Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch beendet habt und euch einfach die Worte fehlen? Bislang fiel es mir immer recht leicht, eine Rezension zu schreiben. Normalerweise beende ich mein Buch, beginne zu schreiben und fertig. Mit „Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher war dies heute anders. Nicht weil es schlecht ist, sondern weil mir schlicht und ergreifend die Worte fehlten.
Tote Mädchen lügen nicht wird aus der Perspektive von Clay geschildert. Dieser erhält plötzlich einen Schuhkarton, in dem 7 Kassetten enthalten sind. Clay erfährt, dass diese von Hannah stammen, welche sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Jede Seite ist beschriftet, bis zur 13. 13 Gründe, die nach und nach dazu führten, dass Hannah für sich keinen anderen Ausweg mehr fand.
Meine Meinung:
Obwohl dieses Thema sehr düster klingt, erzählt Hannah ihre erschreckende Geschichte durchaus mit Humor. Ich als Leser fühlte mich dadurch zwar betroffen, bekam jedoch kein beklemmendes Gefühl, mit dem ich eigentlich gerechnet hatte.
Zwar ist das Buch aus der Sicht von Clay geschildert, sodass transparent wird, wie er auf das Gehörte reagiert, allerdings erfährt man auch direkt, was er hört. Denn dies ist in kursiver Schrift zwischendurch abgedruckt, sodass dies eindeutig von Clays Gedanken differenzierbar ist.
Es wird sehr realistisch dargestellt, wie auch kleine Situationen, belanglos erscheinende Gerüchte, Lügen, Eifersucht, Betrug und Gehässigkeit dazu führen können, dass es einem Menschen immer schlechter geht, vor allem wenn dieser das Gefühl hat, mit niemandem reden zu können. Hannah steht im Mittelpunkt all dessen. Während sie all dies still für sich erträgt, bemerkt sie zu spät, wie schlecht es ihr damit geht. Und als niemand auf ihre Hilferufe reagiert, zerbricht sie daran.
Besonders traurig an all dem fand ich, dass Hannah in Clay eigentlich einen Menschen hatte, der sie durch all dies hätte begleiten können. Doch Schüchternheit hält sie beide davon ab, wirklich ehrlich miteinander zu sein.
Überhaupt gefiel mir Clays Sicht auf das Ganze sehr gut. Schon von Hannah wird er als gute Person beschrieben, aber auch anhand seiner Reaktionen auf die Kassetten kann man entnehmen, dass er ein total reines Herz hat. Wie es ihm das Herz zerreißt, die Hintergründe für Hannahs Tat zu erfahren, hat mich fast noch mehr mitgenommen als Hannahs Geschichte an sich.
Tote Mädchen lügen nicht regt definitiv zum Nachdenken an.
Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen um und was kann dies bei ihnen auslösen? Was kann unser Verhalten bei anderen bewirken? Welche Folgen können unsere Handlungen auf andere haben, egal ob dies bewusst oder unbewusst, gewollt oder nicht gewollt geschah?
Wie viel glauben wir über andere Menschen zu wissen? Was davon sind Gerüchte und was davon wissen wir tatsächlich von der Person, nämlich weil wir es von ihr selbst erfahren oder mit ihr erlebt haben?