Butter als Metapher
Mir hat das Buch gut gefallen! Man lernt einiges über die Frau in der japanischen Gesellschaft und den teils unrealistischen Ansprüchen, denen sie gerecht werden sollen: Erfolgreich und ehrgeizig im Job, ...
Mir hat das Buch gut gefallen! Man lernt einiges über die Frau in der japanischen Gesellschaft und den teils unrealistischen Ansprüchen, denen sie gerecht werden sollen: Erfolgreich und ehrgeizig im Job, möglichst spindeldürr, hervorragende Köchinnen, die sich aufopfernd um ihre Männer kümmern, leise und unterwürfig. Die Männer wiederum sind eigentlich wie kleine Kinder, hilflos ohne Mama oder Ehefrau.
Zu Beginn der Geschichte erfüllt die Protagonistin Rika noch voll und ganz das gewünschte Rollenbild, isst nur Salat und lebt für die Arbeit. Doch dann beginnt sie die mutmaßliche Serienmörderin Manako Kajii im Gefängnis zu interviewen. Die ist genau das Gegenteil: Übergewichtig, sinnlich und verführerisch, unfreundlich und mit einer großen Liebe zu gutem Essen. Um einen besseren Draht zu ihr bekommen, beginnt Rika die Gerichte von Manako nachzukochen und Restaurants zu besuchen - und entdeckt zum ersten Mal in ihrem Leben Freude an Genuss. So kommt sie schließlich dazu, sich zu fragen, was sie eigentlich möchte, und ob sie sich weiterhin von der Gesellschaft in dieses enge Korsett zwingen lassen will.
Butter habe ich hier als sehr passende Metapher für Genuss und Selbstentfaltung empfunden: Zu Beginn herrscht eine Butterknappheit, was dafür stehen könnte, dass die durchschnittliche japanische Frau in ihrem Leben wenig Platz für Genuss und eigene Wünsche und Bedürfnisse hat. Durch den Genuss von Butter blüht die Protagonistin auf, es wird ihr zunehmend egaler was andere von ihr denken. Am Ende schließlich ist die Butterknappheit vorbei und es gibt selbst teure ausländische Markenbutter plötzlich im normalen Supermarkt und ist leicht verfügbar, nachdem sie sich von diesen starren Vorgaben gelöst hat. Es ist möglich, so viel glücklicher zu sein, wenn man selbst über sich und sein Leben bestimmt und dem folgt, was man sich selbst wünscht.