Cover-Bild Die Fletchers von Long Island
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24,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Eichborn
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 28.02.2025
  • ISBN: 9783751774499
Taffy Brodesser-Akner

Die Fletchers von Long Island

Roman – »Ein großer Roman, ein drei Generationen umfassendes, vor absurden Szenen und schillernden Figuren überbordendes Epos« Die Zeit
Sophie Zeitz (Übersetzer)

"Ein herrlich saftiges Familien-Epos, sehr jüdisch-amerikanisch und dementsprechend überbordend an Details, Fabulierlust und exzentrischen Figuren. Taffy Brodesser-Akner segelt mit lakonischer Distanz zu ihnen, aber nie ohne Liebe und Mitgefühl, mitten hinein ins Auge des Sturms." SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

1980 im wohlhabenden Long Island: Carl Fletcher wird vor seinem Haus gekidnappt. Kurz darauf, nach Zahlung eines üppigen Lösegelds, wird er freigelassen, und die Familie versucht, den Vorfall hinter sich zu lassen. Doch als sie vierzig Jahre später bei einer Feier wieder zusammentrifft, wird klar, dass die lange zurückliegende Entführung unerwartete Spuren hinterlassen hat - und zwar nicht nur bei Carl, sondern bei der ganzen Familie. Und diese Auswirkungen gestalten sich mal verstörend und mal überaus amüsant!

Eine große jüdisch-amerikanische Familiengeschichte, Jahrzehnte umspannend, die sich bereits jetzt wie ein Klassiker liest: sprachlich virtuos, fein beobachtet und sehr, sehr lustig.

»Dieses Buch steht Klassikern wie DIE KORREKTUREN und MIDDLESEX in nichts nach.« LOS ANGELES TIMES

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2025

Eine nicht einfache Familie

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1980 wird Carl Fletcher vor seinem Haus entführt, er kommt zwar, gegen eine Lösegeldzahlung, nach einigen Tagen wieder frei, doch die Entführung wirkt sich sein ganzes Leben lang auf ihn und seine Familie ...

1980 wird Carl Fletcher vor seinem Haus entführt, er kommt zwar, gegen eine Lösegeldzahlung, nach einigen Tagen wieder frei, doch die Entführung wirkt sich sein ganzes Leben lang auf ihn und seine Familie aus. Etwa 40 Jahre später trifft man die Fletchers wieder und erfährt, wie es ihnen nun geht.

Es geht ihnen nicht gut, so viel kann ich schon sagen. Ich finde die Erzählweise interessant, zunächst erfährt man nacheinander das Leben der drei Kinder, später auch das der Ehefrau, und schließlich sogar mehr über Carls Empfinden. So kommt man jedem dieser Familienmitglieder nahe, kann ihr Wesen nachvollziehen. Was man da liest, ist nicht immer schön, teilweise sehr heftig. Die Autorin nimmt da auch kein Blatt vor den Mund, weder bezüglich der Ereignisse noch der Worte, die sie benutzt.

Zunächst noch ein Wort zur Familie Fletcher: Großvater Zelig ist seinerzeit vor den Nationalsozialisten in die USA geflüchtet und hat dort ein Unternehmen aufgebaut, das die Familie sehr reich machte. Ein bisschen nimmt der Roman auch das jüdische-amerikanische Leben auf die Schippe, zum Beispiel, wenn sich alle Frauen die selbe Nase machen lassen. Überhaupt scheint immer wieder, vor allem schwarzer, Humor auf, so dass der Roman bei aller Tragik auch unterhaltsam ist.

Vieles, was der Familie geschieht, scheint mehr oder weniger überzogen, vieles sah ich auch so nicht kommen. Die Familienmitglieder und auch einige Bekannte wirken ebenfalls teilweise überzogen, so dass man eben nicht alles ganz ernst nehmen kann, womöglich hätte man sonst mehr mitleiden müssen, so ergab sich, zumindest für mich, eine gewisse Distanz.

Zunächst begegnet man Bernard, Beamer genannt, dem mittleren Kind, dem jüngeren Sohn, der, zunächst zusammen mit einem Freund Drehbücher schreibt, eine Nichtjüdin geheiratet hat, die zudem noch deutschstämmig ist. Beamers Geschichte empfand ich persönlich als am heftigsten. Nathan, der Älteste, hat viele Phobien und tut sich in seinem Job als Anwalt schwer. Jennifer war zur Zeit der Entführung ihres Vaters noch nicht geboren, sie ist sehr intelligent, weiß dies aber nicht zu nutzen und scheint mit ihrem Leben überfordert. Und dann ereilt die Familie auch noch eine Katastrophe.

Die Erzählerin durchbricht hin und wieder die vierte Wand, stellt den Leser:innen schon mal eine Frage, und lässt durchblicken, sie würde die Geschichte der Fletchers aus erster Hand kennen, vor allem gegen Ende wertet sie auch. Das bringt einen zusätzlich zum Nachdenken.

Ich denke, der Roman wird polarisieren, nicht jedem gefallen. Ich mag ihn, und habe Lust bekommen, mehr von der Autorin zu lesen. Ich mag aber auch Familiengeschichten, die es in sich haben, diese hat es auf jeden Fall, und Romane, die auf gewisse Weise herausfordernd sind. Auch wenn ich eine gewisse Distanz zur Familie entwickelt hatte, erzeugte ihr Schicksal bei mir doch Emotionen. Wahrscheinlich werde ich noch öfter an die Fletchers zurückdenken, und froh sein, keine von ihnen zu sein.

Veröffentlicht am 02.04.2025

Dran bleiben lohnt sich sehr

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Ich habe während des Lesens sämtliche Emotionen durchgemacht, die man als Leser so durchleben kann.
Von "jetzt brech ich es aber ab" bis zu "oh mein Gott, wie genial" war wirklich alles dabei, dass ich ...

Ich habe während des Lesens sämtliche Emotionen durchgemacht, die man als Leser so durchleben kann.
Von "jetzt brech ich es aber ab" bis zu "oh mein Gott, wie genial" war wirklich alles dabei, dass ich nicht abgebrochen habe war gut, denn mir wäre ein wirklich großartiges Buch entgangen.
Aber es hatte schon seine Längen und die, im ersten Drittel vorkommenden, expliziten und kranken Szenen muss man schon aushalten können.
Allerdings besticht die Autorin mit ihrer exzellenten psychologischen Beobachtung und mit ihrem äußerst sarkastischen Schreibstil, mit dem sie Gesellschaftskritik an den Reichen in den USA und am System selbst übt und zwar wie mit einem scharfen Rasiermesser.
Die Protagonisten sind völlig überspannt und psychisch schwerst geschädigt, ausgelöst durch eine tragische Entführung innerhalb der Familie in den 80er Jahren. Was dieses Ereignis und die Unfähigkeit dieses aufzuarbeiten mit den einzelnen Familienmitgliedern macht ist auf der einen Seite furchtbar tragisch, aber auf der anderen Seite - durch den sarkastischen Schreibstil - auch sehr unterhaltsam.
Sophie Zeitz hat diese jüdisch-amerikanische Familiengeschichte der besonderen Art für uns übersetzt.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Tiefgründig, bissig und überraschend leichtfüßig – eine Familiengeschichte der besonderen Art!

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„Die Fletchers von Long Island“ hat mich sofort gepackt! Was zunächst wie ein klassisches Familiendrama beginnt – ein wohlhabender Mann wird 1980 vor seinem Haus entführt – entwickelt sich schnell zu einer ...

„Die Fletchers von Long Island“ hat mich sofort gepackt! Was zunächst wie ein klassisches Familiendrama beginnt – ein wohlhabender Mann wird 1980 vor seinem Haus entführt – entwickelt sich schnell zu einer vielschichtigen und bittersüßen Geschichte über eine jüdisch-amerikanische Familie, die über Jahrzehnte hinweg von genau diesem Ereignis geprägt bleibt.

Taffy Brodesser-Akner gelingt es wunderbar, sowohl die Komik als auch die Tragik dieser Familiengeschichte herauszuarbeiten. Die Figuren wirken unglaublich lebendig und jede ihrer Perspektiven bringt neue Facetten ans Licht – mal zum Schmunzeln, mal mit einem Kloß im Hals. Vor allem mochte ich den Wechsel zwischen den Generationen und die feinen Zwischentöne im Schreibstil, der messerscharf, witzig und gleichzeitig sehr berührend ist.

Besonders spannend fand ich, wie die Autorin es schafft, den Glanz und den Druck des wohlhabenden Long Island zu porträtieren, aber auch zu zeigen, wie die Familie trotz äußerem Reichtum von inneren Brüchen und Geheimnissen geprägt ist. Die Last der Vergangenheit schwebt über allem – und trotzdem bleibt Platz für eine gute Portion schwarzen Humor.

Mich hat „Die Fletchers von Long Island“ wirklich überrascht: Eine tiefgründige, teils schräge, aber auch sehr ehrliche Familiengeschichte, die über mehrere Jahrzehnte hinweg fesselt. Wer Lust auf eine besondere Mischung aus Drama, Humor und scharfer Beobachtung menschlicher Beziehungen hat, sollte dieses Buch unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Jüdisch-amerikanische Familiengeschichte

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Die jüdisch-amerikanische Familie Fletcher von Long Island hat ein traumatisches Ereignis zu bewältigen: 1980 wurde Carl Fletcher vor seinem Haus gekidnappt und erst nach Zahlung eines Lösegeldes freigelassen. ...

Die jüdisch-amerikanische Familie Fletcher von Long Island hat ein traumatisches Ereignis zu bewältigen: 1980 wurde Carl Fletcher vor seinem Haus gekidnappt und erst nach Zahlung eines Lösegeldes freigelassen. Die Mitglieder der Familie haben versucht, jeder auf seine Weise dieses Ereignis zu bewältigen. Doch bei einer Familienfeier vierzig Jahre später zeigt sich, dass die Bewältigung nur bedingt gelungen war.

Das Buch erzählt die Geschichte einer Entführung und ihre Folgen für eine jüdisch-amerikanische wohlhabende Familie. Die Erzählung gibt einen guten Einblick in das jüdische Leben in Amerika. Die posttraumatische Belastungsstörung hat Carl nie zur Kenntnis nehmen wollen, und auch die anderen Familienmitglieder mussten damit umgehen, ohne je richtig Bezug dazu zu nehmen. Die Autorin Taffy Brodesser-Akner gibt jedem der Familienmitglieder den nötigen Raum, so dass die Personen einfühlsam dargestellt werden. Die Spuren, die das Ereignis in der Psyche der einzelnen Familienmitglieder hinterlassen hat, verschwinden nicht von selbst, sondern belasten sie auch noch Jahre nach der Entführung. Diese besondere jüdisch-amerikanische Geschichte gerät zu einer scharfsinnigen Gesellschaftsanalyse. Streckenweise empfand ich dies jedoch als sehr ausführlich und damit etwas langatmig.

Diese Familiengeschichte ist zwar nicht immer leicht zu lesen, dennoch konnte sie mich in ihren Bann ziehen. Gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 26.05.2025

Eine große jüdisch-amerikanische Familie - scharfsinnig und bitterböse erzählt

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An einem vermeintlich unschuldigen Morgen im März des Jahres 1980 im beschaulichen Middle Rock erfährt das Leben der Familie Fletcher eine ungeahnte Wendung. Vater Carl wird auf dem Weg in seine Fabrik ...

An einem vermeintlich unschuldigen Morgen im März des Jahres 1980 im beschaulichen Middle Rock erfährt das Leben der Familie Fletcher eine ungeahnte Wendung. Vater Carl wird auf dem Weg in seine Fabrik entführt. Damit wird ein Strudel von Ereignissen ausgelöst, die das Leben der Familie, trotz des glimpflichen Ausgangs der Entführung, nachhaltig prägen werden.

Ausgehend von der Entführung des Familienpatriarchen erzählt Taffy Brodesser-Akner, die Geschichte der Familie Fletcher. In den Fokus rückt sie dabei die Kinder der Familie, Nathan und Beamer, beide noch Kleinkinder zum Zeitpunkt der Entführung, und Jenny, die Jüngste, die erst nach dem Ereignis auf die Welt kam und doch nicht weniger dadurch geprägt wurde. Über die Entwicklung der Geschwister und die Einblicke in deren Berufs- und Familienleben macht die Autorin zugleich die Geschichte der gesamten Familie in wesentlichen Aspekten seit der Entführung nachvollziehbar. Brodesser-Akner zeigt auf, wie die totgeschwiegene Entführung zunächst unmerkliche Spuren und Narben hinterlässt, die im weiteren Verlauf der Geschichte und damit im Leben der Familie aufzubrechen drohen und die Familienmitglieder, ganz unterschiedlich, noch Jahrzehnte später belasten. Dabei beweist sie ein Gespür für die feinen Unterschiede in Charakter, Lebensweg und individueller Betroffenheit aus der Entführung und zeigt so eine Varianz im Umgang und Erleben familialer Traumata auf. Bereits früh im Roman wird deutlich, dass all der Reichtum der Familie, Glück und Zufriedenheit nicht garantieren kann. Der Umgang mit Traumata in der Familie zeigt wiederum eine Kontinuität, die immer wieder mit Verweisen zum Holocaust und der Flucht der Großeltern nach Amerika hergestellt wird.

Im extremen Gegensatz zu den schweren Themen der Geschichte steht der Stil und Ton Brodesser-Akners. Die Autorin spielt freigiebig mit Klischees und Stereotypen über jüdisch-amerikanisches Leben und jüdische Traditionen, wie auch Neurosen und ganz besonders die Spleens der Upperclass. Komisch und scharfsinnig seziert sie in sarkastischem Ton das verschwenderische Leben der Reichen und Schönen von Beauty-OPs, die die Patientinnen zuweilen näher an Amphibien als an Beauty bringen bis hin zum Umgang mit Hausangestellten.

So sehr mich dieser Stil und Ton phasenweise unterhalten haben, fehlte mir dadurch jedoch zuweilen die Tiefe und Ernsthaftigkeit in der Erzählung. Insgesamt lässt mich der Roman etwas zwiegespalten zurück. Eine scharfsinnige Gesellschaftsanalyse und humorvolle, zuweilen bitterböse Erzählweise stehen Abzügen in der Tiefe gegenüber. Letztlich ist und bleibt der Roman wirklich sehr gute Unterhaltung - nicht mehr und nicht weniger!

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