Blossoms of Fire
Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen ...
Der Fantasy-Roman „Blossoms of Fire“ von Cosima Lang überzeugt als alleinstehender Band vor allem mit seinem malerischen Setting: Vor der Küste Schottland liegt die Vulkaninsel Rùm, die nicht nur einen einzigen, sondern gleich einen ganzen Drachenclan zu bieten hat. An der Seite von Kräuterhexe Briar kommen wir ihrem einzigartigen Geheimnis auf die Spur.
Das Buch erschien am 25. April 2025 im Loomlight Verlag und umfasst 396 Seiten.
Formal fällt zunächst die Triggerwarnung ins Auge, auf die gleich zu Beginn hingewiesen wird. Die potentiell aufwühlenden Elemente werden auf der letzten Seite des Buches aufgelistet, sodass der Leser selbst frei entscheiden kann, ob er Spoiler in Kauf nehmen möchte, oder lieber gleich mit der Lektüre beginnt.
Jedes Kapitel trägt den Namen eines Heilkrautes oder einer Pflanze, welches im Laufe des Abschnitts eine Rolle spielt. So lernt man ganz beiläufig einige ihrer Anwendungsbereiche kennen. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass das Verkaufen von Waldmeister Kopfschmerzen lindern kann? Hieraus ergibt sich eine völlig neue, informative Komponente der Geschichte, die mich besonders fasziniert hat. Die Länge der Kapitel ist dabei ideal für eine kurze Kaffee- oder Teepause: im Schnitt enthalten die Abschnitte zwischen 7 und 15 Seiten.
Die Orte, die in der Geschichte benannt werden, existieren tatsächlich, was sicherlich dem ein oder anderen Anreiz für einen Kurztrip bietet. Die Erzählung beginnt zunächst im traumhaften Edinburgh und führt uns später auf eine raue Insel westlich von Schottland.
Was das Genre betrifft, mischt die Autorin romantische und fantastische Elemente, um diese kunstvoll miteinander zu verstricken. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf die Existenz von Drachen, sondern trifft auch Zwerge und selbstverständlich Hexen an. Jedoch würde ich das Buch auf der Skala etwas weiter Richtung Roman verorten, da das Element der fantastischen Wesen zwischenzeitlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Unsere Protagonistin, Briar Delga, dürfte den meisten Lesern sympathisch sein: Ein starker, weiblicher Charakter, der sich nicht den Mund verbieten lässt. Im Umgang mit anderen Charakteren zeigt sie sich extrovertiert und selbstbewusst. Am Rande wird außerdem beschrieben, dass sie keine Modelmaße hat, ihren Körper aber schön findet, so wie er ist. Das immer noch aktuelle Thema Body Positivity wird somit im Roman aufgegriffen. Darüber hinaus tritt im Verlauf der Geschichte auch ein lesbischer Nebencharakter auf, was die Erzählung inklusiv und LGBTQIA+-freundlich macht. Trotzdem benennt Briar auch einige ihrer Schwächen, was ihr wiederum Menschlichkeit verleiht und sie als Figur greifbar macht: Im Rahmen eines Festes gibt sie zu, dass die bevorstehende soziale Interaktion ihr Angst macht und sie „planen muss, damit [sie sich] entspannen kann“ (vgl. S. 198).
Darragh bildet als angeblicher Draufgänger zuerst einmal das genaue Gegenstück. Muskulös gebaut und mit nautisch anmutenden Tattoos auf dem Oberkörper füllt er sicher das Klischee eines Schotten, den so leicht nichts aus der Bahn werfen kann, zur Gänze aus. Umso bedeutungsvoller erscheint dadurch die Offenbarung, dass auch ihn Ängste und der ein oder anderen unausgefochtene Zwist mit seinem Bruder Basil plagen. Die Vergangenheit der beiden erklärt die Motive hinter ihren Handlungen und gibt beiden Charakteren die nötige Tiefe.
Darüber hinaus kann natürlich keine Hexe, die etwas auf sich hält, ohne tierischen Begleiter auskommen. Um was, beziehungsweise um wen genau es sich handelt wird hier noch nicht verraten, es sei aber gesagt, dass es sich um eine eher unkonventionelle Verbündete handelt, die der Handlung einerseits viel Witz und andererseits eine mystische Nuance verleiht.
Positiv aufgefallen sind mir die durchweg ungewöhnlichen Namen der Charaktere, welche ihre Persönlichkeiten jedoch gut widerspiegeln. Gleichzeitig handelt es sich, soweit ich das beurteilen kann, um altenglische Namen, die das Setting des Romans respektieren.
Die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten ist ebenfalls bemerkenswert: Besonders scheinbar nebensächliche Momente, die die Gewohnheiten und Traditionen im Drachenclan näher beschreiben, überzeugen mit ihrer Immersionskraft. Trotzdem ist anzumerken, dass das Buch sich definitiv nicht für ein jüngeres Publikum eignet – wie die Triggerwarnung bereits vorbringt gibt es einige sehr explizite Szenen.
Stellenweise wirkt die Entwicklung der romantischen Beziehung und auch die Handlung selbst leider etwas gehetzt: wichtige Momente wie der erste Kuss finden im Roman relativ früh statt. So steigen wir auch nach wenigen Seiten sofort mit einem großen Ereignis in den eigentlichen Plot ein. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dies allerdings dem Umstand geschuldet, dass die Autorin ein in sich geschlossenes Leseerlebnis bieten wollte und eine ausführlichere Beschreibung einen Anschlussband verlangt hätte.
Dennoch kommt die Spannung in den letzten Zügen der Geschichte nicht zu kurz, da nach Abschluss der Haupthandlung noch ein letztes Rätsel auf unsere Kräuterhexe wartet, das sie um jeden Preis lösen muss. Allerdings sollte man hier nicht aus ein komplexes Gespinst aus Intrigen und ineinander verworrenen Lügen hoffen: Der Fokus der Erzählung liegt bis zum Schluss auf der Beziehung zwischen den Hauptfiguren und nicht darauf, den Leser in die Irre zu führen, wie es in so manchem Kriminalroman sicherlich der Fall gewesen wäre. Für meinen Geschmack fiel die finale Auflösung deshalb leider ein wenig antiklimaktisch aus.
Alles in allem hat sich „Blossoms of Fire“ als Romantasy-Erzählung, die den Mut hat, vieles anders zu machen als es im Genre üblich ist, definitiv einen Platz auf meinem Bücherregal erkämpft. Die Handlung spricht eine Vielzahl von Interessenkreisen an – sei es Hexen oder Magie im Generellen, Drachen oder auch Kräuterkunde. Trotzdem kommt die Erzählung ohne einen zweiten oder dritten Band aus, was heutzutage eher die Ausnahme bildet. Auch wenn die Konflikte, die die Geschichte bietet, etwas zu schnell aufgelöst werden, kommt dennoch etwas Spannung auf.
Wer ein Buch mit Charakteren sucht, die einem schnell ans Herz wachsen und eine Handlung, die eine gewisse Gemütlichkeit ausstrahlt, aber dennoch nicht auf fantastische Wesen verzichtet, der ist hier genau richtig. Für Romanleser, die ins Romantasy-Genre hineinschnuppern wollen, ist „Blossoms of Fire“ ebenfalls eine echte Empfehlung.