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Veröffentlicht am 05.08.2026

Ein eindringliches, atmosphärisches Drama an der Westküste Neuseelands

Kerbholz
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Im Jahr 1978 werden drei britische Geschwister zwischen 7 und 14 Jahren aus bisher privilegiertem britischem Ambiente völlig unerwartet und unvorbereitet herausgeschleudert aus ihrem sozialen, behüteten ...

Im Jahr 1978 werden drei britische Geschwister zwischen 7 und 14 Jahren aus bisher privilegiertem britischem Ambiente völlig unerwartet und unvorbereitet herausgeschleudert aus ihrem sozialen, behüteten Umfeld durch einen Autounfall des Vaters. Als verwundete Waisen auf einer verwahrlosten Farm ohne Strom- und Wasseranschluss an einem weit abgelegenen, hinterwäldlerischen Geisterort des ehemaligen Goldrauschs an der Westküste Neuseelands landen sie schließlich, über Jahre eingesetzt als Arbeitssklaven von 2 obskuren Gestalten. Ohne mögliche Trauerarbeit um tote Eltern und 4. Geschwister, ohne Aussicht auf baldige polizeiliche Suchtrupps oder medizinische Versorgung erdulden die Kinder harte Arbeitseinsätze, Lügen, Einsamkeit in wilder Natur. Ihre unterschiedliche Entwicklung der Charaktere in Gefangenschaft über den langen Zeitraum wird in feinen, beklemmenden Nuancen dargestellt, zwischen mehrmaligen Fluchtversuchen und Akzeptanz der Unfreiheit driftend. Ihre Retter entpuppen sich schon bald als gewalttätige Ausbeuter, denen es einzig um ihren eigenen Vorteil geht. Manche Szenen sind so intensiv beschrieben mit den jeweiligen Stärken und Schwächen aller Beteiligten. Die Szene um die nun erwachsene, betrunkene Kate und dem Geist am See, als Mensch getarnt, wirkt etwas sonderbar.
Auf einer weiteren Erzählebene der Gegenwart ab 2010 geht es um Familienangehörige in London, die bisher die Hoffnung, die Vermissten in Neuseeland zu finden, noch nicht aufgegeben haben trotz mehrmaliger, eigener Suchermittlungen ab 1978 entlang der zerklüfteten Westküste und dichtem Buschland. Erst 32 Jahre nach erster Vermisstenmeldung werden zufällig gefundene, sterbliche Überreste als die ihres Neffen identifiziert, zusammen mit der Armbanduhr des Vaters und einem Kerbholz. Erst 4 Jahre, nachdem die Familie spurlos verschwunden war, soll er lt. Polizeibericht verstorben sein. Die immer noch schwelende Hoffnung auf ein positives Finale - nicht nur von Seiten der Londoner Familie - wird nicht genährt. Thematisch vertieft werden Familienbande, ihre Verbundenheit – auch zu Wahlfamilien. Der Preis für Rettung, für das Überleben, für Kost und Logis, geritzt auf einem mittelalterlichen Schuldschein, dem Kerbholz, scheint in der Wildnis der neuseeländischen Westküste sehr hoch zu sein.
Insgesamt ein atmosphärischer, düsterer Roman – den Lebensstil mancher Personen und die isolierte, undurchdringliche Natur betreffend. 5/5+

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Veröffentlicht am 04.08.2026

Das umfassende Thema von Schuld

Nur eine weitere Geschichte
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In drei Teilen beschreibt die australische Autorin das Leben der Hauptfigur Suzy Hamilton, 40, zunächst erfolgreiche Journalistin und alleinerziehende Mutter in Sydney. Neben dem Hauptstrang um die Wellness-Bloggerin ...

In drei Teilen beschreibt die australische Autorin das Leben der Hauptfigur Suzy Hamilton, 40, zunächst erfolgreiche Journalistin und alleinerziehende Mutter in Sydney. Neben dem Hauptstrang um die Wellness-Bloggerin Tracey Doran, deren gefährlichen, verantwortungslosen Lügen über ihre Wunderheilung eines angeblichen Krebsleidens auf sozialen Medien und Selbstmord direkt nach Erscheinen von Suzys Enthüllungsgeschichte über sie, geht es auch um Suzys Alltag mit allen finanziellen, emotionalen, sexuellen und beruflichen Herausforderungen. Nicht nur sie wird geplagt von Schuldgefühlen, unwissentlich in Traceys Leben Schaden angerichtet zu haben, nein, auch Jan Doran, deren Mutter, kämpft mit der Schuldfrage, aus Überforderung in ihrem Krankenhausjob nicht rechtzeitig an Traceys unverantwortlichem Verhalten erfolgreich gerüttelt zu haben. Über den Vater Terry, auch ein notorischer Lügner, wird sein Einfluss auf die kindliche Entwicklung Traceys erörtert. Schließlich könnte auch Tracey selbst eine gewisse Schuld und Mitverantwortung treffen, sollte sie durch ihre erfundene Heilung ihrer vorgetäuschten Krebserkrankung anderen Menschen geschadet haben. Eine weitere Geschichte über Tracey Doran mit ihren positiven Lebensdaten soll die belastenden Schuldgefühle aller Beteiligten schließlich dämpfen. Ein kritischer Blick wird nicht nur auf den prestigeträchtigen Journalismus unter Verarbeitung anonymer Informationen und Gerüchten geworfen, angeschnitten werden auch Missbrauch in der katholischen Kirche, Homosexualität, dissoziales verbales Verhalten auf sozialen Medien.
Der reflektierte, respektvolle Schreibstil erschafft lebensnahe Personen in verschiedenen, auch sehr stressigen Alltagssituationen und Beziehungen. 4*

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Veröffentlicht am 01.08.2026

Über die Macht der kleinen Gesten – zum Nachdenken!

Die Glückslieferanten
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Das Cover und die vier Kapitelanfänge sind typisch japanisch designt – ehr ansprechend. Alle Kurzgeschichten handeln von letzten, aufmunternden Botschaften Verstorbener an die mal alten, jungen, mal männlichen ...

Das Cover und die vier Kapitelanfänge sind typisch japanisch designt – ehr ansprechend. Alle Kurzgeschichten handeln von letzten, aufmunternden Botschaften Verstorbener an die mal alten, jungen, mal männlichen bzw. weiblichen Hinterbliebenen. Ihre Inhalte und die jeweilige Wirkung auf ihre Empfänger führen zu Momenten der Überraschung, der liebevollen Erinnerung, der nachträglichen Dankbarkeit und sogar zur Lebensumstellung. Die junge Nanahoshi, die jeweils den titelgebenden Himmellieferservice von Briefen bzw. Päckchen übernimmt, ist die einfühlsame Hauptperson in diesem ruhig dahin gleitenden Werk.
Für das eigene Leben könnte man vielleicht gewisse Gedanken übernehmen, was letzte Kontaktmomente in hoffentlich ausgeglichenem Ambiente betrifft. Selbst nach dem Tod kann man etwas Positives, unerwartetes Glück, sogar Lebensveränderndes durch die Macht von Worten bzw. Aktionen bewirken.

Eine Trost spendende, ernste Thematik! 3,5*

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Veröffentlicht am 31.07.2026

Ein Familienroman mit liebenswerten, sanften Außenseitern

Leonard und Paul
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Das Cover zeigt einen gezeichneten Mondfisch, der ohne Schwanzflosse wie ein riesiger, schwimmender Kopf aussieht. Im Text findet sich unscheinbar eine aufklärende Stelle, an der Peter seinen Sohn Paul ...

Das Cover zeigt einen gezeichneten Mondfisch, der ohne Schwanzflosse wie ein riesiger, schwimmender Kopf aussieht. Im Text findet sich unscheinbar eine aufklärende Stelle, an der Peter seinen Sohn Paul als Helens Mondfisch bezeichnet. Wie dieser seltene Fisch tritt der erwachsene Sohn als sanfter, introvertierter Außenseiter auf, immer um Korrektheit im Umgang mit anderen bemüht, freundlich, geduldig, stets sehr überlegt reagierend. Mit sehr ähnlichem Naturell ausgestattet ist sein einziger Freund Leonard, lange in einer partnerschaftlichen Mutter-Sohn-Beziehung lebend. Keine lauten, dramatischen Komplikationen im rational und pragmatisch ausgerichteten Leben der Beiden überfrachten hier den ruhigen, geordneten Alltag voller warmherziger zwischenmenschlicher Abläufe. Eine Reihe von originellen Veränderungen wie z.B. Damenbekanntschaft oder Wettbewerbsgewinn, die das Leben der zwei Hauptfiguren um die 30 nach und nach bereichern, sorgen für weniger Zurückgezogenheit, Unsicherheit und mehr Mut zur privaten und beruflichen Öffnung. Ebenso lebendig und liebenswürdig werden auch die Nebenfiguren vorgestellt, alles ummantelt mit feinem Humor in einfühlsamem Schreibstil. 5*

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Veröffentlicht am 29.07.2026

Realistische Auseinandersetzung um sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz

Service
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Das Setting ist hier angesiedelt in der Nobel-Restaurant-Szene in Dublin um das Jahr 2000. Während der Buchtitel so harmlos, bescheiden daherkommt, wendet es sich doch sehr authentisch dem tief ernsten ...

Das Setting ist hier angesiedelt in der Nobel-Restaurant-Szene in Dublin um das Jahr 2000. Während der Buchtitel so harmlos, bescheiden daherkommt, wendet es sich doch sehr authentisch dem tief ernsten Problem von Vergewaltigung zu. Das harte Tagesgeschäft in der Stargastronomie mit dem dortigen rauen Ton in der Küche, den Hierarchien zwischen Köchen, Management, Barkeepern und Service wird lebendig vorgestellt. Besonders die jungen, attraktiven Servicekräfte, meist Studentinnen, sind sexuellen Anzüglichkeiten auch von Gästen ausgesetzt, von ihnen akzeptiert in Erwartung eines lukrativen Trinkgeldes. Jede prall ausgebuchte Restaurantwoche endet dort mit ausgelassenen Feiern voller Alkohol, Drogen und mehr. In dieser männerdominierten Welt kommt nach zehn Jahren der 2-Sterne-Chefkoch Daniel Costello vor Gericht. Die Anklage lautet auf sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Klägerin ist eine ehemalige Service-Kraft. In Rückschauen geht es um seinen beruflichen Ehrgeiz, seine Liebe zum Kochen und zu seiner Familie, sein Aufwachsen in Armut. Auch dessen Ehefrau Julie kommt zu Wort, versucht sie doch, zunächst fest hinter ihrem Mann zu stehen, jedoch mit zunehmenden Zweifeln bezüglich seiner Unschuld. Eine weitere Erzählperspektive bietet das Opfer Hannah Blake aus dem Service, deren ansprechende Optik der Hauptgrund für ihre Anstellung ist. Die Ausarbeitung dieser Figuren, die Einblicke in ihre Gedanken ist gelungen. Diese Ich-Erzählungen aus drei abwechselnden Perspektiven berichten nachvollziehbar rund um den Prozess, auch über die Folgen von gesellschaftlicher Ausgrenzung. Auf das erschreckende Bild über sexuelle Übergriffe, auf das damit einhergehende Trauma und auf die zeitlich zähe Rechtsprechung in Irland wird im Nachwort der Autorin nochmals kurz hingewiesen.
Ein aufrüttelndes Buch zum Nachdenken!

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