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Veröffentlicht am 14.08.2019

Zu oberflächlich

Ein Cottage für deinen Sommer
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Der amerikanische Autor Waden Rouse schreibt unter dem Pseudonym Viola Shipman, dem Namen seiner Großmutter, nette Wohlfühlromane. Das Cover seines neuersten Buches passt nicht wirklich zu den Vorgängerromanen, ...

Der amerikanische Autor Waden Rouse schreibt unter dem Pseudonym Viola Shipman, dem Namen seiner Großmutter, nette Wohlfühlromane. Das Cover seines neuersten Buches passt nicht wirklich zu den Vorgängerromanen, bei denen man durch die ähnliche Covergestaltung sofort die Assoziation mit dem Autorennamen Viola Shipmann verbindet. Das ist schade, obwohl ich dieses neue Cover eigentlich ansprechender finde und es auch perfekt zum Sommer und dem Inhalt passt.

In jedem Buch des Autors geht es um bestimmte Familienerbstücke. Diesmal haben wir es mit einer Blockhütte zu tun.
Die Idee zur Geschichte für "Ein Cottage für deinen Sommer" kam Shipman durch Erinnerungen an seine eigene Kindheit und der Blockhütte seiner Großeltern in Missouri. Seine Hauptprotagonistin Adie Lou erlebt ähnliches: unbeschwerte Sommer in ihrer Kindheit im Sommerhäuschen am Michigansee ihrer Eltern. Als sie mit Mitte Vierzig vor der Scheidung steht, soll das Creaky Cottage, wie es ihre Eltern nannten, verkauft werden. Adie Lou entscheidet sich dagegen und beschließt ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Ihren Plan, das heruntergekommene Cottage in ein Bed & Breakfast mit Wohlfühlambiente umzuwandeln, wird mit der Zeit immer schwieriger. Adie Lou stößt auf ein Hindernis nach dem anderen.

Ich liebe Geschichten, in den Frauen einen Neuanfang wagen und ihr altes Leben auf den Kopf stellen. Das gibt mir immer wieder etwas Zuversicht, dass ich es vielleicht auch schaffen könnte, wenn es sein muss. Allerdings sollte es nicht zu "märchenhaft" ausarten, sondern realistisch bleiben. Das ist leider bei "Ein Cottage für deinen Sommer" nicht ganz passiert. Zu zuckersüß und simpel gestaltet sich Adie Lous Plan ohne wirklich viel Geld das Cottage zu einer richtigen Wellness-Oase umzugestalten. Die rosarote Brille, die der Autor bei seinen Geschichten auf hat, ist mir einfach zu viel des Guten.

Das beginnt bei den Renovierungsarbeiten, die Adie Lou in das Cottage steckt. Sie hat kein Geld und woher sie es nimmt, wird eigentlich nie richtig erwähnt. Es wird zwar einmal angedeutet, dass ihre Anwältin den Exmann "so richtig bluten lassen will", aber ob sie Erfolg hatte und wirklich Geld geflossen ist, kommt nie zur Sprache. Thema ist jedoch immer wieder, dass die Kosten immer mehr ansteigen und Adie Lou trotzdem nur das Beste von Besten in ihrer neuem Bed & Breakfast verarbeitet haben möchte. Ich renoviere momentan selbst und konnte bei den Beschreibungen einfach nur den Kopf schütteln, so blauäugig wird alles beschrieben! Man erkennt ganz genau, dass der Autor wohl noch nie selbst Hand angelegt hat. Alle Probleme und Unanehmlichkeiten lösen sich in Luft auf. Zu guter Letzt wird auch noch Adie Lou's Erzfeindin ganz plötzlich zur begeisterten Unterstützerin....pfff.

Die Charaktere sind ebenfalls etwas eindimensional. Alle sind fröhlich und helfen einander und die Probleme werden mit ein paar netten Floskeln hinweg gewischt. Wenn es doch nur so einfach wäre!! Sicherlich möchte ich mich bei einem Wohlfühlroman auch entspannen und dem realen Leben ganz gern entkommen, aber bitte mit etwas weniger Kitsch und rosaroter Brille!

Auch die Liebesgeschichte fand ich nicht wirklich plausibel bzw. brachte in mir keinerlei Gefühlsregung zustande.
Einzig mit der wundervollen Beschreibung des Häuschens und der Landschaft hat Shipman die Szenerie großartig zum Leben erweckt. Das Setting des Romans ist wirklich gelungen und erweckt Sehnsüchte. Was mich überrascht hat war allerdings, dass der Großteil des Romans nicht im Sommer, sondern im Winter spielt und Adie Lou die meiste Zeit fror. Nicht sehr passend zu Titel und Cover....

Für mich war es das zweite Buch des Autors und mein letztes. Seine Romane sind mir zu klischeehaft, zu "amerikanisch" (es werden sehr viele Beispiele von Filmen, Sitcoms usw. eingestreut, die hier in Europa kein Mensch kennt und somit auch oft die Pointen nicht verständlich sind) und zu oberflächlich.

Es tut mir leid...ich lese gerne einen Wohlfühlroman zwischendurch, aber dann sollte er wenigstens teilweise realistisch bleiben! Zugute halten kann ich dem Autor jedoch, dass er mit seinen Romanen an Erinnerungen an die Familie festhält und dem Leser immer wieder zu erklären versucht, dass man sich an kleinen Momenten erfreuen soll.

Fazit:
Mir war dieser Roman einfach zu klischeehaft, oberflächlich und "amerikanisch"...sorry! Die Umsetzung der netten Idee gefiel mir leider nicht wirklich, aber bitte bildet euch selbst eine eigene Meinung, denn viele Leser fanden es sehr gut....Geschmäcker sind eben verschieden! (Gott sei Dank!)

Veröffentlicht am 13.08.2019

Tritt ein in die Welt von Erebos

Erebos
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Nachdem Ursula Poznanskis erstes Jugendbuch schon einige Zeit auf meinem SuB schlummert, habe ich die Gelegenheit ergriffen bei der lieben Petrissa vom Blog Hundertmorgenwald bei ihrer Blogger Leserunde ...

Nachdem Ursula Poznanskis erstes Jugendbuch schon einige Zeit auf meinem SuB schlummert, habe ich die Gelegenheit ergriffen bei der lieben Petrissa vom Blog Hundertmorgenwald bei ihrer Blogger Leserunde zum Buch mitzumachen. Wir waren ein buntes Gemisch aus Erstleser und Wiederholungstätern =) Und in zwei Wochen wird es zum zweiten Teil wieder eine Leserunde geben, an der ich ebenfalls wieder teilnehmen werde, denn ich habe mir Erebos 2 bereits vorbestellt.
Ich bin mir sicher, dass die Meisten von euch bereits die Geschichte rund um Nick und dem geheimnisvollen Computerspiel Erebos kennen werden. Ich habe nur immer wieder gehört, dass es Poznanskis bestes Buch sein soll und dem kann ich nun zustimmen. Ich habe bereits einige Jugendbücher von ihr gelesen und auch zwei Thriller aus der Kaspary & Weninger Reihe. Die neue Thrillerreihe werde ich nicht lesen...da habe ich reingelesen und irgendwie wurde ich schon vo0n der Leseprobe nicht angesprochen. Die Bewertungen zu ihrer neuen Thrillerreihe sind leider auch alles andere als gut.

Ich muss zugeben, dass ich vom Buch bald genauso gefangen genommen war, wie Nick von seinem neuen Computerspiel, das er in der Schule zugesteckt bekommen hat. Dieses wird von Hand zu Hand weitergegeben und verändert die Schüler zusehends, nachdem sie damit begonnen haben. Die strengen Regeln verbieten über das Fantasy Rollenspiel zu sprechen oder preiszugeben welcher Mitschüler sich hinter den fantasievollen Namen und Figuren verstecken. Gemeinsam mit Nick trat ich ein in eine Welt, die voller Orks, Barbaren, Elfen, Zwergen oder Magier, ähnlich World of Warcraft, war. Da ich keine Bücher aus diesem Fantasy-Genre lese und auch kein World of Warcraft spiele, war es für mich eine komplett neue Welt, die mich in Poznanskis Roman allerdings sofort mitgerissen hat. Der Roman hat eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann. Auch ich rätselte, wer hinter welchen Figuren stecken könnte und wozu die Aufgaben dienen, die die Spieler als Aufträge erhielten. Schon bald bemerkt man, wie die Schüler manipuliert werden und vollkommen übernächtigt in den Unterricht kommen, denn Erebos bestimmt selbst, wann das aktuelle Spiel zu Ende ist und man Pause machen "darf". Die Aufgaben werden immer gefinkelter und das wirkliche Leben und das Spiel verschmelzen geradezu ineinander. Als Nick jedoch einen Auftrag erhält, der in der realen Welt einem Menschenleben schadet, kommen auch ihm langsam Zweifel wohin Eerebos führt und was dahinter stecken könnte...

Der ständige Wechsel zwischen der realen und virtuellen Welt erhöhte die Spannung nur noch. Man fiebert darauf hin endlich zu erfahren, was hinter Erebos steckt. Ich muss zugeben, ich hatte Angst, dass es etwas Mystisches oder Übersinnliches sein wird, denn damit komme ich schwer zurecht und hätte mir nicht gefallen. Doch das Ende ist gut gewählt und war eine Überraschung.
Ein klein bisschen gefehlt hat mir der weitere Blick auf die Gegner von Erebos, vorrangig vertreten durch den Englischlehrer Mister Watson und einigen seiner Schüler. Diese scheinen zum Ende hin kaum mehr auf.

Mit Nick hat die Autorin eine glaubwürdige Figur erschaffen, die mitten aus dem Leben gegriffen ist. Auch die Atmosphäre des Rollenspiels und die Faszination, die Erebos auf die Spieler ausübt, wurde großartig eingefangen.
Die soziale Isolation der Spieler und die Konsequenzen daraus sind sehr gut nachvollziehbar. Dabei greift Poznanski aber nicht zum erhobenen Zeigefinger, sondern zeigt jeden Leser auf, wie schnell man sich manipulieren lassen kann oder man einer Sucht verfällt.

Ursula Poznanski hat bereits im Jahr 2011 das Thema künstliche Intelligenz aufgegriffen, während andere Autoren diesen Stoff erst seit den letzten Jahren behandeln. Oder habe ich einfach nicht die richtigen Bücher dazu gelesen?

Schreibstil:
Der Schreibstil ist fesselnd und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Mir ging es bei der Leserunde viel zu langsam, denn ich wollte lesen, lesen und nochmals lesen. Tja, mich hatte der Lesevirus gepackt, während Nick der Spielsucht verfallen ist. Dadurch konnte ich mir (selber habe ich vor Jahren mal SIMS gespielt, aber das war es schon) als Nichtspieler seine Situation wirklich gut vorstellen.

Die Autorin erzählt aus der Sicht von Nick, jedoch in der 3. Person. Man erlebt seine Gedanken- und Gefühlswelt intensiv mit. Im Gegensatz zu einigen ihrer neuen Jugendbücher, wo viele Figuren oftmals blass bleiben, sind Nick und seine Mitschüler sehr realistisch und lebendig beschrieben und sind greifbar.

Fazit:
Auch acht Jahre nach dem Erscheinen von Erebos fesselt dieser Jugendroman, der mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene. Spannend und fesselnd von der ersten Seite an, konnte ich "Erebos" nicht mehr aus der Hand legen und freue mich schon auf Band 2.
Für alle, die das Buch noch nicht kennen, gibt es von mir eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 12.08.2019

Lin und der Teezeremonienmeister

Die fremde Tochter
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Gleich vorweg...die ist kein neuer Roman der Autorin, sondern eine Neuauflage des Verlages! "Die fremde Tochter" ist bereits 2013 erschienen.
Auf meinerm SuB schlummern noch weitere Bücher der Autorin, ...

Gleich vorweg...die ist kein neuer Roman der Autorin, sondern eine Neuauflage des Verlages! "Die fremde Tochter" ist bereits 2013 erschienen.
Auf meinerm SuB schlummern noch weitere Bücher der Autorin, die darauf warten gelesen zu werden.
In diesem Roman geht es um Monsieur Cho, einen Meister der Teezeremonie. Er besitzt in Paris einen Teekontor. Eines Tages besucht ihn Lin Berwanger, die Enkelin einer seiner größten Konkurrenten. Nach der durchgeführten Teezermonie verrät sie ihm, dass er ihr Vater ist. Kurz darauf verschwindet sie. Sein geordnetes Leben gerät aus den Fugen, denn Cho ist wie vor dem Kopf geschlagen über diese Nachricht. Bilder und Erinnerungen tauchen wieder auf, die er längst vergessen glaubte. Daraufhin macht er sich auf die Suche nach der jungen Frau, die behauptet seine Tochter zu sein. Dabei gerät er immer tiefer in einem Strudel von Intrigen und Hass, die ihn bis zurück zu seiner eigenen Vergangenheit führen und sein Leben maßgeblich verändert haben.

Die Geschichte wird in zwei Zeitsträngen erzählt. In der Vergangenheit erleben wir die Liebesgeschichte von Emilie und Cho in China. In der Gegenwart begleiten wir Cho bei seiner Suche nach Emilie und Lin. Diese wird im Laufe der Zeit immer ereignisreicher. Dabei bekommt die Familientragödie immer mehr krimiähnliche Anteile. Die Suche ähnelt einer Schnitzeljagd und bringt Stück für Stück die Vergangenheit ans Licht, die sich großteils um Emilie dreht. Gekonnt verwebt die Autorin alle Handlungsstränge am Ende zu einem großen Ganzen. Die Spannung steigt dabei kontinuierlich an, wobei der Krimianteil in der Gegenwart immer deutlicher hervortritt. Aber der Roman ist auch ein Familiendrama und eine Liebesgeschichte, deswegen lässt sich das Buch schwer in eine Kategorie einteilen.

Ich war fasziniert von den wunderschönen Beschreibungen der chinesischen Landschaft, den Teegärten und den Eigenheiten der Asiaten, besonders wenn es um die Teezeremonie ging. Anja Jonuleit hat mir diese näher gebracht und gleichzeitig den Wunsch erweckt, sofort nach einem Roman zu greifen der in China spielt oder sich selbst ins Flugzeug Richtung Osten zu setzen. Aber auch die Schönheit von Paris und die der Normandie bringt sie dem Leser in lebendigen Bildern näher.

Ebenso authentisch beschreibt sie die Charaktere, die vielschichtig dargestellt wurden und die ich gerne begleitet habe.
Lin sucht nach ihren Wurzeln und erfährt erst viel zu spät, wie geschickt ihre Großmutter Adèle durch herzlose Entscheidungen das Schicksal von mindestens drei Menschen zerstört und diese ins Unglück gestürzt hat.
Cho ist ein liebenswerter Mann, der mir allerdings ein bisschen zu blass blieb - vorallem im Vergangenheitsstrang.

Schreibstil:
Neben den bildhaften Beschreibungen der Settings und den vielschichtigene Charakteren schreibt Anja Jonuleit flüssig und sehr ansprechend.
Die Kapitel sind kurz und wechseln abwechweselnd die Zeit. Durch die Kapielüberschriften gibt es keine Probleme diese den jeweiligen Figuren und Zeiten zuzuordnen.

Fazit:
Ein Mix aus Liebesgeschichte, Krimi und einer Familientragödie vereint in einem Roman, der auf zwei Zeitebenen und in zwei Kontinenten spielt. Anja Jonuleit hat diese Herausforderung gemeistert und eine sehr atmosphärische und interessante Geschichte geschrieben, die mir gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 07.08.2019

Ein gelungener Debütkrimi

Dein ist die Schuld
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Für mich ist die Autorin Maria Höfle noch ein unbeschriebenes Blatt, doch ich werde sicherlich in Zukunft nach weiteren Werken von ihr Ausschau halten.
In "Dein ist die Schuld" begeben wir uns in ein ...

Für mich ist die Autorin Maria Höfle noch ein unbeschriebenes Blatt, doch ich werde sicherlich in Zukunft nach weiteren Werken von ihr Ausschau halten.
In "Dein ist die Schuld" begeben wir uns in ein erzkonservatives Elitesgymnasium in Tirol, wo die Leiche der 17jährigen Schülerin Elena Goldschmied entdeckt wurde. Sie hat sich angeblich von der Brüstung gestürzt und war zudem noch schwanger. Dorothea Keusch, Polizistin in Kufstein, glaubt nicht an Selbstmord, doch ihr sind die Hände gebunden. Der Fall geht zuerst an die Mordkommission zur Untersuchung und wird sehr schnell als Selbstmord ad acta gelegt. Dorothea lässt die Tote keine Ruhe. Kurz darauf kontaktiert sie Konstantin Schmitt von der Mordkommission in Innsbruck und schlägt ihr vor für ihn weiter zu recherchieren. Trotz einem unguten Gefühl ist sie bald mit seinem Vorschlag einverstanden, denn Dorothea träumt schon lange von einer Stelle bei der Abteilung Leib und Leben. Ihr Chef, der Frauen lieber verheiratet und hinter dem Herd sieht, unterstützt sie nicht, als tatsächlich eine Stelle frei wird. Dorothea ist enttäuscht und geht auf Konstantins Vorschlag ein. Doch mit den nicht genehmigten Nachforschungen riskiert sie ihren Job und setzt ihre Karriere aufs Spiel....

Dorothea Keusch hat mir als Figur sehr gut gefallen. Sie ist ein interessanter und vielschichtiger Charakter, hat Archäologie studiert und nach dem Tod ihres Vaters, einem Polizeibeamten, zur Polizei gewechselt. Intern wird sie wegen ihren guten Spürnase "Miss Marple" genannt. Als Kind besuchte sie ebenfalls ein katholisches Gymnasium und wurde wegen ihrer dicklichen Figur gemobbt. Die Gefühlswelt unserer Polizistin wird von der Autorin sehr gut beschrieben. Oftmals dachte ich mir jedoch, dass Dorothea zwischen Privat und Job etwas mehr differenzieren sollte. Sie hat als Person noch einiges Entwicklungspotential, lässt sich aber trotzdem nicht unterkriegen. Ihre Alleingänge fand ich nicht immer gut, waren aber nicht ganz unglaubwürdig, da sie Konsequenzen mit sich zogen.

Die Spannung baut sich langsam auf und lässt auch dem Leser Zeit mitzurätseln. Die Autorin hat sich in ihrem Debüt zusätzlich wichtigen Themen wie Mobbing, Abtreibung, Rechtsradikalismus und Missbrauch gewidmet. Das Ende und die Auflösung waren für mich überraschend, aber logisch.
Sehr gerne würde ich noch mehr über Dorothea Keusch und Konstantin Schmitt lesen und hoffe auf eine Fortsetzung.

Schreibstil:
Maria Höfle hat einen fesselnden und flüssigen Schreibstil. Ihre Charaktere sind lebendig gezeichnet und ich hatte alle Figuren - bis hin zu den einzelnen Nebencharakteren - immer vor Augen. Die Autorin schafft es hervorragend Gefühle zu transportieren. Die Beschreibung von Kufstein ist gelungen und versprüht Lokalkolorit.

Fazit:
Ein toller Debütkrimi, den ich empfehlen kann. Eine vielschichtige Ermittlerin, bildhafte Beschreibungen und Kufstein und ein spannender Fall. Von der Autorin und ihrem Ermittlerteam möchte ich noch gerne mehr lesen. Man muss nicht immer zu den maßlos beworbenen Büchern greifen, die meistens doch enttäuschen...denn das Gute liegt so nah!

Veröffentlicht am 06.08.2019

Eine große Enttäuschung!

Die stumme Patientin
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Wieder ein total gehyptes Buch, das meine Erwartungen nicht erfüllen konnte. Bei diesem hochgelobten Thriller, der als internationaler Spannungsbestseller angepriesen wird, muss ich mich leider in die ...

Wieder ein total gehyptes Buch, das meine Erwartungen nicht erfüllen konnte. Bei diesem hochgelobten Thriller, der als internationaler Spannungsbestseller angepriesen wird, muss ich mich leider in die Kategorie derjenigen einreihen, die dem nicht zustimmen können.
Der Plot klingt spannend und hat meine Neugierde geweckt, doch die Umsetzung hat mir nicht gefallen.

Alicia Berenson ist des Mordes an ihrem Ehemann angeklagt und wird in die Psychiatrie eingewiesen. Seit sieben Jahren ist sie dort Patientin und genauso lange spricht sie schon nicht. Zuvor war sie eine erfolgreiche Künstlerin, ihr Mann Gabriel ein renommierter Fotograf. Als Beweislage für den Mord genügte der Polizei damals, dass man Alicia mit einer Pistole in der Hand neben dem blutüberströmten Ehemann fand.
Theo Faber ist seit kurzem in derselben Anstalt als Psychiater tätig. Schon seit langer Zeit fasziniert ihn Alicia und ihr einzigartiger Fall. Deswegen hat er sich für die Stelle im "The Grove" beworben. Er möchte Alicia zum Sprechen bringen und versucht sich an verschiedenen Therapien.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Theo erzählt. Viel zu lange folgen wir seinen Gedanken über seine Ehe mit Karen und zusätzlich erleben wir seine "Besssenheit" von Alicia. Was interessierte mich sein Privatleben oder seine Schwärmerei für Alicia? Ich wollte Spannung und wissen, ob wirklich Alicia die Mörderin ist und wie der Fall aufegerollt wird.
Seinen Wunsch Psychiater zu werden erklärt er damit, dass er den Beruf gewählt hat, um sich selbst zu therapieren (echt jetzt?!) Hatte der Autor dieselbe Motivation diesen Beruf zu erlernen? Dann möchte ich bitte nie in die Situation kommen einen Psychiater zu benötigen!
Und liegt es wirklich in der Hand eines einzigen Arztes die Medikation der Patientin einzustellen? Wird dies weder überwacht, noch abgesprochen? das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen....

Die vielgerühmte Spannung suchte ich vergeblich. Eine Erzählung reiht sich an die andere. Zeitweise musste ich mich sogar zwingen weiterzulesen.
Mir blieb der Ich-Erzähler des Buches fremd und viele Sympathiepunkte konnte er ebenfalls nicht ergattern. Generell fand ich die Charaktere flach. Einzig Alicia war eine interessante Figur, jedoch blieb sie ja fast das ganze Buch über stumm. Interessante Einblicke in ihren Charakter bekam man als Leser jedoch durch ihr Tagebuch, dessen Auszüge in kursiver Schrift und mit Datum versehen in die Geschichte eingefügt wurde.

Einige Zufälle fand ich zu konstruiert. Oftmals versucht der Autor den Leser auf eine falsche Fährte zu locken, die jedoch so offensichtlich ist, dass man weiß, dass sie ins Leere führt.

Das einzige Positive am sogenannten Psychothriller war das Ende, das mich überraschen konnte, auch wenn ich es rückblickend doch ersichtlich finde. Leider kam die Spannung am Schluss einfach zu spät. Für das gute Ende sind auch meine zwei Bewertungs-Sterne. Der Rest wirkt konstruiert und unglaubhaft.
Ich bin froh, dass ich das Buch nur aus der Bücherei geliehen hatte....


Fazit:
Für mich war dieser Psychothriller leider eine einzige Enttäuschung. Zu konstruiert, zu langatmig, zu blass ...genauso wie die unsympatischen Charaktere. Von mir gibt es keine Leseempfehlung! Sorry!