Cover-Bild Ein Winter in Paris

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19,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Zsolnay, Paul
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 24.09.2018
  • ISBN: 9783552063778
Jean-Philippe Blondel

Ein Winter in Paris

Roman
Anne Braun (Übersetzer)

Victor hat die Provinz hinter sich gelassen und ist zum Studium nach Paris gezogen. Er kommt aus einfachen Verhältnissen, der Druck an der Uni ist hoch. Victor ist einsam und fühlt sich unsichtbar. Einzig mit Mathieu, einem Jungen aus dem Kurs unter ihm, raucht Victor hin und wieder eine Zigarette. Als Mathieu in den Tod springt, verändert sich für Victor alles. Plötzlich wird er, der einzige Freund des Opfers, sichtbar. Seine Kommilitonen interessieren sich plötzlich für ihn, und langsam entwickelt er zu Mathieus Vater eine Beziehung, wie er sie zu seinem eigenen Vater nie hatte. „Ein Winter in Paris“ ist ein sensibles und zärtliches Buch über das, was uns Menschen zusammenhält.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2019

Sehr bewegend geschrieben

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Das Buch über Victor, der aus der Provinz und einfachen Verhältnissen stammt und nun in Paris studiert, ist ein Einzelgänger und im 2. Studienjahr nun endlich daran, eine Freundschaft aufzubauen - zu Mathieu, ...

Das Buch über Victor, der aus der Provinz und einfachen Verhältnissen stammt und nun in Paris studiert, ist ein Einzelgänger und im 2. Studienjahr nun endlich daran, eine Freundschaft aufzubauen - zu Mathieu, Student im 1. Jahr und ebenfalls Einzelgänger. Doch bevor die beiden mehr miteinander teilen als wenige Worte in den Raucherpausen, springt Mathieu in den Tod. Für Victor, der als erster am Unglücksort ist, ändert sich damit fast alles...

Die Sprache, in der dieses 189 Seiten starke Buch geschrieben ist, ist oft bildlich bis poetisch; siehe folgendes Zitat:
„Zeitweise zog er sich innerlich zurück, dann war Ebbe, und ich konnte man Strand der Sätze spazieren gehen, die wir ausgetauscht hatten, die Spuren im Sand betrachten, bevor sie weggespült wurden, den Geräuschen des Windes lauschen, das Gesagte noch einmal überdenken.“
Die Gedanken von Victor, seine Gefühle und seine Wandlung in den Monaten nach dem Tod Mathieus sind bewegend beschrieben; man fühlt mit.

Ein intensives Buch, das nachklingt!

Veröffentlicht am 02.01.2019

Angenehm zu lesen

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Zum Inhalt:
Victor, der aus einfachen Verhältnissen kommt, studiert in Paris. Er wird nicht beachtet von den anderen Studierenden. Nur mit Mathieu hat er ein wenig Kontakt. Als dieser sich umbringt, ist ...

Zum Inhalt:
Victor, der aus einfachen Verhältnissen kommt, studiert in Paris. Er wird nicht beachtet von den anderen Studierenden. Nur mit Mathieu hat er ein wenig Kontakt. Als dieser sich umbringt, ist er plötzlich für die anderen interessant. Auch mit Mathieus Vater entwickelt er eine besondere Beziehung.
Meine Meinung:
Das Buch hat mir gut gefallen, es ist einfach angenehm zu lesen. Es hat einen sehr gut lesbaren Schreibstil, der dazu führt, dass das eh schon sehr dünne Buch sehr schnell weg gelesen ist. Das ust auch der einzige Kritikpunkt, den ich so habe. Für ein recht kleinformatiges Buch mit nur 188 Seiten sind 19 Euro echt heftig. Dennoch ist das Buch wert gelesen zu werden, weil es einfach eine schöne Geschichte ist.
Fazit:
Angenehm zu lesen.

Veröffentlicht am 20.12.2018

Der Freund des Opfers

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Victor hat es geschafft, er ist zum Studium nach Paris gegangen. Einsam ist er bereits im ersten Jahr des Studiums, sein soziales Leben tendiert gegen Null. Erst im zweiten Jahr kann er sich die Freundschaft ...

Victor hat es geschafft, er ist zum Studium nach Paris gegangen. Einsam ist er bereits im ersten Jahr des Studiums, sein soziales Leben tendiert gegen Null. Erst im zweiten Jahr kann er sich die Freundschaft mit einem anderen Jungen vorstellen, Mathieu. Als der überraschend in den Tod springt, verändert sich alles für Victor. Er wird plötzlich als Freund des Opfers wahrgenommen, wird sichtbar für die anderen Schüler, für die Lehrer. Als Mathieus Vater in die Stadt kommt, schließt er sich Victor an. Gemeinsam tragen sie eine Weile das Wissen um Mathieus Tod.

In eher dürren Worten entwirft der Autor Jean-Philippe Blondel die Welt, in der Victor und Mathieu als Außenseiter zu bestehen haben. Während Victor irgendwie versucht, dem Druck etwas entgegenzusetzen, schafft Mathieu das nicht. Doch es ist Victor, der nach dem Tod des Kommilitonen ins Rampenlicht tritt, der nun endlich als Schüler und Mensch wahrgenommen wird. Und es ist gerade die Wortkargheit des Buches, die die Tragödie dieser Geschichte umso mehr herausarbeitet. Der Leser fühlt, dass die Protagonisten aneinander vorbei reden (und dies auch fühlen), und dennoch kann keiner aus seiner Rolle heraus. Obwohl das Buch mit seinen 189 Seiten eher dünn geraten ist, entfacht es sehr schnell eine ganze Welt voller Emotionen, zeigt diese auf, lässt sie den Leser schmecken.

Damit entsteht eine Geschichte, die bis ins Innerste berührt, ja teilweise verstört. Dafür vergebe ich vier von fünf Sternen und empfehle das Buch sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 19.12.2018

Der Freund des Opfers

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Durch und durch französisch ist dieser Text! Im Mittelpunkt als Handlungsort steht ein Pariser Lycée, in der die Schüler einen Vorbereitungskurs auf die Uni absolvieren nach dem Abitur.
Einige mit dem ...

Durch und durch französisch ist dieser Text! Im Mittelpunkt als Handlungsort steht ein Pariser Lycée, in der die Schüler einen Vorbereitungskurs auf die Uni absolvieren nach dem Abitur.
Einige mit dem Ziel um den berühmten Concours zu bestehen, eine staatliche Prüfung um in den Staatsdienst aufgenommen zu werden, zB Lehrer.
Der Protagonist, Victor, stammt aus der Provinz, wodurch ein zweiter Themenkomplex in den Text fließt: französische Provinz vs. Paris! Eine Hassliebe, die der Autor Jean-Philippe Blondel hier wunderbar raus arbeitet.
Und das Hauptthema des Romans ist der Suizid eines Mitstudenten aus einer anderen Klasse, Mathieu. Ein Roman der von unerwarteten Beziehungen handelt, Verknüpfungen die sich durch Zufälle, positive wie negative, im Leben ergeben.
Das Buch könnte auch den Titel „Der Freund des Opfers“ heißen und den Inhalt mehr auf den Punkt bringen als der Titel „Ein Winter in Paris“.

Jean-Philippe Blondel hat schon einige gute Werke vorgelegt, die ich allesamt wärmstens empfehlen kann. Vor allem „6 Uhr 41“ war aus seiner Feder mein Favorit.
Das Buch hat eine sehr persönliche Note. Jean-Philippe Blondel verarbeitet hier einen Stoff den erst selbst erlebt hat in seiner eignen Zeit an einem Lycée in Paris in den 80er Jahren. Ein Selbstmord in der Nachbarklasse, ein Schrei der mental nie verhallt.
Daher ist es auch etwas anders im Ton als die anderen seiner Romane, das Buch wirkt an mancher Stelle wie ein gedankenverlorenes Erzählen des Autors und hat eine düstere Färbung.
Aber, wie alle Roman von ihm, ist die Sprache wunderbar, wie immer. Wie auf Seite 138: „Es ist besser, ein Meister der Illustrationen zu werden als der Spielball seiner Umwelt.“

Fazit: Das erste Drittel hat mich angestrengt, das zweite irritiert und das letzte versöhnt.

Veröffentlicht am 16.12.2018

Wunderbar und eindringlich

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Jean-Phillippe Blondel hat mit seinem Roman „Ein Winter in Paris“ eine kleine literarische Perle geschaffen, die fasziniert und bedrückt.

Blondel erzählt in seinem ruhigen und sehr eindringlichen Roman ...

Jean-Phillippe Blondel hat mit seinem Roman „Ein Winter in Paris“ eine kleine literarische Perle geschaffen, die fasziniert und bedrückt.

Blondel erzählt in seinem ruhigen und sehr eindringlichen Roman die überaus einsame und stille Geschichte von Viktor, einem unsichtbaren Außenseiter, der erst durch den Freitod eines vermeintlichen Freundes von seinen Kommilitonen an einer Pariser Eliteschule wahrgenommen wird.
Viktor kam aus der Provinz nach Paris, stammt aus einer relativ bildungsfernen Familie und belegt einen Vorbereitungskurs einer Eliteschule, den Pariser Concours, die unter großem Leistungsdruck und auch elitärem Druck Studenten-Nachwuchs für renommierte Universitäten produzieren.
Viktor ist einsam dort, und einzig Mathieu, ein Junge aus dem Kurs unter ihm, trifft sich regelmäßig auf eine Zigarette mit ihm. Als Mathieu im Treppenhaus der Eliteschule in den Tod springt, hat Viktor plötzlich alle Aufmerksamkeit, zwischenmenschliche Beziehungen verschieben sich zu seinen Gunsten, Viktor wird sichtbar und interessant als der vermeintliche Freund des Opfers. Komplett abgenabelt von sozialen Verpflichtungen gegenüber seiner Familie in der provinziellen Heimat lässt sich Viktor in dieses neue Leben fallen und droht dabei, verloren zu gehen.

Blondel schafft es auf unheimliche Weise, den schulischen Druck und das Konkurrenzdenken, das elitäre Schweigen und die Ignoranz gegenüber Außenseitern, das Stehen am gesellschaftlichen Rand einer Eliteschule zu vermitteln. Die Sehnsucht nach Anerkennung und Gesellschaft bringt seinen Protagonisten dazu, die Aufmerksamkeit zu genießen, sich zugehörig zu fühlen und anzupassen. Die harsche Kritik, die Blondel am elitären Pariser Bildungssystem übt, wird durch das Schweigen aller - Professoren und Studenten - nach Mathieu´s Freitod sehr eindringlich unterstrichen. Nichts verändert sich, und außer dem gesellschaftlichen Zuspruch, den Viktor von vielen Seiten genießt, bleibt alles beim alten - der Leistungsdruck und die Angst vor Versagen und Exmatrikulation prägen den Schul-Alltag weiterhin.
Zwischenmenschliche Beziehungen werden im Roman zum Selbstläufer, abgenabelt vom Ursprung, Viktor findet endlich, wonach er sich immer sehnte, und es fühlt sich beim Lesen dennoch kalt, künstlich und falsch an. Gefangen in der ihm geschenkten Aufmerksamkeit aus höhergestellten Gesellschaftsschichten verliert Viktor seinen Weg und fast sich selbst.

Am Ende verdichtet Blondel in einem wunderbaren Bogen mittels eines Gesprächs die Handlung, lässt seinen zappelnden Protagonisten von der elitären Angel und zurück ins wahre Leben entkommen. Er bleibt für immer geprägt, so wie ich als Leser auch, nach dieser faszinierenden, spannenden und kritikreichen Lektüre.