeln im Gesicht inszeniert und mit den Initialen des nächsten Opfers versehen werden, muss Commissaria Giulia ...


Als es in Florenz zu einer bizarren Mordserie kommt, bei der die Opfer mit einem starren Lächeln im Gesicht inszeniert und mit den Initialen des nächsten Opfers versehen werden, muss Commissaria Giulia Ferrari ran. Eigentlich hat sie sich ins Privatleben zurückgezogen, doch bei diesem rätselhaften Fall ist eine Expertin vonnöten. Ihr Ermittlungsteam wird ergänzt vom ehemaligen Kripobeamten und Barbetreiber Luigi und dem blinden Polizisten Enzo, zu dem die Commissaria sich sehr hingezogen fühlt.
Der Fall erscheint zunächst sehr rätselhaft, da keine Verbindung zwischen den Opfern zu bestehen scheint. Doch nach und nach ergeben sich Spuren, die in eine schwerreiche Unternehmerfamilie führt….
Der Autor Alexander Oetker ist ein Garant für unterhaltsame Krimis, bei denen Wohlfühlatmosphäre und Spannung nicht zu kurz kommen.

Veröffentlicht am 04.09.2024

Interessantes neues Ermittlerduo

Tode, die wir sterben
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Als in einem Brennpunktviertel in Malmö ein Junge erschossen wird, ist für die Polizeichefin Nora Mellander und die Presse schnell klar, dass es sich um ein weiteres Opfer der Drogenbandenkriege handelt. ...

Als in einem Brennpunktviertel in Malmö ein Junge erschossen wird, ist für die Polizeichefin Nora Mellander und die Presse schnell klar, dass es sich um ein weiteres Opfer der Drogenbandenkriege handelt. Mit dem Fall wird Kommissar Jon Nordh, der gerade seine Frau durch einen Unfall verloren hat, und die strafversetzte Ermittlerin Svea Karhuu betraut. Beide sind durch ihre Vorgeschichte belastet. Nordh hat durch den Unfalltod seiner Frau erfahren, dass diese eine Affäre mit seinem Freund und langjährigen Kollegen hatte. Karhuu hat eine verdeckte Ermittlung hinter sich, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Beide tun sich zunächst schwer miteinander, wissen jedoch auch, dass man sie als Außenseiter aus gutem Grund auf diesen undankbaren Fall angesetzt hat. Bald stellt sich heraus, dass der erschossene Junge wohl nur ein Zufallsopfer war und es eigentlich um etwas ganz anderes geht.
Mir gefällt, dass das Privat- und Vorleben der beiden Ermittler eine gewichtige Rolle spielt, denn so versteht man ihre Verhaltensweisen besser. Zudem ist ihre zunächst problematische Zusammenarbeit recht amüsant geschildert.
Es sind viele Themen wie Drogenclans, soziale Misere und Armut, alleinerziehende Eltern, Rassismus, aber auch Verrat, Missgunst, Schuld usw., die den Krimi eventuell etwas überfrachtet erscheinen lassen. Allerdings bewirkt dies auch eine authentische Mischung.

Veröffentlicht am 08.08.2024

Starke Hauptfigur

Im Unterholz
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Vera Bergström ist eine sehr eigensinnige und eigenwillige Figur. Mit 56 Jahren wohnt sie wieder in ihrem Heimatstädtchen und arbeitet ziemlich motivationslos als Hilfslehrerin. Ihre Arbeit als Journalistin ...



Vera Bergström ist eine sehr eigensinnige und eigenwillige Figur. Mit 56 Jahren wohnt sie wieder in ihrem Heimatstädtchen und arbeitet ziemlich motivationslos als Hilfslehrerin. Ihre Arbeit als Journalistin musste sie beenden, als ihre Lokalredaktion geschlossen wurde. Zudem hat sich ihr langjähriger Lebenspartner wegen einer jüngeren Frau von ihr getrennt. Vera igelt sich in ihrer Wohnung über dem ehemaligen Bahnhofsgebäude ein und hat noch nicht einmal die Umzugskartons ausgepackt. Nur ihre Freunde aus Kindheitstagen können sie hin und wieder zu einer gemeinsamen Aktivität motivieren.
Als in den Wäldern unter einem Hochsitz die Leiche einer Frau gefunden wird, wird Vera von ihrem früheren Redaktionschef beauftragt, die Hintergrundgeschichte zu der Tat zu recherchieren.
Zunächst nur widerwillig und zögerlich macht sich Vera an diese Arbeit, die ihr aber zunehmend Motivation schenkt und ihrer Arbeit wieder einen Sinn gibt. Dabei stößt sie auf eine düstere Geschichte.
Die Handlung ist spannend, tiefgründig und verzwickt. Besonders interessant für mich ist aber vor allem die Hauptfigur Vera Bergström mit ihren Ecken und Kanten. So lethargisch und eigenbrötlerisch sie zu Beginn auch wirkt, entpuppt sie sich zu einer beharrlich nach der Wahrheit Suchenden und bedient sich dabei auch unkonventioneller Wege.
Auf Band 2 darf man gespannt sein.

Veröffentlicht am 06.08.2024

Hoffnung auf Teil 3

Dunkler Abgrund
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Man sollte den ersten Band ,,Tiefer Fjord“ gelesen haben, um die Handlungsfäden und die Charaktere in ,,Dunkler Abgrund“ richtig einordnen zu können.
Nach dem Tod ihres Mannes kümmert sich Clara Lofthus ...


Man sollte den ersten Band ,,Tiefer Fjord“ gelesen haben, um die Handlungsfäden und die Charaktere in ,,Dunkler Abgrund“ richtig einordnen zu können.
Nach dem Tod ihres Mannes kümmert sich Clara Lofthus alleine um ihre Zwillingssöhne Andreas und Nikolai. Ihrer Rolle als Mutter fühlt sie sich angesichts der Trauer und ihrer anspruchsvollen Arbeit nicht immer gewachsen. Doch dann wird sie zur Justizministerin Norwegens ernannt. Diese Chance, wirklich etwas in der Gesellschaft zu verändern, will sich Clara trotz ihrer Söhne und ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter nicht entgehen lassen. Aber dann erhält sie Drohbriefe von jemandem, der weiß, was sie getan hat. Denn Clara hat schon so einige Leichen im Keller. Entschlossen und mutig verzichtet sie auf Polizeischutz, doch dann werden ihre beiden Söhne entführt. Voller Verzweiflung begibt sie sich auf die Suche nach ihren Kindern und muss sich dabei ihrer Vergangenheit stellen.
Leider hat mich ,,Dunkler Abgrund“ nicht ganz so packen können wie der erste Teil. Die Suche nach den Kindern wird sehr ausführlich, dennoch nicht so richtig spannend erzählt und die Auflösung am Ende war mir zu wenig überzeugend. Schade, da mir Clara Lofthus, gerade wegen ihres starken und widersprüchlichen Charakters sehr gut gefällt. Aber da es sich um eine Trilogie handelt, besteht ja Hoffnung, dass der dritte Teil dann wieder etwas überzeugender gelingt.

Veröffentlicht am 09.07.2024

Banlieues

Bannmeilen
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Der normale Tourist kennt in Paris nur die Viertel der Innenstadt, intra muros. Kaum einer verirrt sich in die Banlieues, die das weniger schöne Gesicht von Paris zeigen. Die deutsche Schriftsellerin Anne ...

Der normale Tourist kennt in Paris nur die Viertel der Innenstadt, intra muros. Kaum einer verirrt sich in die Banlieues, die das weniger schöne Gesicht von Paris zeigen. Die deutsche Schriftsellerin Anne Weber, die in Frankreich lebt, macht sich zusammen mit dem befreundeten Dokumentarfilmer Thierry auf den Weg, um das Département 93, Seine-Saint-Denis zu erkunden. Thierry ist auf der Suche nach Orten, die im Zuge der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2024 tiefgreifend umgestaltet werden. Dabei entdecken sie neben Schienen, Schnellstraßen, Autobahnen, Lagerhallen, gewaltigen Supermärkte, Baustellen und gigantischen Wohnklötzen auch völlig Unterwartetes, wie z.B. ein Café, in dem unterschiedlichste Bewohner der Vorstadt eine Art Heimat gefunden haben. Anne Weber erkennt bei diesen Spaziergängen, dass sie für die vor den Toren von Paris gelegenen Viertel bisher völlig blind gewesen ist und entdeckt neben der Armut und der Hässlichkeit auch Hoffnung und Menschlichkeit in einer vielschichtigen Gesellschaft.
Ein leises, unspektakuläres, dennoch sehr berührendes Buch für alle Frankreich- und Parisliebhaber, die sich auch für die Facetten hinter den glänzenden Fassaden interessieren.