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Veröffentlicht am 02.04.2022

Zauberhaft gestalteter Rätselspaß mit leichten technischen Problemen

Escape Game 3D – Leonardo da Vincis letztes Geheimnis
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Endlich etwas Neues für Fans von Escape-Rooms! Mit „Das letzte Geheimnis des Leonardo da Vinci“ präsentiert der Ullmann-Verlag ein neues Spielprinzip, das die Möglichkeiten der modernen Technik voll ausschöpft. ...

Endlich etwas Neues für Fans von Escape-Rooms! Mit „Das letzte Geheimnis des Leonardo da Vinci“ präsentiert der Ullmann-Verlag ein neues Spielprinzip, das die Möglichkeiten der modernen Technik voll ausschöpft. Das 3-D-Escape-Game ist eine ausgezeichnete Mischung auch klassischem Buch und virtueller Realität, die leider noch ein paar Kinderkrankheiten hat.

Als Spielende machen wir uns auf eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte in einem französischen Schloss, auf der Suche nach geheimen Unterlagen des Universalgenies Leonardo da Vinci. Innerhalb von 2 Stunden müssen wir eine Reihe von kniffligen und abwechslungsreichen Rätseln knacken, die mithilfe von VR greifbar werden. Mit einem Smartphone oder Tablet lassen sich viele Seiten einscannen, wodurch man Räume und Objekte entdecken und ihnen ihre Geheimnisse entlocken kann. Über die künstlerische Gestaltung lässt sich nur Positives sagen,
an der technischen Umsetzung hapert es jedoch noch ein wenig. Ein Smartphone mit einer aktuellen Android-Version zeigte Inhalte nur unvollständig, mit einem älteren Modell eines Android-Tablets ließ sich alles problemlos darstellen.

Inhaltlich kann das Escape-Game jedoch auf ganzer Linie überzeugen: Die Rätsel sind anspruchsvoll, aber lösbar, und Hilfe in Form von Lösungshinweisen und (räumlich davon getrennten) Lösungen sorgt dafür, dass man im Zweifelsfall nicht stecken bleibt. Beides benötigt man aber nur in den seltensten Fällen. Die Zeitangabe von 2 Stunden ist eher großzügig bemessen.

Ein wunderschönes neues Spielkonzept und eine gelungene Geschichte, in die anspruchsvolle und interessante Rätsel integriert sind. Wenn jetzt noch die letzten technischen Hemmschuhe ausgeräumt werden, ist alles perfekt!

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Veröffentlicht am 02.04.2022

Eine bewegende Geschichte, nüchtern erzählt

connect
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„Connect“ von Thea Mengeler fällt sicher zuallererst durch seine wundervoll bibliophile Gestaltung auf: Mit farbigem Buchschnitt, bedrucktem Buchrücken und einem traumhaften Cover-Design hat der leykam-Verlag ...

„Connect“ von Thea Mengeler fällt sicher zuallererst durch seine wundervoll bibliophile Gestaltung auf: Mit farbigem Buchschnitt, bedrucktem Buchrücken und einem traumhaften Cover-Design hat der leykam-Verlag offenbar keine Kosten und Mühen gescheut, um ein rundum ästhetisches Buch herzustellen. Der Inhalt wird dieser aufwendigen Aufmachung zum Glück auch weitgehend gerecht.

Ava, eine 28-jährige Designerin, ist quasi mit ihrer Arbeit verheiratet. Als sie eine zunehmende Leere in ihrem Leben verspürt, gerät sie zufällig in Kontakt mit einer Sekte, Connect – nur, dass Ava sie nicht als solche wahrnimmt. Mehr und mehr Zeit verbringt sie bei den gemeinsamen Treffen und isoliert sich zunehmend von ihrem sozialen Umfeld. Gefährliche Strukturen nimmt sie als besondere Aufmerksamkeit wahr und verweigert sich möglichen kritischen Deutungen. Die Situation eskaliert, als Ava ihren Job hinwirft und ihr komplettes Leben Connect widmet.

Das Spannende an Thea Mengelers Debütroman ist seine Perspektive: Die Erzählerin Ava ist, ohne es zu merken, ein Opfer von Gehirnwäsche und vermittelt uns Lesenden entsprechend ihre verzerrte Wahrnehmung der Realität. Aus diesen unzuverlässigen Schilderungen müssen wir uns die „Wahrheit“ selbst zusammenpuzzeln und sehen uns so mit der Frage konfrontiert, wie wir an ihrer Stelle handeln, wie wir das Geschehen interpretieren würden. Denn die Beurteilung von außen fällt immer leicht („es ist ja völlig offensichtlich, dass das Betrug ist“), die Sicht einer Betroffenen verändert jedoch die Sicht.

Nicht ganz passend zu dieser vielschichtigen und hochemotionalen Thematik scheint der leider sehr nüchterne Sprachstil. Echte Empathie mit der Hauptfigur will sich aufgrund der sachlichen Schilderungen nicht so ganz einstellen, sodass eine deutliche Distanz zwischen mir als Leserin und Ava als Protagonistin bestehen bleibt. Ihr Schicksal berührt weniger auf einer emotionalen Ebene, sondern lässt sich eher auf einer rationalen Ebene begreifen und analysieren. Dadurch geht dem vielversprechenden Roman ein längerer Nachhall verloren, den er sonst zweifellos hätte hervorrufen können.

„Connect“ ist ein gelungener Roman mit einer hochinteressanten Thematik und einer überzeugenden Entwicklung, dem es leider ein wenig an Emotionalität mangelt. Alles in allem ein vielversprechender Start von Thea Mengelers Autorinnenkarriere.

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Veröffentlicht am 27.03.2022

Spannend konstruierter Roman mit Sexismusproblem

Braves Kind (Thriller)
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„Braves Kind“ ist ein blutiger Thriller, der sich mit dem überaus ernsten Thema Kindesmissbrauch auseinandersetzt. Bei einem so sensiblen Feld ist Feingefühl gefragt – was leider nicht immer gelingt. Trotzdem ...

„Braves Kind“ ist ein blutiger Thriller, der sich mit dem überaus ernsten Thema Kindesmissbrauch auseinandersetzt. Bei einem so sensiblen Feld ist Feingefühl gefragt – was leider nicht immer gelingt. Trotzdem kann das Buch durch eine solide Thriller-Handlung ein Stück weit überzeugen.

Kommissarin Sina Claasen ermittelt in einem besonders brutalen Mord: Ein bekannter Hamburger Politiker wurde grausam zu Tode gefoltert. Als gleichzeitig ein Video im Netz auftaucht, das ein kleines Mädchen mit einer Puppe zeigt und mit Rache droht, drängt sich schnell der Verdacht eines Kinderpornorings auf. Die Ermittlungen werden für Sina und ihren Kollegen Eric jedoch durch unflexible Vorgesetzte und das öffentliche Aufsehen, das der Fall erregt, erschwert. Und dann muss Sina sich auch noch um ihre außer Kontrolle geratene Schwester kümmern, die sich mit einem Drogenboss eingelassen hat …

„Braves Kind“ ist vor allem etwas für Fans blutiger Thriller: Gewaltdarstellungen kommen nicht zu kurz, und das Erzähltempo ist rasant. Das sorgt für meist hohe Spannung und einen gewissen Sog-Faktor. Der Stil holpert allerdings bisweilen etwas (da verschanzen sich Leute beispielsweise in ihren Armbeugen), und leider kommen manche Entwicklungen ein wenig plump daher, wodurch vermeintlich überraschende Wendungen später im Buch ungewollt angekündigt werden.

Mit dem Thema sexualisierte Gewalt wird im Roman durchweg sehr leichthin umgegangen. Das schlägt sich ganz besonders in der Figur Maya, Sinas Schwester, nieder, deren Leben von Sex und Drogen bestimmt wird. Viele sexuelle Übergriffe an ihr werden nebenher abgehandelt und scheinen sie nicht weiter zu tangieren. Zugleich lässt sich auch eine starke Sexualisierung sämtlicher auftretender Frauen beobachten. Sina, die Romanheldin (und der Inbegriff des Klischees der toughen Polizistin), ist davon ausgenommen, bewertet aber nonstop die Frauen um sich herum. Man kommt nicht umhin, hinter solchen Schilderungen den männlichen Blick des Autors zu vermuten, der leider nicht gerade durch Fingerspitzengefühl bei der Schilderung von Emotionen glänzt. Bei einem so sensiblen Thema wie Missbrauch wäre das aber essenziell.

Fans von blutigen Thrillern kommen in „Braves Kind“ sicher auf ihre Kosten. Wer sich etwas mehr Tiefe und Fingerspitzengefühl im Umgang mit sensiblen Themen erhofft, ist aber wohl tendenziell weniger gut beraten mit diesem Buch.

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Veröffentlicht am 27.03.2022

Wohlfühl-Krimi mit Augenzwinkern – Agatha Christie im 21. Jahrhundert

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar
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Robert Thorogood, der geniale Schöpfer der Cosy-Crime-Serie „Death in Paradise“, ist zurück – und im Gepäck hat er einen herrlich schrulligen neuen Roman. „Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar“ brilliert ...

Robert Thorogood, der geniale Schöpfer der Cosy-Crime-Serie „Death in Paradise“, ist zurück – und im Gepäck hat er einen herrlich schrulligen neuen Roman. „Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar“ brilliert mit einer kauzigen Ermittlerin und einer spektakulären Mordserie, die das beschauliche englische Landleben aufwirbelt.

Judith Potts, Kreuzworträtselautorin, Whisky-Connaisseuse und Nacktbade-Enthusiastin, wird beinahe Zeugin eines Mordes an ihrem kunstaffinen Nachbarn. Zumindest hört sie einen Schuss. Leider will der rüstigen über 70-Jährigen zunächst niemand Glauben schenken, und so macht sie sich auf eigene Faust ans Ermitteln, bald tatkräftig unterstützt von Hundesitterin Suzie und der perfektionistischen Pfarrersfrau Becks. Neben einer Reihe unsympathischer Gestalten im örtlichen Kunstbusiness wird der Mordclub zunächst nicht fündig, als jedoch eine weitere Leiche auftaucht, muss die Polizei einsehen, dass Judiths Riecher nicht ganz daneben lag …

„Mrs Potts’ Mordclub und der tote Nachbar“ ist ein durch und durch britischer Roman voll schwarzem Humor, exzentrischen Charakteren und schier unlösbaren Rätseln. Robert Thorogood führt uns Lesende meisterhaft an der Nase herum und wirft uns immer gerade genügend Informationshäppchen zu, um eine Theorie zu bilden – die zwei Seiten später unweigerlich über den Haufen geworfen wird. Seine Figuren sind auf eine sympathische Art verschroben, aber keine Heldinnen. Sie alle haben ihre Schwächen und ihre Geheimnisse, und was schiefgehen kann, geht schief. Beinahe jede Seite entlockt mir als Leserin ein Schmunzeln, und die Spannung ist dauerhaft hoch, obwohl die Umgebung so beschaulich und der Action-Faktor eher niedrig ist. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Bände um Judith und den Mordclub in der Mache sind!

Ein großartig schwarzhumoriges Lesevergnügen für Fans von britischen Krimis, die gerne mit den Füßen unter einer Wolldecke und einer schönen Tasse Tee einen spannenden Kriminalfall lösen möchten. Klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 07.03.2022

Ein blutiger Thriller mit viel Verwirrpotenzial

Jigsaw Man - Der tote Priester
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„Jigsaw Man – der tote Priester“ ist der zweite Band aus Nadine Mathesons Reihe um DI Anjelica Henley. Der Thriller fällt vor allem durch zwei Aspekte auf: seine exzessiv brutalen Morde und seine vielen ...

„Jigsaw Man – der tote Priester“ ist der zweite Band aus Nadine Mathesons Reihe um DI Anjelica Henley. Der Thriller fällt vor allem durch zwei Aspekte auf: seine exzessiv brutalen Morde und seine vielen Handlungsstränge, die teils etwas chaotisch sind. Gerade für die, die neu in die Reihe einsteigen, nicht immer einfach!

Nach dem brutalen Mord an einem Pastor einer Freikirche findet die Londoner Polizei neben dem Opfer auch einen übel zugerichteten, aber noch lebendigen jungen Mann, der augenscheinlich über Wochen gefoltert wurde. Das führt sie auf die Fährte einer Gruppe Fanatiker, die eine religiöse Motivation für ihre blutigen Taten zu haben scheinen. Und es stellt sich die Frage: Was hatte der ermordete Pastor damit zu tun? Henley taucht ein in einen chaotischen Wirrwarr aus Beziehungen und Abhängigkeiten, bei dem so manche Untat ans Licht kommt und ein Zeuge unglaubwürdiger als der nächste ist. Dass Henleys Privatleben und auch das ihres Partners Ramouter zusätzliches Konfliktpotenzial bereithalten, vereinfacht die Übersicht über all diese Handlungsstränge nicht gerade.

Nadine Mathesons Thriller-Aufbau ist fraglos spannend, ihre Geschichte originell und voller Wendungen. Ihre etwas umständliche Erzählweise, die immer wieder neue Aspekte aufgreift und den Fokus der Lesenden häufig von einem auf den anderen Handlungsstrang zwingt, lässt diese reizvolle Prämisse jedoch oft nicht richtig zur Geltung kommen. Zu vieles passiert gleichzeitig, zu viele Entwicklungen erscheinen gleich stark gewichtet und sorgen dafür, dass die Konzentration auf eine stringente Entwicklung schwerfällt. Dass dabei Verwirrung entsteht und so manche Überraschung am Ende auftaucht, ist der positive Aspekt dieser Erzählweise. Die Kehrseite der Medaille ist, dass es mitunter schwerfällt, im Fluss der Geschichte zu bleiben, da aufgrund der Vielzahl der Handlungsstränge immer wieder Figuren und Ereignisse neu eingeordnet werden müssen, die schon gar nicht mehr präsent sind. Möglicherweise wäre hier die Kenntnis des ersten Bandes hilfreich, auch wenn die grundsätzliche Handlung unabhängig zu verstehen ist.

„Jigsaw Man – der tote Priester“ ist ein durchaus lesenswerter Thriller, verlangt aber etwas Geduld und ein recht hohes Maß an Konzentration. Für Fans von Band 1 treten die Schwächen sicher weniger stark zutage, weshalb ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen kann, sollte man diesen nicht gelesen haben.

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