Cover-Bild Autobiografie meines Körpers
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26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: S. FISCHER
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Biografien und Sachliteratur
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 400
  • Ersterscheinung: 08.10.2025
  • ISBN: 9783103975611
Lize Spit

Autobiografie meines Körpers

Besondere Ausstattung: ausgestanzter Schutzumschlag mit bedrucktem Einband
Helga van Beuningen (Übersetzer)

»Mama, sage ich, wir müssen anfangen, miteinander zu reden.« 

Von außen sieht es aus wie eine ganz gewöhnliche Kindheit in einem kleinen belgischen Dorf in den Neunzigerjahren. Doch Lizes Mutter ist alkoholkrank und ihr Vater unberechenbar, Lizes Aufwachsen geprägt von Ängsten und emotionalem Missbrauch. Über ihre Probleme kann sie mit niemandem sprechen. Was ungesagt bleibt, schreibt sich in ihren Körper ein. Als ihre Mutter unheilbar an Krebs erkrankt, sucht die Tochter endlich das Gespräch.Warum ist es so schwer, mit der eigenen Familie offen zu sprechen? Lize Spit erzählt in »Autobiografie meines Körpers« vom Aufwachsen in einem unsicheren Zuhause, vom Verhältnis zum eigenen Körper und von dem mutigen Versuch, eine toxische Familiendynamik aufzubrechen.

Besonderes Buch mit besonderer Ausstattung: Entlang der Buchstaben des Titels auf dem Schutzumschlag sind winzige Pünktchen ausgestanzt. Sie geben den Blick auf ein Bild aus Lize Spits Kindheit preis, das auf den Bucheinband gedruckt ist. Die metaphorische Bedeutung der kleinen Ausstanzungen erschließt sich beim Lesen des Buches.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.12.2025

Eine große Erzählerin und ihr mutiger Blick auf das Ungesagte

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Intensiv und nah. Und in seiner Offenheit erschütternd. „Autobiografie meines Körpers“ wagt die Grenzen des Schweigens und der Scham einzureißen und mit klarer, direkter Sprache zum Ausdruck zu bringen, ...

Intensiv und nah. Und in seiner Offenheit erschütternd. „Autobiografie meines Körpers“ wagt die Grenzen des Schweigens und der Scham einzureißen und mit klarer, direkter Sprache zum Ausdruck zu bringen, was für die Ich-Erzählerin Jahrzehnte im Verborgenen war. Verschwiegen wurde vor sich selbst und der Außenwelt.
Als Lize eine E-Mail ihrer Mutter erhält, in welcher diese mit knappen Worten bekannt gibt, schwer an Krebs erkrankt zu sein, setzt diese Nachricht einen Prozess in Gang. Einen Prozess der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Familie, ihrer Rolle in dieser und ihrem Körper, in welchem all das Erlebte, Erlittene, Ungesagte eingeschrieben wurde. Und sich in Form von Krankheit, Zwängen und einer fehlenden Identifikation mit sich selbst bis in die erzählerische Gegenwart verfestigte. Und manifestiert in zahllosen Stunden des Zweifels, Ablehnung und einer Suche nach Liebe, Zuneigung und einem Angenommenwerden um ihrer selbst willen.
Was nach außen wie eine glückliche Kindheit in einem kleinen Dorf in Belgien erscheinen konnte, war doch von dem schweren Alkoholismus der Mutter, der emotionalen Instabilität und Übergriffigkeit des Vaters und der eigenen Einsamkeit in Mitten einer Großfamilie geprägt. Den nahen Tod der Mutter vor Augen, ergreift die Ich-Erzählerin Wort und Mut, um mit ihrer Mutter doch noch in das Gespräch zu kommen und zu erfahren und aufzuarbeiten, was in der Zeit des Aufwachsens Körper und Seele niederdrückte und nie mehr verließ. Neben all der Traurigkeit und Wut entstehen so auch Helligkeit und Klarheit und eine innere Ruhe und Versöhnung, nach der Lize so lange auf der Suche war.
Lize Spit ist eine der großen Erzählerinnen unserer Gegenwart. Fulminant in Wahl ihres Sujets, in ihrer Sprache, die zielgerichtet beschreibt und trifft und mit einem Mut und Entschlossenheit, hinter das Sichtbare, das vermeintlich Schöne zu schauen. Und auch das Dunkle im Tageslicht zu betrachten.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Verborgene Wunden

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In ihrem neuen Werk „Autobiografie meines Körpers“ nimmt uns Lize Spit mit auf eine zutiefst emotionale Reise als ihre Mutter eine erschütternde Diagnose erhält: Speiseröhrenkrebs und Trennung der gemeinsamen ...

In ihrem neuen Werk „Autobiografie meines Körpers“ nimmt uns Lize Spit mit auf eine zutiefst emotionale Reise als ihre Mutter eine erschütternde Diagnose erhält: Speiseröhrenkrebs und Trennung der gemeinsamen Eltern.
Diese Mitteilung stellt nicht nur einen Wendepunkt im Leben der Erzählerin dar, sondern öffnet auch die Tür zu schmerzhaften Erinnerungen aus ihrer Kindheit, die auf den ersten Blick unscheinbar und gewöhnlich wirkt.
Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine andere Realität: Lize und ihre Geschwister wachsen in einem Umfeld auf, das stark von der Alkoholkrankheit ihrer Mutter geprägt ist.
Spit zeigt die Leiden und Bedürfnisse ihrer Geschwister auf und schildert ebenso die eigenen, unterdrückten Gefühle. Während die Alkoholkrankheit ihrer Mutter eine unüberwindbare Mauer zwischen ihnen errichtet, wird hier deutlich, wie Kinder unter ihren Eltern leiden können, aber gleichzeitig abhängig von der Liebe und Aufmerksamkeit sind, die sie so verzweifelt suchen.
Die Gedanken der Erzählerin sind teilweise voller Frustration, da über Gefühle und Bedürfnisse innerhalb der Familie kaum gesprochen wurde.

Trotz der schwerwiegenden Thematik zeichnet die Autorin ein differenziertes Bild ihrer Mutter. Obwohl Lize unter den Auswirkungen der Alkoholsucht leidet, bleibt die Darstellung ihrer Mutter im Kern ambivalent und menschlich. Dies macht das Buch besonders berührend, denn es zeigt, dass Kinder trotz Missständen in der Erziehung eine tiefe Sehnsucht nach elterlicher Liebe und Aufmerksamkeit empfinden.
Gleichzeitig eröffnet dies dem Leser einen Raum für Empathie, auch wenn es mir persönlich an Verständnis fehlt.
Dennoch erzählt Spit in ihrem Buch eine ehrliche und schmerzhafte Geschichte, die eine nachhaltige Wirkung hinterlässt und zum Nachdenken anregt. Durch ihre klare Sprache und die tiefen Einblicke in ihr Inneres, schafft sie einen bewegenden Resonanzraum, der lange nach dem Lesen nachhallt.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Sehr bewegendes Buch

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Ich bin mir nicht sicher, ob und in wie fern man eine Biographie bewerten und besprechen sollte. Wer bin ich, als das ich darüber urteilen könnte? Ich werde dieses Rezension also ganz allgemein halten ...

Ich bin mir nicht sicher, ob und in wie fern man eine Biographie bewerten und besprechen sollte. Wer bin ich, als das ich darüber urteilen könnte? Ich werde dieses Rezension also ganz allgemein halten und ausschließlich über meine Gefühle beim Lesen sprechen.
Es ist bereits mein drittes Lize Spit Buch. Das erste (ich bin nicht da), welches sie als zweites veröffentlich hat, hat mich so gepackt. Das zweite (und es schmilzt), welches ihr Debüt war, habe ich abgebrochen. Mit meinem Wissen jetzt - und nach der wundervollen Lesung in Berlin, werde ich es noch mal lesen. Dieses Buch, welches jetzt ganz frisch erschienen ist, handelt von ihr ganz persönlich. Lize verarbeitet nicht nur den Tod der Mutter in ihrem Buch, sondern auch ihre Kindheit. Ich weiß, das ihre Geschwister es vorher lesen durften - was mich sehr berührte. Alles in diesem Buch hat mich emotional berührt, und sehr nachdenklich werden lassen. Es ist eine Mischung aus traumatischen Erlebnissen und neuen Mut. Eine Mischung aus der kleinen Lize und der erwachsenen Autorin. Da alle Bücher autobiographisch waren, und sie ihre eigenen Geschichte in diesen Bücher niederschrieb und verarbeitete, bin ich sehr gespannt, wohin es sie nun treiben wird. Ob und wann ein neues Buch erscheinen wird. Ich bin sehr dankbar, dieses Buch gelesen zu haben.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Aufwühlendes Highlight

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Mit ihrem vierten Roman hat die belgische Schriftstellerin ihr vermutlich persönlichstes und autofiktionalstes Werk vorgelegt. Ich kenne und liebe alle ihre Romane und halte Spit für eine großartige Autorin ...

Mit ihrem vierten Roman hat die belgische Schriftstellerin ihr vermutlich persönlichstes und autofiktionalstes Werk vorgelegt. Ich kenne und liebe alle ihre Romane und halte Spit für eine großartige Autorin und Analystin der menschlichen Abgründe. Außerdem fesselt mich ihre spannende Dramaturgie dermaßen, dass ich ihre Bücher kaum aus der Hand legen kann, bei gleichzeitiger Angst, die nächste Seite zu lesen. „Und es schmilzt“ war eines meiner großen Lesehighlights der letzten Jahre.

In „Autobiografie meines Körper“ verändert sich das Leben der Erzählerin Lize schlagartig, als ihre Mutter sie mit einer „Mitteilung“ überrascht: Bei ihr besteht der Verdacht auf Speiseröhrenkrebs.
Leider bestätigt sich die Diagnose schnell und es ist klar, dass die Mutter daran sterben wird. Bald.
In den Monaten, die auf die Diagnose folgen, geht die Erzählerin in ihren Gedanken zurück in ihre Kindheit, die von außen nach einer ganz gewöhnlichen Kindheit in den 90ern in einem kleinen belgischen Dorf aussah.
Doch von innen sieht es in der Familie ganz anders aus. Lize und ihre drei Geschwister leiden unter der Alkoholkrankheit ihrer Mutter.

„Jahrelang war Alkohol das Erste, woran ich morgens dachte, sogar damals, als ich noch nie einen Tropfen getrunken hatte. Würde es wieder ein Tag werden, an dem es aus dem Ruder laufen würde?“


Die Ehe der beiden Elternteile ist schlecht, über Gefühle und Bedürfnisse der Kinder wird wenig bis gar nicht gesprochen.
Lize selbst erkrankt als Kind an Diabetes Typ 1. Auch hier wird über die psychischen Auswirkungen und Veränderungen durch diese einschneidende Krankheit wenig gesprochen, von Lize wird erwartet, dass sie die Krankheit managt.

Als ihre Mutter so schwer an Krebs erkrankt, weiß Lize, dass die Möglichkeiten ihrer Mutter noch einmal näher zu kommen, schwinden. Sie hat den Wunsch, dem Schweigen und den Verletzungen aus ihrer Kindheit auf den Grund zu gehen, sie für sich aufzulösen, vielleicht einen Grund zu finden.
Dabei hadert die erwachsene Lize selbst mit ihrem Alkoholkonsum und ihren Erinnerungen.



„Ich wollte dir verzeihen, dir nahe kommen, auf jede erdenkliche Weise, und so warf ich die kostbarste Regel über Bord, ich versuchte, über meinen Körper zu schreiben und über deinen und trank gelegentlich etwas während des Schreibens. Und ich tat es noch mal und noch mal. Alkohol wirkt wie ein Teilchenbeschleuniger. Wie leicht er mich zu Erinnerungen durchdringen ließ.“

Was Lize Spit in „Autobiografie meines Körpers“ schildert ist eine emotionale, schmerzhafte und tiefgehende Untersuchungen einer belasteten Mutter-Tochter Beziehung. Mehr möchte ich dazu gar nicht schreiben, weil meine Gedanken dazu fast zu persönlich und intim sind, als das ich sie hier teilen möchte.

Was aber ich teilen kann und möchte, ist meine große Begeisterung über Spits großes schriftstellerisches Können. Wie nur wenige andere Schriftstellerinnen erreicht sie mich auch mit diesem Roman wieder auf der vollen emotionalen Breitseite.

„Das Schreiben ist meine heimliche Stadt, die ich in deinem blinden Winkel errichtet habe, eine prächtige, sichere Stadt, die wichtiger ist als mein ganzer Körper und alle ihm innewohnenden Schwächen, eine Stadt mit Türmen, Vergnügungsparks, Seilbahnen, Bahnhöfen, Parks, Schulen, kleinen Häusern, Hüpfburgen, Bauernhöfen, Bergen und Meer, alles erbaut, um nicht zu enden wie du.“

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