Ein Wettlauf gegen die Zeit: Jet Masons letzte Ermittlung
Not Quite Dead YetHolly Jacksons neuester Thriller, "Not Quite Dead Yet", entführt uns in eine außergewöhnliche Detektivgeschichte. Der erste Blick auf das Cover mag unscheinbar wirken, doch beim genauen Hinsehen offenbart ...
Holly Jacksons neuester Thriller, "Not Quite Dead Yet", entführt uns in eine außergewöhnliche Detektivgeschichte. Der erste Blick auf das Cover mag unscheinbar wirken, doch beim genauen Hinsehen offenbart sich seine Genialität: Die Abbildung eines Gehirnscans mit sich ausbreitenden Verletzungen ist eine perfekte visuelle Metapher für Jets Kampf gegen die Zeit und ihren drohenden Tod durch ein Aneurysma. Ein subtiler, aber treffender Hinweis auf das, was uns im Inneren erwartet.
Die Geschichte packt einen sofort. Jet Mason, 27 Jahre alt und aus reichem Hause, findet sich nach einem brutalen Überfall mit einer niederschmetternden Diagnose konfrontiert: Ihr bleiben höchstens noch sieben Tage. Doch statt im Krankenhaus zu verweilen, beschließt sie, ihre letzten Stunden zu nutzen, um ihren eigenen "Mord" aufzuklären. Zusammen mit ihrem loyalen Kindheitsfreund Billy taucht sie tief in die Geheimnisse von Woodstock, Vermont, ein und scheut sich nicht, auch die Schattenseiten ihrer eigenen Familie ans Licht zu zerren.
Jacksons Schreibstil ist, wie gewohnt, fesselnd und zieht den Leser umgehend in den Bann. Auch wenn es diesmal etwas länger dauern mag, sich vollständig in die erwachseneren Thematiken einzufinden, nimmt der Erzählfluss, einmal aufgenommen, Fahrt auf und hält die Spannung bis zur letzten Seite konstant hoch. Die Art und Weise, wie sie Jets innere Zerrissenheit und ihren schwarzen Humor einfängt, ist meisterhaft.
Mit Jet als Protagonistin hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten. Ihre schonungslose Direktheit und die fehlende Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer wirken zunächst befremdlich. Man fragt sich, ob dies ihrer Persönlichkeit entspringt oder eine Reaktion auf ihr bevorstehendes Ende ist. Doch im Laufe des Buches wächst Jet einem ans Herz. Ihr Galgenhumor und die Entschlossenheit, nicht bemitleidet werden zu wollen, machen sie zu einer komplexen und letztlich liebenswerten Figur. Billy hingegen, der ihr bedingungslos zur Seite steht, ist sofort ein Sympathieträger. Seine Loyalität und die Bereitschaft, Jet bei ihrer ungewöhnlichen Mission zu unterstützen, sind bewundernswert.
Die Prämisse, den eigenen Mord aufzuklären, bevor man stirbt, ist grandios und sorgt für eine einzigartige Spannung. Man rätselt mit Jet und Billy mit, wird auf falsche Fährten gelockt und staunt über die Verstrickungen. Der Fall ist clever konstruiert und die Auflösung schlüssig, auch wenn das Ende, nach all den Wendungen, vielleicht nicht ganz so spektakulär ausfällt, wie man es sich erhofft. Trotzdem bleibt die Geschichte lange nach dem Lesen im Kopf und lädt zum Nachdenken ein.
"Not Quite Dead Yet" ist ein packender und emotionaler Thriller, der mit seiner originellen Idee und den vielschichtigen Charakteren überzeugt. Holly Jackson beweist einmal mehr ihr Talent, spannende Geschichten zu erzählen und dabei auch tiefgründige menschliche Emotionen zu beleuchten. Ein absolutes Leseerlebnis für alle, die gerne miträtseln und sich von unkonventionellen Helden mitreißen lassen.