zwischen allen Welten
Yesteryear
Natalie lebt ein nach außen perfektes Leben: Influencerin, glücklich verheiratet, eine Horde glücklicher, wohlerzogener Kinder, fest geerdet im christlichen Glauben. Schaut man jedoch genauer hin, werden ...
Natalie lebt ein nach außen perfektes Leben: Influencerin, glücklich verheiratet, eine Horde glücklicher, wohlerzogener Kinder, fest geerdet im christlichen Glauben. Schaut man jedoch genauer hin, werden die Schattenseiten deutlich. Sie erntet Hate, ihr Leben als „Tradwife“ wird belächelt, ihre älteste Tochter erfährt hierüber mehr, als sie trotz Handyverbot sollte und Natalie selbst ist nicht so reinen Gedankens, wie man meinen (und sie selbst wollen) sollte. Dennoch glänzt die Fassade. Bis Natalie eines Tages aufwacht und sich in genau dem Leben wiederfindet, von dem sie Ihren Kindern als „stellt euch mal vor, wie es früher war… würdet ihr so leben wollen?“-Geschichte erzählt hat. Sie ist zwar noch sie selbst, aber ihr Leben ist nicht mehr ihres, auch wenn es nach außen so wirkt.
Ich war selbst überrascht, wie sehr mich das Buch von der ersten Seite an gefesselt hat. Obwohl es nicht meinen üblichen Genre entspricht. Obwohl es nicht spannend im klassischen Sinne ist. Obwohl vieles nicht gesagt sondern „nur“ unterschwellig gezeigt wird. Aber die Sprache, der Stil, die Einblicke in Natalies Vergangenheit und gegenwärtige Gedankenwelt sind einfach interessant. Klar ist auch Neugier dabei und Senstationslust, auch ich wollte wissen, ob und wann und wie ihre Fassade zu bröckeln beginnt und was man auf der anderen Seite des Contents eben alles nicht mitbekommt.
Aber die überaus geschickte Verwebung von Gegenwart, Vergangenheit und Natalies beiden Lebenswelten führt dazu, dass man einfach wissen möchte, was als nächstes kommt.
Natalie selbst ist definitiv nicht die sympathischte Person. Und dennoch möchte man mehr von ihr und über sie erfahren. Die darüber liegende Geschichte tut ihr Übriges, dass man herausfinden möchte, was und wie da bitteschön passiert ist. Und irgendwie unterschwellig die ganze Zeit darüber nachdenkt.
Man schaut Natalie zu, als wäre sie eine Filmfigur, die ab und zu die vierte Wand durchbricht und der man beim Denken zuhören kann.
Daher nicht abwechslungsreich im eigentlichen Sinne, aber durchaus spannend, unterhaltsam und vor allem gut geschrieben.