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Veröffentlicht am 23.10.2020

Ein stimmiges und tolles Finale

Die Schokoladenvilla – Zeit des Schicksals
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In den letzten Tagen hatte ich leider nicht so viel Lesezeit wie sonst, so dass ich länger als üblich an diesem Roman las. Das Gute daran: ich konnte somit den Abschied von den Rothmanns herauszögern. ...

In den letzten Tagen hatte ich leider nicht so viel Lesezeit wie sonst, so dass ich länger als üblich an diesem Roman las. Das Gute daran: ich konnte somit den Abschied von den Rothmanns herauszögern.

Denn dass man die Figuren lieb gewonnen hat und mit ihnen mitfühlt, merkt man dank des packenden Schreibstil der Autorin schnell. So war ich bei weitem nicht die einzige Leserin, die, als man am Anfang dieses dritten Bandes vom Tode Victors erfährt, um ihn trauerte und kurz mal das Buch weglegte.

Und später würde man die Protagonisten am liebsten warnen, wenn sie unkoscheren Gestalten begegnen und möchte ihnen zurufen: "nehmt euch in Acht, passt auf!". Und zwar in mehr als nur einer Situation. Judith wird zum Beispiel von einem Nationalsozialist gedrängt, die Schokoladenfabrik zu verkaufen, denn sie als Frau könne die Firma schliesslich nicht führen. Ihr wird gedroht, wenn sie es nicht tue, werde sie enteignet. Ja, die Zeiten sind nicht gut anno 1936, das spüren alle Beteiligten. Die Familie Rothmann und ihre Freunde überlegen sich deswegen weitere Schritte und so steht neben Stuttgart neu Paris, Zürich und New York auf dem Plan.

Die Vorgeschichte zu Band 3, die es ausschliesslich als eBook gibt (dafür gratis - die sollte man sich gönnen!), erzählt kurz von Victorias Erlebnissen in Frankreich. Aufgrund Victors Tod ist Victoria gerade wieder nach Hause zurück gekehrt, packt aber schon bald wieder die Koffer. Zusammen mit Andrew Miller reist sie nach New York, um dort seine Firma genauer anzuschauen, um gegebenenfalls noch länger in das amerikanische Unternehmen zu investieren. Doch irgendwas ist faul mit Millers SweetCandy. Victoria versucht herauszufinden, was wirklich falsch läuft, daneben baut sie sich mit Event-Catering ein zweites Standbein auf. Diese Buffets, die sie für die New Yorker High Society gestaltet, hätte ich gerne gesehen - und mich natürlich noch viel lieber tüchtig durch all die innovativen Schoggi-Kreationen durchprobiert.

Ich fand es sehr spannend, die Vorkommnisse in New York zu lesen, denn sie kommen einem Krimi nahe. Dennoch fehlen auch hier in "Zeit des Schicksals" die historischen Komponenten nicht: Personen, Dinge oder Geschehnisse der 30er Jahre, die, im Gegensatz zum zweiten Band hier genau in richtigem Masse, perfekt in die Geschichte verwebt wurden und somit auch diesen dritten Band interessant und lehrreich machen.

Als Leser weiss man, dass sich hier im finalen Teil alles aufklären muss, was in den Vorgängerbänden noch nicht geklärt wurde. Ich erwartete es zumindest, und freute und fürchtete mich fast schon gleichzeitig darauf - man weiss ja nie wie die jeweiligen Personen reagieren.

Maria Nikolai hat dies gekonnt gemeistert und sie legt hier einen sehr schönen und tollen Abschluss ihrer Trilogie vor, bei dem man einfach begeistert sein muss.

Fazit: Es heisst Abschied nehmen von den Rothmanns - aber man freut sich auch mit ihnen über das sehr stimmige Finale.
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 21.10.2020

Kurzweiliger Vorweihnachtskrimi

Isola Mortale
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Beim ersten Band "Lago Mortale" habe ich einen Ermittler, der mit sich uneins ist, einen langweiligen Fall und zu ausschweifende Landschaftsbeschreibungen kritisiert.

In "Isola Mortale", dem zweiten ...

Beim ersten Band "Lago Mortale" habe ich einen Ermittler, der mit sich uneins ist, einen langweiligen Fall und zu ausschweifende Landschaftsbeschreibungen kritisiert.

In "Isola Mortale", dem zweiten Band dieser Krimiserie von Giulia Conti, ist Simons Privatleben viel besser in die Handlung integriert und steht nicht so extrem im Vordergrund wie noch im ersten Band. Simon hat sich mittlerweile selbst gefunden, ist rein mit sich und der Welt. Troubles gibt es höchstens noch mit den drei Frauen in seinem Leben: Luisa, Carla und seine Ziehtochter Nicola. Dass letztere oft Nico gerufen wird hat mich aber irritiert, denn Nico ist hierzulande ein Bubenname.

Auch der Kriminalfall hat mir um Längen besser gefallen als der öde erste Fall. Eine junge Frau wird tot am Ufer des Lago d'Orta aufgefunden. Es stellt sich heraus, dass sie nicht einfach nur ertrunken, sondern getötet wurde. Da die Frau nicht nur Nonne, sondern auch Deutsche ist, wird Simon beigezogen. Mittlerweile ist der Journalist offizieller Übersetzer, so dass er mehr oder weniger legal mit Kommissarin Carla Moretti ermitteln darf.

Blöd nur, dass Simons Freundin Luisa aus Deutschland angereist ist, um die Feiertage bei Simon zu verbringen. Viel Zeit haben die beiden nicht zusammen, da ihnen Carla, beziehungsweise der Leichenfund, dazwischen grätscht. Aber Luisa ist milde gestimmt und hilft auf ihre Art auch ein wenig mit.

Der Fall um die Nonne und ihre vor Jahren verschwundene Mutter ist interessant aufgemacht. Giulia Conti liefert hier einen unterhaltsamen Krimi - bester Zeitpunkt für die Lektüre ist die Vorweihnachtszeit - bei dem alle Komponenten ausgewogen aufgeteilt sind. Landschaftlich stechen die piemontesischen Reisfelder heraus, die vielen Lesern unbekannt sein dürften.

Fazit: Diesen kurzweiligen zweiten Teil hab ich gerne gelesen und freue mich auf einen allfälligen dritten Teil - dies hätte ich nach der Lektüre des ersten Bandes noch nicht gesagt.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 20.10.2020

Ein Blick hinter die Sonnenbrille

Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne (Ikonen ihrer Zeit 2)
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Wahrscheinlich kennen die meisten von uns Bilder von Audrey Hepburn, die mit grosser Sonnenbrille und kleinem Schwarzen von Fotos lächelt. Ich kenne ausserdem einige ihrer Filme und wusste aus Interviews, ...

Wahrscheinlich kennen die meisten von uns Bilder von Audrey Hepburn, die mit grosser Sonnenbrille und kleinem Schwarzen von Fotos lächelt. Ich kenne ausserdem einige ihrer Filme und wusste aus Interviews, dass sie gerne kocht und Pasta isst.

Aber erst durch "Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne" hab ich erfahren, dass Audrey ihren Hauptwohnsitz in der Schweiz hatte und nur teilweise in Rom wohnte - ich dachte, es wäre genau umgekehrt. Und dass sie mit Mel Ferrer, für den meine Tanten schwärmten, verheiratet war, war mir auch nicht bekannt - das war aber vor meiner Zeit, deshalb meine Lücken.

Um diese Lücken zu füllen und weil mich die private Audrey interessierte, wollte ich diese Romanbiografie von Juliana Weinberg unbedingt lesen. Die Autorin erzählt beginnend mit Audreys Teenagerjahren während den Kriegsjahren ab 1944 bis zum Jahre 1979, als Audrey doch noch die Liebe erleben durfte, nach der sie sich ihr Leben lang sehnte.

Dass hinter der strahlenden Frau mit den braunen Augen eine teils naive (in Bezug auf Männer) und eine sehr traurige (kein Kontakt mit ihrem Vater, der die Familie verliess und das Erleiden einiger Fehlgeburten) Audrey stand, die sich nichts sehnlicher wünschte als Zuhause bei der Familie zu sein, erlebt man auf den über 600 Seiten hautnah mit.

Ausführlich, und dank des flüssigen Schreibstils ohne Längen, lernen die Leserinnen eine Audrey Hepburn abseits ihrer Berühmtheit kennen - sehr privat und verletzlich, aber auch enorm fleissig und konzentriert.

Fazit: Es hat sich gelohnt diesen Roman zu lesen und dadurch einen Blick hinter Audreys Sonnenbrille zu werfen - ich kann nur empfehlen, es mir nachzumachen und sich diese Lektüre zu gönnen.
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 07.10.2020

Sag es mit einem Lied

White Christmas – Das Lied der weißen Weihnacht
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Bücher über Weihnachtslieder kenne ich als Bilderbücher, über "Stille Nacht" zum Beispiel. Aber bisher noch nicht als Roman - wie dieser hier zum Entstehen des erfolgreichsten und beliebtesten Weihnachtssong ...

Bücher über Weihnachtslieder kenne ich als Bilderbücher, über "Stille Nacht" zum Beispiel. Aber bisher noch nicht als Roman - wie dieser hier zum Entstehen des erfolgreichsten und beliebtesten Weihnachtssong und der meistverkauften Single aller Zeiten. Wenn dieser Roman dann auch noch von Michelle Marly ist (ich sag nur Coco Chanel und Edith Piaf), und erst noch mit einem tollen Cover versehen, kann ich einfach nicht widerstehen.

Jedes Kapitel ist mit einem Songtitel von Irving Berlin versehen, so bekommt man ganz nebenbei Informatives über die Werke des Komponisten mit.

Nach dem Prolog beginnt die Geschichte an Weihnachten 1937, als Irving im sommerlichen Beverly Hills zwischen Swimming Pool und Palmen arbeitet und sich nach New York sehnt. In Rückblicken wird nun die praktisch unerreichbar scheinende Liebesgeschichte zwischen ihm und Ellin Mackay erzählt.

Ellin Mackay hält nicht viel von den Gesellschaften, an denen sie teilnehmen muss und nimmt nur widerwillig die Einladung zu einem Abendessen an. Doch ihr Tischnachbar erweist sich als intelligent, amüsant und erfrischend anders, als sie erst dachte - es ist Irving Berlin. Ellin trifft sich mit ihm und verliebt sich schon bald. Doch ihr Vater und ihre Grossmutter sind nicht einverstanden mit dieser Liaison, denn ein Komponist wollen sie nicht an der Seite ihrer Tochter und Enkelin sehen. Komponisten führen sicherlich ein ausschweifendes Leben, ausserdem ist er 15 Jahre älter und Jude und somit ist eine Hochzeit mit einer irischen Katholikin der New Yorker High Society für ihn somit ausgeschlossen - so die Vorurteile von Ellins Vater.

Spannend erzählt Michelle Marly von Ellins Gefühlen, ihrem Zwiespalt zwischen elterlichem Gehorsam, Familientreue und dem Ruf ihres Herzens folgen. Als Leser weiss man nie, wie ihre Geschichte am Ende ausgehen wird. Wenn ihr also nicht bereits mehr über Irving Berlin oder Ellin Mackays Biografie wisst, liest nichts nach, sondern lasst euch von "White Christmas" überraschen.

Mir gefiel, dass Ellin den Mut hatte, sich auf einer Reise nach Europa quasi abzusetzen und nach Israel zu reisen, um dort das Judentum besser kennen zu lernen, obwohl Irving nie in Israel lebte. Die Autorin zeigt hier, wie wenig die Gesellschaft damals über die Gemeinsamkeiten von Judentum und Christentum wusste und erklärt Dinge, die leider auch heutzutage vielen nicht bekannt sind. Mein Theologenherz hüpfte dabei.

Die Geschichte dieser beiden interessanten und loyalen Menschen hat mir super gut gefallen, und ich kann mir sehr gut vorstellen, sie an einem Dezembertag kurz vor Weihnachten erneut zu lesen. Dann natürlich mit dem titelgebenden Lied in Dauerschleife.

Fazit: "White Christmas" ist eine tolle Liebesgeschichte, wunderbar erzählt - die muss man in diesem Advent einfach lesen!
5 Punkte.

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Veröffentlicht am 02.10.2020

Kronenraub und Serienmörder - Jackie findet sie alle

Mord beim Diamantendinner - Ein Fall für Jackie Dupont
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Zuerst beim Fürst von Monaco, jetzt beim Prinz im Buckingham Palast - Jackie Dupont hat sich einen Namen gemacht im Diamanten aufspüren, deshalb wird sie nun gerufen, um einen Kronen-Diebstahl aufzuklären. ...

Zuerst beim Fürst von Monaco, jetzt beim Prinz im Buckingham Palast - Jackie Dupont hat sich einen Namen gemacht im Diamanten aufspüren, deshalb wird sie nun gerufen, um einen Kronen-Diebstahl aufzuklären.

Kurzerhand quartiert sie sich beim Duke of Surrey, bei Christopher, auch Kit genannt, ein. Seine Bediensteten freuen sich, dass die Duchess wieder zuhause ist - und nehmen sie auch als Jackie an. Wieso Kits Frau Diana Gould nach 9 Jahren wieder aufgetaucht ist und als Privatermittlerin Jackie amtet, wird leider auch in diesem zweiten Band nicht aufgelöst.

Kit vermutet eine Persönlichkeitsstörung, die laut seinem Psychologen nach solch einer Tragödie wie dem Titanic-Untergang durchaus möglich sein könnte. Aber vielleicht spielt Jackie ja einfach ein doppeltes Spiel? Nachdem ihre Grossmutter Maria Dalton auch noch einige Tage in London weilt und sich manchmal nicht als so schwerhörig scheint, wie sie immer sagt, könnte das doppelte Spiel durchaus in der Familie liegen.

Der Fall um die verschwundene Krone erinnert an Krimis von Anne Perry: ein Raum, viele Verdächtige. Und es wird spannend, denn es bleibt nicht beim Diebstahl, einige der Beteiligten sind sich ihrer Leben auf einmal nicht mehr sicher. Etliche Verstrickungen untereinander machen es für einmal auch Jackie schwer, herauszufinden was tatsächlich geschah.

"Mord beim Diamantendinner" unterhält auf eine besondere Art, denn Jackie übertreibt einfach alles. Ihre "Memoiren", also Kapitel, die aus ihrer Sicht geschrieben sind, wechseln sich mit der allgemein erzählten Geschichte ab. Manchmal wurde ich bei Jackies Gedankengängen ungeduldig, die hätte ich nicht ganz so ausführlich besser gefunden.

Am besten hat mir Kit gefallen, der Arme hat einerseits seine Frau zurück und andererseits doch nicht. Genauso fühlt er sich auch: manchmal hat er genug und findet, Jackie soll mit ihrem Spiel endlich aufhören, dann wiederum ist er einfach nur froh, dass Diana in Gestalt von Jackie da ist und kann über ihre Sperenzien hinweg sehen. Immerhin ermittelt er quasi Schulter an Schulter mit Jackie und ist ihr nahe.

Es ist ein unterhaltender zweiter Teil, mit ein paar Längen und auch wenn mir das Setting in Monaco besser gefallen hat - in London sind einfach schon viel zu viele Krimis angesiedelt. Deshalb hoffte ich im Stillen, dass Jackie nur in Monaco ermittelt, denn diese Verbindung hat den ersten Band unter anderem so speziell gemacht.

Fazit: Bereit für Ermittlungen im Kronenraub? Jackie Dupont ist es und bringt ganz nebenbei auch einen Serienmörder zu Fall.
4 Punkte.

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