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Veröffentlicht am 21.07.2022

Gefahr in der Todeszone

Der Aufstieg – In eisiger Höhe wartet der Tod
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"Der Aufstieg" von Amy McCulloch ist ein Thriller, der in der Bergsteiger-Szene spielt. Die Atmosphäre dort am Berg, die nötige Organisation und auch die Folgen des Massentourismus werden hier gut mit ...

"Der Aufstieg" von Amy McCulloch ist ein Thriller, der in der Bergsteiger-Szene spielt. Die Atmosphäre dort am Berg, die nötige Organisation und auch die Folgen des Massentourismus werden hier gut mit eingebunden, aber nicht thematisiert.
Cecily ist Journalistin und hat auch schon erste Erfahrungen am Berg gesammelt, leider nicht nur positive. Durch ihren Bericht darüber ist sie dem berühmten Bergsteiger Charles McVeigh aufgefallen und er hat ihr ein Exclusivinterview zugesichert, wenn sie ihn bei der letzten Etappe seiner Challenge begleitet. Diese besteht darin, alle vierzehn Achttausender innerhalb eines Jahres zu besteigen, alpin. Der letzte Gipfel soll der Manaslu werden.
Schon im Basislager geschieht ein tragisches Unglück und Cecily fühlt sich sehr schnell bedroht. Bald schon vertraut sie niemand mehr vollständig und Vertrauen ist bei einem solchen Projekt schon lebenswichtig.
Von der ersten Seite an hatte mich diese Welt der Berge und Gipfel gefangen genommen. Man merkt auch sehr deutlich, dass die Autorin hier weiß, wovon sie schreibt. Die Szenen am Berg und in den Lagern sind unglaublich echt und realistisch beschrieben. Die Strapazen, der Zusammenhalt im Team und auch das sehr durchwachsene Trainingsniveau der einzelnen Teilnehmer spielen genauso eine Rolle wie das unberechenbare Wetter am Berg und der Sauerstoffmangel in der Todeszone.
Für mich stand das alles mehr im Mittelpunkt, als die Flucht vor einem Mörder und die Enttarnung dessen und deshalb hat mir dieses Buch auch sehr gut gefallen. Wem es mehr um die Aspekte des Thrillers geht, dem wird das hier wahrscheinlich zu detailliert und langatmig. Ich lese gerne solche sportlichen Geschichten und diese hier war sehr spannend geschrieben.

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Veröffentlicht am 19.07.2022

Abschied eines Sohnes

Die Schuhe meines Vaters
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"Die Schuhe meines Vaters" von Andreas Schäfer ist ein Abschied des Autors von seinem Vater. Es ist ein Abschied, der sehr viel von einem Kennenlernen hat und das macht dieses Buch zu etwas Besonderem.
Der ...

"Die Schuhe meines Vaters" von Andreas Schäfer ist ein Abschied des Autors von seinem Vater. Es ist ein Abschied, der sehr viel von einem Kennenlernen hat und das macht dieses Buch zu etwas Besonderem.
Der Vater wohnt in Frankfurt und kommt im Sommer 2018 zu seinem Sohn zu Besuch nach Berlin. Er erzählt von einer geplanten Biopsie, die nach einer überstandenen Krebserkrankung nötig wird. Er stuft sie nicht als bedrohlich ein und möchte auch keine Begleitung dabei. Für alle ist es ein Schock, als dann der Arzt anruft und den Sohn vor die Entscheidung stellt, wann das künstliche Koma zu beenden ist, also wann die Maschinen abgestellt werden und der Vater sterben wird.
Der Sohn fährt natürlich sofort hin und begibt sich auf Spurensuche, auf eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise in seine eigene Kindheit, und noch weiter zurück. Er macht sich auf, um seinen Vater kennenzulernen, ehe er ihn loslassen, ihn gehenlassen kann.
Mir gefällt sehr, dass er die Erzählung von beiden Seiten angeht, er berichtet über seine eigenen Gefühle, seinen eigenen Schockzustand, seine Wut, seine Trauer, seine Hilflosigkeit. Er erzählt, was er dafür tut, damit zurechtzukommen, um zu überleben, um mit diesem Verlust, dieser Verantwortung weiterleben zu können.
Und er erzählt vom Vater, von der gemeinsamen Zeit und seinen Erinnerungen daran. Diese Erinnerungen werden nicht beschönigt, es kommt gut heraus, dass das Vater-Sohn-Verhältnis ein eher schwieriges war und es wird auch gut begründet, warum das so war. Der Vater war ein Mensch mit Stärken und auch Schwächen, er hat viel erlebt in seiner Jugend, erlitt ein Trauma durch den Krieg, das er nie überwand und an seine Familie weiterreichte. Vieles was der Autor sich jetzt erschließt, hätte er gerne eher gewusst und mit dem Vater besprochen, das liest man aus vielen seiner Worte und kann das gut verstehen.
Der Autor und auch das Buch finden einen versöhnlichen Abschluss, der Kreis des Lebens schließt sich hier wieder und ich bin sehr dankbar, diese Geschichte erfahren zu haben.
Das Buch hat mich emotional tief berührt, zum nachsinnen angeregt und Gespräche angeregt, es hat mich traurig gemacht und mit Schmerz erfüllt, mir aber auch wieder den nötigen Trost gespendet. Eine klare Empfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 18.07.2022

Schwieriges Thema

Blindfisch
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"Blindfisch" von Karen-Susan Fessel ist ein ganz besonderes Buch über einen Jungen und seinen Umgang mit dem seltenen Usher-Syndrom und Diversität.
Die Erkrankung von Lon ist sehr selten und sie schädigt ...

"Blindfisch" von Karen-Susan Fessel ist ein ganz besonderes Buch über einen Jungen und seinen Umgang mit dem seltenen Usher-Syndrom und Diversität.
Die Erkrankung von Lon ist sehr selten und sie schädigt das Innenohr und auch die Augen. Im schlimmsten Fall wird man komplett gehörlos und blind. Lon weiß das alles und ich finde diese Vorstellung so absolut schwer vorstellbar.
Hier begleiten wir Lon über einige Monate auf seinem Weg mit der Erkrankung umzugehen und sich den Folgen zu stellen. Er versucht mit allen Mitteln sich seinen "Normalzustand" noch zu bewahren, das heißt, er will niemanden von seinen zunehmenden Einschränkungen wissen lassen. Nicht seinen besten Freunden, nicht seinem Arzt und schon gar nicht seinen Eltern. Das gelingt ihm zunehmend schlechter.
Die Kapitel sind teilweise sehr kurz und lassen sich schnell lesen. Erzählt wird aus der Sicht von Lon, die Beschreibungen sind teils sehr gut gelungen, manchmal fühlt man sich gemeinsam mit ihm verloren. Lon versucht verzweifelt keine negativen Gefühle aufkommen zu lassen, sondern sich an die normalen Dinge zu klammern, die seine Freunde bewegen und wichtig finden. Also Liebe, Jungs, Mädchen, Klassenfahrten, einfach leben.
Der Nachteil dieser Sichtweise ist, dass Lon einem emotional fremd bleibt, er bleibt für den Leser der Außenseiter, der er nicht sein will.
Ich kann die Gedanken von Lon gut nachvollziehen, viele seiner Handlungen und Entscheidungen aber nicht verstehen. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, nur das Ende gefiel mir nicht, das war mir zu positiv für dieses schwere Thema.

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Veröffentlicht am 18.07.2022

Nachhaltig gärtnern und schützen

Market Gardening & Agroforst
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"Market Gardening & Agroforst" von Leon Schleep ist ein wirklich sehr informativer Ratgeber.
Schon der Untertitel „Von Gemüse und Bäumen, Grundlagen und Vorbildern oder: Wie du mit Bäumen deinen Gemüsebetrieb ...

"Market Gardening & Agroforst" von Leon Schleep ist ein wirklich sehr informativer Ratgeber.
Schon der Untertitel „Von Gemüse und Bäumen, Grundlagen und Vorbildern oder: Wie du mit Bäumen deinen Gemüsebetrieb super resilient machst" sagt viel über den Inhalt aus. Dieses Buch richtet sich an alle, die überdenken wollen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden und wie das umweltschonender und besser ginge. Vor allem richtet es sich aber an Menschen, die selber etwas dazu tun wollen und sich ihre eigenen Lebensmittel und das in etwas größerem Umfang anbauen wollen.
Das Buch kann von vorne bis hinten oder auch kapitelweise gelesen werden, es vermittelt sehr viel Fachwissen und Grundlagen zum Agroforstsystem mit den vielen verschiedenen Möglichkeiten. Angereichert wird diese ganze Theorie mit vielen Fotos und auch Zeichnungen und Infotafeln zum besseren Verständnis.
Ganz deutlich wird hier, dass sich Klimaschutz und Produktivität nicht widersprechen müssen, es muss nur alles ganzheitlich betrachtet werden. Hier gibt es sehr viele Anregungen dazu, die man auch nur in Teilen, entnehmen und umsetzen kann. Der Autor macht Mut mit Beispielprojekten und erzählt von seinen Anfängen.
Gedacht ist dieser Ratgeber eher für größere Anlagen, aber auch der Kleingärtner kann hieraus wichtiges Wissen in der Theorie und Anwendungsbeispiele für die Praxis entnehmen. Von mir eine absolute Empfehlung für alle Neulinge und Profis im Gartenbau.

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Veröffentlicht am 17.07.2022

Grenzen nicht nur in den Köpfen

Grenzgebiet
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"Grenzgebiet" von Frank Neugebauer ist ein Kriminalroman, aber eigentlich ist es noch soviel mehr. Der Autor nimmt uns hier mit auf eine Zeitreise, in ein zweigeteiltes Deutschland und dort direkt an die ...

"Grenzgebiet" von Frank Neugebauer ist ein Kriminalroman, aber eigentlich ist es noch soviel mehr. Der Autor nimmt uns hier mit auf eine Zeitreise, in ein zweigeteiltes Deutschland und dort direkt an die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten.
Kriminalhauptkommissarin Eva Stein und ihr Kollege Neumann finden einen Toten an einem See in Neubrandenburg, im Jahr 2020. Mit der Klärung der Identität des Toten kommen immer neue Fragen auf das Ermittlerteam zu. Die Spuren führen in ein Kampfhubschraubergeschwader der NVA, dass es nach der Wende nicht mehr gab. Aber es gibt immer noch Zeitzeugen, die da gearbeitet und gelebt haben und mit dieser Spurensuche führt uns der Autor in die Vergangenheit und in das Leben und die Köpfe der Menschen dort.
Große Teile des Buches spielen auch in dieser Vergangenheit, 1986, und es ist alles so lebensecht und realistisch beschrieben, dass ich die Szenen und Gespräche direkt vor Augen hatte. Mir hat gut gefallen, wie hier das Leben und die Arbeitsumstände beschrieben werden, man versteht sehr gut, wie sich der vorliegende Konflikt aufbaut und wie der Protagonist damit umgegangen ist. Erlebte Geschichte, die sehr spannend aufgearbeitet wurde.
Es ist ein Krimi und fiktiv, aber ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass viele Szenen mit den Kollegen und der Stasi und auch innerhalb der Familien genauso abgelaufen sein könnten und auch die Ermittler haben sich ganz langsam die Geschichte hinter dem Verbrechen erarbeitet. Gut gefallen hat mir auch, dass das Ende so nicht vorhersehbar war.
Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich dieses Buch gefesselt, der Schreibstil ist gut zu lesen, sachlich und doch sehr spannend. Ganz nebenbei erfährt man einen Teil der deutsch-deutschen Geschichte und Vergangenheit. Ganz klare Leseempfehlung von mir, nicht nur für Krimi-Fans.

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