Profilbild von coffee2go

coffee2go

Lesejury Star
offline

coffee2go ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit coffee2go über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.09.2018

Das Leben in Briefen

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin
0

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Phoebe vermisst ihre ältere Schwester April sehr, die schon seit längerer Zeit stationär in einer Klinik zur Behandlung ihrer Magersucht untergebracht ist. Die kleine Schwester ...

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Phoebe vermisst ihre ältere Schwester April sehr, die schon seit längerer Zeit stationär in einer Klinik zur Behandlung ihrer Magersucht untergebracht ist. Die kleine Schwester macht sich große Sorgen, das kann man auch in den rührenden Briefen, die sie täglich an ihre Schwester schreibt, spüren. Die Eltern können mit Phoebe nicht über die Krankheit von April sprechen, da sie es selbst kaum damit zurechtkommen und auch in der Klinik darf Phoebe ihre Schwester nicht besuchen. So ist sie mit ihren Gedanken über die Krankheit ziemlich alleine gelassen und schreibt all ihre Gedanken und Erlebnisse in Briefen nieder, die sie an ihre Schwester schickt. Obwohl sie keine Antwort bekommt, schreibt sie unaufhörlich weiter. Phoebes einziger Trostspender ist der Familienhund, der jetzt auch vermehr ihre Nähe sucht.

Meine Meinung zum Buch:
Lilly Lindner schreibt sehr klar und in einfacher Sprache aus der Sicht eines Kindes, was in einer Familie vorgeht, wenn ein Familienmitglied schwer krank ist und sie beschreibt auch wie unterschiedlich die beiden Elternteile bzw. Phoebe mit der Erkrankung ihrer Schwester umgehen und wie die Familie langsam daran zerbricht. Ebenso ist die Krankheit Magersucht für viele immer noch ein Tabuthema, das totgeschwiegen wird und die Angst der Eltern macht sich auch darin bemerkbar, dass nun auch das Essverhalten der jüngeren Tochter kritisch beobachtet wird. Durch die miteinbeziehende Schreibweise der Autorin, kann man sich sehr gut in die Situation der Familie und insbesondere in die kleine Schwester Phoebe hineinversetzen.
Sehr gut gefallen hat mir dann auch etwa in der Mitte des Buches der Wechsel zu April, die Briefe an ihre Schwester Phoebe beantwortet, aber ihr nicht schickt, da sie Angst hat, dass die Briefe nicht bei ihrer Schwester ankommen oder ihre Mutter die Briefe verstecken könnte. April beschreibt die Krankheit aus ihrer Sicht und geht auch komplett anders damit um. Ebenfalls ist deutlich zu erkennen, dass sie hin- und hergerissen ist, denn einerseits möchte sie sehr gerne wieder bei ihrer kleinen Schwester sein, aber auf der anderen Seite spürt sie auch, dass sie schon zu tief in die Magersucht hineingerutscht ist, sodass es für sie keinen Ausweg mehr gibt.
Ebenfalls sehr gelungen finde ich die poetische Auseinandersetzung mit Wörtern und die Wortspielereien und das Erfinden von neuen Wörtern bzw. das neu interpretieren von Wörtern durch die beiden Schwestern, dies hat dem Buch eine zusätzliche positive literarische Wende gegeben. Und auch das Thema, dass Eltern durch ihren anstrengenden Arbeitsalltag immer weniger Zeit und Geduld für ihre Kinder aufbringen können oder Zeit haben, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und richtig zuzuhören oder gemeinsam Zeit zu verbringen, hat das Buch sehr deutlich angesprochen. Auch Phoebe und April werden eher als störend empfunden, wenn sie Fragen stellen, werden diese ignoriert und wenn sie sich austoben, werden sie nach draußen geschickt, damit sie nicht so viel Unordnung und Chaos ins Leben der Erwachsenen bringen. Dadurch haben sich die beiden von ihren Eltern immer weiter entfernt, aber die Schwestern sind dadurch noch enger zusammengewachsen.

Titel und Cover:
Der Titel klingt poetisch und weist schon sehr gut auf den Inhalt des Buches hin und das Cover ist optisch sehr ansprechend gestaltet, sodass man das Buch gerne in sein Bücherregal stellt.

Mein Fazit:
Das Buch ist keine leichte Kost, im Gegenteil, es ist auch sehr traurig und teilweise aussichtslos, trotzdem habe ich es auch sehr schön gefunden, vor allem die starke Bindung der beiden Schwestern, die in einer wenig herzlichen Familie aufwachsen, habe ich sehr rührend gefunden. Das Buch eignet sich auch sehr gut zum Lesen für Mädchen im Teenageralter mit ihren Eltern, damit man dann eine gemeinsame Grundlage hat um über das Thema Magersucht zu sprechen.

Veröffentlicht am 28.09.2018

Wer sitzt in der Falle?

Die Falle
0

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Die Romanautorin Linda Conrads führt nach dem Tod ihrer Schwester ein völlig abgeschottetes Leben in ihrer Villa am Starnberger See. Seit elf Jahren hat sie ihre Villa nicht ...

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Die Romanautorin Linda Conrads führt nach dem Tod ihrer Schwester ein völlig abgeschottetes Leben in ihrer Villa am Starnberger See. Seit elf Jahren hat sie ihre Villa nicht mehr verlassen, aber trotzdem ist sie gut vernetzt und wird von ihrer Assistentin, ihrem Verleger und ein paar Personen regelmäßig besucht. Sie hat sich auch selbst die Aufgabe gestellt, regelmäßig Bücher zu veröffentlichen, die auch bei den LeserInnen gut ankommen. Plötzlich wird ihr Leben nochmals auf den Kopf gestellt, als sie den vermeintlichen Mörder ihrer Schwester als Reporter im Fernsehen erkennt. Zuerst fällt sie in eine tiefe Lethargie, doch dann schmiedet sie einen Plan, wie sie ihn in ihr Haus locken könnte um ein Geständnis aus ihm herauszulocken. Obwohl sie sich sehr gut auf diesen Tag vorbereitet, läuft dann doch nicht alles nach Plan und die Ereignisse überhäufen sich.

Meine Meinung zum Buch:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und vor allem auch Linda, die einerseits ein total abgeschottetes Leben von der Außenwelt führt und auf der anderen Seite trotzdem so viel von der realen Welt mitbekommt, dass es quasi schon wieder „normal“ wirkt. Spannend finde ich auch, das Katz- und Mausspiel im Interview zwischen Linda und dem (vermeintlichen) Mörder ihrer Schwester, wobei sie zwischenzeitlich selbst am Zweifeln ist, ob sie den richtigen Mörder erwischt hat oder ob sie sich in etwas verrannt hat. Auch die LeserInnen werden in das Katz- und Mausspiel hineingezogen, sodass zwischenzeitlich nicht klar ist, ob Linda wirklich überzeugt davon ist, dass sie ihren Interviewer in der Wohnung ihrer Schwester gesehen hat oder ob sie womöglich sogar selbst etwas mit dem Tod ihrer Schwester zu tun hat. Gerade diese Unsicherheiten haben das Buch für mich noch spannender gemacht.

Titel und Cover:
Das Cover ist optisch schön aufbereitet, hochwertig und passt auch zum Inhalt des Buches, genauso wie der Titel, der kurz und prägnant und vielversprechend klingt.

Mein Fazit:
„Die Falle“ ist ein außergewöhnlich spannender Krimi von Melanie Raabe und ich hoffe, dass wir von der Autorin noch viele weitere Krimis zu lesen bekommen.

Veröffentlicht am 28.09.2018

Gedächtnisverlust mit Folgen

Heimweh
0

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Jesse ist 40 Jahre alt, geschieden und arbeitet als Kinderarzt. Außerdem hat er seine Kindheit in einem Kinderheim verbracht und auch davor einiges miterlebt, sodass er sich ...

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Jesse ist 40 Jahre alt, geschieden und arbeitet als Kinderarzt. Außerdem hat er seine Kindheit in einem Kinderheim verbracht und auch davor einiges miterlebt, sodass er sich jetzt das Sorgerecht für seine Tochter Isa mit seiner Frau teilt und die Zeit, die er mit seiner Tochter verbringen darf, sehr schätzt. Von einem Tag auf den anderen ändert sich sein Leben plötzlich, indem er seine Ex-Frau tot in ihrer Wohnung auffindet und seine Tochter Isa entführt wurde. Er macht sich selbst auf die Suche nach seiner Tochter und nimmt Jule, die Freundin seiner Ex-Frau, unfreiwillig mit auf seine Reise. Jesse vermutet, dass der Täter aus seiner Zeit im Kinderheim stammt und deckt mit der Zeit mehr vergrabene Erlebnisse auf als ihm lieb sind.

Meine Meinung zum Buch:
„Heimweh“ lässt sich sehr zügig und flüssig lesen, da der Autor sehr detailliert und beschreibend schildert und die Spannung durch Rückblenden in die Jugendzeit von Jesse lebhaft und spannend hält. Einzig in der Mitte des Buches ist der Spannungslevel kurz abgesackt, da sich aufgrund der immer gleichbleibenden Akteure und dem einzigen Handlungsort vieles wiederholt hat. Ansonsten fand ich es spannend, dass Jesse durch einen Gedächtnisverlust in der Kindheit selbst nicht mehr alle Erinnerungen an die damalige Zeit hatte und somit selbst wieder herausfinden musste, wer ihm positiv gesinnt war und wer nicht. Diese Ungewissheit hat auch mich als Leser fasziniert. Nachdem immer mehr Details aus der Vergangenheit ausgegraben wurden, haben sich auch die einzelnen Puzzlestücke zusammengefügt und am Ende war sowohl der Gesamtzusammenhang als auch die Tat nachvollziehbar.

Titel und Cover:
Der Titel „Heimweh“ wurde sehr treffend ausgewählt und passt sehr gut, da Jesse in einem Kinderheim aufgewachsen ist. Am Cover gefallen mir der minimalistische Stil und die Kontrastfarben sehr gut.

Mein Fazit:
„Heimweh“ ist nach „Schnitt“ und „Der Schock“ ein wirklich lesenswerter Psychothriller, der trotz Gedächtnisverlust des Hauptcharakters im Gedächtnis haften bleibt.

Veröffentlicht am 28.09.2018

Bauchgefühl?

Nun ruhet sanft
0

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Kommissar Dühnfort wird zu einem grausamen Tatort gerufen bei dem vermutlich der Familienvater seine Frau und seine beiden Kinder ermordet hat. Doch etwas findet er irritieren, ...

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Kommissar Dühnfort wird zu einem grausamen Tatort gerufen bei dem vermutlich der Familienvater seine Frau und seine beiden Kinder ermordet hat. Doch etwas findet er irritieren, denn der Familienvater steht plötzlich mit roten Rosen vor der Haustür und steht scheinbar unter Schock oder schauspielert er so überzeugend? Kommissar Dühnforts Aufgabe ist es, dies herauszufinden. Falls nicht der Familienvater der Täter ist, wer hätte ein Motiv dazu, zwei kleine Kinder zu töten? Da Kommissar Dühnfort selbst bald Vater wird, ist er gerade von diesem Fall auch persönlich stark betroffen und weiß nicht, ob er seinem Bauchgefühl diesmal trauen kann.

Meine Meinung zum Buch:
Nachdem ich bis jetzt alle Krimis mit Kommissar Dühnfort und Gina von Inge Löhnig gelesen und als sehr spannend befunden habe, muss ich sagen, dass dieser Fall noch um eine Spur spannender und dramatischer ist als die Vorgänger-Krimis. Einerseits liegt dies vermutlich daran, dass das Thema sehr emotional und berührend ist, denn es wird eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern auf grausame Weise getötet. Auch Kommissar Dühnfort, der bald selbst Vater wird, hat in diesem Fall mit den Emotionen zu kämpfen und wirkt dadurch noch sympathischer und einfach menschlich. Somit hat die Autorin es geschafft, den zu ermittelnden Fall und das Privatleben von Kommissar Dühnfort und Gina aufeinander abzustimmen, sodass das Lesen sehr großen Spaß gemacht hat. Etwas schade finde ich, dass Gina, seitdem sie nicht mehr direkt mit Kommissar Dühnfort zusammenarbeitet, etwas in den Hinterhalt gerückt ist. Ich würde auch empfehlen, die Vorgänger-Krimis zuerst zu lesen und nicht mit „Nun ruhet sanft“ in die Serie einzusteigen, da man ansonsten zu viel zwischenmenschliche Beziehungsgeflechte versäumt hat und eventuell nicht so gut nachvollziehen kann.

Titel und Cover:
Das Cover ist optisch ansprechend gestaltet und passt auch aufgrund des Stils zur gesamten Krimireihe mit Kommissar Dühnfort. Der Titel sowie die dunklen Gewitterwolken wirken düster, bedrückend, aber vielversprechend für einen guten Krimi.

Mein Fazit:
Der aktuelle Krimi mit Kommissar Dühnfort übertrifft die vorangegangen Fälle, die auch schon sehr spannend waren, nochmals um Längen – also unbedingt lesenswert!

Veröffentlicht am 28.09.2018

Outing mit Folgen

Mann ohne Herz
0

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Siri Bergmann hatte bis vor kurzem noch eine Gemeinschaftspraxis als Psychologin mit ihrer besten Freundin, doch die Freundschaft ist in die Brüche gegangen und die Praxis ...

Kurze Inhaltszusammenfassung:
Siri Bergmann hatte bis vor kurzem noch eine Gemeinschaftspraxis als Psychologin mit ihrer besten Freundin, doch die Freundschaft ist in die Brüche gegangen und die Praxis wurde aufgelöst. Nach einem langen Tief hat sich Siri wieder gefangen und startet als Polizeipsychologin, wo sie gemeinsam mit ihrem langjährigen, schwulen Freund arbeiten darf. Dies ist das Schöne an der Sache, weniger schön ist der erste Fall, in dem sie arbeiten darf. Es werden schwule Männer auf brutalste Weise ermordet und verstümmelt, wie beispielsweise das Herz herausgeschnitten oder der Penis abgetrennt. Die Polizei tappt lange Zeit im Dunkeln und weiß nicht so recht, ob es die Tat eines Schwulenhassers ist oder ob persönliche Motive dahinterstecken.

Meine Meinung zum Buch:
Dem Autorenduo ist es sehr gut gelungen, den Psychothriller spannend und auch durchgehend klar zu strukturieren, sodass man als LeserIn nicht den Eindruck hat, dass mehrere Personen geschrieben haben. Es hat mich positiv überrascht, dass es so eine runde Geschichte geworden ist. Das Thema Homosexualität wird in diesem Buch auch aufgegriffen und die Autorinnen machen deutlich, dass man es vor 20 oder 30 Jahren mit dem Vorhaben sich zu outen noch nicht so leicht hatte, wie es heute schon der Fall ist. Vor allem Sven konnte mit der Ablehnung durch seine Familie und den Enttäuschungen durch Freunde nicht gut umgehen. Besonders sympathisch finde ich auch den Charakter von Sigi, die in ihrem Leben bereits Höhen und Tiefen erlebt hat, und vielleicht gerade dadurch menschlich und liebenswert erscheint. Ich finde sie sehr unterhaltsam und würde in Folge auch gerne wissen, wie es in ihrem Privatleben weitergeht. Bleibt sie in ihrer intakten Familie mit Freund und Sohn oder lässt sie sich auf das Ungewisse ein.

Titel und Cover:
Das Cover und der Titel passen meiner Meinung nach sehr gut zum Inhalt des Buches und vor allem der Titel spricht auch das eigentliche Anliegen von Sven an.

Mein Fazit:
Das Schwesternduo Camilla Grebe und Asa Träff haben mich mit diesem Buch neugierig gemacht, noch weitere Bücher von ihnen zu lesen.