Cover-Bild Die Farbe des Nordwinds
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Heyne
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 400
  • Ersterscheinung: 08.03.2021
  • ISBN: 9783453273139
Klara Jahn

Die Farbe des Nordwinds

Roman
Wenn die Suche nach der Heimat zur Suche nach dir selbst wird

Schon immer hat Ellen sich wie eine Besucherin in ihrem eigenen Leben gefühlt. Außer einmal, als Kind, als sie mit ihrer Mutter kurz auf den Halligen lebte. Abreisen wollte sie damals nicht, doch sie hatte keine Wahl. Nun kehrt sie zurück auf dieses merkwürdig vertraute Fleckchen Marschland. Und zu Liske, die damals wie eine Schwester für sie war. Ihre Annäherung wühlt alte Konflikte wieder auf, doch Ellen lässt sich nicht entmutigen. Denn sie weiß: Dies ist ihre Seelenheimat.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2021

Eine ganz besondere Reise

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Klara Jahns Liebesgeständnis an die Halligen in der Nordsee. Kleine Marschinseln vor der Küste Schleswig-Holsteins, die bei Sturmfluten überschwemmt werden und somit direkt dem Klimawandel ausgesetzt sind.

Das ...

Klara Jahns Liebesgeständnis an die Halligen in der Nordsee. Kleine Marschinseln vor der Küste Schleswig-Holsteins, die bei Sturmfluten überschwemmt werden und somit direkt dem Klimawandel ausgesetzt sind.

Das Cover verbreitet Urlaubsstimmung, ein reetgedecktes Haus, Möwen am Himmel und die unendliche Weite Norddeutschlands. Der Klappentext gibt einen guten Einblick in die Handlung, es geht zum einen um die Hallig, aber auch um die Menschen, die auf diesem besonderen Fleckchen Erde leben.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Der Erzählstrang der Gegenwart wird kombiniert mit einem Erzählstrang welcher im Jahr 1798 einsetzt und sein Ende 1825 bei der großen Halligflut findet.

In der Gegenwart ist Ellen (36 Jahre) die Hauptprotagonistin, sie kehrt zurück auf die Hallig, der einzige Ort in ihrer Kindheit, wo sie so etwas wie Heimatgefühle entwickeln konnte. Ihre Halbschwester Liske ist immer auf der Insel geblieben und nimmt es der Stiefschwester übel sie damals allein zurück gelassen zu haben, sie wäre gerne mit ihr gegangen. Aber Sunny, die Stiefmutter, Ellens Mutter hat damals ein Versprechen gebrochen, welches heute noch zwischen den Frauen steht.

Dieser Teil der Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Ellen geschildert, der Erzähler steht außerhalb der Geschichte und greift nicht aktiv in die Geschichte ein.

Der Erzählstrang der Vergangenheit wird aus der Perspektive von Arjen Materson erzählt. Der Ich-Erzähler lässt uns hautnah teilhaben an dem Geschehen. Er ist mit der Insel verwurzelt und kehrt nach einer Ausbildung auf die Hallig zurück, um als Lehrer zu arbeiten. Der Erzählstrang in der Vergangenheit ist sehr poetisch geschrieben und arbeitet mit vielen Bildern. Er ist eine Anlehnung an die Chronik die Arjen Materson über die Hallig verfasst hat.

Mit dieser Chronik beschäftigt sich Ellen im Gegenwartsstrang, auch Sie ist Dorfschul-Lehrerin. Sie möchten den Menschen, die Vergangenheit nahebringen, aber besonders den Kindern. Ihr ist klar, dass die Hallig schwer vom Klimawandel bedroht ist.

Der Erzählstil des Gegenwartsstranges ist modern, auch wenn das plattdeutsch nicht zu kurz kommt und so auch hier für das richtige Feeling sorgt.

Der gesamte Roman ist eine Liebeserklärung an diese karge und besondere Region in der Nordsee. Aber auch an die Menschen, die in diesem besonderen Landstrich leben, Klara Jahn gibt ihnen und der gesamten Region eine Stimme.

Ein Roman für alle, die besondere Schauplätze in Deutschland mögen und einem Roman auf zwei Zeitebenen nicht abgeneigt sind.

Ich bedanke mich sehr bei der Autorin für die besondere Reise, die vielen Informationen und das einmalige Flair der Hallig, welches mir nahegebracht wurde.

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Veröffentlicht am 13.04.2021

Naturgewalten

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Ellen bekommt die Möglichkeit als Lehrerin auf einer kleinen Hallig, mitten in der Nordsee zu arbeiten. Ein Traum geht für sie damit in Erfüllung, hat sie doch an dieses raue Fleckchen Erde ihr Herz verloren, ...

Ellen bekommt die Möglichkeit als Lehrerin auf einer kleinen Hallig, mitten in der Nordsee zu arbeiten. Ein Traum geht für sie damit in Erfüllung, hat sie doch an dieses raue Fleckchen Erde ihr Herz verloren, als ihre Mutter sich hier vor Jahren als Halligbäuerin versucht hat. Der Versuch scheitert recht schnell und Ellens Mutter tritt, wie so oft im Leben, die Flucht an. Ellen verlässt ihr neues Zuhause nur ungern, hat sie hier doch zum ersten Mal im Leben das Gefühl angekommen zu sein und endlich eine richtige Familie zu haben, zusammen mit Liske und ihrem Vater, bei dem ihre Mutter eingezogen war. Nun ist sie zurück, hofft anschließen zu können an die Vergangenheit, doch die Halliglüd sind ein besonderer Menschenschlag und Liske hat Ellen nie vergeben, dass sie sie zurück gelassen hat.

Der Roman läuft auf zwei Zeitebenen, das Heute, rund um Ellen und Liske und den Alltag auf der Hallig, und die Vergangenheit rund um Arjen, einen Jungen, der nach dem Tod seiner Eltern die Hallig und seinen Bruder verlässt, um zur Schule zu gegen und ein Gelehrter zu werden. Als er Jahre später mit seiner Frau zurück kommt, gehört er nicht mehr dazu und seine Vorschläge zur Verbesserung der Situation der Halligbewohner werden abgetan. Seine Geschichte erfährt man aus einer Chronik, die die damaligen Ereignisse beschreibt.

Die Autorin beschreibt sehr eindrucksvoll das harte Leben auf einer Hallig, damals wie heute. Immer wieder gibt es sehr bildhafte Beschreibungen von Flora und Fauna und natürlich von der See, dem Wind, den Naturgewalten. Ihre Charakterisierung der Figuren ist speziell, aber passend, sie wirken trotz ihrer Eigenheiten sympathisch, allerdings bedient die Autorin teilweise auch ein paar Klischees. Da ist dann die Zwillingsmama, die alles vegan möchte und Videos für YouTube dreht, der Witwer, der sich in seiner Arbeit vergräbt, statt Trauer zuzulassen, oder der junge Mann im sozialen Jahr, der die Stelle nur angenommen hat, weil er hier faulenzen kann. Aus diesen Klischees heraus bilden sich dann verschiedene Spannungspunkte, die für den Verlauf der Geschichte wichtig sind. Kurz vor Schluss wird die Geschichte etwas vorhersehbar, aber das ist ok, denn so kommt die Geschichte eben zu dem Ende, das die Autorin im Kopf hatte und das einen gewissen Bogen zwischen Heute und Damals schlägt.

Das Buch ist eine Hommage an eine einzigartige, leider bedrohte Landschaft, und an den besonderen Typ Mensch, der hier lebt und arbeitet. Das Buch ist aber auch eine Mahnung, es zeigt die Gewalt und die Gefahren des Meeres, die verheerenden Folgen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung. Es zeichnet ein Bild, entgehen der Postkartenidylle, abseits der verklärten Romantik von Touristen und Sommerurlaubern.

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Veröffentlicht am 10.04.2021

Die Freiheiten der Hallig

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Für Ellen bedeutet das Leben auf der Hallig Freiheit, für Liske ist das Gegenteil der Fall. Die beiden haben in ihrer Jugend einige Wochen gemeinsam auf der Hallig verbracht, dann musste Ellen wieder gehen. ...

Für Ellen bedeutet das Leben auf der Hallig Freiheit, für Liske ist das Gegenteil der Fall. Die beiden haben in ihrer Jugend einige Wochen gemeinsam auf der Hallig verbracht, dann musste Ellen wieder gehen. 20 Jahre später kommt sie als Lehrerin wieder zurück, um endlich das Leben zu führen, von dem sie all die Jahre geträumt hat. Als Ellen und Liske wieder aufeinandertreffen merken beide schnell, dass sich vieles zwischen ihnen verändert hat.

Es gibt zwei Zeitebenen, in denen die Geschichte erzählt wird, zum einen werden die Ereignisse auf der Hallig um 1800 geschildert und zum anderen geht es um das Heute.

Ich hatte am Anfang Schwierigkeiten, in die Erzählung herein zu finden. Meiner Meinung nach sind die Ereignisse so vor sich hin geplätschert und es ist nicht genug passiert. Im weiteren Verlauf hat sich die Handlung aber gesteigert und wurde immer spannender, zum Schluss konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt erfahren, wie es ausgeht.

Die Charaktere waren mir zu Beginn ebenfalls etwas zu blass, man hat aber im weiteren Verlauf immer mehr über diese erfahren, was die Story für mich interessanter gemacht hat. Auf der Hallig leben verschiedene Persönlichkeiten; diese Diversität habe ich als sehr positiv empfunden.

Mir haben die Schilderungen von damals sehr gut gefallen, man hat schnell gemerkt, dass das damalige Leben auf der Hallig anstrengend war - und sogar gefährlich. Dadurch, dass nichts beschönigt wurde, wirkt die Geschichte sehr authentisch und informativ. Informativ wird sie auch besonders durch zahlreiche Beschreibungen der Natur und deren Bewohnern. Ich habe wirklich viel über Halligen gelernt, das hätte ich vorher nicht erwartet. Der Roman ist besonders empfehlenswert für Personen, die sich für das Leben im Norden interessieren.

Insgesamt hat mir der Roman gut gefallen. Ich konnte ihn immer wieder zwischendurch lesen, ohne dass mir die Handlung zu anspruchsvoll wurde. Am Anfang war er mir zwar nicht spannend genug, zum Ende hin ist die Spannungskurve jedoch im "Damals" so wie im "Heute" stark angestiegen, deshalb kann ich darüber hinwegsehen.

Ich kann "Die Farbe des Nordwinds" jedem empfehlen, der sich generell für den Norden Deutschlands interessiert und einfach eine interessante Geschichte lesen möchte, die einen gut unterhält.

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Veröffentlicht am 06.04.2021

Die Kraft der Naturgewalten

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Der Roman spielt in zwei Handlungssträngen: der Gegenwart und der Vergangenheit vor ca. 200 Jahren, als „Damals“ bezeichnet.

In der Gegenwart begegnen wir Ellen, die als Teenager eine kurze Zeit auf der ...

Der Roman spielt in zwei Handlungssträngen: der Gegenwart und der Vergangenheit vor ca. 200 Jahren, als „Damals“ bezeichnet.

In der Gegenwart begegnen wir Ellen, die als Teenager eine kurze Zeit auf der Hallig glücklich war und hier wieder anknüpfen möchte; in der Vergangenheit berichtet ein zunächst noch namenloser Protagonist von seinem Leben, dem Weggang und der Rückkehr auf die Hallig.

So unterschiedlich, wie die Protagonisten und ihre Geschichten auf den ersten Blick auch scheinen, ergeben sich nach und nach doch etliche Gemeinsamkeiten und Parallelen in ihren Lebensläufen.

Besonders im „Damals“ habe ich die vorherrschende Stimmung immer als sehr schwermütig empfunden, was aber perfekt zum damaligen Leben auf einer Hallig gepasst hat. Es war ein entbehrungsreiches, schweres Leben, dem man sich anzupassen hatte, mit einer ganz klaren Rollenverteilung. Die Halliglüüd waren schon ein ganz spezieller Menschenschlag.

Klara Jahn hat in ihrem Roman sehr anschaulich und authentisch das Leben auf einer Hallig im „Damals“ und zur heutigen Zeit beschrieben. Gut gefallen hat mir auch, dass eine Chronik über die große Sturmflut von 1825 in die Handlung mit eingeflossen ist.

Dabei ist auch deutlich geworden, dass Küsten- und Deichschutz auch schon vor über 200 Jahren ein wichtiges Thema war und bis heute geblieben ist. Auch Natur- und Umweltschutz werden im gegenwärtigen Handlungsstrang in verschiedenen Aspekten beleuchtet. Es zeigt sich, dass die Balance zwischen dem Aufrechterhalten der Traditionen und dem Annehmen der modernen Annehmlichkeiten nicht immer einfach ist.

Man muss sich auf diesen Roman einlassen können, vor allem auf die mitunter vorherrschende düstere Grundstimmung, aber die Beschreibung von den Naturgewalten und dem Leben am Meer entschädigt dafür wieder.

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Veröffentlicht am 02.04.2021

Die Sehnsucht nach den Halligen

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Der Roman "Die Farbe des Nordwinds" von Klara Jahn ermöglicht seinen staunenden Lesern einen faszinierenden Blick auf das außergewöhnliche Leben, das die Halligen seinen Bewohnern abverlangt.

Ellen muss ...

Der Roman "Die Farbe des Nordwinds" von Klara Jahn ermöglicht seinen staunenden Lesern einen faszinierenden Blick auf das außergewöhnliche Leben, das die Halligen seinen Bewohnern abverlangt.

Ellen muss mit ihrer Mutter von Ort zu Ort ziehen. Immer neue Bekanntschaften bescheren sowohl der Mutter als auch ihrer Tochter ein ruheloses Leben.
Erst nach zwanzig Jahren kehrt Ellen auf die Halligen zurück. Diese besondere Landschaft inmitten des Wattenmeeres ist es mit der sie zeitlebens schon eine enge Seelenverwandtschaft verspürt. Hier möchte
sie nun endgültig ihre Heimat finden und sesshaft werden.
Hier wohnt auch Liske, ihre Stiefschwester, die sie so lange Zeit vermisste. Als sich die beiden Frauen begegnen empfängt sie Liske recht abweisend. Liske fühlte sich bei der, in ihren Augen überstürzten,
Abreise Ellens und ihrer Mutter verraten und verlassen. Ellen gibt nicht auf und ist entschlossen ihre Beziehung zu Liske wieder in ein gutes Verhältnis zu bringen.

Die Leser dieses außergewöhnlichen Romans erfahren wie mühsam und entbehrungsreich das Leben auf den schönen Halligen war und sicherlich heute noch ist. Alleine die Versorgung der Inselbewohner mit den
notwendigen Lebensmitteln und Süßwaser stellt die Menschen manchmal vor arge Probleme. Das Meer kennt bei den Stürmen keine Gnade. Oft wurde das Land überschwemmt und die überlebenswichtigen Geräte galt es zu jeder Zeit fest zu sichern, damit das Meer es nicht einfach mit sich nimmt.
Das entbehrungsreiche Leben ließ die Bewohner genügsam und sehr sorgfältig im Umgang mit der überwältigenden Natur werden.

Das besondere an diesem Roman ist, dass Klara Jahn im Wechsel zum Hauptstrang eine weitere Geschichte aus der Vergangenheit in die Story eingeflochten hat; ein Kunstgriff, der mir bei diesem Thema sehr gut
gefallen hat. Diese überlagerte Story zeigt ein Leben, das noch entbehrungsreicher und von enormer Entsagung geprägt war.

Schon aufgrund des außergewöhnlichen Themas rund um die Halligen ist dieser Roman etwas ganz Besonderes und unterhält seine Leser auf's Beste. Auch das Cover ist einfach nur gelungen und wunderschön. Es zeigt
einen charakteristischen Sonnenuntergang auf den Halligen.
Einen herzlichen Dank an den Heyne Verlag für den faszinierend-interessanten Roman.

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