Eine unangenehme Mischung aus Sally Rooney, “Tschick” und deutschen Wohlfühl-RomComs.
Eine unangenehme Mischung aus Sally Rooney, “Tschick” und deutschen Wohlfühl-RomComs.
In einem Interview mit Elke Heidenreich (ja, die, die sich ständig über “Gendersprache” aufregt) erzählt Wahl, dass ...
Eine unangenehme Mischung aus Sally Rooney, “Tschick” und deutschen Wohlfühl-RomComs.
In einem Interview mit Elke Heidenreich (ja, die, die sich ständig über “Gendersprache” aufregt) erzählt Wahl, dass sie einen Roman schreiben wollte, aber partout nicht über sich selbst, sondern etwas Existenzielleres, Zeitloses schaffen. Und genau da liegt der Knackpunkt für mich - "sie sind fern von jeglicher Betroffenheitsliteratur", wie Heidenreich positiv bemerkt, ich finde den Ansatz aber einfach schrecklich, sorry not sorry.
Kurzer Rewind zum Positiven: Sprachlich fand ich es durchaus ansprechend, diese kurzen Sätze und Repetitionen. Caro Wahl hat es definitiv geschafft, ein Alleinstellungsmerkmal als Autorin für sich zu finden. Und ja, das Buch vermittelt definitiv eine Leichtigkeit und Wohlfühligkeit, das viele bestimmt als tröstend empfinden (ich war aber irgendwann nur noch genervt tbh)
Was mir gar nicht gefallen hat: dieser matthias-schweighöferliche Verklärungsfilter, der über dem ganzen Buch liegt. Zentrale Themen hier sind Armut und der Alkoholismus der Mutter. Ich fand diese Themen unterrecherchiert, nicht feinfühlig genug ausgearbeitet und die Figuren klischeehaft und flach. Es wurde sich auf die falschen Details fokussiert - Gut und Günstig-Produkte als Indikator für Armut? Haftbefehl gleich Alkoholiker-Musik? Der drogendealende Russe? - anstelle da wirklich reinzugehen und z.B. gesellschaftliche Ansichten auf Armut darzustellen, oder gar zu hinterfragen, den Finger in die Wunde zu legen, auch bei den Leserinnen.
Ich glaube trotzdem, Caro Wahl macht mit ihren Alleinstellungsmerkmalen viel richtig: Der besondere Schreibstil, die Melancholie in ihren Texten, zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur bzw. New Adult zu sein - das ist insgesamt eine gute Zielgruppendefinition und ist sicherlich ansprechend für viele.
Fazit. In der letzten Zeit entsteht bei mir der Eindruck, dass immer, wenn Autorinnen davon sprechen, etwas Existenzielles, Zeitloses, Universelles schaffen zu wollen, es für mich einfach bei Oberflächligkeiten und wischi-waschi-politics bleibt. Ich denke, die Autorin hier ist eher nichts für mich :D