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Veröffentlicht am 03.02.2026

Packend, überraschend, beklemmend – ein neues Meisterstück von Romy Hausmann

Himmelerdenblau
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Theo Novak spielt ein Spiel, das er nur verlieren kann – den Wettlauf gegen seine fortschreitende Demenzerkrankung und damit auch gegen das Vergessen, was mit seiner geliebten und seit 20 Jahren verschwundenen ...

Theo Novak spielt ein Spiel, das er nur verlieren kann – den Wettlauf gegen seine fortschreitende Demenzerkrankung und damit auch gegen das Vergessen, was mit seiner geliebten und seit 20 Jahren verschwundenen Tochter Julie geschehen ist.

Die junge Podcasterin Liv rollt, gemeinsam mit ihrem Partner Phil, den Fall der seit zwei Jahrzehnten vermissten Arzttochter wieder auf und stürzt damit nicht nur sich selbst, sondern die ganze verbliebene Familie Novak in ein kaum noch durchdringliches Geflecht aus Lügen. – Oder am Ende doch die kaum erträgliche Wahrheit, deren Vergessen eine Erleichterung wäre?

Romy Hausmann ist mit dieser besonderen Geschichte und dem mutigen Stil, den sie in der Perspektive Theos wählt, ein einmaliges Buch gelungen. Die Sprache ist, wie immer, leicht zugänglich und mühelos zu lesen. Die Seiten fliegen im Nu dahin. Einzige Ausnahme im flüssigen Lesen sind die Passagen aus Theos Perspektive, gezeichnet von Aussetzern und seinem fortschreitenden Verfall. Es ist unbequem, in diese Seiten einzutauchen, es schmerzt. Manchmal habe ich mich beim Lesen auch geschämt – für Theo oder die Menschen, die gerade um ihn herum waren.

Der gewählte Schreibstil für diese Schlüsselperson zeichnet ein ungeschöntes Bild einer fürchterlichen und heute noch unheilbaren Krankheit, die Betroffene und deren Angehörige an den Rand des Erträglichen zwingt. Die Ohnmacht, die Demenz gleichsam bedeutet, wird eindrucksvoll und beklemmend deutlich.

Inhaltlich zeichnet die Autorin eine augenscheinlich schnell gelöste Vermisstenstory, führt genial und sehr hartnäckig auf falsche Pfade, um am Ende in einer Art und Weise aufzulösen, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

„Himmelerdenblau“ zeichnet sich nicht durch Brutalität aus, sondern durch die Charaktere, deren Schwächen, Abgründe und vermeintlich guten Motive, ein anständiger Mensch zu sein. – Großartig!

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Wenig überzeugende Mischung aus Liebesdrama und Lebensratgeber

Weil ich dich immer lieben werde
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Durch einen grausamen Schicksalsschlag wird Jess aus ihrem bekannten Leben gerissen. Plötzlich ist sie allein und muss sich um ihre kleine Tochter kümmern. Es häufen sich Ungereimtheiten, die Jess an dem ...

Durch einen grausamen Schicksalsschlag wird Jess aus ihrem bekannten Leben gerissen. Plötzlich ist sie allein und muss sich um ihre kleine Tochter kümmern. Es häufen sich Ungereimtheiten, die Jess an dem zweifeln lassen, das sie bislang für ihr Leben und ihre Ehe hielt...


Die Story von "Weil ich dich immer lieben werde" klingt packend, dramatisch und doch im Grundton nach vorne und positiv ausgerichtet. Kurz gesagt, ich war sehr neugierig auf das Buch und deshalb freute es mich sehr, als ich es im Zuge einer Verlosung gewann und darin abtauchen durfte.


Die gewählte Sprache ist eingängig und leicht, der Stil mitunter etwas holprig, für mich in Teilen gewöhnungsbedürftig. Hochemotionale Szenen, welche mir an der ein oder anderen Stelle Tränen in die Augen treten ließen, gehen in oft haarsträubendem Tempo unvermittelt in eine Form der gedanklichen Selbst-Therapie über. Eine krude Mischung aus Liebesdrama und Lebensratgeber, die mich mehr als einmal überlegen ließ, das Buch abzubrechen. Die Hauptperson "coacht" sich selbst, erhält von ihrem Umfeld Unterstützung, wird jedoch auch immer wieder von Menschen, die ihr nahestehen in das nächste emotionale Drama gestoßen.

Leser:innen sehen sich einer Vielzahl von Begebenheiten gegenüber, die allzu häufig oberflächlich bleiben, um der nächste Szene, dem nächsten vermeintlichen "Wow!" oder "Ohhh!" Platz zu machen. Für meinen Geschmack leider allzu vorhersehbar und teilweise handwerklich eher plump auf eine gigantische Lovestory abzielend, die sich - sehr absehbar - aus dem ganzen Drama erwächst.

Auch blieben die gezeichneten Charaktere für mich unglaubwürdig und wurden nicht greifbar. Es baute sich keinerlei Beziehung auf.

Die Story hat tolles Potenzial, das mich in der vorgelegten Form jedoch nicht erreichen und überzeugen konnte. Schade!

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Bezauberndes Bilder- und Vorlesebuch, das Generationen verbindet

Henri-Jette-Sausebahn
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Als ich davon erfuhr, dass die Geschichte um Henriette Bimmelbahn, eine Heldin meiner Kindheit, in die Fortsetzung geht, war meine Neugierde sofort geweckt. Die Rahmenbedingungen sind heute etwas anders ...

Als ich davon erfuhr, dass die Geschichte um Henriette Bimmelbahn, eine Heldin meiner Kindheit, in die Fortsetzung geht, war meine Neugierde sofort geweckt. Die Rahmenbedingungen sind heute etwas anders als damals: Heute bekomme nicht mehr ich die lustigen Geschichten von James Krüss, die Lisl Stich illustriert hatte, vorgelesen, sondern lese sie meinen eigenen Kindern vor. Wir verbinden daher seit Generationen viele und wunderbare Erinnerungen mit den Figuren und ich war gespannt, ob die "Fortsetzung" ebenso warmherzig und schön illustriert sein würde wie das Original.

Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden, daher ganz direkt. Ich hatte beim Vorlesen Tränen in den Augen und musste wirklich mit mir kämpfen, nicht das Weinen anzufangen, so sehr hat mich die zauberhaft gedichtete und wunderschön illustrierte Geschichte um Henriettes Enkelkinder Henri und Jette (Was für ein erzählerischer Geniestreich!) in meine Kindzeit zurückversetzt. Mit so einer Flut positiver Kindheitserinnerungen und -gefühle hatte ich nicht gerechnet - und plötzlich waren sie da.

Die Erwartungen, die ich an das Buch hatte, wurden um ein Vielfaches übertroffen! Einerseits ist da der einmalige Stil von James Krüss, hervorragend von Cornelia Boese aufgenommen, andererseits ist Pina Gertenbach ein Zauberstück gelungen, indem sie die süßen Illustrationen von damals auf perfekte Art und Weise in ein zeitgemäßes Format bringt und fortschreibt, was uns alle direkt abholte.

Versteht sich von selbst, dass wir das Buch nicht nur einmal lesen konnten, sondern gleich mehrfach gelesen haben

Auch für alle, die Henriette Bimmelbahn, den Blauen Autobus oder auch den Kleinen Doppeldecker nicht kennen, eignet sich dieses entschleunigte, wunderschöne Kinderbuch, das für alle, die die Großeltern-Generation noch kennen, einen unvergleichlichen Zauber versprühen dürfte.

Danke, Cornelia Boese und Pina Gertenbach! Ich habe noch nie so eine gelungene Hommage gesehen und bin noch immer ganz verzaubert von Henri-Jette Sausebahn und der niedlichen Geschichte, die die beiden in unser Haus brachten.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Packendes Verwirrspiel

Wenn sie wüsste
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Millie tritt ihren neuen Job im Haus von Nina und Andrew Winchester als Dienstmädchen an. Sie denkt, sie habe unbändiges Glück gehabt, dass es so weit kam, denn Millie hat ein dunkles Geheimnis. Es dauert ...

Millie tritt ihren neuen Job im Haus von Nina und Andrew Winchester als Dienstmädchen an. Sie denkt, sie habe unbändiges Glück gehabt, dass es so weit kam, denn Millie hat ein dunkles Geheimnis. Es dauert jedoch nicht lange und sie muss sich die Frage stellen, wo genau sie mit dieser Stelle hineingeraten ist.

Es ist unfassbar schwer, eine Rezension über dieses Buch zu schreiben, ohne zu viel über dessen Inhalt und die zahlreich vorhandenen Twists in diesem erstklassigen Verwirrspiel preiszugeben. Daher halte ich es eher sachlich und beschränke mich auf das Handwerkszeug: Die Story ist extrem spannend und aus mehreren Perspektiven geschrieben; Leser:innen werden mehrfach auf verschiedene (falsche) Fährten geführt in diesem flüssig und leicht zu lesenden Psychothriller. Auch wenn ich aufgrund der mannigfaltig erwähnten und rezensierten „unvorhersehbaren Twists“ eine gewisse Ahnung (und recht damit 😉) hatte, was hier eigentlich vor sich geht, war die Enthüllung zu lesen, doch eine Phase, in der ich das Buch einfach nicht mehr weglegen konnte. Wie perfide und pervers menschliche Charaktere sein und welche Geheimnisse sie, verborgen vor der Öffentlichkeit, hüten können, war für mich zum Start in das Jahr 2026 ein absolutes Lesehighlight! – Und nun bin ich mehr als gespannt auf die filmische Umsetzung!

Eine klare Leseempfehlung für alle, die Psychothriller lieben.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Marc-Uwe Kling und Astrid Henn at their best!

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat
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Wenn ihr Familie habt und schon mal mit ihr in Urlaub gefahren seid (oder auch musstet), wird euch dieses Buch zum Schmunzeln bringen und an der ein oder anderen Stelle womöglich einen lauten Lacher provozieren. ...

Wenn ihr Familie habt und schon mal mit ihr in Urlaub gefahren seid (oder auch musstet), wird euch dieses Buch zum Schmunzeln bringen und an der ein oder anderen Stelle womöglich einen lauten Lacher provozieren. Die Dialoge zwischen den insgesamt drei Generationen, die sich auf den Weg zur vierten Hochzeit von Tante Ilse machen, sind legendär und jede:r, der bzw. die schon einmal mit jemandem mit Magenbeschwerden auf eine Reise gegangen ist, freut sich gewiss maßlos, dass die (bald) kotzende Person nicht im eigenen Wagen sitzt.

Wir haben mehrfach herzhaft gelacht, als ich das Buch meinem Mann und unseren beiden älteren Söhnen (10 und 7) vorgelesen habe. Es sind, wie in den anderen "Kling-Kinderbüchern" ebenso, zahlreiche Eltern-/Erwachsenen-Insider versteckt, die das Lesen oder Vorlesen für alle beteiligten Generationen zu einem Erlebnis machen Unterhaltsam waren auch die Anspielungen auf seine anderen Bücher.

Die Dialoge der Fahrt hätten jedenfalls von uns und vermutlich zahlreichen anderen Familien stammen können und - ja, ich gebe es zu - wir fahren nicht grundlos und immer mit Kotztüten in den Seitentaschen unseres Family-Vans. Erfahrung macht klug. Uns so eine kurzweilige, schwarzhumorige Lektüre macht Freude!

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