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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.05.2023

Einzigartiger Schreibstil und ein origineller Protagonist

Mr. Loverman
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Seit frühester Jugend liebt Barrington seinen Freund Morris, was zwar auf Gegenseitigkeit beruht, jedoch in den 1950ger Jahren in ihrer Heimat Antigua auf gar keinen Fall publik werden durfte. Inzwischen ...

Seit frühester Jugend liebt Barrington seinen Freund Morris, was zwar auf Gegenseitigkeit beruht, jedoch in den 1950ger Jahren in ihrer Heimat Antigua auf gar keinen Fall publik werden durfte. Inzwischen ist Barry Mitte siebzig und lebt bereits seit fünfzig Jahren in London, genau so lange ist er auch schon mit Carmel verheiratet. Als seine von der Ehe bitter enttäuschte Frau zu ihrem sterbenden Vater reist, beschließt Barry, dass es an der Zeit ist, sich scheiden zu lassen und endlich offen mit Morris zusammen zu leben. Doch wird es ihm gelingen, seine über die Jahre angestauten Ängste und Vorbehalte zu überwinden und sich vor Freunden und Familie endlich zu outen?

"Mr. Loverman" von Bernardine Evaristo ist ein Leseerlebnis, das ich recht außergewöhnlich nennen möchte. Für mich war es der erste Roman, den ich von der Autorin gelesen habe und ich war von ihrem authentischen Schreibstil sehr angetan. Mit Barry hat sie einen Protagonisten erschaffen, der mir zwar nicht in jedem Moment sympathisch war, mich aber dennoch faszinieren konnte - originell wäre meiner Meinung nach die passende Umschreibung für diesen vielschichtigen Mann, den ich als äußerst lebensecht empfunden habe. Mit seinem Humor, seinem Modebewusstsein und der Vorliebe für Shakespeare-Zitate hat er mir beim Lesen des Öfteren ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Emotional habe ich mich häufig an Barrys Seite wieder gefunden, die Autorin versteht es meisterhaft, die Zweifel und Ängste darzustellen, die er sich oft gar nicht so genau eingestehen möchte. Dabei nimmt er allerdings selten Rücksicht auf seine Mitmenschen, sogar gegenüber Morris, den er doch mehr liebt, als jeden anderen Menschen auf der Welt, verhält er sich ab und zu ziemlich unfair und selbstgerecht - gar nicht zu reden von der Frau, die er einst nur zu Alibizwecken geheiratet hat.

In die aktuelle Handlung waren immer wieder Abschnitte eingefügt, die Carmels Perspektive seit der für sie damals so hoffnungsvollen Eheschließung bis hin zur Gegenwart beleuchten. Diese Sequenzen haben meine Grundsympathie für Barry regelmäßig gedämpft, zeigen sie doch seine egozentrische Seite, der er sich selbst nicht wirklich bewusst ist. Während er die inzwischen sehr verbitterte Carmel als Strafe seines Lebens betrachtet, verschwendet er keinerlei Gedanken daran, dass er durch seine Lügen und Geheimnisse auch ihr fünfzig Jahre Lebensfreude vorenthalten hat.

Fazit: Sowohl der authentisch dargestellte Protagonist, als auch der in meinen Augen ganz besondere Schreibstil haben das Buch für mich zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis gemacht. Kleine Abstriche sehe ich in Barrys inneren Monologen, die ich etwas zu ausschweifend empfunden habe, dennoch spreche ich für dieses Buch eine unbedingte Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 09.05.2023

Emotional und mitreißend, ein ganz besonderes Leseerlebnis

The Last Piece of His Heart
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Nachdem Ronan Wentz zehn Jahre lang durch das staatliche Pflegesystem gereicht wurde, zieht er nun zu seinem Onkel - doch statt familiärer Geborgenheit, erwartet ihn hier auch nur harte Arbeit. Dennoch ...

Nachdem Ronan Wentz zehn Jahre lang durch das staatliche Pflegesystem gereicht wurde, zieht er nun zu seinem Onkel - doch statt familiärer Geborgenheit, erwartet ihn hier auch nur harte Arbeit. Dennoch lässt er es sich nicht nehmen, zur Highschool zu gehen, wie er es als kleiner Junge seiner Mutter versprochen hat. Niemand ahnt, welches Trauma Ronan mit sich trägt und dass er seit vielen Jahren keine Nacht ohne Alpträume schlafen konnte.

Shiloh dagegen lebt behütet im Haus ihrer Urgroßmutter, obwohl sie noch zur Schule geht, stellt sie kreativen Schmuck her und träumt davon, direkt nach dem Highschool-Abschluss ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Wie Ronan verbirgt sie ihre Verletzungen tief im Inneren und glaubt nicht daran, wahre Liebe zu verdienen. Doch die Gefühle, die sich zwischen ihnen entwickeln, lassen sich nicht ignorieren, wird es den beiden Außenseitern gelingen, die Narben der Vergangenheit zu überwinden?

"The Last Piece of His Heart" von Emma Scott ist der letzte Band der Lost-Boys-Trilogie. Da in jedem Buch ein anderes Paar im Mittelpunkt steht, könnte die Geschichte auch einzeln gelesen werden, ich persönlich finde es allerdings schöner, nach und nach alle Teile einer Buchreihe zu entdecken . Ronan und Shiloh hatte ich bereits in den Vorgängerbänden getroffen und gemocht, umso mehr Freude hat es mir bereitet, ihre Persönlichkeiten intensiver kennen zu lernen. Da alle drei Romane zeitgleich spielen, gab es besonders im schulischen Alltag manche Parallelen in der Handlung und ich habe es genossen, einigen bereits vertrauten Figuren erneut zu begegnen.

Den einzigartigen Schreibstil von Emma Scott kenne und liebe ich inzwischen aus vielen Büchern und auch hier war ich wieder gefesselt, begeistert und mochte den E-Reader bis zur letzten Seite kaum noch aus der Hand legen. Wer bereits Werke der Autorin gelesen hat, weiß dass ihre Figuren jedes Mal eine Achterbahnfahrt der Gefühle erleben, darauf war ich bereits eingestellt und auch ein Zeitsprung über mehrere Jahre hinweg kam für mich nicht allzu überraschend (was mich bei Millers und Violets Geschichte noch deutlich irritiert hatte). Insgesamt habe ich das Leseerlebnis geliebt, so dass ich es uneingeschränkt weiter empfehle - der einzige Wermutstropfen war für mich, dass die Trilogie beendet ist und ich die Lost Boys, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind; nicht weiter begleiten kann.

Fazit: Emotional und dramatisch, wie ich es von Emma Scott kenne und liebe, lässt sie ihre Protagonisten durch sämtliche Höhen und Tiefen gehen. Mich hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert, so dass ich dafür eine unbedingte Leseempfehlung ausspreche.

Veröffentlicht am 05.05.2023

Fantasygeschichte geprägt von derbem Humor und blutigen Kämpfen

Die Prinzessinnen: Fünf gegen die Finsternis
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Prinzessin Narvila ist reichlich verwundert, als sie von vier äußerst kampfestüchtigen Frauen befreit wird, die mit ihren Entführern kurzen Prozess machen. Noch erstaunter ist sie, als die Söldnerinnen ...

Prinzessin Narvila ist reichlich verwundert, als sie von vier äußerst kampfestüchtigen Frauen befreit wird, die mit ihren Entführern kurzen Prozess machen. Noch erstaunter ist sie, als die Söldnerinnen Aiby, Mef, Decanra und Cinn ihr mitteilen, dass sie allesamt ebenfalls Königstöchter sind. Kurz entschlossen verlässt Narvila den heimischen Palast und schließt sich den Prinzessinnen an, die ihren Lebensunterhalt mit Kämpfen gegen alle möglichen Arten von Monstern bestreiten - doch für dieses blutige Handwerk muss Narvila erst einmal kämpfen lernen und sämtliche Skrupel hinter sich lassen.

"Die Prinzessinnen: Fünf gegen die Finsternis" von Christian Endres ist eine unterhaltsame Fantasygeschichte, die sich nicht mit langem Vorgeplänkel aufhält. Ich wurde bereits mit der ersten Seite auf die Waldlichtung katapultiert, auf der Narvilas Entführer von den Prinzessinen dahin gemetzelt werden. Dieses Buch ist ganz eindeutig nichts für schwache Nerven, denn auch im weiteren Handlungsverlauf spritzt jede Menge Blut, bei jedem Kampf fallen Körperteile und quellen Gedärme aus aufgeschlitzten Leibern. Wer sich damit arrangieren kann, den erwartet ein Lesevergnügen der besonderen Art, zwischen all den vielen Schlachten gab es auch genügend Szenen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. .

Die Fantasywelt, durch die sich die Prinzessinnen prügeln, hauen und stechen, war in meinen Augen deutlich mittelalterlich angehaucht, dazu passte auch der raue Umgangston - die hochwohlgeborenen Damen pflegten ein derbes Vokabular und zotigen Humor. Nichtsdestotrotz fand ich jede Prinzessin auf ihre eigene Weise sympathisch, zwischen den aktuellen Abenteuern waren immer wieder Kapitel eingeschoben, die Rückblenden in die Vergangenheit zeigten, so dass ich das Gefühl hatte, die Protagonistinnen immer besser kennen zu lernen. Die Figuren, sowohl die menschlichen, als auch die große Auswahl an Fantasywesen, waren meiner Meinung nach authentisch und lebensecht dargestellt, den Schreibstil habe ich als sehr fesselnd empfunden. Lediglich eine der Kampfszenen zog sich für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge, davon abgesehen habe ich mich wunderbar unterhalten gefühlt, so dass ich für das Buch gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Diese Prinzessinnen weichen von jedem rosaroten Klischee ab, sie kämpfen blutrünstig und fluchen dabei wie die sprichwörtlichen Bierkutscher. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, den erwartet mit diesem Roman prächtige Unterhaltung und derber Humor, das einzigartige Lesevergnügen empfehle ich gern weiter.

Veröffentlicht am 24.04.2023

Fesselnde Familiengeschichte in einzigartigem Schreibstil

Malibu Rising
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Malibu 1983, wie in jedem Jahr gibt Nina Riva ihre berühmte Party, zu der niemals jemand eingeladen wird, dennoch finden sämtliche Stars und Sternchen den Weg dorthin. Nachdem Nina von ihrem Mann verlassen ...

Malibu 1983, wie in jedem Jahr gibt Nina Riva ihre berühmte Party, zu der niemals jemand eingeladen wird, dennoch finden sämtliche Stars und Sternchen den Weg dorthin. Nachdem Nina von ihrem Mann verlassen wurde, hält sich ihre Partystimmung zwar in Grenzen, aber das Bademodenmodell sieht es als ihre unverrückbare Pflicht an, das jährliche Event zu zelebrieren. Auch ihre Geschwister Jay, Hud und Nesthäkchen Kit sehen dem Tag mit sehr unterschiedlichen Gefühlen entgegen, obwohl keiner ahnt, wie sehr sich ihr Leben tatsächlich verändern wird.

"Malibu Rising" von Taylor Jenkins Reid erzählt die Familiengeschichte der Riva-Geschwister in so einzigartigem, fesselnden Schreibstil, dass ich das Buch bis zur letzten Seite kaum aus der Hand legen mochte. Wer, wie ich, "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" gelesen hat, dem wird der Name Mick Riva etwas vertraut vorkommen. Obwohl es sich bei den vier Protagonisten um Micks Kinder handelt, taucht er selbst ebenfalls häufig in der Handlung auf, denn beinahe jedes zweite Kapitel zeigt die Vergangenheit, wie sich June und Mick Riva seinerzeit kennen gelernt haben und beleuchtet die Kindheit der Geschwister Riva. Dadurch hatte ich den Eindruck, die Figuren nach und nach sehr intensiv kennen zu lernen und war emotional ausgesprochen involviert.

Bereits zu Beginn lässt die Autorin ihre Leser wissen, wie die Partynacht enden wird, dennoch fand ich den Weg dorthin in keiner Weise vorhersehbar, die Spannung hielt sich meiner Meinung nach auf einem konsequent hohen Niveau. Die Konflikte werden ebenfalls sehr zeitig in der Geschichte dargestellt, aber erst durch das langsame Eintauchen in die verschiedenen Persönlichkeiten hat sich mir die Tragweite wirklich erschlossen. Diesen Roman habe ich als sehr besonderes Lesevergnügen empfunden, für mich wird es sicherlich nicht das letzte Buch der Autorin sein, so dass ich eine begeisterte Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Mein zweites Buch von Taylor Jenkins Reid hat mich wieder durch den außergewöhnlichen Schreibstil und das intensive Eintauchen in das Leben ihrer Figuren gefesselt und begeistert, dieses einzigartige Leseerlebnis empfehle ich gern weiter.

Veröffentlicht am 20.04.2023

Spannend und fantasievoll

Das Lied der Krähen
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Kaz Brekker ist in der Unterwelt Ketterdams berühmt und berüchtigt, bereits in jungen Jahren hat er sich einen Namen als skrupelloser Handlanger eines Bandenchefs gemacht. Als ein Vertreter des Kaufmannsrates ...

Kaz Brekker ist in der Unterwelt Ketterdams berühmt und berüchtigt, bereits in jungen Jahren hat er sich einen Namen als skrupelloser Handlanger eines Bandenchefs gemacht. Als ein Vertreter des Kaufmannsrates an ihn heran tritt und unermesslich viel Geld anbietet, damit er einen Gefangen aus dem als uneinnehmbar geltenden Eistribunal in Fjerdan befreit, stellt Kaz ein Team zusammen - jede der sechs komplett verschiedenen Personen hat einen ganz persönlichen Grund, sich an diese scheinbar unmögliche Mission zu wagen.

"Das Lied der Krähen" von Leigh Bardugo ist der erste Band der Krähen-Dilogie, zeitlich folgt das Buch auf die Grisha-Trilogie. Zum Verständnis ist es zwar nicht unbedingt notwendig, die Grisha-Romane zu kennen, ich persönlich mag es aber sehr, immer wieder in die selbe Buchwelt einzutauchen, zumal die Autorin hier ein äußerst komplexes Universum geschaffen hat. Die Figuren sind in meinen Augen umfassend und authentisch dargestellt, durch die häufigen Perspektivwechsel hatte ich den Eindruck, sie alle nach und immer besser kennen zu lernen - von Anfang an war ich emotional an ihrer Seite und es hat mir Freude gemacht, sie während ihres Abenteuers zu begleiten.

Den Schreibstil der Autorin kenne und liebe ich bereits aus mehreren Büchern und auch dieses hat mich von der ersten bis zur letzten Zeile gefesselt und begeistert. Der Hintergrund ist so farbenfroh und fantasievoll beschrieben, dass ich die Handlung beinahe wie einen Film vor meinem geistigen Auge ablaufen lassen konnte, die Spannung hat sich auf einem konsequent hohen Niveau durch die gesamte Geschichte gezogen. Jedes Kapitel ist aus dem Blickwinkel einer anderen Figur verfasst, so dass es immer wieder kleine Cliffhanger gab und ich das Buch am Liebsten in einem Rutsch durch gesuchtet hätte. Insgesamt bietet dieser Roman fantastische Unterhaltung in einer wunderbar komplexen Fantasywelt, für diese mitreißende Lektüre spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Fantasievoll und farbenfroh nimmt Leigh Bardugo ihre Leser mit in ein spannendes Abenteuer. Zeitlich ist dieses Buch nach der Grisha-Trilogie einzuordnen, es kann aber auch ohne Kenntnis des Grishaverse gelesen werden. Das fantastische Leseerlebnis hat mich auf jeder einzelnen Seite bezaubert, so dass ich es gern weiter empfehle.