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Veröffentlicht am 16.08.2025

Herzenslieder

Die Geschichte des Klangs
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Nach dem ersten Weltkrieg wollen die beiden Musikstudenten Lionel und David in den Neu England Staaten Lieder und Melodien sammeln, die die Einwanderer aus ihrer Heimat mitbrachten. Sie wollen dokumentieren, ...

Nach dem ersten Weltkrieg wollen die beiden Musikstudenten Lionel und David in den Neu England Staaten Lieder und Melodien sammeln, die die Einwanderer aus ihrer Heimat mitbrachten. Sie wollen dokumentieren, wie sich die Musik mit der Zeit verändert und zu etwas eigenem entwickelt hat. David und Lionel werden Freunde und mehr als das. Doch der Sommer endet so schnell und sie verlieren sich aus den Augen. Viele Jahre später findet Annie in dem Haus, das sie mit ihrem Mann Henry erworben hat, die Musikwalzen, die Lionel und David aufgenommen haben. Natürlich ist ihr nicht klar, was sie gefunden hat.

Zwei kleine Erzählungen bilden den Inhalt dieses Buches, Lionels Gedanken werden dabei sehr angenehm und passend von Reinhard Kuhnert präsentiert, während den Hörern Annie von Tessa Mittelstaedt hervorragend nahegebracht wird. Das Cover gibt einen Eindruck von den Fahrten Lionels und Davids durch die sommerlichen Neu England Staaten.

Erst als der Kontakt zu David abreißt wird sich Lionel klar, was ihm der Sommer mit David wirklich bedeutet hat. Zeit seines Lebens behält er David in seinem Herzen, auch wenn er ein ganz anderes, recht zufriedenes, allerdings umperfektes Leben führt. Annie dagegen, lebt mit ihrem Mann Henry in einem neuen alten Haus. Beim Sichten der alten Sachen findet sie Musikaufnahmen, die so alt sind, dass sie kein geeignetes Gerät hat, um sie abzuspielen. Annie will das Rätsel um die Walzen lösen.

Nachdem man den mitreißenden Vortrag dieser beiden Geschichten gehört hat, ist man berührt, aber auch etwas ratlos. Gibt es ein verbindendes Element, zum Beispiel einen Kontakt zwischen Lionel und Annie? Wenn man eher zufällig auf die englischsprachige Ausgabe schaut, stellt man fest, dass die Sammlung aus zwölf Geschichten besteht, die jeweils in Paaren einen gewissen Zusammenhalt haben. Natürlich kann das bedeuten, dass das vorhandene Paar vollständig ist. Es stellt sich doch ein wenig die Frage, warum die Sammlung nicht komplett übersetzt wurde. Nun gut, es ist erstmal so hinzunehmen. Die beiden Geschichten sind jedenfalls wunderbar geschrieben und bringen einem einen unvergesslichen Sommer nahe, der lange nachhallt.

Veröffentlicht am 15.08.2025

Sommer auf Langeoog

Das Schweigen meiner Schwestern
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Jeden Sommer fahren die drei Schwestern Jenni, Sonja, Mo und Kaja mit ihren Eltern nach Langeoog. Bis zu jenem letzten Sommer. 1998. Die achtzehnjährige Jenni gibt oft den Ton an, während die erst sechsjährige ...

Jeden Sommer fahren die drei Schwestern Jenni, Sonja, Mo und Kaja mit ihren Eltern nach Langeoog. Bis zu jenem letzten Sommer. 1998. Die achtzehnjährige Jenni gibt oft den Ton an, während die erst sechsjährige Kaja gerne mithalten möchte, es wegen ihrer Jugend manchmal einfach nicht kann. Sonja und Mo sind die dazwischen, wobei Sonja seit diesem Jahr irgendwie zu den Älteren gehört. Ein cooler Sommer mit der Langeoog-Freundin, den Jungs, Strand und was es auf der Insel sonst noch gibt. Doch Jenni will immer häufiger mit den Jungs abhängen. Und auch zwischen den Eltern scheint nicht alles rund zu laufen.

Auf zwei Zeitebenen ist dieser Familienroman. Im Jahr 2018 treffen die vier Schwestern zum ersten Mal seit langem wieder zusammen. Ihre jüngst verstorbene Mutter wollten sie gemäß deren Wunsch auf Langeoog bestatten. Natürlich kommen da Erinnerungen hoch an jenen Sommer 1998, nachdem sich alles geändert hat. Wie war es zwischen den Schwestern und ihren Eltern? Könnte es nicht wieder so werden wie es einmal war? Wahrscheinlich nicht, aber wenn sie wieder wie richtige Schwestern wären das wäre toll. Ob allerdings alle der Schwestern die gleichen Wünsche hegen, ist nicht von vornherein klar.

Die Lieblingsinsel Langeoog spielt eine nicht unbedeutende Rolle in diesem Debütroman. Man kann die Liebe zur Insel mitempfinden. Auch das Gefüge zwischen den Schwestern ist spannend geschildert. Zum einen kämpfen sie um ihre Positionen, zum anderen stehen sie zusammen, wenn Not an der Frau ist. Dann noch die Probleme der Eltern, von denen die Mädchen eigentlich nichts wissen sollen. Ein Sommer, der beginnt wie er im Buche steht, und der dann so lebensverändernd wird, dass sie Schwestern ihre enge Beziehung auch nach zwanzig Jahren noch nicht wiedergefunden haben. Hin und wieder scheint es etwas zu viel, das eine oder das andere hätte gereicht, könnte man denken. Und dennoch werden einem die Schwestern sympathisch und manche Szenen sind berührend beschrieben, so dass man diesen Familienroman gerne empfehlen kann.

Veröffentlicht am 14.08.2025

Lebensaufgabe

Sword Catcher - Die Chroniken von Castellan
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Kel ist eine Waise ohne Zukunft als er vom Herrscherhaus Aurelian ausgewählt wird. Er soll mit dem gleichaltrigen Herrschersohn Conor aufwachsen und im Falle eines Falles als Sword Catcher dienen. Das ...

Kel ist eine Waise ohne Zukunft als er vom Herrscherhaus Aurelian ausgewählt wird. Er soll mit dem gleichaltrigen Herrschersohn Conor aufwachsen und im Falle eines Falles als Sword Catcher dienen. Das heißt nichts anderes als dass Kel sein Leben für den Thronfolger opfern muss oder auch mal als Doppelgänger einspringen soll, wenn Conor nicht verfügbar ist. Als aus den Jungen junge Männer geworden sind, hat sich ihre Beziehung gefestigt. Kel wird jedoch von dem Lumpensammler König, der eine Art Herrscher über die Gauner ist, kontaktiert, muss Kel einige seiner Ansichten überdenken. Dann wird Kel durch eine Verwechslung verletzt und die Heilerin Lin wird in den Palast geholt.

Dies ist der erste Band einer Reihe, die soweit bekannt als Trilogie angelegt ist. In dieser mittelalterlichen Welt herrscht das Haus Aurelian. Es wird einiges unternommen, um an der Macht zu bleiben. Conor hat ein Alter erreicht, in dem an eine strategische Hochzeit zu denken ist. Allerdings ist er auch in einem Alter, in dem junge Menschen dazu neigen zu rebellieren. Für Kel bricht eine Zeit der Unsicherheit heran, denn er weiß nicht, wie genau seine zukünftige Stellung sein wird. Dann findet Kel heraus, dass es in der Stadt Bestrebungen gibt, die sich gegen Conor und seine Familie richten.

Wenn man Werke der Autorin kennt, weiß man ungefähr, was man zu erwarten hat. Doch einiges ist schon anders. Hier hat sie eine neue Welt erfunden, in der die Magie zumindest noch nicht so offensichtlich ist. Eine Welt, die anmutet wie im Mittelalter, ohne viele Technologien. Das Konzept des Sword Catchers, der an die Stelle eines anderen tritt, ist schon etwas fies. Der Sword Catcher muss schließlich auf ein eigenes Leben verzichten. Was also, wenn eigene Gedanken und Gefühle kommen. Die Heilerin Lin ist eine Kämpferin gegen unglückliche Umstände und gegen gefährliche Krankheiten. Damit wird sie zu einer sympathischen Figur und auch zu einer Art Gegenspielerin von Conor, der manchmal ein wenig zerstörerisch wirkt. Teilweise werden Ereignisse mitreißend geschildert. Manchmal geht es allerdings etwas zu viel ums Drumherum. Natürlich ist es ein erster Band, in dem man als Lesender herangeführt wird und in dem vieles erklärt wird. Doch ist das Tempo mitunter sehr gedrosselt. Das wird zwar großenteils wettgemacht durch ein rasantes, durchaus brutales Finale, aber so ganz hundertprozentig überzeugt das Buch nicht. Für eingeschworene Fans wahrscheinlich trotzdem ein Muss.

Veröffentlicht am 13.08.2025

Mika Christie

Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben
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Die zwölfjährige Mika lebt schon im Waisenhaus solange sie sich erinnern kann. Im Jahr 1880 ist das kein leichtes Leben. Und sie hätte so gerne einen Nachnamen. Als ein neugeborenes kleines Mädchen an ...

Die zwölfjährige Mika lebt schon im Waisenhaus solange sie sich erinnern kann. Im Jahr 1880 ist das kein leichtes Leben. Und sie hätte so gerne einen Nachnamen. Als ein neugeborenes kleines Mädchen an der Pforte abgegeben wird, darf Mika ihr einen Namen geben und es werden sogar zwei Namen, ein Vorname und ein Nachname wie bei jedem anderen auch. Eine Wendung nimmt Mikas Leben als Kommissar Waldemar Hoff sie zunächst zu einer Befragung holt und sie nach ihren klugen Antworten zu weiterer Zusammenarbeit auffordert. Ein rätselhafter Todesfall ist aufzuklären und Hoff scheint nicht allzu viel Unterstützung zu haben.

Ein erster Fall für das Waisenmädchen Mika und Kommissar Waldemar Hoff. Mika ist eine hervorragende Beobachterin und geschickte Ermittlerin. Durch ihr Leben und ihre unbekannte Herkunft geprägt wirkt sie älter und weiter als es ihre zwölf Jahre vermuten lassen. Eine unbeschwerte Kindheit gab es nicht und schon muss sie Arbeiten übernehmen, um zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen. Kommissar Hoff schient bei der Polizei keine gehobene Stellung zu haben. Mehr oder weniger alleine soll er den neuersten Mord aufklären. Überraschend gut ergänzen er und Mika sich.

Ab zehn Jahren wird dieser Roman empfohlen. Doch auch für ältere Leser ist es sehr spannend, die Worte zu genießen. Ob die Altersempfehlung etwas jung ist, können Kinder und Eltern vielleicht besser beurteilen. Bei Mika handelt es sich um ein wirklich tolles Mädchen, dass einem sofort sympathisch wird. Sie hat die Energie, um den Versuch zu starten, etwas zu ändern. Dabei spürt sie einigen Geheimnissen nach, die in diesem ersten Band nicht alle gelöst werden. Der Täter in dieser Untersuchung könnte auch als tragische Figur gesehen werden. Kommissar Hoff wirkt manchmal wie ein Brummbär, was ihm auch einen gewissen Charme verleiht. Angesiedelt im winterlichen Schweden kann man einen Eindruck gewinnen, wieso Mikas Leben und das der anderen Waisenkinder eher schwer ist. Es mangelt an Essen und nur selten kann ordentlich eingeheizt werden. Es eindringliche Erinnerung, dass es nicht jedem gleich gut geht. Ein ansprechender Reihenstart, bei dem man sich schon auf den nächsten Band freuen kann.

Fast schon als Abkühlung eignet sich diese winterliche Lektüre für einen heißen Sommertag, wobei das hinreißend gestaltete Cover einen kühlen Hauch verbreitet. Das Hörbuch wird stimmungsvoll vorgetragen von Julia Nachtmann.

Veröffentlicht am 13.08.2025

Was herauskommen wird

Die Kriminalistinnen. Der stumme Zeuge
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Kommissaranwärterin Lucia Specht ist im Winter 1970 inzwischen in der Vermisstenstelle eingesetzt. Wie in allen Stellen gehört sie mit zu den ersten Frauen bei der Kriminalpolizei. Ihr neuer Chef scheint ...

Kommissaranwärterin Lucia Specht ist im Winter 1970 inzwischen in der Vermisstenstelle eingesetzt. Wie in allen Stellen gehört sie mit zu den ersten Frauen bei der Kriminalpolizei. Ihr neuer Chef scheint ihren Einsatz zu Glück recht positiv zu sehen. Als dann die vierjährige Liese als vermisst gemeldet wird, ermitteln Lucia und ihre Kollegen fast Tag und Nacht. Gerade so kleine Kinder müssen schnell gefunden werden. Ihre Ausbildungskolleginnen helfen mit, auch wenn sich ihre Wege so langsam etwas auseinander entwickeln. Zusätzlich wird Lucia von den Kollegen in Köln angefordert. Sie soll undercover in die Ganovenszene eintauchen, um Informationen zu erlangen, an die man sonst nicht herankommt.

In diesem dritten Band der Reihe um die ersten Frauen, die bei der Kriminalpolizei ausgebildet werden, haben Lucia und ihre Mitstreiterinnen an den Polizeidienst gewöhnt. Auch die männlichen Kollegen stehen ihnen nicht mehr ganz so skeptisch gegenüber. Ressentiments gibt es leider immer noch. Und nicht jeder Kollege ist den Frauen im Dienst gegenüber wohlgesinnt. Viele kann Lucia durch ihre gute Arbeit überzeugen. So bringt sie sich auch in die Suche nach Liese voll ein. Nur ihr Privatleben kommt ein wenig zu kurz. Ihren Vater und ihren Bruder sieht sie seltener und ihr Beziehungsstatur ist kompliziert.

Die Serie um die ersten Kriminalistinnen in Düsseldorf hat echten Retro-Charme. Es ist zum Glück kein verklärter Blick, der auf die Zeit geworfen wird. Man merkt, dass nicht alle mit Fortentwicklung und Forstschritt mitgehen wollen. Und doch ist es eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung. Neben den Veränderungen gibt es auch Dinge, die gleich bleiben. Das Verbrechen macht keine Pause, nur weil die Gesellschaft gerade etwas anderes zu tun hat. Die Untersuchung um die kleine Liese ist sehr spannend. Daneben entwickelt sich die Abordnung nach Köln eher nach und nach zu einem brisanten Fall. Und während das persönliche Umfeld der Ausbildungskameradinnen weniger Erwähnung findet, gibt es bei Lucia einiges zu erzählen. Insgesamt ein gelungener Krimi aus einer Reihe, die eine Zeit beleuchtet, aus der es noch mehr zu erzählen gibt.