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Veröffentlicht am 03.08.2025

Ramons Schublade

Vermisst - Der Fall Anna
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Kommissarin Malou Löwenberg übernimmt den Schreibtisch ihres verstorbenen Kollegen Ramon. In einer Schublade entdeckt sie Aufzeichnungen zu mehreren Cold Cases. Malou will diese nicht einfach wegpacken ...

Kommissarin Malou Löwenberg übernimmt den Schreibtisch ihres verstorbenen Kollegen Ramon. In einer Schublade entdeckt sie Aufzeichnungen zu mehreren Cold Cases. Malou will diese nicht einfach wegpacken und entdeckt einen Vermisstenfall, in dem es vielleicht noch einen Ansatz gibt. Privat lernt sie über eine Dating-App Dario kennen, dessen Mutter verschwand als er fünf Jahre alt war. Eigentlich sollte das eine einmalige Sache bleiben. Jedoch weist die Geschichte seiner Mutter einige Parallelen zu dem anderen Fall auf. Hinzu kommt, dass Malou wegen einer etwas unglücklichen Pressenotiz ein paar Tage frei hat. Zwei verschwundene Frauen, junge Mütter, keiner kann doch etwas dagegen haben, wenn Cold Cases doch noch eine Auflösung erfahren.

In diesem ersten Teil um die Fälle von vermissten Personen, um die Malou Löwenberg sich kümmert, findet Malou die Akten und Notizen zu Fällen, die Ramon sich noch einmal vornehmen wollte. Dass ihre Bekanntschaft Dario von ähnlichen Ereignissen berichtet, ist schon ein Zufall. Doch natürlich ist Malou dadurch umso überzeugter, dass sie das Schicksal der verschwundenen Frauen unbedingt klären will. Zumindest will sie ihr Möglichstes unternehmen, schließlich bleiben immer Familien, die mit der Unsicherheit leben müssen, nicht zu wissen, was mit ihren Lieben geschehen ist. Ihr Chef allerdings ist nicht immer Malous Meinung und deshalb beginnt Malou zu zweifeln, ob der Job als Polizistin noch das Richtige für sie ist.

Mit dem Start ihrer neuen Reihe um die Ermittlerin Malou Löwenberg bleibt die Autorin zwar schon in vertrauten Gefilden, betritt aber doch Neuland. Meist in ihrer Freizeit sucht Malou nach Spuren, hartnäckig geht sie jedem Hinweis nach. Das Schicksal der Menschen geht ihr nahe, weil es sie auch an ihre eigene Herkunft erinnert. Das ist spannend zu lesen, auch wenn der Zusammenhang, der in Malous Privatleben reicht, vielleicht als etwas zu stark empfunden werden kann. Das Rätsel um die vermissten Frauen ist fesselnd komponiert und wie häufig bei der Autorin, findet sich die Idee in wahren Ereignissen. Aus diesem Ansatz wird eine Geschichte, die man einmal begonnen kaum noch beiseite legen kann.

Veröffentlicht am 26.07.2025

Opa Dom

Die Akte Schneeweiß
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Im Jahr 1963 :Katja liebt ihren Opa Dom, einen einfachen Bahnwärter. Und doch, er ist es, der Verständnis für ihren Wunsch Ärztin zu werden hat. Auf ihn setzt Katja ihre Hoffnungen, denn von ihren Eltern ...

Im Jahr 1963 :Katja liebt ihren Opa Dom, einen einfachen Bahnwärter. Und doch, er ist es, der Verständnis für ihren Wunsch Ärztin zu werden hat. Auf ihn setzt Katja ihre Hoffnungen, denn von ihren Eltern hat sie nicht viel Unterstützung zu erwarten. Sie wird schließlich heiraten und Kinder kriegen, da braucht sie weder Abitur noch Studium. Plötzlich jedoch ist Opa Dom verschwunden. Katja und ihre jüngere Schwester Heidi vermissen ihren Opa. Wenn sie die Eltern oder Oma Käthe nach ihm fragen, bekommen sie nur abweisende Antworten. Beinahe als hätte es ihn nie gegeben. In den nächsten Jahren entdeckt Katja ihre Familiengeschichte, die ganz anders ist.

Mathilde war Opas jüngere Schwester. Elf Jahre waren sie auseinander. Ihre jungen Erwachsenenjahre mussten sie im Nazi-Reich verbringen. Auch damals arbeitete Opa Dom, der eigentlich Rudolf heißt, schon bei der Bahn. Die Eltern waren tot und er verheiratet. Mathilde musste früh in Stellung gehen. Als Dienstmädchen arbeitete sie erst in einer Drogerie und dann bei einem Arzt. Besonders wichtig war es für sie nicht aufzufallen. Doch ließ sich das in einer Zeit der Denunzianten überhaupt immer vermeiden? Katja hat Mathilde nie gekannt und doch fühlt sie eine Berufung, anderen Menschen zu helfen und Schaden abzuwenden.

In diesem zeitgeschichtlichen Roman beschreibt die Autorin, wie die Nazis auch in Bielefeld hausten. Widerstand war fast unmöglich und wenn einige Menschen versuchten menschlich zu bleiben, konnte das ihr eigenes Leben kosten. Und in den 1960gern? Beinahe als wäre nie etwas geschehen. Es ist kaum zu fassen, da tauchen in den Chefetagen Personen auf, die man im hinterletzten Kerker wähnte. Katja ist so eine starke Frau, sie will eben Ärztin werden. Egal ob es den Eltern gefällt. Und wenn sie es alleine bringen muss, dann wird es eben so sein. Katja und Mathilde sind zwei tolle Frauen, stark zu ihren Einstellungen stehend in unterschiedlichen Zeiten und doch verbunden. Manchmal erschüttern einen die Ereignisse, die in diesem Roman geschildert werden. Man hört das Schweigen, dass die älteren Lesenden vielleicht noch kennen. Dann wieder spürt man, dass die Generation der Kinder etwas ändern möchte. Eine Hoffnung entsteht, von der man befürchtet, dass sie aufgebraucht sein könnte.

Veröffentlicht am 25.07.2025

Jet-Stream

Not Quite Dead Yet
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Der Familie Mason gehört eine der größten Baufirmen in Woodstock, Vermont. Die Eltern und ihre zwei Kinder könnten glücklich sein. So einfach ist es allerdings nicht. Jet, die jüngere Tochter, ist inzwischen ...

Der Familie Mason gehört eine der größten Baufirmen in Woodstock, Vermont. Die Eltern und ihre zwei Kinder könnten glücklich sein. So einfach ist es allerdings nicht. Jet, die jüngere Tochter, ist inzwischen 27 und hat, wenn sie ehrlich ist, noch nicht wirklich viel geschafft. Ihr Bruder Luke möchte die Firma übernehmen, doch der Vater ist noch nicht so weit. Daran möchte an Halloween keiner denken. Als Jet nach der Veranstaltung zu ihrem Elternhaus zurückkehrt, wird sie hinterrücks überfallen und niedergeschlagen. Mit äußerst schweren Verletzungen wacht sie im Krankenhaus auf. Die Ärzte geben ihr nur noch sieben Tage zu leben.

Von „A Good Girls Guide to Murder“ bekannt hat sich die Autorin hier dem Genre des Thrillers zugewandt. Die junge Jet hat nach dem Überfall keine herausragenden Zukunftsaussichten mehr und so will sie wenigstens herausfinden, wer schuld daran ist. Eine Hilfe ist dabei ihr Kinderfreund Billy, der mit seiner Familie schon immer in der Nachbarschaft lebt. Er war es auch, der sie nach dem Überfall gefunden hat. Natürlich wissen Jet und Billy nicht worauf sie sich einlassen und was sie herausfinden werden. Sie tragen Aussagen aus der Familie und von den Nachbarn zusammen und merken, dass die Wahrheit mitunter keinen hohen Stellenwert hat.

Man kommt nicht umhin, diesen Thriller packend zu nennen. Die sich verkürzende Zeit, in der Jet etwas herausfinden kann, und ihr fragiler Gesundheitszustand, bleiben beim Lesen immer in den Gedanken, Den Ansatz mit der potentiell tödlichen Verletzung muss man allerdings mögen, vorstellbar, dass das nicht bei jedem Lesenden der Fall ist. Man verfolgt gebannt, was Billy über den Ort und speziell auch Jets Familie entdecken. Es wird der Eindruck erweckt, dass die Polizei sich mit der offensichtlichsten Lösung zufrieden gibt. Schließlich ist Jets Ex-Freund am Halloween-Abend auf sie getroffen. Billy und Jet graben weiter.. Atemlos verfolgt man, was sich in den folgenden Tagen ergibt. Richtig glaubhaft ist das Ganze irgendwie nicht, aber es ist einfach mega-spannend. Und so inhaliert man das Buch in kurzer Zeit, weil man immer mehr wissen will.

Veröffentlicht am 23.07.2025

Herzfeldt

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Die junge Assistentin eines Zauberkünstlers wird während der Vorstellung auf grausame Weise umgebracht. Die Zuschauer sind entsetzt. Im Wien des Jahres 1896 eilt Inspektor Leopold von Herzfeld an den Tatort. ...

Die junge Assistentin eines Zauberkünstlers wird während der Vorstellung auf grausame Weise umgebracht. Die Zuschauer sind entsetzt. Im Wien des Jahres 1896 eilt Inspektor Leopold von Herzfeld an den Tatort. Dort trifft er auch auf seine ehemalige Freundin, die Journalistin Julia Wolf. Die Trennung hängt ihm noch nach und vielleicht kommen sie so wieder ins Gespräch. Julia ist es auch, die herausfindet, dass bereits mehrere junge Frauen in der Nähe des Praters verschwunden sind. Zunächst jedoch soll der Tod der jungen Frau aufgeklärt werden. Mit dem Trick hat etwas nicht funktioniert und das darf eigentlich nicht sein. Der Zauberer ist untröstlich und er hat keine Idee wie das passieren konnte.

In diesem vierten Fall ermittelt Inspektor Leopold von Herzfeldt wieder gemeinsam mit dem Totengräber Augustin Rothmayer So einen Fall hat Herzfeldt noch nicht gehabt, man darf sich einfach nicht vorstellen, was da passiert ist. Und es gibt niemanden, der etwas gegen die junge Dame gehabt hat. Natürlich gibt es Konkurrenz unter den Zauberern, aber deshalb bringt man doch keinen um. Das einzige, was Leipold freut, ist dass er Julia getroffen hat. Zwar sind sie sich nicht direkt um den Hals gefallen, schließlich hatte Julia zwischendurch einen anderen Freund, aber dennoch schöpft Leopold Hoffnung.

Der Prater - das ist eine besondere Location, Theater, Schaubuden, Essbuden, das berühmte Riesenrad. Da für die Unterhaltung der Menschen, zum Vergnügen der Besucher. Dort denkt man nicht an ein Verbrechen. Und doch bekommt es Leopold von Herzfeldt genau damit zu tun. Im Geiste hört man den Lärm des Marktes, stürzt sich mit Leo und Julia in die Ermittlungen, rät, rät falsch. Man hofft, dass Julia und Leo wieder zusammenfinden und muss befürchten, dass der neue Freund, von dem sich Julia eigentlich getrennt hat, seine Eifersucht überwindet und Julia einfach nur in Ruhe lässt. Während die Nachforschungen zunächst eher gemächlich vorangehen, kommt man zum Ende hin kaum noch zu Atem und es wird richtig gefährlich.

Hervorragend vorgetragen wird dieses Hörbuch von Hans Jürgen Stockerl, der es meisterhaft versteht, den Wiener Schmäh auszudrücken, obwohl es keinen eindeutigen Hinweis gibt, dass ihm der Akzent in die Wiege gelegt wurde. Toll gemacht.

Veröffentlicht am 22.07.2025

Die Neue

Schattengrünes Tal
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Zu Simons fünfundvierzigstem Geburtstag steigt eine Party. Lisa singt für ihren Mann, der gerade von einer Reise zurückgekommen ist. Auf Lisa wirkt Simon etwas in sich gekehrt, aber es wird schon werden. ...

Zu Simons fünfundvierzigstem Geburtstag steigt eine Party. Lisa singt für ihren Mann, der gerade von einer Reise zurückgekommen ist. Auf Lisa wirkt Simon etwas in sich gekehrt, aber es wird schon werden. Die Beiden sind schon länger verheiratet, ihre Tochter ist zu einem Schüleraustausch in Kanada. Eigentlich möchte Lisa, die in dem kleinen Schwarzwaldort in der Touristeninfo arbeitet, würde gerne das Hotel ihres Vaters übernehmen. Ihr Vater tut sich jedoch sehr schwer mit der Entscheidung, es zu übertragen. Simon ist als Förster tätig und er sucht manchmal die Ruhe. Das Hotel müsste dringend renoviert werden, gerade ist die Heizung ausgefallen. Zum Glück ist nur ein Gast im Haus, Daniela Arnold bittet jedoch in ihrem Zimmer bleiben zu dürfen.

Eigentlich würde im Hotel ein Generationswechsel im „Alten Forsthaus“ anstehen. Idyllisch liegt es in einem Schwarzwaldtal und doch ist es ein wenig heruntergekommen und kann mit den Wellness-Tempeln in der Umgebung nicht mehr mithalten. Die Stammgäste halten es noch am Leben. Lisa hätte schon einige Ideen, aber sie darf die Buchhaltung erledigen. Durch die Neue scheint einiges wieder in Schwung zu kommen. Im ersten Moment denkt Lisa, die quasi Zugezogene könnte dem Hotel und überhaupt dem Ort guttun. Doch langsam kommen ihr Zweifel. Möglicherweise ist Daniela nicht so hilfsbereit und nett wie es erst schien.

Man kann es sich gut vorstellen, das abgelegene Tal, der Ort umgeben von Wald, die eingeschworene Gemeinde, in der jeder jeden kennt. In diese Umgebung bricht plötzlich eine Neue ein. Das altbekannte heimelige Gefüge, in dem sich auch nicht alle wohl fühlen, wird durcheinander gewirbelt. Und man überlegt, ob die Neue einfach nur nett ist oder ob sie einen Plan verfolgt. Auch Simon und Lisa scheinen an einem Scheideweg zu stehen, ihre Tochter ist beinahe aus dem Haus und es ist Zeit, sich neu zu sortieren. So viele Unwägbarkeiten, so viele Überlegungen. Ein wenig niedergeschlagen wirken sie. Dunkel verschattet wie das Tal. Ein sehr stimmungsvoller Roman mit authentisch beschriebenen Personen, die nicht in jedem Moment, aber doch meistens sympathisch wirken.

Das Cover ist ebenso stimmungsvoll gestaltet wie der Roman geschrieben ist.