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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.04.2026

Britischer Humor vom Feinsten!

Betreutes Morden
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. Hast du Appetit auf feinsten britischen Humor….
herrlich trocken, pointiert und mit einer Prise tiefschwarzer Ironie? Eingebettet in einen fesselnden Kriminalfall?
Dann bist du hier genau richtig.
„Betreutes ...

. Hast du Appetit auf feinsten britischen Humor….
herrlich trocken, pointiert und mit einer Prise tiefschwarzer Ironie? Eingebettet in einen fesselnden Kriminalfall?
Dann bist du hier genau richtig.
„Betreutes Morden“ beweist, dass Cozy Crime weit mehr ist als harmlose Unterhaltung…
ein kluges, augenzwinkerndes Lesevergnügen, das keineswegs nur dem Ruhestand vorbehalten ist. 4/5⭐️

. Worum geht es genau…
Carol, Serienmörderin im Ruhestand, gezwungenermaßen, zieht aus dem Gefängnis in eine Seniorenresidenz.
Jedoch passiert einige Zeit nach ihrem Einzug ein Mord und es stellt sich die Frage… wer war es? War es Carol?
Führt sie einfach jeden hinters Licht indem sie in dem Mordfall auf einige Faust ermitteln will?

. In „Betreutes Morden“ begleiten wir Carol, eine Serienmörderin im Spätherbst ihres Lebens, die nach langen Jahren der Haft endlich in die Freiheit entlassen wird und ihren neuen Alltag in einer Seniorenresidenz beginnt. Zwar kommen hin und wieder auch andere Stimmen zu Wort, doch bleibt Carol unangefochten das Zentrum dieser Geschichte.
Und um bei ihr zu verweilen…
Man kann sich einer Faszination ihrerseits kaum entziehen. Trotz, oder vielleicht gerade wegen ihrer düsteren Vergangenheit wächst sie einem ans Herz. Sie erscheint überraschend nahbar und vertraut und ihre Taten, so fragwürdig sie auch sein mögen, entziehen sich allzu schneller Verurteilung. Als Leser findet man sich in einem moralischen Zwiespalt wieder, der ebenso irritiert wie fesselt.
Auch das ungewöhnliche „Ermittlerteam“, das sich aus einigen ihrer Mitbewohner zusammensetzt, ist mit bemerkenswerter Lebendigkeit gezeichnet. Es sind keine makellosen Helden, sondern Menschen mit Brüchen, Eigenheiten und Geschichte. Gerade die Tatsache, dass sie dem fortgeschrittenen Alter angehören, verleiht dem schwarzen Humor eine besonders scharfzüngige Note. Die Konstellation ist ebenso kurios wie reizvoll: eine Pathologin, ein Kriminalkommissar, eine Premierministerin und mittendrin eine Serienmörderin. Natürlich alle im Ruhestand! 😉
Mit trockenem britischem Witz und feinem Gespür für Timing ziehen diese Figuren den Leser immer tiefer in die Ermittlungen hinein. Denn so heiter der Ton bisweilen erscheint, verliert die Handlung nie ihre Ernsthaftigkeit! Carol und ihre Mitstreiter geraten immer wieder in brenzlige Situationen, die die Spannung spürbar anziehen und den eigentlichen Kriminalfall in den Fokus rücken. Ein paar unerwartete Wendungen und ein überzeugendes Finale verleihen der Geschichte zusätzlichen Nachdruck.
. So erweist sich dieser Roman einmal mehr als gelungenes Beispiel dafür, wie wirkungsvoll Cozy Crime sein kann! Spannung und schwarzer Humor reichen sich die Hand, ohne dass man dabei in die dunkelsten Abgründe menschlicher Existenz hinabsteigen muss.
. Craig erschafft Figuren, die in ihrer Schrulligkeit und moralischen Ambivalenz ebenso liebenswert wie unvergesslich sind. Man unterschätzt sie leicht, insbesondere die älteren Damen und genau darin liegt ihr Reiz.
. Dieses Buch ist ein ebenso unterhaltsames wie klug komponiertes Lesevergnügen. Und die leise Hoffnung bleibt, Carol eines Tages erneut begegnen zu dürfen.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Ich hatte mir mehr erhofft!

Im Leben nebenan
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. Wenn du Lust auf einen Roman hast, der sich dem Thema Kinderwunsch aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln nähert, ohne dabei allzu tief in die Abgründe dieses sensiblen Feldes vorzudringen, dann könnte ...

. Wenn du Lust auf einen Roman hast, der sich dem Thema Kinderwunsch aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln nähert, ohne dabei allzu tief in die Abgründe dieses sensiblen Feldes vorzudringen, dann könnte „Im Leben nebenan“ genau das Richtige für dich sein.
Der Text liest sich angenehm flüssig und unterhaltsam, doch blieb für meinen Geschmack an manchen Stellen eine größere emotionale und gedankliche Tiefe aus, die der Thematik noch mehr Nachhall hätte verleihen können. 3/5 ⭐️

. Worum geht es genau…
Eines Morgens erwacht Toni nicht in ihrem eigenen Bett neben ihrem Partner, sondern mit einem Neugeborenen auf der Brust in einem ihr fremden Bett. Sie ist auf einmal in einem Leben gefangen mit Mann und Neugeborenen und weiß nicht genau was vor sich geht…
Während sich in einer Parallelwelt die zurückgebliebene Toni mit einem unerfüllten Kinderwunsch auseinandersetzten muss.

. In „Im Leben nebenan“ begleiten wir zwei Versionen derselben Frau…
zwei Antonias, die parallel durch einen prägenden Abschnitt ihres Lebens gehen und dabei unterschiedliche Wege einschlagen müssen. Besonders gelungen erscheint dabei die feine sprachliche Unterscheidung…
Während die eine Antonia genannt wird, tritt die andere als Toni auf. Dies ist ein schlichtes, aber wirkungsvolles Mittel, um die beiden Lebenslinien klar voneinander zu trennen.
. Doch genau an diesem Punkt beginnt auch meine Kritik. Toni bleibt über weite Strecken seltsam blass, fast schemenhaft. Es fehlt an emotionaler Tiefe, an jenen Momenten, in denen das Innenleben wirklich aufbricht. Immer wieder hatte ich das Gefühl…
Jetzt, gleich, öffnet sich etwas…
doch dieser Augenblick blieb aus. Stattdessen verharrt vieles an der Oberfläche.
Gerade die vielschichtige Gedankenwelt einer Frau mit unerfülltem Kinderwunsch, die ich erwartet hatte, entfaltet sich kaum. Die Schwere, die sich über eine Liebesbeziehung legen kann, wird zwar angedeutet, doch nie wirklich durchdrungen. Es bleibt beim Streifen, wo ein Eintauchen notwendig gewesen wäre. So viel verschenktes Potenzial. Wo sind die rohen Gefühle? Die Wut, die Verzweiflung, die Zerrissenheit? Der Zugang zu den Figuren blieb mir letztlich eher verwehrt.
In der Parallelwelt, in der ein Kind Teil von Antonias Leben ist, erhalten wir zwar etwas tiefere Einblicke in ihr Inneres. Dennoch schwingt stellenweise ein unterschwelliges Idealbild mit…
ein leises „So sollte es sein“, vermittelt durch Antonia selbst und ihrer Schwiegermutter. Gerade hier hätte die Gegenüberstellung beider Lebensentwürfe mehr Mut zur Differenzierung, mehr Individualität und Widersprüchlichkeit verdient, um die Vielfalt weiblicher Erfahrungen authentischer abzubilden.
. Unbestritten ist hingegen die sprachliche Qualität des Romans! Der Schreibstil ist angenehm, klar und fließend, sodass man mühelos von Seite zu Seite voranschreitet. Die Lektüre gestaltet sich leicht und zugänglich.
. So bleibt „Im Leben nebenan“ ein unterhaltsamer Roman, besonders für jene, die sich dem Thema eher behutsam nähern möchten.
Letztlich lässt sich sagen…
Sauer greift ein bedeutsames Thema auf, sodass dieser Roman gerade für junge Frauen, aber auch für Männer, durchaus aufschlussreich und augenöffnend sein könnte. Doch für mich bleibt die Auseinandersetzung mit der Thematik „Kinderwunsch und Kinderwunschbehandlung“ zu zaghaft, zu wenig durchdrungen.
Schade eigentlich…
ich hatte mir mehr erhofft.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Ein Wohlfühlroman für Millenials!

Statt aus dem Fenster zu schauen
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. Ein Buch, das auch in dir den leisen Wunsch wecken wird,
irgendwo fernab ein verfallenes Haus zu erwerben, um darin Stille zu finden und dich selbst neu zu entdecken.
Ein Roman voller Sehnsucht, getragen ...

. Ein Buch, das auch in dir den leisen Wunsch wecken wird,
irgendwo fernab ein verfallenes Haus zu erwerben, um darin Stille zu finden und dich selbst neu zu entdecken.
Ein Roman voller Sehnsucht, getragen von Mut und durchzogen von einem Hauch feinsinnigen Wahnsinns. Ein Roman für jeden der ein bisschen Ruhe und Inspiration benötigt!
4,5/5 ⭐️

. Aber was erwartet dich genau…
Sophie steckt fest, gefangen im Kreislauf aus Studium, Leistungsdruck und einem todlangweiligen Praktikum. Alle sind überzeugt, dass sie es weit bringen wird. Doch wohin… das weiß sie selbst nicht so genau… Da kommt ihr vermeintlich spontan die Idee online ein heruntergekommenes Haus irgendwo in der ostdeutschen Provinz zu kaufen. Dort angekommen beginnt sie an ihrer Entscheidung ein wenig zu zweifeln…

. In „Statt aus dem Fenster zu schauen“ begleiten wir Sophie durch einen prägenden Abschnitt ihres Lebens.
Mit bemerkenswerter Offenheit wird sie uns im Verlauf der Geschichte zur Vertrauten, zur besten Freundin, die uns an allem teilhaben lässt…
an ihren Freuden und Erfolgen ebenso wie an ihren Zweifeln, ihrem Schmerz und ihrer Suche nach sich selbst und einem Leben, das sich wirklich nach ihr anfühlt.
. Gerade diese schonungslose Authentizität macht Sophie so nahbar und liebenswert. Ihre impulsiv anmutende Entscheidung, ein Haus zu kaufen, erscheint dabei keineswegs unüberlegt, sondern vielmehr als ein Versuch, aus einem Leben auszubrechen, das sie nicht mehr erfüllt. Es ist der leise, aber eindringliche Ruf nach einem Neubeginn. Ob ihr die Tragweite dieses Schrittes vollständig bewusst ist, mag fraglich sein… doch er wirkt wie eine kluge Regung ihres Innersten, ein mutiger Akt des Aufbruchs.
Im Laufe der Handlung wird deutlich, dass Sophie über eine Stärke verfügt, die vielen verborgen bleibt. Erst allmählich erkennt sie diese selbst und führt uns damit vor Augen, wie wichtig es ist, der eigenen Stimme zu vertrauen.
Trotz der ernsten Untertöne verliert der Roman nie seinen feinen Humor. So entsteht ein moderner Wohlfühlroman mit einem zarten Coming-of-Age-Charakter, der zugleich unterhält und berührt. Scheidenmantel ist hier ein kluger, einfühlsamer Roman über Selbstfindung, Mut und die Schönheit des Ungeplanten gelungen.
. Ein Buch, das man mit Gewinn liest, besonders dann, wenn man sich selbst eine kleine Auszeit vom Leben schenken möchte.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Der Alkohol… der Entzug und seine Folgen!

Gin Boom
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. Was geschieht, wenn man dem Alkohol abschwört, doch die Welt ringsum im Rausch verharrt?
In „Gin Boom“ wird diese Frage mit leichter Hand und zugleich bemerkenswerter Tiefe entfaltet!
Ein leiser, eindringlicher ...

. Was geschieht, wenn man dem Alkohol abschwört, doch die Welt ringsum im Rausch verharrt?
In „Gin Boom“ wird diese Frage mit leichter Hand und zugleich bemerkenswerter Tiefe entfaltet!
Ein leiser, eindringlicher Blick, der hier und da die Augen öffnet.
Ein Roman, der nachklingt, der bleibt und in vielerlei Hinsicht die Sehnsucht nach einer neuen Sicht auf die Dinge weckt. 4,5/5 ⭐️

. Aber worum geht es genau…
Helena trinkt um zu funktionieren.
Doch irgendwann wird es zu viel…
Es folgt ein Entzug, der erfolgreich war.
Doch zurück in ihrem alten Job merkt sie schnell…
nichts ist mehr wie es war!

. In Gin Boom folgen wir zunächst allein Helena durch die Handlung. Als ruhender Pol der Erzählung wird sie uns nahegebracht…
Schicht um Schicht, bis ihr Innenleben fast vertraut wirkt. Erst im weiteren Verlauf öffnen sich neue Perspektiven, die das erzählerische Gefüge erweitern und der Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen. Fragen, die sich beim Lesen leise einschleichen, finden so nach und nach ihre Antwort.
. Doch das eigentlich Interessante liegt in etwas anderem…
in der beständigen Selbstbefragung. Unweigerlich hält man inne und fragt sich…wie hätte ich auf Helena reagiert?
Hätte ich sie verstanden, hätte ich den Mut gehabt, auf sie zuzugehen?
. Mit Gin Boom gelingt Titze ein Werk,
das gesellschaftliche Haltungen gegenüber ehemaligen Alkoholabhängigen behutsam, aber unnachgiebig hinterfragt und darüber hinaus weitreichendere Fragen aufwirft, wie…
Ist es die Leistungsgesellschaft, die Menschen in Abhängigkeiten treibt?
Sind es die Muster anderer, die uns formen? Oder liegt die letzte Verantwortung doch immer bei uns selbst, wenn wir ins Straucheln geraten?
Und so besitzt Helenas Geschichte das Potenzial, vielen die Augen zu öffnen. Auch hätte ich nichts dagegen gehabt, sie noch etwas länger begleiten zu dürfen.
. In einem zugleich leichten und schonungslos ehrlichen Ton erzählt, entfaltet der Roman eine Eindringlichkeit, die dazu motiviert ihn mühelos an einem Tag durchzulesen und doch hallt er wahrscheinlich gerade deswegen so weit darüber hinaus noch nach.
So bleibt Helena im Gedächtnis, lange nachdem die letzte Seite umgeschlagen ist. Vielleicht gerade deshalb ist Gin Boom ein Buch, das gelesen werden sollte…
um zu verstehen, dass Alkohol niemals die Lösung ist!

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Ein literarisches Juwel!

Ich, die ich Männer nicht kannte
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. Ein dystopischer Roman von unerwarteter Tiefe, der den Leser unweigerlich mit den großen existenziellen Fragen des Lebens konfrontiert. Ein wahres literarisches Juwel.
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ ...

. Ein dystopischer Roman von unerwarteter Tiefe, der den Leser unweigerlich mit den großen existenziellen Fragen des Lebens konfrontiert. Ein wahres literarisches Juwel.
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist zugleich verstörend und eindringlich!
Ein Werk von seltener Intensität,
durchzogen von einer philosophischen Wucht, die noch lange nach der letzten Seite nachhallt. 5/5 ⭐️

. Aber worum geht es genau…
Tief unter der Erde werden neununddreißig Frauen gefangen gehalten.
Ohne Erinnerung daran, wie sie hierherkamen oder was aus der Welt über ihnen geworden ist. Zeit existiert nicht mehr, nur das gleichförmige Licht und das Schweigen ihrer Aufseher.
Mitten unter ihnen lebt ebenso ein junges Mädchen.
Als eines Tages ein Alarm ertönt und die Wächter verschwinden, steht die Tür plötzlich offen….

. Eigentlich ließe sich alles in einem einzigen Satz sagen:
Lies dieses Buch!
Und doch würde man dem Roman damit kaum gerecht werden.
In „Ich, die ich Männer nicht kannte“ folgen wir der Stimme eines jungen Mädchens,
das uns durch diese stille, beklemmende Welt führt. Es ist ihre Perspektive, die den Roman trägt und doch ist es nicht allein ihre Geschichte. Im Schatten ihres Erzählens treten die Frauen hervor, mit denen sie eingesperrt ist…
fragmentarisch, leise und gerade deshalb umso eindringlicher.
Und dennoch bleibt sie das Zentrum und
der Puls dieser Erzählung.
Wir kommen ihr nahe, sehr nahe…
ihre Gedanken werden zu unseren,
ihre Handlungen fühlen sich an, als wären sie unsere eigenen.
Mit ihr hoffen wir und mit ihr verzweifeln wir.
. In zurückhaltenden,
beinahe flüsternden Tönen entwirft Harpman eine neue Ordnung der Welt…
eine, die von der Protagonistin mit einer fast erschreckenden Selbstverständlichkeit angenommen wird, während sie für die anderen Frauen fremd und schwer begreifbar bleibt.
. Dieser Roman ist weniger eine klassische Dystopie als vielmehr eine innere Reise!
Ein stilles, aber eindringliches Nachdenken über Einsamkeit, Erinnerung, Liebe und die unaufhörliche Suche nach Sinn.
. Er hinterlässt Fragen,
die nachhallen und verändert
den Blick auf das Vertraute.
Atmosphärisch unverwechselbar und für mich ein echtes literarisches Highlight!

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