Roman. »Ein Klassiker der queeren Literatur« MICHELLE TEA
Simone Jakob (Übersetzer)
Eine lesbische Liebesgeschichte mit Kultstatus - gefeiert von unter anderem Lena Dunham und Kristen Stewart
Eine junge Autorin zieht in die Großstadt und verliebt sich, zum ersten Mal und auf den allerersten Blick, in eine Frau. Finn ist neunzehn Jahre älter, hat ein unwiderstehliches Lächeln - und lebt in einer festen Beziehung mit ihrer Partnerin. Hals über Kopf stürzt die Erzählerin sich in eine Affäre, die ihr in Sachen Selbstwahrnehmung komplett den Boden unter den Füßen wegzieht. Ist sie, die sich bislang immer nur zu Männern hingezogen gefühlt hat, etwa lesbisch?
Ein Roman über Liebe, Sexualität und Identität und darüber, ob es nötig und möglich ist, sich diesbezüglich glasklar zu definieren.
Ein literarisches Portrait einer queeren Liebesbeziehung - und zugleich ein echter Pageturner!
Die Ich-Erzählerin zieht nach einem Entzug nach New York und verliebt sich dort zum ersten Mal in eine Frau. Finn ist 19 Jahre älter und lebt in einer festen Beziehung. Es entwickelt sich eine Affäre, ...
Die Ich-Erzählerin zieht nach einem Entzug nach New York und verliebt sich dort zum ersten Mal in eine Frau. Finn ist 19 Jahre älter und lebt in einer festen Beziehung. Es entwickelt sich eine Affäre, die schnell aus dem Gleichgewicht gerät.
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Zwischen bibliothekarischer Routine und emotionaler Eskalation entfaltet sich ein Sog aus Abhängigkeit, Verlangen und Selbstverlust. Die Beziehung ist ein ständiger Drahtseilakt: erst Nähe, dann Rückzug und dann folgt wieder das nächste Hoch. Aber Finn bleibt ungreifbar – sie ist zwar irgendwie immer da, aber nie ganz. Und die Erzählerin zerreibt sich daran. Das Buch schwankt zwischen Extremen und schnell wird klar, wie man sich eine toxische Beziehung vorstellen kann.
Die Sprache ist schlicht und direkt mit kurzen Kapiteln, die wie Ausschnitte aus einem Tagebuch wirken. Dadurch entsteht Nähe mit der Protagonistin, wobei es weniger um eine klassische Handlung geht, sondern mehr um ihr Innenleben – um Orientierung, Verlust und das schwierige Ringen um Klarheit in einer komplexen Beziehung.
Wer eine romantische, queere Liebesgeschichte erwartet, wird hier nicht fündig. Women zeigt vielmehr die Realität einer einseitigen, verletzenden Beziehung – ehrlich, konsequent und ohne Beschönigung. Auch wenn manche Klischees nicht ganz vermieden werden, hat mich die emotionale Offenheit immer wieder gekriegt.
Das Buch hinterlässt zwischendurch und auch am Ende ein Gefühl der Besorgnis. Die Ich-Erzählerin kämpft mit Depressionen und Drgenkonsum, was das Leseerlebnis zusätzlich aufwühlt. Dennoch glaube ich, fast jeder von uns kann sich an manchen Passagen auch an eigene negative Beziehungs-Erlebnisse erinnern – und auch nach vielen Jahr(zehnt)en hilft es ein kleines bisschen bei der Aufarbeitung.
Der Inhalt
Die Autorin zieht in eine Großstadt und verliebt sich in eine andere Frau. Diese Liebe erscheint ihr einzigartig, weil sie sich selbst bisher nicht als lesbisch empfunden oder geoutet hat und ...
Der Inhalt
Die Autorin zieht in eine Großstadt und verliebt sich in eine andere Frau. Diese Liebe erscheint ihr einzigartig, weil sie sich selbst bisher nicht als lesbisch empfunden oder geoutet hat und sie bisher kein Mensch so sehr in den Bann gezogen hat. Die beiden Frauen sind besessen voneinander, aber Finn ist in einer Beziehung mit einer anderen Frau. Sie will und wird sich nicht für die Autorin trennen. Die Autorin erlebt ihre erste lesbische Beziehung als Geliebte und durchlebt extreme Höhen und Tiefen dabei. Wir folgen ihr durch all die Metarmorphosen der Liebe, bis hin zur Trennung und einer intensiven Auseinandersetzung aller gelebten Gefühle.
Meine Meinung
Chloé Caldwell lebt in New York und arbeitet dort als Autorin. Sie schreibt für die New York Times. Ihr Schreibstil ist leicht in der Art der Formulierungen und dem Storyplot, aber tiefgreifend in der Wortwahl und auch dem Umgang der Personen miteinander. Das Lesen wird zu einem Empfinden. Ich bin nicht Voyeur, sondern fühle mit den Protagonisten und möchte mein Handy vor Wut auf die Straße schmeissen, wenn Finn nicht zu der Autorin in die Bar kommt.
Bereits im Vorwort und in allen Hinweisen zu dem Buch findet sich der Grundsatz, dieses sei der Schlüssel, ja die Bibel für alle lesbischen Menschen.
Ich selbst bin nicht lesbisch, aber ich bin eine Feministin und tolerant. Mir hat der Roman aus vielerlei Gründen sehr gut gefallen. Ich war sehr neugierig, was genau dahinter stecken soll und warum dieses Buch eine Ideoligie und eine grundlegende Literarur für Menschen sein soll, die lesbisch sind oder noch nicht genau wissen, was sie sind. Ich kann diesen Grundsatz sehr gut verstehen. Ich sehe die Geschichte jedoch als tragische Liebesgeschichte. Hierbei ist es zunächst nicht relevant, dass es sich um zwei Frauen handelt. Es wird jedoch im Umgang miteinander sehr relevant. Aus den Gedanken und Handlungen der beiden Liebenden sprechen Klarheit und Offenheit in Bezug auf alle relevanten Aspekte einer Beziehung. Es ist von Anfang an klar, dass Finn eine Beziehung hat und diese Partnerin nicht verlassen wird. Wir lernen diese Partnerin aus Lesersicht nicht kennen, denn sie spielt nur eine Randfigur in der Geschichte. Es geht im Wesentlichen nur darum, dass sie existiert. Es spielt keine Rolle wie sie aussieht oder ist. Das hat mir sehr gut gefallen. Diese Freundin ist so zart in die Geschichte eingepflochten, wie sie relevant ist.
Finn und alle lesbischen Frauen innerhalb des Romans, u.a. in Beschreibungen zu Parties auf denen nur Lesben anwesend sind, erscheinen mir sehr klischeehaft. Zwar sticht das zauberhafte der Olivenhaut von Finn heraus und ich bin tatsächlich schnell im Bann von dieser Schönheit, aber das sehr maskuline der Lesben hat mich eher überrascht. Das mag an dem Erscheinungsjahr des Romans liegen und ggf. hat die Szene auch so einmal angefangen. Ich sehe jedoch in meinem Umfeld lesbische Paare, bei denen die Frauen äußerlich sehr feminin sind. Aus dem Grund empfinde ich die Beschreibungen teilweise als eher stereotypisch.
Die Unterhaltungen von Finn und ihrer Geliebten haben mich in jedem Fall hingerissen. Es wird mit so viel Intelligenz, Humor und Empathie miteinander kommuniziert, dass ich mich gleich in beide Frauen verliebe. Auf beiden Seiten herrscht eine Art Besessenheit der jeweils anderen Frau vor. Sie lieben sich und manches Mal hassen sie sich. Sie gehen aufeinander ein und finden die Triggerpunkte der jeweils anderen, um diese brutal zu nutzen und sie zu verletzen. Der Roman ist eine dramatische Liebesgeschichte.
Frau lernt Frau kennen. Beide verlieben sich ineinander. Finn hat eine Beziehung mit einer Frau. Die Autorin ist sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Klaren darüber, dass sie lesbisch ist. Sie hatte zuvor Beziehungen mit Männern. Mit Finn erlebt sie die erste lesbische Beziehung. Sie nähern sich einander an und reden über lesbische Beziehungen. Finn lässt sich auf eine Geliebte ein und führt die Autorin in die sexuellen Praktiken, aber auch die emotionale Tiefe einer lesbischen Beziehung ein. Die Treffen im "Aquarium", wie sie die Wohnung der Autorin nennen, werden zum Rückzugsort und später dem einsamen Rückzugsort der Autorin. Die emotionale Tiefe der Beziehung und der empathische Umgang beider Protagonistinnen miteinander bringt mir ein großes Verständnis für Beziehungen zwischen Frauen. Ich liebe es, wenn sie sich über Bücher und das Lesen unterhalten. Wie feinsinnig Finn bemerkt: "Ich find's süß, wenn Leute sich über Sonne freuen(...)", als die Autorin den Vorhang beiseite zieht, um das Wetter anzuschauen und die Sonne scheint (S.33). Mir gefallen die tragischen Emotionen, wie auf Seite 53: Ich bin mega angepisst und werfe mein Handy zwei Mal mit voller Wucht gegen die Wand, dann auf die Straße, wo es von einem Auto überfahren wird. - Die Autorin ist sauer auf Finn, weil diese sich nicht mit ihr in der Bar um die Ecke treffen will. Im Anschluss ist das Handy defekt und die Autorin kann nur noch Textnachrichten mit zwei Wörtern lesen. Wie zärtlich ist es, als Finn im Anschluss nur noch Nachrichten mit zwei Wörtern schreibt bzw. nach zwei Wörtern in die nächste Zeile wechselt. Ich kann mir kaum einen Mann vorstellen, der so viel Weitsicht mitbringt und so viel emotionale Wärme, dass er dieses berücksichtigen würde. Das ist eine typische Fürsorglichkeit von Frauen. Das ist so wahnsinnig zauberhaft.
Zusätzlich bekommen wir einen Einblick in die Beziehung der Autorin zu ihrer Mutter. Auch dieses hat mich sehr gerührt. Sie erzählt ihrer Mutter von Finn und diese versucht zarltlich mehr zu erfahren. Sie ist für ihre Tochter da und nimmt tolerant alle Informationen auf. Eine Mutter, wie sich jeder Mensch eine wünscht. Mir gefällt die gemeinsame Bindung und das Füreinander Da sein.
Aufgrund des poetischen Schriftstils habe ich unzählige Lieblingsstellen und Zitate in dem Buch. Hier sind meine liebsten drei:
1. Du bist sexy, wusstest du das nicht?, fragt sie. Nein, du, antworte ich. (Seite 57)
Ich liebe den Austausch zwischen den beiden. Das kann natürlich auch eine Konversation mit einem männlichen Partner sein, aber ich kann mir dabei kaum diese direkte Klarheit vorstellen. Das hat mich umgehauen.
2. Wenn du dich in jemand anders verliebst, sagst du's mir?, fragt sie. (...) Damit ich mich für dich freuen und für mich traurig sein kann, sagt sie, und wir lachen ein bisschen. Dann murmelt sie: Ich will nicht, dass du dich in jemand anders verliebst. (S.59)
Und plötzlich bin ich einfach nur noch verliebt. Verliebt in diese Konversation. Verliebt in die beiden Verliebten. Dankbar für diese beiden Seelen.
3. Er hält die Hände parallel zueinander, als würde er beten, aber mit zwei Fingerbreit Platz dazwischen. So sieht gesunde Intimität aus, sagt er. Aber viele Meschen wissen das nicht. Er bewegt eine Hand auf die andere zu, sodass beide Hände nach links kippen. Dann wieder nach rechts. Wie eine Wippe. Er erklärt, das sei, was Finn un dich tun. Wenn eine von uns zu viel Nähe will, bekommt die andere Angst und zieht sich zurück, dann wieder umgekehrt. (Seite 119)
Da wird mir so einiges klar. Tiefgreifende Erläuterungen. Einfach auf das eigenen Leben übertragbar. Ich liebe es.
Fazit
Ich wollte dieses Buch von Chloé Caldwell so unbedingt lesen. Das Buchcover ist so zauberhaft und die Farbwahl hätte mich in der Buchhandlung in jedem Fall zum Kauf bewogen. Auch wenn ich bei dieser Leserunde nicht dabei gewesen wäre, hätte ich mir das Buch gekauft und gelesen.
Die Kommunikation und die emotionale Auseinandersetzung der beiden Frauen miteinander sowohl in der Liebe, als auch in den Phasen des Hasses, ist lesenswert. Es wird miteinander kommuniziert. Auf beiden Seiten gibt es Verständnis für die Gefühle des jeweils anderen Partners. Es ist aufschlussreich und interessant. Es ist tief und emotionsgeladen. Der Erzählstil ist offen und klar, verständlich und fliessend. Der Roman lässt sich einfach und mit Genuss lesen. Ich konnte kaum aufhören zu lesen.
Ich werde durch diesen Roman nicht lesbisch werden. Ich bin jedoch dankbar für die Erfahrung dieses wundervollen Romans und die schönen Schilderungen der Beziehung.
Es wird nicht zu einem neuen Lieblingsbuch von mir und ich werde es auch nicht verschenken, aber ich habe es sehr gerne gelesen und genossen.
. Ein Kultbuch der queeren Szene über das sexuelle Erwachen einer Frau. Ein Roman über eine Liebe und Sexualität, aber auch über eine ungesunde Beziehung.
Ich verstehe warum der Roman als Kultbuch gilt, ...
. Ein Kultbuch der queeren Szene über das sexuelle Erwachen einer Frau. Ein Roman über eine Liebe und Sexualität, aber auch über eine ungesunde Beziehung.
Ich verstehe warum der Roman als Kultbuch gilt, jedoch habe ich mehr erwartet. Die Suche und das Finden der sexuellen Orientierung ist wirklich toll beschrieben. Leider finde ich der Roman bleibt oftmals zu sehr an der Oberfläche und trieft irgendwann vor Klischees, ohne zu zeigen, wie individuell Frauen eigentlich sein können und sind.
. Aber worum geht es genau…
Die namenlose Protagonistin verliebt sich unerwartet das erste Mal in ihren Leben bewusst in eine ältere Frau, jedoch ist diese in einer Beziehung. Doch davon lassen sich die Zwei nicht aufhalten und eine Affäre beginnt. Diese Affäre wirft die Protagonistin in eine ungesunde Abhängigkeit und ist kurz davor sie emotional zu zerstören.
. In „Woman“ begleiten wir die namenlose Protagonistin in kleinen kurzen Kapiteln durch ihre Gedanken. Das komplette Buch ist, wie eine Art Tagebuch aufgebaut. Ich mochte diesen Aufbau sehr. Dadurch blieb die Geschichte interessant und lies sich schnell lesen. Was wohl auch an der tollen Übersetzung liegt. Der Schreibstil ist modern, obwohl das Original schon 2014 veröffentlicht wurde.
Wie schon erwähnt, versteh ich vollkommen, warum der Roman diesen Kultstatus hat, vor allem als ich Vorwort und Nachwort gelesen habe und verstand viel vielen queeren Menschen dieses Buch geholfen hat.
Aber ich verstehe nicht, warum es unbedingt so eine toxische Beziehung bzw. Affäre sein musste. Ich finde diese ganze Konstellation schrecklich und da ich nicht spoilern möchte kann ich auch nicht mehr dazu schreiben.
Ich finde es ausgesprochen schade, wie viele Klischees in diesem, doch recht kurzen Roman aufgeführt werden und uns Frauen einfach als emotional impulsive Menschen darstellt, die alle gleich ticken in Sachen Liebe und nur Drama möchten, außer sie haben Eigenschaften, die eher Männern zugeschrieben werden.
Jedoch ist „Woman“ größtenteils ein tolles Buch über die Reise einer Frau zu sich selbst und ihrer eigenen Identität. Manchmal hätte die Autorin uns noch tiefer in die Gefühlswelt der Protagonistin eintauchen lassen sollen, vor allen da das Buch nur knapp 190 Seiten hat, trotzdem bekommt man als Leser einen guten Eindruck von der Reise die sie zurücklegt.
Garantiert nicht für jeden, aber trotzdem lesenswert.
Eine Warnung möchte ich dennoch aussprechen, wenn du ein Problem damit hast über wirklich toxische Beziehungen zu lesen, dann solltest du das Buch lieber im Laden stehen lassen.
Chloé Caldwell scheint einen autofiktionalen, kurzen Roman geschrieben zu haben, in dem sich die Ich-Erzählerin in eine neunzehn Jahre ältere, in Partnerschaft lebende Frau namens Finn verliebt.
Mittlerweile ...
Chloé Caldwell scheint einen autofiktionalen, kurzen Roman geschrieben zu haben, in dem sich die Ich-Erzählerin in eine neunzehn Jahre ältere, in Partnerschaft lebende Frau namens Finn verliebt.
Mittlerweile zählt der 2014 erschienene Roman als ein Klassiker der queeren Literatur.
Der Schwerpunkt liegt in diesem Roman auf der Gefühlsachterbahn der Ich-Erzählerin. Man spürt, dass die Autorin gefühlsmäßig zu sehr in ihrer vergangenen Affäre steckte, als sie ihr Buch schrieb. Sie fühlte sich in der Beziehung nicht sicher und konnte ihre Geliebte nicht gut einschätzen.
So bleibt Finn eher blass und ihre Motive und Wünsche sind nicht sonderlich herausgearbeitet.
Ich glaube, dass dieser Roman wegen seiner Wahrhaftigkeit zum Kultbuch wurde. Es ist keine ausgedachte und für die Leser geschnitzte Liebesgeschichte. Vermutlich finden sich viele Menschen der LSBTIQ+ Szene wieder.
Die Schreibweise im großen und ganzen finde ich ziemlich gut. Dass die Autorin die Leser anspricht, gefällt mir. Die Abschnitte - Episoden oder Momente oder Gedanken und Reflexionen finde ich sehr gut zusammengefügt.
Das Cover mit der sinnlichen Berührung zweier Frauenhände passt genau zur Geschichte. Hände, die sich berühren, aber später wieder loslassen, für immer.
Das Buch enthält Vor- und Nachwort. Die eigentliche Geschichte beginnt auf Seite 15, was leider nicht markiert ist.
Women, ein Roman, der in die Intimsphäre einer jungen Frau schauen lässt. Das erfordert viel Mut zur Selbstenthüllung.
Das Vorwort macht extrem neugierig, nicht nur, weil dieser Roman in der Szene wohl von Hand zu Hand ging und, wenn man denn den Worten trauen kann, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Frauen erreicht. ...
Das Vorwort macht extrem neugierig, nicht nur, weil dieser Roman in der Szene wohl von Hand zu Hand ging und, wenn man denn den Worten trauen kann, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Frauen erreicht. Es geht um Selbstfindung, um das anererkennen (teilweise auch hinterfragen) der eigenen Sexualität. Die ich-erzählerin berichtet mehr oder weniger episodisch aber dabei doch chronologisch von ihrer toxischen Liebe zu der Frau Finn. Die Anziehung, die aber beiden Beteiligten nicht guttut. Finn, die eigentlich in einer Beziehung ist, aber dennoch mit der Erzählerin etwas anfängt. Von zerstörerischen Liebe und deren Konsequenzen. Von Heimlichkeiten und Sucht.
Was mich sehr gestört hat, ist die Tatsache, dass die Erzählerin und auch Finn kaum über die Frau sprechen, mit der Finn zusammen ist, dass Fremdgehen hier in Kauf genommen wird. Auch wenn genau das oft die Schwierigkeit in der Anziehung der beiden ist.
Man so vielen Stellen war das Geschlecht der beiden eigentlich nebensächlich, denn es geht viel mehr um die Dynamik und was eine solche Liebe mit einem macht. Und doch werden hin und wieder Klischees angesprochen, was die Verwirrung von der Erzählerin durchblicken lässt.
Der episodische Charakter des Erzählstils ist gewöhnungsbedürftig und trifft nicht ganz meinen Lesegeschmack. Die kurzen Kapitel haben es aber leicht gemacht, das Buch schnell zu lesen. Warum es aber ein gefeierter Klassiker der lesbischen Literatur ist, bleibt für mich unverständlich. Es ist nicht schlecht und verdeutlicht die Turbulenzen im Liebeschaos aber es ist kein Buch, das mich in den Bann gezogen hat. Spannend war wiederum das Nachwort, dass durch einige eingeschobene Leserinnenstimmen auch den episodischen Stil noch einmal spiegelt.