Packend, überraschend, beklemmend – ein neues Meisterstück von Romy Hausmann
HimmelerdenblauTheo Novak spielt ein Spiel, das er nur verlieren kann – den Wettlauf gegen seine fortschreitende Demenzerkrankung und damit auch gegen das Vergessen, was mit seiner geliebten und seit 20 Jahren verschwundenen ...
Theo Novak spielt ein Spiel, das er nur verlieren kann – den Wettlauf gegen seine fortschreitende Demenzerkrankung und damit auch gegen das Vergessen, was mit seiner geliebten und seit 20 Jahren verschwundenen Tochter Julie geschehen ist.
Die junge Podcasterin Liv rollt, gemeinsam mit ihrem Partner Phil, den Fall der seit zwei Jahrzehnten vermissten Arzttochter wieder auf und stürzt damit nicht nur sich selbst, sondern die ganze verbliebene Familie Novak in ein kaum noch durchdringliches Geflecht aus Lügen. – Oder am Ende doch die kaum erträgliche Wahrheit, deren Vergessen eine Erleichterung wäre?
Romy Hausmann ist mit dieser besonderen Geschichte und dem mutigen Stil, den sie in der Perspektive Theos wählt, ein einmaliges Buch gelungen. Die Sprache ist, wie immer, leicht zugänglich und mühelos zu lesen. Die Seiten fliegen im Nu dahin. Einzige Ausnahme im flüssigen Lesen sind die Passagen aus Theos Perspektive, gezeichnet von Aussetzern und seinem fortschreitenden Verfall. Es ist unbequem, in diese Seiten einzutauchen, es schmerzt. Manchmal habe ich mich beim Lesen auch geschämt – für Theo oder die Menschen, die gerade um ihn herum waren.
Der gewählte Schreibstil für diese Schlüsselperson zeichnet ein ungeschöntes Bild einer fürchterlichen und heute noch unheilbaren Krankheit, die Betroffene und deren Angehörige an den Rand des Erträglichen zwingt. Die Ohnmacht, die Demenz gleichsam bedeutet, wird eindrucksvoll und beklemmend deutlich.
Inhaltlich zeichnet die Autorin eine augenscheinlich schnell gelöste Vermisstenstory, führt genial und sehr hartnäckig auf falsche Pfade, um am Ende in einer Art und Weise aufzulösen, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Himmelerdenblau“ zeichnet sich nicht durch Brutalität aus, sondern durch die Charaktere, deren Schwächen, Abgründe und vermeintlich guten Motive, ein anständiger Mensch zu sein. – Großartig!