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Arambol

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2025

Konnte mich nicht fesseln

Die Kammer
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"In dieser hermetischen Kapsel verflüchtigt sich der Sinn für Verhältnisse. Für Perspektiven."

Eine Gruppe von Tauchern soll in der Nordsee Wartungsarbeiten an einer Ölpipeline durchführen. Vor ihrem ...


"In dieser hermetischen Kapsel verflüchtigt sich der Sinn für Verhältnisse. Für Perspektiven."

Eine Gruppe von Tauchern soll in der Nordsee Wartungsarbeiten an einer Ölpipeline durchführen. Vor ihrem ersten Tauchgang müssen sie mehrere Tage in einer Druckkammer verbringen, um sich an den hohen Druck in der Tiefe anzupassen. Unerwartet kommt einer der sechs Taucher unter mysteriösen Umständen ums Leben. Da das vorzeitige Öffnen der Kammer für alle Insassen tödlich wäre, sind sie gezwungen, in der beengten Umgebung auszuharren. Es bleibt nicht bei diesem einen Todesfall und deshalb beginnt ein Überlebenskampf, bei dem niemand dem anderen trauen kann.

Die Ausgangslage verspricht Spannung und psychologischen Nervenkitzel – doch leider bleibt der Thriller in vielen Punkten hinter den Erwartungen zurück.
Die beklemmende Atmosphäre der Druckkammer, die intensive Platzangst und Enge, ist eines der zentralen Elemente des Buches. Die Handlung dreht sich immer wieder im Kreis, ohne wirklich voranzukommen, was besonders im Mittelteil zu spüren ist.
Viele recht kurze Kapitel reihen sich aneinander, ohne dass wirklich etwas geschieht. Statt Spannung aufzubauen, werden zahlreiche Anekdoten und Erinnerungen der Protagonisten eingeflochten, die oft nur wenig zur eigentlichen Handlung beitragen.

Ein Thriller sollte fesseln, doch "Die Kammer" schafft es über weite Strecken nicht, echte Spannung zu erzeugen. Das Gefühl der Bedrohung ist zwar allzeit vorhanden, aber oft zu subtil, um wirklich mitzureißen. Als schließlich das Finale naht, bleibt dieses dann überraschend unspektakulär. Wer auf eine unerwartete Wendung oder einen packenden Showdown hofft, wird eher enttäuscht.

Auch die Figuren bleiben deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. Keine der Figuren wirkt tiefgründig oder wirklich fesselnd. Da sich die Geschichte fast ausschließlich auf eine kleine Gruppe von Menschen fokussiert, wäre es entscheidend gewesen, dass ihre Dynamik und ihre Persönlichkeiten überzeugen. Das gelingt hier nur bedingt.

Wer sich generell für das Thema Tauchen interessiert oder ein Faible für klaustrophobische Szenarien hat, kann Gefallen an diesem Buch finden.
Für mich war "Die Kammer" inhaltlich einfach nicht mein Thema – und auch als Thriller hat mich das Buch nicht wirklich überzeugt.

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Veröffentlicht am 13.03.2025

geplatzte Träume

Hier draußen
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"Dass hier nicht alles perfekt, idyllisch und konfliktfrei ablaufen würde, war ihm immer klar gewesen."

Das aus Hamburg stammende Ehepaar Ingo und Lara zieht mit ihren Kindern in das fiktive, etwa zweihundert ...


"Dass hier nicht alles perfekt, idyllisch und konfliktfrei ablaufen würde, war ihm immer klar gewesen."

Das aus Hamburg stammende Ehepaar Ingo und Lara zieht mit ihren Kindern in das fiktive, etwa zweihundert Einwohner zählende holsteinische Dorf Fehrdorf, um dem hektischen Großstadttreiben zu entkommen. Doch das Leben auf dem Land bringt direkt einige unerwartete Herausforderungen mit sich, besonders für Ingo, der täglich zur Arbeit nach Hamburg pendeln muss. Eines Abends überfährt er auf dem Heimweg eine weiße Hirschkuh. Ein Aberglaube im Dorf will wissen, dass derjenige, der eine solche Hirschkuh tötet, nur noch ein Jahr zu leben hat.

Land. Weite. Ruhe. So stellen sich viele das Landleben vor. Aber stimmt das?
Natur, frische Luft, Platz für die Kinder. Traumhaft? Nicht ganz. Fehrdorf, ein Dorf wie viele andere auch: Jeder kennt jeden. Man hilft sich, man beobachtet sich und man redet mit- aber auch vor allem übereinander.

Martina Behm trifft stets den richtigen Ton, ist dabei immer sehr direkt und authentisch. Sie zeigt deutlich auf, dass das Dorfleben nicht nur Idylle sondern echtes Leben ist, mit allem Alltäglichen, was eben dazugehört. Sie entwirft ein emphatisches und auch warmherziges Porträt des Landlebens und seiner Menschen, die alle auf ihre Art und Weise auch "nur" nach einem kleinen Stück persönlichen Glücks suchen und streben.

Die Mischung aus ultrakurzen Sätzen, die teilweise nur aus einem oder zwei Worten bestehen, und dann auch wieder sehr intensiv geführten Dialogen lässt den Roman immer lebendig erscheinen.

Das Ende der Erzählung ist sehr offen und unspektakulär gehalten, nicht alle Konflikte werden aufgelöst und leider bleiben viele Fragen unbeantwortet.
Das Leben auf dem Land geht weiter.

Leseempfehlung für alle, die sich für das wahre Leben im Dorf interessieren.

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Veröffentlicht am 04.03.2025

wichtiges, bewegendes Buch

Vor hundert Sommern
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"Es sind die Ängste, die unserem Glück im Weg stehen - dabei entbehren sie häufig jeder Grundlage."

Der Roman "Vor hundert Sommern" von Katharina Fuchs erzählt die bewegende Schicksalsgeschichte dreier ...


"Es sind die Ängste, die unserem Glück im Weg stehen - dabei entbehren sie häufig jeder Grundlage."

Der Roman "Vor hundert Sommern" von Katharina Fuchs erzählt die bewegende Schicksalsgeschichte dreier Frauen über mehrere Generationen hinweg.
Die Erzählung beginnt mit der jungen Studentin Lena, die gemeinsam mit ihrer Mutter Anja die Wohnung ihrer Großmutter, die in ein Pflegeheim umgezogen ist, ausräumen muss. Dabei stoßen sie auf den Nachlass von Anjas Großtante Clara, über deren Leben schon immer ein unausgesprochenes Geheimnis lag. In Gesprächen mit ihrer Großmutter erkennt Lena schnell, dass Scham und Schuld aus längst vergangenen, dunklen Zeiten der deutschen Geschichte bis in die Gegenwart ausstrahlen und ihre eigene Familie beeinflussen.

Katharina Fuchs gelingt mit mit ihrem neuen Buch "Vor hundert Sommern" ein fesselnder Generationenroman, der sehr gekonnt historische Ereignisse mit persönlichen Schicksalen verknüpft.
Geschickt verstrickt sie dabei die Vergangenheit mit der Gegenwart.

Die Protagonistinnen sind vielschichtig und authentisch gezeichnet, ihre Konflikte und Beweggründe erscheinen nachvollziehbar. Der Schreibstil ist lebendig und atmosphärisch, sodass man sich mühelos in die verschiedenen Zeitebenen hineinversetzen kann. Historische Details fügen sich nahtlos in die Handlung ein, ohne jemals belehrend zu wirken. Der Bezug zur gegenwärtigen politischen Realität ist beunruhigend offensichtlich.

Das Buch ist ein äußerst anrührender Roman über Mut, über persönlichen Verlust und den möglichen Einfluss längst vergangener Ereignisse auf die Gegenwart.

Unbedingt Lesenswert.

Und leider: "Auch heute bleibt die Geschichte erschreckend relevant."

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Veröffentlicht am 26.02.2025

ungewöhnliche "Fortsetzung"

Verlassen
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"Manchmal denke ich, das größte Problem ist nicht die Sache selbst, sondern wie darüber geredet wird."

"Verlassen" ist zwar der vierte Band der Krimireihe "Mörderisches Island" von Eva Björg Ægisdóttir, ...


"Manchmal denke ich, das größte Problem ist nicht die Sache selbst, sondern wie darüber geredet wird."

"Verlassen" ist zwar der vierte Band der Krimireihe "Mörderisches Island" von Eva Björg Ægisdóttir, aber als Prequel angelegt. In diesem Roman versammelt sich der sehr wohlhabende Snæberg-Clan zu einem Familienfest in einem futuristischen Hotel, das inmitten der Lavafelder Westislands liegt. Als einer der Gäste verschwindet, und auch noch eine Leiche gefunden wird, kommen mehr und mehr dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Licht, und es wird klar, dass hier niemand dem anderen trauen kann.

Leider erweist sich für mich dieser vierte Band als der schwächste Teil der Reihe. Obwohl das Buch direkt mit einem übersichtlichem Stammbaum aufwartet, fiel es mir schwer, die recht zahlreichen Figuren und ihre komplexen Verwandtschaftsverhältnisse zu überblicken. Dadurch gelang es mir anfangs auch kaum, mich wirklich in die Geschichte hineinzufinden.

Die Erzählweise ist anspruchsvoll und nicht-chronologisch, mit häufigen Zeitsprüngen und stetig wechselnden Perspektiven. Erst nach etwa der Hälfte des Buches wurde deutlich, wer die für die Handlung wirklich wichtigen Protagonisten sind. Ab diesem Punkt nimmt die Spannung dann auch spürbar zu. Vorher zieht sich die Handlung streckenweise und enthält einige unnötige Längen.

Das Ende kann dann mit einer umfassenden und plausiblen Auflösung aller Handlungsstränge überzeugen.

Dennoch konnte mich dieser Band nicht wirklich begeistern, vor allem, weil mir eine typische Krimi-Handlung viel zu kurz kam.

„Verlassen“ ist eine ungewöhnliche "Fortsetzung" der Reihe, die mich leider, insbesondere im Vergleich zu den vorherigen Bänden nicht gänzlich überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Empathisch unterhaltsam

Bis die Sonne scheint
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"Wir hatten einen Plan und eine Aufgabe, die dem Nachmittag einen Sinn und dem Leben eine Normalität geben würden."

Christian Schünemann gelingt mit "Bis die Sonne scheint" ein anrührender Roman, der ...


"Wir hatten einen Plan und eine Aufgabe, die dem Nachmittag einen Sinn und dem Leben eine Normalität geben würden."

Christian Schünemann gelingt mit "Bis die Sonne scheint" ein anrührender Roman, der das glaubhafte Porträt einer Familie in den 80er Jahren zeichnet. Im Mittelpunkt steht der fünfzehnjährige Daniel, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Seine Erlebnisse als Jugendlicher prägen den Roman ebenso wie die Einblicke in die familiären Hintergründe seiner Eltern Marlene und Siegfried und in die Vergangenheit von Daniels Großeltern.

Der Roman überzeugt durch seinen authentischen 80er-Jahre-Flair, einer Zeit ohne soziale Medien, in der das Leben noch viel unmittelbarer und greifbarer erscheint. Besonders eindrucksvoll ist die Art und Weise, wie der tägliche Kampf der Familie ums wirtschaftliche Überleben geschildert wird. Trotz aller Herausforderungen bewahren sich die Hormanns ihren Humor, was sich immer wieder in den zahlreichen, sehr amüsanten Anekdoten zeigt.

Die Erzählstruktur ist stimmig: Schünemann wechselt zwischen Daniels persönlichem Erleben und den Erfahrungen der Eltern, wodurch das Familienschicksal lebendig erfahrbar wird. Allerdings gibt es eine Vielzahl von handelnden Personen, weshalb ein Personenverzeichnis hilfreich gewesen wäre, um besser den Überblick halten zu können.

Der Schreibstil ist angenehm lesbar, flüssig, die Charaktere empathisch. Leider verliert die Geschichte zum Ende hin etwas an Spannung und Dramatik – hier hätte ich mir einen stärkeren Abschluss gewünscht.

Dennoch bleibt "Bis die Sonne scheint" eine lohnende Lektüre, die auf berührende Weise daran erinnert, dass sich das Leben nicht nur um beruflichen Erfolg dreht. Es ist eine Reise zurück in eine Zeit, in der andere Werte im Mittelpunkt standen – eine Geschichte über Familie, Zusammenhalt und die kleinen, aber bedeutsamen Momente des Lebens.
Lesenswert.

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