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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2022

Tolle Idee und atmosphärische Umsetzung

Das Buch der Seelen
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Angesichts dessen, dass Elsies Familie ein Fotostudio gehört, begleiten Kameras und Fotos sie schon ihr ganzes Leben lang. Besonders am Herzen liegt ihr aber auch ein uraltes Fotoalbum, das sie vor vielen ...

Angesichts dessen, dass Elsies Familie ein Fotostudio gehört, begleiten Kameras und Fotos sie schon ihr ganzes Leben lang. Besonders am Herzen liegt ihr aber auch ein uraltes Fotoalbum, das sie vor vielen Jahren auf dem Dachboden gefunden hat. Als ihr dieses eines Tages abhandenkommt, ist sie verzweifelt – und dann schockiert, als die darin abgelichteten Personen auf einmal im realen Leben auftauchen.
Eine neue Geschichte von Mechthild Gläser, inspiriert vom Klassiker „Das Bildnis des Dorian Gray“, die auch noch in Edinburgh spielt – die Idee und das Setting konnten mich schon einmal sehr begeistern. Auch der Schreibstil der Autorin hat mir hier wieder gut gefallen. Einige Abschnitte habe ich auch als Hörbuch gehört, welches ich an dieser Stelle sehr empfehlen kann.
Die Umsetzung der von Dorian Gray inspirierten Teile fand ich sehr gelungen und ich mochte insbesondere die düstere Atmosphäre in den Rückblenden und die „Kreaturen“, insbesondere einen ganz bestimmten Geisterhund. Mit Elsie sowie der zarten Liebesgeschichte zwischen ihr und Aidan wurde ich leider nicht so ganz warm – an einigen Stellen hätte ich mir dann doch etwas mehr Reife gewünscht.
Insgesamt hat mir das Buch ein paar schöne atmosphärische und spannende Lesestunden in Edinburgh. Der Altersempfehlung des Verlags für Leser:innen ab 12 Jahren kann ich mich voll und ganz anschließen.

Veröffentlicht am 01.09.2022

Aufwühlend und bewegend

Ich bin nicht da
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Leo und Simon sind schon ganze zehn Jahre ein Paar, als Simon sich plötzlich radikal verändert. Leo muss praktisch hilflos zusehen, wie der von ihr so geliebte Mensch sein – und letztendlich auch ihr – ...

Leo und Simon sind schon ganze zehn Jahre ein Paar, als Simon sich plötzlich radikal verändert. Leo muss praktisch hilflos zusehen, wie der von ihr so geliebte Mensch sein – und letztendlich auch ihr – ganzes Leben auf den Kopf stellt.
Lize Spit beschreibt in einem einzigartigen und sehr detailreichen Stil die beklemmende Situation einer Frau, deren Lebensgefährte immer mehr in einen psychischen Abgrund abrutscht. Die Geschichte lässt kaum positive Gefühle aufkommen und ist damit sicherlich nichts für jeden. Lässt man sich aber darauf ein, wird man förmlich mitgerissen.
Besonders erschreckend aber auch gleichzeitig faszinierend fand ich den Umstand, dass Leo mehr und mehr an ihrem eigenen Verstand zweifelt, je weiter Simon sich verändert. Als Leser ist man hier gefühlt sehr nah dran, so dass die Geschichte einen nur schwer loslässt.
Alles in allem war „Ich bin nicht da“ für mich ein sehr aufwühlender und bewegender Roman, der bis zum Schluss spannend bleibt und auch thematisch etwas Besonderes ist. Allerdings hätte ich mir eine Triggerwarnung für Gewalt gegen Tiere gewünscht, da ein bestimmtes Ereignis wirklich nicht auszublenden war.

Veröffentlicht am 01.09.2022

Magisches Abenteuer mit außergewöhnlichen Figuren

Zehn Wünsche, sieben Abenteuer und eine sprechende Katze
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Wegen einiger Umbauarbeiten zuhause müssen die Geschwister Ed und Roo in den Ferien tagsüber ihre Zeit bei ihrer älteren, etwas merkwürdigen Nachbarin, Miss Filey, verbringen. Ihre Begeisterung hält sich ...

Wegen einiger Umbauarbeiten zuhause müssen die Geschwister Ed und Roo in den Ferien tagsüber ihre Zeit bei ihrer älteren, etwas merkwürdigen Nachbarin, Miss Filey, verbringen. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen – sie gehen davon aus, dass es furchtbar langweilig werden wird. Als ihnen dann aber ein paar magische Kerzen in die Hände fallen, stecken sie jedoch bald in einem rasanten Abenteuer.

Diese fantastische Geschichte für Kinder ab 9 Jahren konnte mich rundum begeistern. Die Idee der Autorin, dass die Kinder praktisch von zuhause aus Abenteuer erleben und dann auch noch auf (Wunsch-)Bestellung fand ich zauberhaft, aber auch die Umsetzung stand dem in keinerlei Weise nach. Der Schreibstil liest sich wunderbar und hat genau das richtige Maß an Spannung und Humor.

Ganz besonders lebt das Buch aber von den wunderbaren Charakteren, die einmal nicht die typischen 08/15-Figuren aus Kinderabenteuerbüchern sind. Vor allem Ed, der im Rollstuhl sitzt und dementsprechend etwas anders an die Abenteuer herangeht, hat die Geschichte zu etwas Besonderem gemacht. Mein besonderer Liebling war aber definitiv auch der betagte Kater Attlee.

Insgesamt kann ich das Buch also uneingeschränkt weiterempfehlen – zum Vorlesen definitiv auch schon für etwas jüngere Kinder.

Veröffentlicht am 17.08.2022

Absolutes Highlight mit wirklich liebevoll gezeichneten Charakteren

Snowflake
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Als Debbie ihr Literaturstudium in Dublin beginnt, fühlt sie sich wie ein Außenseiter, denn ihre Kommilitonen haben alle einen völlig anderen Hintergrund als sie – ein Mädchen, das auf dem Land mit Kühen ...

Als Debbie ihr Literaturstudium in Dublin beginnt, fühlt sie sich wie ein Außenseiter, denn ihre Kommilitonen haben alle einen völlig anderen Hintergrund als sie – ein Mädchen, das auf dem Land mit Kühen aufgewachsen ist. Neben dem Pendeln zwischen Land und Stadt und dem Zurechtfinden an der Uni hat Debbie aber auch noch ein weiteres Päckchen zu tragen: Ihre psychisch recht labile Familie.
Die Figuren in diesem Roman tragen auf jeden Fall die gesamte Geschichte. Es ist definitiv nicht so, dass hier nichts passieren würde, aber die Charaktere sind einfach so liebevoll und authentisch gezeichnet ist, dass man direkt in das Buch hineingezogen wird. Anfangs fand ich die Protagonistin etwas schwer greifbar, weil nicht ganz klar ist, was sie tatsächlich möchte, was sie angesichts ihrer Situation wirklich fühlt. Aber im Verlauf der Geschichte empfand ich genau das, als besonders faszinierend: Debbie ändert ihre Meinung, macht Fehler, ist unsicher, manchmal weiß sie selbst nicht, was sie eigentlich will – sie ist menschlich.
Ihre Lebensumstände und die Entwicklungen bei ihr zuhause lassen sich durchaus als Drama bezeichnen, aber es ist kein Drama um des Dramas willen, sondern kommt trotz allem sehr still und unaufgeregt daher – und gerade das sorgt dafür, dass es einen als Leser umso mehr mitnimmt, wie ich finde.
Auch sprachlich fand ich „Snowflake“ wahnsinnig toll geschrieben und übersetzt. Sprache – auch die irische Sprache – hat für Debbie und ihre Familie eine große Bedeutung und nimmt entsprechend viel Platz ein. Die Übersetzung von Anna-Nina Kroll hat mir insbesondere diesbezüglich richtig gut gefallen und klang niemals unrund, sondern vermittelte auch diese Passagen mit Leichtigkeit.
Insgesamt war Debbies Geschichte für mich ein richtiges Highlight mit Figuren, die mir definitiv im Gedächtnis bleiben werden, so dass ich das Buch unbedingt weiterempfehlen werde. Die Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

Veröffentlicht am 20.07.2022

Coming-of-Age-Geschichte mit besonderem Setting

Tokyo ever after – Prinzessin auf Probe
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Gerade eben war Izumi noch ein normaler Teenager, da erfährt sie durch Zufall, dass ihr bislang unbekannter Vater tatsächlich der nächste Kaiser von Japan ist. Kurz darauf befindet sie sich schon inmitten ...

Gerade eben war Izumi noch ein normaler Teenager, da erfährt sie durch Zufall, dass ihr bislang unbekannter Vater tatsächlich der nächste Kaiser von Japan ist. Kurz darauf befindet sie sich schon inmitten des japanischen Adels – und ist sich nicht sicher, ob sie nun endlich „zuhause“ angekommen ist oder sich dort noch fremder als je zuvor fühlt.
Zunächst wirkt die Geschichte ein bisschen wie eine klassische Teenie-Komödie, was am eher flapsigen Ton und der Unbeholfenheit der Protagonistin liegt. Aber Izumi macht sich! Sie ist fest entschlossen, Japan (und ihrem Vater) zu beweisen, dass sie einer Prinzessin würdig ist. An ihrer Seite darf der Leser in die japanische Kultur eintauchen und Izumis allmähliche Fortschritte mitverfolgen.
Den japanischen Hintergrund fand ich sehr gelungen und ich habe es genossen, zusammen mit Izumi ein bisschen mehr über dieses Land und seine Kultur zu erfahren. Aber auch Izumi selbst hat mir als Protagonistin gut gefallen – auch wenn nicht alle ihre Handlungen für mich nachvollziehbar sind. Mal ist sie ein typischer Teenie, mal trifft sie doch sehr erwachsene Entscheidungen. Als besonders sympathisch empfand ich sie aber im zwischenmenschlichen Bereich.
Insgesamt habe ich Izumis Geschichte wirklich gerne gelesen, auch weil sie einfach anders war und man eben nicht das Gefühl hatte, etwas in der Art schon einmal gelesen zu haben. Wer also Lust auf eine Coming-of-Age-Geschichte mit besonderem Setting hat, der sollte hier definitiv zugreifen.