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Veröffentlicht am 19.04.2018

Ein aufwühlender Roman über berührende Schicksale der deutschen Geschichte.

Honigtot
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Es ist eine Merkwürdigkeit des Lebens, dass dem Menschen fast immer bewusst ist, wenn er dem Guten begegnet, während der Instinkt dem Bösen gegenüber fast ausschließlich versagt. Zitat Seite 199


Dieses ...

Es ist eine Merkwürdigkeit des Lebens, dass dem Menschen fast immer bewusst ist, wenn er dem Guten begegnet, während der Instinkt dem Bösen gegenüber fast ausschließlich versagt. Zitat Seite 199


Dieses Buch hat mich von Beginn an gefesselt. Ich bin emotional tief eingetaucht in die dramatische Familiengeschichte, die erlittene Seelenpein, die Kriegsjahre und die dramatischen Schilderungen haben mich nicht mehr losgelassen. Es ist ein wahres Gefühlskaleidoskop, das mich berührt, aufgewühlt, gut unterhalten und nachdenklich gestimmt hat. So muss ein großer Roman auf den Leser wirken.

Neben dem wortgewandten, ausdruckstarken Schreibstil ist besonders die faszinierende mitnehmende Geschichte ein unglaubliches Highlight. Hanni Münzer schildert die geschichtlichen Gegebenheiten ungeschönt und mit tragischen Schicksalen gefüllt. Ihre Protagonisten scheinen zu leben, so detailgenau und dramatisch bringt sie die Handlung zu Papier.

Die Familie erlebt die Judenverfolgung hautnah mit, die Mutter versucht, ihre Kinder durch eine Heirat mit einem ranghohen Sturmführer zu schützen. Wie die nachfolgenden Generationen erst viel später die Wahrheit erfahren, zeigt, wie schwierig es den Betroffenen war, über die erlittenen Qualen zu reden und zu was sie ihre Lage gemacht hat. Das ist erschreckend zu lesen, aber dank des gelungenen Schreibstils von Hanni Münzer gibt es viele Passagen, die auch angenehme Szenen beschreiben. Die Entwicklung der Protagonisten ist das Interessante am Roman, sie fesselt ungemein und man versteht viele Handlungsweisen der Figuren und bangt um einen guten Ausgang.



Ein unglaublicher Roman um Liebe, Verrat, Schrecken und Hoffnung! Wer sich für die geschichtliche Auseinandersetzung interessiert, sollte diesen als Roman aufgearbeitete Familiensaga lesen.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Eine leichte Strandkorblektüre

Möwe, Meer und Mord
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Möwe, Meer und Mord
Möwe, Meer und Mord
Helen Kampen
Rezension vom 07.06.2016 (61)

Autorin Helen Kampen lässt ihren Krimi "Möwe, Meer und Mord" auf Norderney spielen. Das Buch erscheint im "Emons Verlag".

Journalistin ...


Möwe, Meer und Mord
Möwe, Meer und Mord
Helen Kampen
Rezension vom 07.06.2016 (61)

Autorin Helen Kampen lässt ihren Krimi "Möwe, Meer und Mord" auf Norderney spielen. Das Buch erscheint im "Emons Verlag".

Journalistin Amadea König freut sich auf ihren Familienurlaub auf Norderney, bei dem sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet. Nach ihrer Elternzeit hat sie mal wieder einen Auftrag: sie soll eine Reisereportage schreiben. Sie hofft auf ein spannendes Thema während ihres Urlaubs.
Zwischen Strandkörben, Meeresrauschen und Möwengeschrei muss sie sich allerdings auch ihren Sprößlingen widmen. Doch wie es der Zufall will, stößt sie auf einen Mordfall. Sie stürzt sich in die Ermittlungen und kommt dabei dem eigentlich mit diesem Fall befassten Kommissar Alexander de Vries in die Wege. Dank Amadea erhält er die entscheidenden Hinweise zur Aufspürung des Mörders.


Herrlich. Wie hatte Amadea das vermisst! Fehlten nur noch ein Milchkaffee, ein Stück Kuchen und ein Babysitter. Zitat Seite 18

Bei diesem Urlaubskrimi hat mich sofort das schöne Cover angesprochen. Der abgebildete Strandkorb steht inmitten von Strandhafer am Meer und das ist absolutes Urlaubsflair für mich.
So habe ich diesen Krimi in meinem Urlaubsgepäck nach St. Peter-Ording mitgenommen und gelesen.
Die Handlung ist sehr unterhaltsam, nicht gerade sehr spannend, aber man erlebt die Kindererziehung und Probleme von arbeitenden Eltern mit. Wie fast schon nebenbei ein Mordfall aufgeklärt wird, bei dem die Journalistin in Konkurrenz zum ermittelnden Kommissar tritt, macht Spaß zu lesen.

Der Schreibstil ist flüssig und gefällt mir gut, die Autorin versetzt sich scheinbar mit dem entscheidenden Hintergrundwissen in die Situation der dargestellten Mutterrolle unter der Herausforderung, auch noch für einen Artikel recherchieren zu müssen. Besonders die Kinder benehmen sich sehr authentisch und man fühlt sich an die Zeit mit den eigenen Kleinen erinnert.

Die beschriebenen Schauplätze auf Norderney hat man gut vor Augen, wer die Insel kennt, kann sicherlich noch tiefer in die Handlung eintauchen. Hier gerät man sofort in Urlaubsstimmung und scheint die Möwen direkt zu hören.

Der Krimifall ist dem Thema Urlaubsinsel und Spekulation von Immobilien gewidmet. Das ist in der heutigen Zeit sehr aktuell und macht die Schwierigkeiten von Urlaubsgegenden klar deutlich.

Ein Urlaubskrimi, der zwar etwas mehr Spannung verdient hätte, aber mich dennoch wunderbar unterhalten hat.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Ein tief bewegendes Schicksal im kargen Island wird zum literarischen Erlebnis!

Das Seelenhaus
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"Sie wissen nichts von mir.
Und ich schweige. Ich will mich vor der Welt verschließen, ich will mein Herz verhärten und an den Dingen festhalten, die mir noch nicht genommen sind. Ich darf nicht zulassen, ...

"Sie wissen nichts von mir.
Und ich schweige. Ich will mich vor der Welt verschließen, ich will mein Herz verhärten und an den Dingen festhalten, die mir noch nicht genommen sind. Ich darf nicht zulassen, dass ich vergehe." Zitat Seite 39


Dieser Roman zieht den Leser mit sich in eine Zeit, als die letzte tatsächliche Hinrichtung in Island stattgefunden hat.
Hannah Kent hat diese wahre Geschichte recherchiert und Wahrheit und Fiktion zu einem tiefen ergreifenden Roman verbunden. Ein Werk, dass dem Leser in ruhiger, besonnener Sprache dramatisch vor Augen führt, welches Elend und welche rauhen Sitten damals herrschten. Als Mägde außer der schweren körperlichen Arbeit ihren Dienstherren in jeder Weise zu Willen sein mussten, ohne Hoffnung auf Menschlichkeit und Gnade.


Dabei steht der Charakter Agnes natürlich im Vordergrund. Als sie auf ihre Hinrichtung wartet, ist sie in einer Bauernfamilie auf dem Kornsáhof untergebracht. Tóti, der junge Hilfspfarrer, wird Agnes Wunsch entsprechend als christlicher Beistand zugewiesen. Ihm öffnet sie ihr Herz und offenbahrt ihre Geschichte.
Sie wird unbeschönigt als schweigsame, intelligente Frau geschildert, die als Kind von der Mutter verlassen wurde, als Mündel auf verschiedenen Höfen arbeiten musste und deren Liebe ihres Lebens ihr zum Verhängnis wurde. Ihr Schicksal ist sowohl tragisch als auch herzergreifend und man erfährt im Lauf der Handlung die wahren Hintergründe und den Tathergang. Das macht sie zu einer Ausnahmeerscheinung, der man sein ganzes Mitleid entgegen bringt.

Hannah Kent ist eine begnadete Erzählerin! Dank ihrer klaren, poetischen Erzählkraft versinkt man in einer vergangenen Zeit voller Grausamkeit und Armut, aber auch in der schroffen Schönheit der isländischen Natur, die im Winter besonders karg und abweisend erscheint. Die Lebensumstände wirken in besonderer Weise atmosphärisch und dicht und untermauern das erzählte Schicksal einzigartig bewegend. Man ist beim Lesen tief ergriffen von der Situation der Agnes. Wie sie die letzten Monate vor ihrer Hinrichtung erlebt, macht betroffen und zeigt eine Welt voller Obrigkeitsdenken, Macht, aber auch Liebe, Hilfsbereitschaft und Gier.

Der Roman entwickelt eine fesselnde Sogwirkung, denn man möchte den wahren Tathergang erfahren. Warum ist Agnes angeklagt und wie kam es zu dieser Tat? Am Ende bleibt beim Leser die Erklärung als schaler Geschmack noch lange haften. Ein Buch, dass noch lange nachklingt und tiefe Emotionen auslöst.

Ein einzigartig fesselnder Roman, der die isländischen Bewohner und seine Landschaft zeigt, und mit dem ergreifenden Schicksal der letzten zum Tode Verurteilten tief bewegt. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Originelle Grundidee, toller Schreibstil, aber zu viele umständliche Erklärungen!

Todschreiber
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Maren Graf zeigt, wie sich ein unbekannter Briefeschreiber in die Köpfe der Opfer einschleicht und sie mit beeinflussenden Worten schliesslich zum Selbstmord bringt. Das kann mit Hypnose zusammenhängen, ...

Maren Graf zeigt, wie sich ein unbekannter Briefeschreiber in die Köpfe der Opfer einschleicht und sie mit beeinflussenden Worten schliesslich zum Selbstmord bringt. Das kann mit Hypnose zusammenhängen, aber auch mit einer begleitenden psychologischen Behandlung, die bestimmte Ziele verfolgt. Die Willenssteuerung des Opfers wird dadurch unterdrückt, der fremde Wille durchgesetzt.
Diese Art der Beeinflussung nennt die Gerichtsbarkeit "Tötung in mittelbarer Täterschaft".
Doch kann es das wirklich geben? Meiner Meinung nach ist das eher fraglich.

Mich hat der gelungene Schreibstil auf jeden Fall mitgerissen, die detailgenaue Sprache und die gut gezeichneten Figuren hatte ich stets gut vor Augen. Die Tathergänge sind authentisch geschildert, es gibt einige heftige Opfer-Beschreibungen, die über einen normalen Krimi schon im Genre des Thrillers einzuordnen sind. Genauso erscheint es mit der eingehenden psychologischen Betrachtungsweise, auch hier würde ich das Buch eher als Thriller bezeichnen.

Die spannende Frage, wer denn nun hinter diesen Briefen steckt und welche Absicht er verfolgt, bleibt bis zum Ende offen.
Die Recherche der Kommissarin erweist sich als schwierig, es müssen Hypnose-Spezialisten, Internetforen und Schriftexperten befragt werden. Dabei werden immer wieder verschiedene Thesen untersucht, ohne Frage interessante Themen, die aber leider in der Ausführlichkeit der Spannung schaden.

Der Charakter Lena Baumann ist gelungen, es gibt im Leben der jungen Frau auch private Umstände, die sie belasten. Wie sie selbst fast in die Fänge des Briefeschreibers gerät, baut Maren Graf äußerst geschickt in die Handlung ein.
Auch das hat Thrillerqualität und weckt bei mir Interesse an nachfolgenden Büchern der Autorin.

Von der regionalen Einbindung hätte ich gern noch mehr gelesen, es werden zwar Schauplätze genannt, diese hätten aber noch mehr mit Leben gefüllt werden können.

Ein Krimi, der mich von der Grundidee her absolut überrascht und mit seinem tollen Schreibstil erfreut hat. Die ausführlichen Erklärungen waren mir aber leider zu langatmig.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Fesselnder Krimi mit einer tollen Ermittlerin und einer Menge Davoser Lokalkolorit!

Bärentritt
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Allegra Cadisch hat gerade ihren Master in Law geschafft und will sich bei ihrem Bruder Valerio in Davos von den Strapazen der Prüfungen erholen.
Sie macht die Bekanntschaft von Khalid, dessen Vater Konsul ...

Allegra Cadisch hat gerade ihren Master in Law geschafft und will sich bei ihrem Bruder Valerio in Davos von den Strapazen der Prüfungen erholen.
Sie macht die Bekanntschaft von Khalid, dessen Vater Konsul aus den Arabischen Emiraten ist. Als sie einige Freunde von früher trifft, gehen sie gemeinsam auf eine Party. Dort wird neben guter Musik auch reichlich Alkohol und Gras konsumiert. Allegra wacht erst am nächsten Morgen wieder auf und erinnert sich nicht an die Feier.
Allegra gerät in den Verdacht, Khalid getötet zu haben. Ihr früherer Schuldfreund Dario ist Polizist in Davos und steht zu ihr. Sie ermittelt auf eigene Faust und das wird erschwert durch die vielen Sicherheitskräfte, die sich wegen der WEF in Davos aufhalten.

Die Autorin hat einen klaren, unterhaltsamen Erzählstil,bei dem der Schweizer Sprachstil auffällt. Sie zeigt die bunte Partywelt, sodass auch junge Leser diesen Krimi mit Interesse lesen werden und wird auch politisch, indem sie berechtigterweise den Sinn des WEF in Frage stellt. Sie macht in ihrem Krimi deutlich, wie hoch der erforderliche Sicherheitsaufwand ist, stellt die Polizei in Dauerbereitschaft und zeigt auch die exklusive Unterbringung nebst edelster Speisen und Getränke für die Konferenzteilnehmer, die kostenmäßig in keinem Verhältnis zum Sinn der Veranstaltung steht.

Die Protagonistin Allegra ist eine mutige, moderne junge Frau, stellt die richtigen Fragen und setzt neben ihrer sympathischen Art auch ihre juristischen Kenntnisse genau richtig ein. Ihr privates Leben kommt auch nicht zu kurz, ihr alter Freund Thomasz ist endlich abgehakt und mit Dario findet sie eine neue Liebe. Dabei ist an Allegra eine Kommissarin verloren gegangen. Sie erkennt jedes auch noch so kleine Detail, fragt nach und kombiniert mit großem Geschick. Auch ihr trachtet man nach dem Leben, das Motiv erscheint mir als einziger Kritikpunkt am Buch etwas wackelig.

Die Handlung ist durchgehend logisch aufgebaut, der Spannungsverlauf stets ansteigend und die Davoser Alpenwelt wird in den schönsten Farben und Wortbildern geschildert.

Ein Krimi, der die Ermittlungen einer jungen Frau authentisch einfängt und einfach gut unterhält. Wer Davos kennt, wird dieses Buch mögen.