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Veröffentlicht am 21.04.2026

Geht unter die Haut und macht nachdenklich

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
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Nachdem mir Marc Elsbergs letzter Umweltthriller nicht wirklich zugesagt hat, ist "Eden - Wenn das Sterben beginnt" trotz seines Umfanges eine spannende Geschichte, die mich von Beginn an mitgerissen hat.
Während ...

Nachdem mir Marc Elsbergs letzter Umweltthriller nicht wirklich zugesagt hat, ist "Eden - Wenn das Sterben beginnt" trotz seines Umfanges eine spannende Geschichte, die mich von Beginn an mitgerissen hat.
Während ein KI-Programm des IT-Experten Piero Manzano verheerende Katastrophen für die Erde voraussagt, sind die ersten Folgen bereits eingetroffen. Der Kipppunkt in den Meeren ist überschritten und die Ozeane kollabieren. Innerhalb weniger Monate droht eine globale Krise von ungeahntem Ausmaß. Inzwischen werden tote Fische in Triest angeschwemmt und die Fischer verlieren ihre Existenz. Doch sie sind nicht die Einzigen, denn die Böden versteppen und der Regenwald trocknet aus. Konventionelle Massentierhaltung ist nicht mehr möglich. Dennoch verdienen auch an diesem Szenario bestimmte Konzerne, die nur an ihren eigenen Profit denken. Zu diesem machthungrigen Menschen gehört Großinvestor Viktor Brenner.
Influencer Linus Strand und Meeresbiologin Sarah Keller sind indessen in der Karibik und erleben ein Phänomen, welches es eigentlich gar nicht geben dürfte.

Im schnellen Wechsel springen wir zwischen den einzelnen Protagonisten und Schauplätzen hin und her. Die extrem kurzen Kapitel geben das Gefühl schnell voranzukommen, wirken jedoch fast wie ein Drehbuch. Der schnelle Wechsel der Perspektiven unterbricht häufig den Lesefluss und erschwert es, sich intensiv in die einzelnen Figuren hineinzuversetzen.
Die drei Hauptprotagonisten Linus, Sarah und Marco bekommen aber genug Tiefe, um sie und ihre Charaktereigenschaften zu kennen.
Linus ist ein Sunnyboy, Influencer und Lebemensch. Durch Sarah und sein Erlebnis beim Tauchen erkennt er bald, wie wichtig das Ökosystem ist. Bisher hat er sich wenig damit befasst und Sarahs wissenschaftliche Fakten erreichen auch ihn schwer. Ihm gelingt es jedoch anhand einfachen Darstellungen und lebendigen Bildern seinen Followern die drastischen Ereignisse, die in der Welt passieren, näher zu bringen.
Gemeinsam mit Sarah, der Meeresbiologin, die zuerst wenig von Linus hält, beginnen sie die Menschen zu informieren und auch Marcos Warnungen zu veröffentlichen. Ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen mächtige Gegner beginnt....

Besonders realitätsnah ist der Ökothriller, wenn Elsberg die Interessen der verschiedenen Akteure aufeinanderprallen lässt. Wirtschaftsbosse, Politiker und Umweltaktivisten sind zu oft unvereinbar in ihren Lösungsansätzen und blockieren sich gegenseitig - man braucht nur die täglichen Nachrichten zu verfolgen.
Die komplexen Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und Umweltinteressen wurden von Marc Elsberg wieder aufwendig recherchiert und sind topaktuell bzw. lassen einen Blick in die nahe Zukunft werfen, wenn nicht bald etwas dagegen unternommen wird. Der Autor punktet dabei mit erstaunlich viel Hintergrundwissen. Noch ist der Kipppunkt nicht erreicht, aber wir sind sehr nahe daran. Das beklemmende Gefühl, den kommenden Zusammenbruch des Ökosystems ins Auge zu schauen, hat mich die ganze Zeit nicht losgelassen und auch nach Beenden des Buches noch weiter verfolgt.

Fazit:
Mit "Eden - Wenn das Sterben beginnt" hat Marc Elsberg wieder einen Umwelt-Thriller erschaffen, der unter die Haut geht und einem sehr nachdenklich zurücklässt. Wie weit sind wir noch vom Kipppunkt entfernt? Für mich zählt das neue Buch des Autors wieder zu seinen besten!

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Was ist dein Guilty Pleasure?

Guilty Pleasure
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Was war ich gespannt auf diesen Thriller von Linda Schipp! Alleine das coole Cover fällt extrem ins Auge und die tropische Location hat mich ebenfalls sofort gepackt. Außerdem liebe ich diese Art von "Locked-In" ...

Was war ich gespannt auf diesen Thriller von Linda Schipp! Alleine das coole Cover fällt extrem ins Auge und die tropische Location hat mich ebenfalls sofort gepackt. Außerdem liebe ich diese Art von "Locked-In" Situationen, wo man irgendwo festsitzt.

Was ist dein Guilty Pleasure? Ich bin überzeugt, dass deine Gedanken sich deutlich von denen der Gäste im Hotel von Linda Schipp unterscheiden. Abgelegen auf einer einsamen Insel auf den Seychellen liegt das Hotel "Guilty Pleasure", wo spezielle Wünsche erfüllt und Alpträume wahr werden. Niemand kennt den Aufenthaltsort der Gäste und was sie erwarten wird.....

Als Leser begleiten wir fünf Personen: die Maid, den Assistenten, den Rächer, die Security und eine unbekannte Person. Ein Teil davon ist bereits im Hotel anwesend oder kommt - wie Zoe - gerade an. Sie flieht vor ihrem gewalttätigen Ehemann und hat sich als Zimmermädchen beworben. Alle Gäste wissen nicht, dass sie Teil einer Reality-Show sein werden, die in die ganze Welt gesendet wird. Mit Hilfe von Minikameras, die Fliegen ähneln, werden sie überwacht....

Der Debüt-Thriller der Autorin, die sich sonst in einem anderen Genre bewegt, ist auf jeden Fall anders, als gedacht. Der Schreibstil ist modern, das Tempo rasant, die Handlung aktuell. Man spürt die beklemmende Atmosphäre während der gesamten Handlung. Zahlreiche unerwartete Wendungen erzeugen eine hohe Spannungskurve.
Linda Schipp bringt in ihrem Thriller gekonnt Kritik an unserem Konsumverhalten und am Quotenwahnsinn. Reality-Shows werde immer abartigen und brutaler. Die Autorin geht dabei der Frage nach, wohin diese Entwicklungen – im Zusammenspiel von Darknet und modernster KI – noch führen könnten, und zeichnet dabei ein eindrucksvoll zugespitztes Szenario, denn bei "Guilty Pleasure" geht es schlussendlich ums nackte Überleben.

Die kurzen Kapitel, die aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählt werden, sind äußerst fesselnd und geben der Geschichte Dynamik. Sie enden oft mit einem Cliffhanger. Zahlreiche falsche Spuren und Spekulationen sorgten für intensives Miträtseln.
Das tropische Setting war für mich reizvoll, wurde aber nach der Ankunft im Hotel total ausgeblendet. Man bewegt sich durch einige wenige Hotelräume, während der Außenbereich ausgeblendet bleibt. Das fand ich etwas schade, denn gerade dort hätte ich mir mehr Stimmung und bildhafte Beschreibungen gewünscht.
Manche der einzelnen Handlungsstränge griffen durch die verschiedenen Sichtweisen übereinander und wurden aus anderer Sicht nochmals erzählt. Für mich wären diese Überschneidungen nicht notwendig gewesen.

Zum Ende hin wird es sehr actionreich, was mir bei Thriller nicht immer gefällt. Klingt es eher nach einem Hollywood Blockbuster, bin ich nicht mehr so richtig dabei und komme ins Augen rollen. Die Auflösung des Thrillers ist sehr komplex und wird im Epilog "Sechs Monate später" wieder aufgegriffen und teilweise verändert. Das war mir dann etwas zu kompliziert und war mir zu viel an "Nachbesprechung".

Nun sind doch einige Kritikpunkte zusammen gekommen, aber tatsächlich fand ich diese frische und intensive Art eines Thrillers wirklich gut. Linda Schipp hat damit das Thrillergenre etwas "aufgefrischt" und mir spannende Lesestunden beschert.

Fazit:
Ein rasantes und komplexes Lesevergnügen, welches man schwer aus der Hand legen kann - ein richtiger Pageturner. Mir hat "Guilty Pleaseure" gut gefallen - trotz kleiner Kritikpunkte.

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Wem kannst du trauen?

Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?
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Nachdem Emily Rudolfs letzter Thriller "Das Dinner" mich nicht wirklich überzeugen konnte, habe ich der Autorin mit "Die Housesitterin" eine zweite Chance gegeben. Und die hat sie auch genutzt. Ihr neuer ...

Nachdem Emily Rudolfs letzter Thriller "Das Dinner" mich nicht wirklich überzeugen konnte, habe ich der Autorin mit "Die Housesitterin" eine zweite Chance gegeben. Und die hat sie auch genutzt. Ihr neuer Thriller hat mir wesentlich besser gefallen. Das "Locked in" Thema dürfte dabei zu ihren Lieblingen gehören, denn auch in "Die Housesitterin" sitzen wir mit den Protagonisten auf einer Insel fest.

Nach dem Tod ihrer Mutter arbeitet Cecilia, genannt Lia, als Housesitterin. Dieser Job ist für sie zur Existenzfrage geworden, denn sie hat alles verloren. Ohne Geld und ohne festen Wohnsitz hält sie sich mit Online-Nachhilfe über Wasser und lebt mietfrei in den Häusern anderer. Dabei taucht sie tief in das Leben der Bewohner ein. Ihre aktuelle Unterkunft ist eine riesige Villa der einflussreichen Familie Waldner. Um sich nicht immer alleine zu fühlen, lädt sie öfters ihre Freunde über ein Wochenende in die Häuser ein, die sie gerade bewohnt. Auch diesmal sollen Nick, seine Freundin Anastasia und Ying zu Lia dazustoßen. Überraschender Weise tauch auch Johannes Waldner, Cecilias Partner auf, der zuerst verhindert war. Als Leser bekommt man schnell das Gefühl, dass alle Besucher der Villa Geheimnisse haben und ihre wahren Absichten verbergen. Aber auch Cäcilia verfolgt ein klares Ziel, denn der Aufenthalt bei den Waldners ist kein Zufall....

Schon der Prolog verrät einen krassen Vorfall, der die Neugierde auf die kommende Geschichte steigert. Die Grundidee ist spannend und weckt Interesse. Das unterschwellige Gefühl, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt, ist allgegenwärtig. Das Anfangstempo kann jedoch nicht ganz gehalten werden. In der Mitte wirkt die Handlung dann etwas ruhiger und es kommt zu kleinen Längen. Im letzten Drittel geht die Spannungskurve dann schnell nach oben und die Autorin hat laufend überraschende Wendungen eingebaut. Manche hatte ich vorausgesehen, andere wiederum nicht.

Der Thriller ist in fünf Teile aufgeteilt und die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Man erlebt die Handlung aus Cecilias Sicht, aus der von ihrem Jugendfreund Nick und von Johannes Waldner, ihrem Liebhaber und Partner. Diese Wechsel bringen mehr Spannung in die Story. Dabei gibt es auch immer wieder Rückblenden, die vor jedem Kapitel angeführt sind. Ort, Zeitraum und der Name der erzählenden Person stehen an dessen Anfang.
Das Setting auf der rauen und einsamen Ostseeinsel ist atmosphärisch und trägt zur Stimmung bei.

Der Schreibstil ist einfach und wie schon im Vorgänger etwas plump und vulgär. Spicy Szenen brauche ich in einem Thriller ebenfalls nicht wirklich.
Die Figuren sind teilweise etwas eindimensional und zwei verschwinden im Laufe der Handlung komplett. Sie kamen wir vor, wie Füller oder Platzhalter, denn man erfuhr kaum etwas über sie. Andererseits sind auch die Charaktere, die aus ihrer Sicht erzählen, die drei Hauptfiguren. Diese sind hingegen facettenreich und lebendig beschrieben, auch wenn sie nicht wirklich Sympathieträger sind. Insgesamt hat mir der neue Thriller von Emily Rudolf spannende Lesestunden gebracht.

Fazit:
Im neuen Thriller von Emily Rudolf ist nichts, wie es scheint. Atmosphärisch top, sprachlich durchschnittlich und am Ende und Anfang sehr spannend. Das böse Finale überzeugt!

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Veröffentlicht am 15.04.2026

War leider nicht meins

Just Friends
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Ich lese ja zwischendurch immer wieder gerne Liebesromane, die aber oftmals sehr unterschiedlich bei mir "ankommen". Dieses Debüt der (mir unbekannten) Contant Createrin Haley Pham hat noch etwas Luft ...

Ich lese ja zwischendurch immer wieder gerne Liebesromane, die aber oftmals sehr unterschiedlich bei mir "ankommen". Dieses Debüt der (mir unbekannten) Contant Createrin Haley Pham hat noch etwas Luft nach oben.

Auf zwei Zeitebenen, wobei der Gegenwartsstrang den größeren Teil einnimmt, lernen wir Blair und Declan kennen. Die beiden sind seit ihrer Kindheit gute Freunde und kennen einander besser als irgendjemand sonst. Am Ende der Highschool wurde aus Freundschaft Liebe und die beiden ein Paar. Doch das Glück währt nur kurz, denn ein tragischer Vorfall lässt das junge Glück zerbrechen.
Vier Jahre später kommt Blair wieder zurück in ihren Heimatort. Ihre Großtante Lottie liegt im Sterben. Blair möchte ihre Mutter unterstützen und von Lottie Abschied nehmen. Um etwas Geld zu verdienen, bevor sie nach New York zieht und ihren neuen Job beginnt, sucht sie sich Arbeit. Sie bewirbt sich in einem Café in Seabrook. Umso größer ist der Schock, als sie beim Vorstellungsgespräch Declan gegenüber steht......

Der Beginn der Story und die Rückblicke in die Vergangenheit haben mir sehr gut gefallen. Man erfährt, wie Lottie wichtig für Blair und ihre Mutter wurde. In einer schwierigen Zeit, als ihr Vater die Familie verließ und ihre Mutter ohne Geld, Wohnung und Arbeit zurückblieb, war es Lottie, die sie bei sich aufnahm. Als echte Selfmade-Frau hatte sie sich nach ihrer Flucht aus Saigon mit großer Entschlossenheit ein kleines Minimarkt-Imperium aufgebaut. Von ihr und ihrer Mutter hat Blair gelernt, unabhängig zu bleiben, sich nicht auf Männer zu verlassen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Mir fehlte es trotzdem an gemeinsamen Erlebnissen und Rückblicken. Es wird immer wieder erwähnt wie groß die Trauer von Blair um Lottie ist, aber über die Beziehung zueinander erfährt man zu wenig, außer den oben genannten Fakten. Ich hoffte eine besondere und emotionale Dynamik zwischen Blair, ihrer Mutter und Lottie zu erleben und zu verstehen, warum es für diese drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen so wichtig ist, als Familie zueinanderzufinden. Leider hoffte ich vergeblich, dabei hätte die Handlung so viel mehr Potenzial gehabt. Dafür nahm die Liebesgeschichte, die ein ziemliches Hin und Her war, den gesamten Raum ein. Obwohl Declan wirklich eine sogenannte "Green Flag" war, hatte ich Probleme die Chemie zwischen ihnen zu fühlen. Das Ende war mir dann absolut zu kitschig!

Es gab zwar viele Dialoge, jedoch hätte ich am liebsten gesagt: Show! - don't tell. Das war wahrscheinlich auch der springende Punkt, warum mich die Geschichte nur teilweise berühren konnte.
Leider gab es auch einige Fehler, die das Lektorat übersehen hat. Mich stören Fehler leider immer sehr, da ich selbst oft lektoriert habe. Hier würde ich empfehlen, nochmals ein Auge darauf zu werfen!


Fazit:
Leider konnte mich diese Small Town Second Chance Geschichte nur mäßig überzeugen. Sie war mir eindeutig zu kitschig, obwohl ich die Anziehung zwischen Declan und Blair nur teilweise fühlen konnte. Auch der Schreibstil war etwas holprig, was allerdings auch an der Übersetzung liegen könnte. Für mich leider eher eine kleine Enttäuschung.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Was hält Freundschaft aus?

Der Sommer, der uns blieb
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Als Kinder waren Martin, Pia und Britta unzertrennlich. Aufgewachsen in den Neunziger Jahren verbringen die Nachbarskinder ihre gemeinsame Zeit am See, beim Picknick oder bei Britta zuhause. Der Sommer ...

Als Kinder waren Martin, Pia und Britta unzertrennlich. Aufgewachsen in den Neunziger Jahren verbringen die Nachbarskinder ihre gemeinsame Zeit am See, beim Picknick oder bei Britta zuhause. Der Sommer nach dem Abitur sollte nochmal richtig unbeschwert werden, doch er verändert alles. Kurz nach der Abifeier verschwindet Pia - ohne sich von Martin und Britta zu verabschieden. Martin und Britta sind geschockt und kommen mit ihren verletzten Gefühlen nicht klar. Warum hat Pia sie so Knall auf Fall verlassen?
Die drei verlieren sich aus den Augen. Von Pia hört niemand mehr etwas und Britta arbeitet in einem Krankenhaus in Frankfurt. Nur Martin ist in der Kleinstadt geblieben. Er hat nie geheiratet und wohnt noch immer im Nachbarhaus bei seiner Mutter. Er arbeitet im eigenen Familienbetrieb, den er übernommen hat.
Erst zwanzig Jahre später kommt Britta von Frankfurt wieder in ihre alte Heimat, um ihren dementen Vater zu unterstützen, der seit dem Tod der Mutter alleine lebt und nur mehr schwer zurechtkommt.
Als Martin ein Flyer in die Hände fällt, der über eine Foto-Ausstellung berichtet, ist er sicher, dass die Frau am Foto Pia ist. Und es dauert nicht lange, bis sich die Wege der drei ehemaligen Freunde wieder kreuzen. Als sie sich wieder begegnen, wird schnell deutlich, dass etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen liegt.....

Die Geschichte wird in zwei verschiedenen Zeitebenen und abwechselnd aus der Sicht von Britta, Martin und Pia erzählt. Wir sind in der Vergangenheit in den Neunziger Jahren und in der Gegenwart im März 2020, dem Beginn der Pandemie, die ab und zu aufgegriffen wird, aber eher als Randerscheinung "mitläuft". Ab und an habe ich mich über einige Begebenheiten zu dieser Zeit gewundert, die ich nicht ganz passend fand.
Die langsame Annäherung der Drei fand ich hingegen gelungen und sehr authentisch. Die damaligen und späteren Entscheidungen der Charaktere, zeigen Spuren und Folgen bis in die Gegenwart. Die Themen Schuld und Vergebung ziehen sich als roter Faden durch die ganze Handlung.
Das im Klappentext angekündigte große Geheimnis aus der Vergangenheit war für mich jedoch nicht wirklich eine Überraschung. Inhaltlich vielversprechend, bleibt die Geschichte jedoch in der Umsetzung hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Ich habe die Geschichte als weniger tiefgründig empfunden, als sie hätte sein können. Denn die Fülle an schweren Themen und Konflikten sind doch einige. Manche wurden daher nur angerissen. Dennoch schafft Greta Herrlicher es, eine angenehme Leichtigkeit zu bewahren, was das Lesen erleichtert.


Optisch kann man an diesem Buch aus dem Vani Verlag nicht vorbeigehen. Es ist ein Träumchen! Unter dem Umschlag verbirgt sich ein wunderschöner Leineneinband, der das Bild des Covers nochmals abbildet. Rundherum gibt es einen bezaubernden Farbschnitt in denselben zarten Farben und im Buch gibt es ein Page Overlay (eine illustrierte, transparente Seite), sowie ein Farbbändchen. Leserherz, was willst du mehr!?

Jedes Kapitel beginnt mit einem kleinen Zitat, wie z.B.: "Ein kleiner Stein der Erkenntnis kann eine Lawine auslösen" oder "Entscheidungen verschwinden nicht, sondern begleiten uns leise weiter". Drunter steht der jeweilige Name des erzählenden Protagonisten.

Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und lässt sich leicht lesen. Der heutige Zeitgeist ist gut eingefangen. Obwohl oftmals Zitate und Gedanken eingebracht sind, die nachdenklich machen, wirkt manches etwas oberflächlich. Die Figuren sind gut gezeichnet, wobei ich Martin nicht wirklich gemocht habe, was aber keine Rolle spielt. Was mir ein bisschen fehlte, war der Unterschied im Sprachstil der Protagonisten als Kinder und als Erwachsene. Die Rückblicke in die Neunziger Jahre fangen das damalige Lebensgefühl perfekt ein. Die sommerliche Kleinstadt-Atmosphäre hat mir ebenfalls gut gefallen.

Fazit:
Ein Kompliment an den Vani Verlag für diese Augenweide! Inhaltlich ist die Geschichte eher ruhig und nicht wirklich etwas Neues. Sie wird jedoch - trotz mancher schweren Themen - mit einer Leichtigkeit erzählt und versprüht Emotionen und Atmosphäre. Ich habe es gerne gelesen!

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