Ein eindringlicher historischer Roman, der aufwühlt, berührt und nachhallt
Limerick Love. Break the Rules zieht mich sofort in seinen Bann. Schon die ersten Seiten, in denen ich einem vermeintlichen Jungen auf dem Weg in die Irish Town folge, tauche ich in die Vergangenheit ein, ...
Limerick Love. Break the Rules zieht mich sofort in seinen Bann. Schon die ersten Seiten, in denen ich einem vermeintlichen Jungen auf dem Weg in die Irish Town folge, tauche ich in die Vergangenheit ein, die rau, körperlich und voller Leben ist. Das Hurling-Spiel, das er beobachtet, ist so lebendig beschrieben, dass ich die eisige Winterluft spüre und das Gebrüll der Spieler beinahe höre. Doch hinter der Verkleidung des Jungen verbirgt sich Lady Vivienne FitzGerald und mit ihr beginnt eine Geschichte, die mich tief berührt.
Limerick Love. Break the Rules spielt in Irland des 15. Jahrhunderts. Es ist eine Zeit, in der Herkunft, Geschlecht und Macht über das Schicksal eines Menschen entscheiden. Vivienne lebt in einem goldenen Käfig, gefangen zwischen höfischer Etikette, politischen Erwartungen und muss sich mit dem Gedanken an eine arrangierte Ehe anfreunden, die über ihren Kopf hinweg beschlossen wird. Ihr Wunsch nach Freiheit ist leise, aber unüberhörbar und er flammt besonders stark auf, sobald sie das Hurling-Feld sieht. Ein Ort, der ihr verwehrt ist, weil Frauen dort nichts zu suchen haben. Doch Vivienne ist nicht bereit, sich mit den Regeln abzufinden.
Der Roman lebt von einem starken Kontrast. Auf der einen Seite mit dem wilden, ungezähmten Spiel der Gaelic-Irish und ihrer bedrückenden Armut. Auf der anderen Seite mit der erstickenden Ordnung auf der Burg mit seinen höfischen Regeln und der intriganten Politik der Anglo-Irish.
Vivienne bewegt sich zwischen beiden Welten, ohne in einer wirklich zu Hause zu sein. Ihre Verkleidung als Junge zeigt ihr, wie anders das Leben eines Mannes ist und wie ungerecht die Strukturen sind, die ihr eigenes Leben bestimmen. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr die Menschen in der Irish Town unter der Herrschaft ihres Vaters und dessen Constable Sir Liam de Clare leiden.
Sir Liam ist ein Antagonist, der mir beim Lesen eine Gänsehaut beschert. In der Öffentlichkeit ein Gentleman, im Privaten brutal und gnadenlos. Seine Grausamkeit ist für mich manchmal schwer auszuhalten, aber historisch glaubwürdig. Gewalt ist für ihn ein Recht, Frauen sind Besitz und wer sich widersetzt, wird gebrochen. Die Darstellung ist explizit, hart und ungeschönt, aber genau dadurch authentisch.
Kristin Maciver beschönigt nichts. Arrangierte Ehen, sexuelle Gewalt, Folter und Machtmissbrauch werden nicht romantisiert. Manche Szenen gehen mir tief unter die Haut und erschüttern mich, doch sie gehören zur historischen Realität, die der Roman konsequent abbildet. Und gerade darin liegt die Stärke von Limerick Love. Break the Rules. Hier wird keine weichgezeichnete Liebesgeschichte erzählt, sondern ich begleite den Kampf einer jungen Frau, die sich nach Selbstbestimmung sehnt.
Ruairí, der beste Hurling-Spieler aus der Irish Town, bildet dazu einen wunderbaren Gegenpol. Er steht für Freiheit, Gemeinschaft und Widerstand. Seine Beziehung zu Vivienne entwickelt sich langsam, glaubwürdig und ohne Kitsch. Die gesellschaftlichen Grenzen machen ihre Verbindung kompliziert und gerade deshalb so berührend. Ich möchte unbedingt, dass es gut ausgeht, aber angesichts der Umstände habe ich meine Zweifel, wie das möglich sein soll. Ich fühle Viviennes Emotionen, als wären es meine eigenen und so hoffe, leide und fiebere ich mit ihr mit.
Trotz kleiner Wiederholungen in Viviennes Gedanken verliert die Geschichte nichts von ihrer Wucht. Zwischenzeitlich wechsele ich auf das Hörbuch, weil mir die irischen Namen beim Lesen Schwierigkeiten bereiten.
Katja Brügger liest mit einer beeindruckenden stimmlichen Vielfalt und erschafft einen regelrechten Film in meinem Kopf. Ihre rauchige und markante Stimme wirkt anfangs auf mich ungewöhnlich für eine junge Adlige, doch Viviennes Stärke und Selbstbewusstsein passen dazu und so kann ich mich ganz auf das Hörbuch einlassen.
Bis zum letzten Satz lässt mich Limerick Love. Break the Rules nicht mehr los. Diese atmosphärisch dichte und emotional intensive Erzählung mit dem glaubwürdigen historischen Kontext begeistert mich. Ich sehne den zweiten Band der Dilogie jetzt schon herbei.
Fazit:
Limerick Love. Break the Rules ist ein eindringlicher historischer Roman, der mich aufwühlt, berührt und lange in mir nachhallt. Eine klare Empfehlung für alle, die starke Frauenfiguren, Spannung und eine leise, unaufdringliche Liebesgeschichte mögen.