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Veröffentlicht am 24.10.2025

Krauses Blumenladen

Schwebende Lasten
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Zeitweilig war Hanna Krause als junge Frau in Berlin, doch irgendwann kam sie wieder zurück nach Magdeburg. Dort führt sie ihren Blumenladen mit Freude. Ob ihr Mann Karl so unbedingt ein Hauptgewinn, bezweifelt ...

Zeitweilig war Hanna Krause als junge Frau in Berlin, doch irgendwann kam sie wieder zurück nach Magdeburg. Dort führt sie ihren Blumenladen mit Freude. Ob ihr Mann Karl so unbedingt ein Hauptgewinn, bezweifelt sie manchmal. Doch bald kommt ein Kind nach dem anderen und nicht alle dürfen leben. Die, die es schaffen liegen ihr am Herzen. Im zweiten Weltkrieg jedoch kommt ihr einziger Sohn Johannes im Bombenhagel um. Karl, der in den Gruson Werken arbeitet, wird bei einem Arbeitsunfall so schwer verletzt, dass er ein Bein verliert. Hannas Leben verläuft nicht einfach, doch sie findet Zeit ihres Leben Kraft in den Blumen.

Ein ganzes Leben erzählt die Autorin. Von Hannas Jugendjahren über die Jahr zwischen den Kriegen, den zweiten Weltkrieg und die Zeit danach. Die Blumen geben Hanna Halt und sie versteht sich aufs Blumenbinden. Schade nur, dass es Zeiten gibt, in denen niemand etwas für Blumen übrig hat. Es gibt keine andere Möglichkeit mehr als den Laden zu schließen. Dass sie Karl manchmal aus der Kneipe holen muss, begeistert Hanna auch nicht. Aber man bleibt halt zusammen und da sind ja auch die Mädchen. Nach dem Krieg wird Hanna Kranführerin bei den Gruson Werken, die irgendwann anders heißen.

In der ARD Aufiothek wartet dieses Kleinod auf seine Hörer. Das Buch stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreis 2025. Die Erzählung von Hannas Leben ist genau das. In seiner Schlichtheit liegt gerade der Charme dieses Romans. Was soll eine einfache Frau, die nur acht Jahre lang die Schule besuchte, schon zu erzählen haben. Eine ganze Menge, denn sie erlebt schwere Tage und auch schöne Tage, Leid und Freude und sie beißt sich durch. Bei allen Verlusten, die sie erleidet, gibt sie nicht auf. Im Alter hat sie eine ruhige Ausstrahlung gewonnen, bereit den letzten Weg zu gehen. Wie im Klappentext beschrieben, darf sie gehen bevor sie die Welt nicht mehr versteht und die Mädchen können ihr die letzten der geliebten Blumen schenken. Ein ruhiger und doch berührender Roman.

Veröffentlicht am 20.10.2025

Vier Unbekannte

Die Schwestern Grimm
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Sie sind Halbschwestern, die am selben Tag geboren sind. Sie Haben den selben Vater und unterschiedliche Mütter. Sie kennen sich nicht bewusst und dennoch haben sie das Gefühl, dass da irgendetwas ist. ...

Sie sind Halbschwestern, die am selben Tag geboren sind. Sie Haben den selben Vater und unterschiedliche Mütter. Sie kennen sich nicht bewusst und dennoch haben sie das Gefühl, dass da irgendetwas ist. Goldie versucht ihren kleinen Bruder durchzubringen, Liyana muss vielleicht heiraten, um ihre gesellschaftliche Stellung zu behalten. Bea liebt das Fliegen und Scarlet sorgt sich um ihre Großmutter. Und dann betritt Leo die Bühne. Was spielt er für ein Spiel? Immerhin bietet er Goldie seine Hilfe an. Dann gibt es noch dieses, was sich anfühlt wie träumen, aber nicht so richtig.

Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band einer Trilogie, wobei die anderen Bände soweit bekannt bisher nicht übersetzt sind. Vier Schwestern, die sich nicht kennen. Kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag, an dem möglicherweise etwas passiert. Leo scheint mehr zu wissen, doch er hält sich zurück. Zunächst nimmt er mit Goldie Kontakt auf. Ihr möchte er schon vorher nahekommen. Die Mütter der Mädchen sind nicht mehr da, doch in der Erinnerung sind sie lebendig. Natürlich stellt sich die Frage nach dem Vater der Mädchen? Es ist schon ungewöhnlich, dass die vier Töchter am selben Tag Geburtstag haben.

Wenn man das Buch im Regal sieht, sind sowohl der Titel des Romans als auch der Name der Autorin phantasieanregend. Man denkt an eine Adaptierung von Grimms Märchen und an eine Gothic- Story. Doch das kommt irgendwie nicht so. Die Geschichte fängt gut einen Monat vorher an und dann wird jeder Tag relativ ausführlich bearbeitet, für den Showdown bleibt dann recht wenig übrig. Wenn es Anspielungen auf Märchen gibt, dann laufen die an einem vorbei oder man kennt die Gebrüder Grimm nicht gut genug. Und dann kommt man so ins Nachdenken und schaut, was es zu dem Roman sonst noch zu erfahren gibt. Da in der deutschsprachigen Ausgabe keinen Hinweis auf weitere Bände gibt, ist das dann genau der Moment, in dem man das merkt. Und das ist dann auch der Moment, in dem man das Interesse am Weiterlesen verliert. Zumindest, wenn einen die Handlung vorher schon nicht so begeistert hat. Woran das wiederum liegt, kann man nicht so genau sagen. Irgendetwas ist eigenartig beim Lesen und dann möchte man nicht mehr. Und dann überlegt man sich, dass man die Zeit auch mit einem spannenderen Buch verbringen kann.

Ein Buch, das man selbst nicht beendet hat, an dem andere aber sicher ein größeres Lesevergnügen finden werden.

2,5 Stern

Veröffentlicht am 19.10.2025

Sommer im Tessin

Was wir scheinen
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Im Sommer 1975 reist die Publizistin Hannah Arendt in die Schweiz. Sie hat vor einiger Zeit einen Herzinfarkt überstanden und will nun einen mehrwöchigen Urlaub an einem ihrer Lieblingsorte verbringen. ...

Im Sommer 1975 reist die Publizistin Hannah Arendt in die Schweiz. Sie hat vor einiger Zeit einen Herzinfarkt überstanden und will nun einen mehrwöchigen Urlaub an einem ihrer Lieblingsorte verbringen. Sie freut sich über die Ruhe. Ihren Mann Heinrich, der vor einigen Jahren verstorben ist, vermisst sie immer noch. Doch sie blickt auch zuversichtlich in die Zukunft. Natürlich ist sie schon Ende Sechzig, doch das muss ja nichts heißen. Während des Aufenthaltes lässt sie die Erinnerungen in sich aufsteigen. Die erste Zeit in Amerika, zum Glück sind sie den Nazis entkommen. Ihr Austausch mit Personen, die ihr teure waren. Der Eichmann-Report und die Reaktionen darauf.

Eine beeindruckende Persönlichkeit reflektiert hier zu ihrem Leben, das in der Rückschau als wirklich außergewöhnlich bezeichnet werden kann. Eine Frau, der das Denken wichtig ist, eine Frau, die Denken kann. Sie konnte studieren und promovieren. Mit ihrem Doktorvater hielt sie Kontakt. Sie führte eine glückliche Ehe. Sie veröffentliche ihre Gedanken und Gedichte, Werke, die noch immer Beachtung finden. Ihr Bericht zu dem Eichmann-Prozess, der ein kontroverses Echo auslöste, auch von Seiten, von denen sie es nicht so erwartet hätte. Und immer wieder die entspannende Urlaubsatmosphäre an einem Ort, an den sie immer wieder zurückgekehrt ist.

Wenn man immer schon mal mehr über diese außerordentliche Persönlichkeit wissen wollte, sich aber noch nicht an ihre Werken herantraut, dann könnte dieser Roman, der Teile ihres Lebens ein toller Einstieg sein. Leben und Werk werden auf ansprechende Art und Weise dargestellt. Die Person Hannah Arendt wird einem nahegebracht. Ihre Verhaftetheit im Denken, das genaue Durchdenken der Fragen, die sich ihr Stellen, aber auch ihr persönliches Leben in ihrer Ehe oder auch im Austausch mit Freunden und Weggefährten. Sie ging der Kontroverse nicht aus dem Weg und suchte doch ihre Gedanken zu erklären. Dieser Roman bietet eine beeindruckenden Überblick in das Leben von Hannah Arendt.

Veröffentlicht am 18.10.2025

Frau mit Willen

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Ende der 1980er Jahr in Wien arbeitet die junge Angelika Moser im Grand Hotel Frohner als Buchhalterin. Um der Langeweile wenigstens für ein paar Stunden zu entgehen, flaniert sie am Wochenende mit ihrer ...

Ende der 1980er Jahr in Wien arbeitet die junge Angelika Moser im Grand Hotel Frohner als Buchhalterin. Um der Langeweile wenigstens für ein paar Stunden zu entgehen, flaniert sie am Wochenende mit ihrer besten Freundin Ingi durch das Nachtleben. Doch nicht nur das Partyleben hat es ihr angetan. Sie will Abteilungsleiterin der Buchhaltung im Frohner werden. Angelika ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Ihre Mutter hat sie alleine groß gezogen und Angelika will ein anderes Leben. Das erste Mal lernt sie, die Zahlen phantasievoll zu gestalten, als der Direktor des Hotels sie darum bittet, um den Anwälten etwas vorzugaukeln.

An eine wahre Geschichte angelehnt spinnt die Autorin eine Geschichte über eine zunächst junge Frau, die es mit Geschick und Dreistigkeit schafft, ihren Arbeitgeber über Jahre hinweg um bemerkenswerte Summen zu erleichtern. Voller Enthusiasmus und Fleiß beginnt Angelika ihr Arbeitsleben. Durch die Machenschaften des Direktors wird doch ernüchtert, weiß aber auch, die man die Zahlen nach einem gewünschten Bild zurechtstricken kann. Als sie dann selbst ungewollt allein erziehend ist, sieht sie keine andere Wahl als sich den ein oder anderen geheimen Kredit bei ihrem Arbeitgeber zu gewähren. Alles genau dokumentiert, schließlich wird sie alles zurückzahlen, bis auf das Verbrauchsmaterial jedenfalls.

Die Presseveröffentlichungen geben der Story einen Rahmen vor, in dem sich die Autorin sicher einige Freiheiten erlauben konnte. Dadurch entsteht eine Erzählung um eine junge Frau, die zunächst noch Träume hatte, die aber auch vor ihrer eigenen Courage zurückschreckte und das Vertraute wählte. So saß sie dann da mit einem nicht ungewolltem Kind, dass eine bessere Mutter haben sollte als ihre eigene gewesen war. Leider verläuft sie Sache nicht so glatt wie gewünscht und der Filius entwickelt sich zumindest bemerkenswert. Angelika sieht sich gezwungen, immer mehr Geld zu leihen. Leider werden einem Angelika und ihr Umfeld nicht so wirklich sympathisch, man bringt zwar Verständnis auf, aber in einigen Momenten wirkt ihr Verhalten doch übertrieben. Man kommt an den Rand des Genervtseins. Auch der witzige Wiener Schmäh kann das nicht gänzlich übertönen. Wohl viel würde die Mutter für ihr Kind tun, aber muss nicht auch mal Schluss sein? Immerhin bleibt einiges der Phantasie überlassen, so das man sich noch eine andere Angelika denken kann.

Wohin der Leuchter auf dem Titelbild gehören könnte, ist nicht genau zu sagen. Wohl passte er in ein Hotel, aber auch in einen bürgerlichen Altbau.

Veröffentlicht am 16.10.2025

Bis zum ersten Biss

Darkthorn Archives 1: Bite the Bride
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Im Jahr 1925 war es für Katherine Campbell alles andere als leicht einen Platz an der ehrwürdigen Darkthorn Universität zu bekommen. Noch schwieriger war es für sie als nicht-magische als Reporterin bei ...

Im Jahr 1925 war es für Katherine Campbell alles andere als leicht einen Platz an der ehrwürdigen Darkthorn Universität zu bekommen. Noch schwieriger war es für sie als nicht-magische als Reporterin bei der Uni-Zeitung zugelassen zu werden. Für ihren Einbruch in der Uni-Bibliothek, mit dem sie einiges aufs Spiel setzt, hat sie aber einen guten Grund. Nur leider geht die Sache schief und Kat hat sich einen Teil eines Fluches eingehandelt. Um diesen in Schach zu halten, bleibt ihr nichts anderes übrig als den Chef-Bibliothekar und Vampir Ethan Hawthorn zu heiraten und sich jeden Abend von ihm beißen zu lassen.

Bei diesem Roman handelt es sich um den ersten Band einer Dark-Academia Reihe, die bisher aus zwei Bänden besteht. Das Setting im Schottland der 1920er Jahre umfasst das Universitätsleben, aber auch Parties und die sich langsam ändernde Stellung der Frauen. Katherine Campbell will die Möglichkeiten, die sich bieten, wahrnehmen. Aus einem einfachen Elternhaus kommend und als nicht-magische hat sich es dabei nicht leicht. Und Vampire, die augenscheinlich alles haben, kann sie nun wirklich nicht leiden. Und dennoch ist Kat überzeugt, dass sie es schaffen wird. Wenn ihr da nur nicht dieser Vampir in die Quere kommen würde.

Die Geschichte einer forschen jungen Frau, die sich nicht unterkriegen lässt, ist sehr ansprechend und könnte auch gut in die heutige Zeit passen, wäre da nicht ein Vampir, den man derzeit wohl eher seltener antreffen wird. Man steht ganz auf Kats Seite bei ihrem Kampf um Gleichberechtigung. Nach und nach versteht man, wieso sie das Risiko dieses Einbruchs auf sich nimmt. Auch Ethans Sichtweise wird klargemacht. Sein Innenleben ist reicher als man bei einem kühlen Vampir annehmen könnte. Wie es schließlich kommt, dürfte nur wenige überraschen. Das Ganze ist aber so fesselnd und herzerwärmend verpackt, dass man gespannt und berührt immer weiterlesen oder hören will.

Das Hörbuch wird sehr stimmungsvoll vorgetragen von Yesim Meisheit und Vincent Fallow.