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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2021

Die Werwölfe von New Orleans

Evangeline und die Geister des Bayou
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Evangeline lebt mit ihrer Großmutter in den Sümpfen des Bayou, nicht allzu weit von New Orleans entfernt. Sie sind Geisterjäger in der x-ten Generation und Evangeline wünscht sich nichts mehr, als so zu ...

Evangeline lebt mit ihrer Großmutter in den Sümpfen des Bayou, nicht allzu weit von New Orleans entfernt. Sie sind Geisterjäger in der x-ten Generation und Evangeline wünscht sich nichts mehr, als so zu werden wie ihre Vorfahren. Sie wartet gespannt auf das Auftauchen ihres tierischen Gefährten, der allen Geisterjägern ab ihrem 13. Lebensjahr zur Verfügung steht - vorausgesetzt, sie haben Magie im Blut. Eines Tages ruft man sie nach New Orleans, um einer scheinbar besessenen Frau zu helfen, doch was sie finden, ist um so viel schlimmer. Und plötzlich ist die Großmutter verletzt und Evangeline steht alleine da. Oder fast. Da ist noch Julian, der Sohn ihrer Patientin, der alles Übernatürliche lächerlich findet ...

Ich gebe zu, ich habe ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte zu kommen, aber spätestens, als die beiden nach New Orleans kamen, war ich mitten drin statt nur dabei, um einen Werbeslogan zu zitieren. Natürlich sind ein paar Sachen sehr, sehr offensichtlich. Dafür entwickelt sich die Handlung zunehmend gruseliger, zu einem schleichenden Kinderhorror, der mir manchmal mehr Gänsehaut bereitet hat, als es Stephen King je konnte. Von daher habe ich Evangelines Abenteuer sehr genossen, auch wenn ich es nicht leiden konnte, wie lange ihre Großmutter sie im Dunkeln tappen ließ. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 20.09.2021

Grübchenface und Nachkomme

Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann
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Quinn ist siebzehn, der smarte, sportliche Überflieger, auf den die Mädchen stehen, obwohl er die meisten davon natürlich nicht zur Kenntnis nimmt. Mathilda entstammt aus einer hochreligiösen Familie, ...

Quinn ist siebzehn, der smarte, sportliche Überflieger, auf den die Mädchen stehen, obwohl er die meisten davon natürlich nicht zur Kenntnis nimmt. Mathilda entstammt aus einer hochreligiösen Familie, wohnt genau gegenüber des coolen Typens und ist zeit ihres Lebens in ihn verliebt, trotz dessen, dass er sie als Kind gemobbt hat. Doch dann gerät Quinn in übernatürliche Ereignisse, bei denen er schwer verletzt wird - und mit einem Mal ist er auch froh, dass er mit Mathilda jemanden kennt, der die Jünger von Jesus benennen kann. Zusammen geraten sie in ein Abenteuer, bei der sprechende Bronzestatuen, die Zwischenwelt und fantastische Wesen nur der Anfang sind.

Ja, klingt gut. Ist auch gut geschrieben, denn was auch immer man Kerstin Gier vorwerfen kann, mangelnde Schreibkunst ist es nicht. Auch nicht mangelnde Ideen (obwohl: ein sprechender Wasserspeier? Hatten wir so einen nicht schon einmal?). Und dennoch kann ich nicht behaupten, dass diese Geschichte zu meinen Lieblingsbüchern der Autorin gehört. Zu klischeehaft ist mal wieder der heiße Junge von nebenan, zu sehr ist Mathilda das Mauerblümchen, das den heißen Jungen aus der Ferne nachschmachtet. Das ändert nichts daran, dass ich die Geschichte gern gelesen und an der einen und anderen Stelle auch geschmunzelt habe. Aber manchmal wünsche ich mir schon, dass Frau Gier ihr Talent dazu einsetzt, ein paar wenigere Klischees zu bedienen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 18.09.2021

Pandora's Antiques

Die Geister der Pandora Pickwick
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Fanny ist glücklich: Sie darf die ganzen Sommerferien im Antiquitätengeschäft ihrer Tante Harriet verbringen. Doch so sehr sie sowohl ihre Tante als auch den Laden liebt, merkt sie schnell, dass irgendwas ...

Fanny ist glücklich: Sie darf die ganzen Sommerferien im Antiquitätengeschäft ihrer Tante Harriet verbringen. Doch so sehr sie sowohl ihre Tante als auch den Laden liebt, merkt sie schnell, dass irgendwas dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Immer wieder verschwindet etwas, Staub erscheint auf eben geputzten Flächen und sie meint Stimmen zu hören. Bald schon findet sie heraus, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als sich selbst Horatio vorstellen kann - und dann ist da natürlich noch die Frage, wer eigentlich Fannys leibliche Eltern sind. Sie wurde nämlich adoptiert, aber niemand redet mit ihr darüber.

Ich gehe ja nicht oft auf Cover ein, aber dieses hier ist mir sofort aufgefallen, so schön finde ich es. Auch im Inneren des Buches finden sich sowohl auf den Cover/Rückseiten die Zeichnungen vorkommender Charaktere als auch ganzseitige Illustrationen, wunderschön gestaltet. Ich mochte die Idee der Geschichte, allerdings muss ich zugeben, dass sie eher einen gewissen altbackenen Charme besitzt als wirklich fesselnd oder hinreißend zu sein. Auch mit der Auflösung der ganzen Geschichte war ich nicht ganz glücklich. Im Übrigen eine nette Idee der Autorin, für sich selbst unauffällig Werbung zu machen, indem sie Fanny ihr Buch lesen lässt ....

Veröffentlicht am 17.09.2021

Nachkriegsfrost

Der schwarze Winter
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1947. Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Die Welt ist zerstört und am Boden; Deutschland, das "tausendjährige Reich" bildet da keine Ausnahme. Die Menschen sind hungrig und hohlwangig und was Menschlichkeit ...

1947. Kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Die Welt ist zerstört und am Boden; Deutschland, das "tausendjährige Reich" bildet da keine Ausnahme. Die Menschen sind hungrig und hohlwangig und was Menschlichkeit bedeutet, haben viele vergessen. Es gibt so viele, die nichts mehr haben und einige wenige, die diese Notlagen auch noch ausnutzen. Wir lernen Rosemarie und Silke kennen, zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die beiden haben mit nichts weiter als dem, was sie am Körper tragen, überlebt und kommen nach unangenehmen Erlebnissen auf dem Land nach Hamburg. Durch besondere Umstände erhält Silke die Möglichkeit, eine Bar zu führen und zieht sich somit die Feindschaft von vielen Männern zu. Eine Frau als Geschäftsführerin? Unmöglich! Dann noch für die Tommys, die Feinde? Silke und Rosemarie müssen auch nach dem Krieg noch ums blanke Überleben kämpfen, aber sie sind stark und sie finden Freunde ...

Ich lese nicht viele solcher Kriegs/Nachkriegsromane, aber dieser hier hatte mich schon in der Leseprobe gepackt. Und man muss der Autorin zugute halten, dass sie es schafft, diese schrecklichen Verhältnisse mega zu beschreiben, in diese Zeit mitzunehmen, das Grauen greifbar zu machen, das noch immer allerorten herrscht. Was mich beinahe noch wütender gemacht hat als das allgemeine Elend war, wie mies noch immer Frauen behandelt wurden. Entweder waren sie Freiwild oder wurden so oft als Dummchen abgestempelt, die nicht fähig sind, selbständig zu arbeiten und zu tun, was Männer können. Dabei waren eh so viele Männer im Krieg geblieben, sodass oft Frauen gar nichts weiter übrig blieb. Ich fand jedenfalls, dass die Zeitreise in die jüngere deutsche Geschichte gut gelungen ist. Das Einzige, was mich ein bisschen sehr gestört hat, war das extrem happy end. Ja, es sollte wohl Hoffnung vermitteln, aber es hat eigentlich überhaupt nicht zu der Geschichte gepasst, wie sie noch 20, 30 Seiten vorher war. Da hätte man länger ausholen sollen oder nicht ganz so rosarot enden. Trotzdem war es ein beeindruckender Roman, empfehlenswert.

Veröffentlicht am 15.09.2021

Die neue Tina

The Stranger Times
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Hannah Willis hat schon bessere Zeiten gesehen. Doch dann stellte sie fest, dass ihr reicher Mann auch reich an Affären war und zündete sein Haus an. Also gut, eigentlich wollte sie nur seine Klamotten ...

Hannah Willis hat schon bessere Zeiten gesehen. Doch dann stellte sie fest, dass ihr reicher Mann auch reich an Affären war und zündete sein Haus an. Also gut, eigentlich wollte sie nur seine Klamotten verbrennen, der Rest war, im wahrsten Sinne des Wortes, friendly fire. Jetzt sucht sie verzweifelt einen Job und findet ihn ausgerechnet bei The Stranger Times - einer ... nun ... nennen wir es vorsichtig: Zeitung. Hier wird über Außerirdische, Geister, Werwölfe, Elvis Presley im Vorgarten und andere seltsame Begebenheiten berichtet. Doch Hannah ist noch keine Woche dabei, als langsam klar wird: Nicht alles, über was sie berichten, ist Quatsch, im Gegenteil: Vieles ist tödlicher Ernst. Und das ist erst der Anfang ...

Ich habe ein paar Seiten gebraucht, bis ich in dem Buch drin war. Es hat einen amüsanten Unterton, der ohne Schenkelklopfer auskommt und punktet mit extrem skurrilen Personen, die alle eine zumindest seltsame Vergangenheit haben. Völlig irre scheint Banecroft, der Chef. Ich möchte zwar niemals in Wirklichkeit einen solchen haben, aber zum Lesen war er einfach herrlich. Auch die anderen Charaktere bildeten einen Hintergrund, der die Geschichte vorantrieb und immer wieder zum Schmunzeln animierte. Bis zum Schluss ist es eine durchweg spannende, faszinierende Geschichte, von der ich unbedingt die Nachfolger lesen möchte. Nicht wirklich beeindruckt war ich von dem Lektorat, das manchmal Böcke geschossen (oder besser: durchgelassen hat). Da wurde aus PC Wilkerson schon mal PC Wilkinson oder Moretti drehte sich zu Moretti um. Ein paar Rechtschreibfehler fielen auch auf. Finde ich bei so einem hochwertig gestalteten Buch ärgerlich und unnötig. Trotzdem, großes Kino, könnte ich mir gut als Netflixserie vorstellen. 4,5/5 Punkten.