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Veröffentlicht am 11.11.2025

Viktorianische Ermittlungen

Manche Schuld vergeht nie
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Die Polizistin Ali Dawson hat sich durchgeboxt. Als alleinerziehende Mutter wollte sie unbedingt etwas erreichen. Inzwischen ist ihr Sohn erwachsen und arbeitet für Isaak Tempelton, ein Mitglied der Regierung ...

Die Polizistin Ali Dawson hat sich durchgeboxt. Als alleinerziehende Mutter wollte sie unbedingt etwas erreichen. Inzwischen ist ihr Sohn erwachsen und arbeitet für Isaak Tempelton, ein Mitglied der Regierung in London. Ali könnte nicht stolzer sein. Nur von ihrer eigentlichen Arbeit kann sie Finn nichts erzählen. Die Abteilung der Polizei, für die Ali arbeitet ist geheim. Die Wissenschaftlerin Jones hat eine Möglichkeit gefunden, Menschen durch zu Zeit reisen zu lassen und in Alis Abteilung wird dies genutzt, um Cold Cases aufzuklären. Jones verfeinert ihre Methoden immer mehr und nun hält sie es für sicher, dass Ali und ihre Kollegen weiter zurück können als je zuvor.

Dies ist der erste Band um die Abteilung für Cold Cases in London, die durch die Zeit reisen darf. Ali Dawson hat es geschafft. Sie hat den Beruf, den sie wollte. Und sie hat ihren Sohn ordentlich großbekommen. Mit der Liebe hat es nicht so geklappt, aber das ist ihr auch nicht so wichtig. Aber das mit den Zeitreisen macht einen besonderen Reiz ihrer Arbeit aus. Angefangen haben sie mit kurzen Zeiträumen, die es zurückging, und auch nur für wenige Minuten oder Stunden. Doch der neue Fall ist besonders. Das Jahr 1850 steht auf der Agenda. Dass Ali durch die Ermittlungen ganz persönlich betroffen wird, ahnt sie noch nicht.

Die Autorin, die vielleicht eher von ihren Ruth Galloway Krimis bekannt ist, überrascht hier mit etwas ganz Neuem. Zeitreisen kennt man eher aus dem Science Fiction oder Romance Genre. Hier wird daraus ein Kriminalroman und gleichzeitig ein historischer Kriminalroman. Zwar braucht man eine Weile, bis man sich in dieser Welt zurechtfindet, aber irgendwie geht es Ali Dawson ja genauso. Der Gegensatz zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist plastisch beschrieben und man kann gut nachvollziehen wie es Ali dabei ergeht. Interessant wie beide Zeitlinien verquickt werden. Ein lesenswerter Zeitreise-Krimi, in dem noch nicht alle Geheimnisse preisgegeben werden. Der nächste Band ist auf Englisch schon angekündigt.

Veröffentlicht am 09.11.2025

Überlebenswillen

Ist das ein Mensch?
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Der Chemiker Primo Levi wird im Februar 1944 nach Auschwitz deportiert und bis zum Januar 1945 als das Lager.aufgegeben wurde überlebt. Er schildert das Überleben von Tag zu Tag. Wie er als neuer Lagerinsasse ...

Der Chemiker Primo Levi wird im Februar 1944 nach Auschwitz deportiert und bis zum Januar 1945 als das Lager.aufgegeben wurde überlebt. Er schildert das Überleben von Tag zu Tag. Wie er als neuer Lagerinsasse eine Art von Glück hat, dass er den arbeitsfähigen zugeteilt wird und nicht gleich in die Selektion muss. Selektion bedeutet nichts anderes als Tod in der Gaskammer. Levi, der Neuling, muss sich erstmal zurechtfinden und lernen, welche Fehler sich fatal auswirken können. Hinzu kommt die schwere, aber sinnlose Arbeit, die den Lagerinsassen in der Buna abverlangt wird. Jeden Tag schwebt er in Gefahr, sein Leben zu verlieren.

Mit der Arbeit an diesem autobiografischen Bericht begann Primo Levi beinahe sofort als er endlich befreit war. Die zeitliche Nähe zu den schlimmen Ereignissen macht die Worte sehr eindringlich. Der Autor, von Hause aus Wissenschaftler, schreibt mit kühler Distanz. Dadurch bekommt die Beschreibung des Lagerlebens eine unheimliche Banalität und Normalität. Da werden Strategien fürs Hungern gesucht, Strategien nicht unter der Last der Arbeit zusammenzubrechen, Strategien irgendwie menschlich zu bleiben und zu überleben. Es gab nur wenig Menschlichkeit. Jeder Tag konnte der letzte sein und die Hoffnung auf ein Überleben schwand. Bis sich die Deutschen feige aus dem Staub machten und die kranken Lagerinsassen schutzlos zurückließen.

Das Hörbuch wird mit klarer Stimme vorgetragen von Alexander Fehling, der die kühlen Worte des Autors gekonnt umsetzt. Man blickt von außen auf das Geschehen und fragt sich, wie konnte es soweit kommen. Menschen, die vergessen, dass sie menschlich handeln sollten, die es sich zum Ziel machen, andere zu vernichten. Arbeit, um zu vernichten; Todesstrafe für kleinste Vergehen und doch diese Normalität, mit der es jeden Tag hell wird, mit der das karge Essen verteilt wird. Es ist schwer zu ertragen, sich den Alltag im Lager vorzustellen, dass es überhaupt einen Alltag gab. Dieser Bericht festigt den Gedanken, das so etwas nie wieder geschehen darf. Möge die Wirkung der Worte des Autors nie verhallen.

Veröffentlicht am 07.11.2025

Tante Lotte

Helga räumt auf
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Die verwitwete Hannelore Huber möchte das Leben genießen, in der Sommersonne sitzend auf den Ort hinabblickend. Doch da ist das Maisfeld, direkt vor ihrer Haustür. Das wird gehegt und gepflegt und verbaut ...

Die verwitwete Hannelore Huber möchte das Leben genießen, in der Sommersonne sitzend auf den Ort hinabblickend. Doch da ist das Maisfeld, direkt vor ihrer Haustür. Das wird gehegt und gepflegt und verbaut die Aussicht. Als dann der Seniorbauer des Hofes, zu dem das Maisfeld gehört, tot in der Jauchegrube gefunden wird, kann die Huberin nicht besonders traurig sein. Wenn sie es nicht besser wüsste, könnte sie auch selbst Hand angelegt haben. Aber sie muss wohl nach dem wahren Täter suchen. Den Bauern mochte wirklich kaum jemand, es gibt daher genug Verdächtige.

In diesem zweiten Band um die Witwe Hannelore Huber kommen in dem Dorf etliche Menschen zu Tode. Hoffentlich ist die Huberin nicht irgendwann alleine. Wenn man den ersten Band nicht kennt, könnte man auch auf die Idee kommen, die Huberin wäre die Helga. Dann fragt man sich, wer wohl die Hanni ist. Frau Huber ist kinderlos und sie hätte nie gedacht, dass sie mal eine Art Enkelin hätte. Doch sie und die Amelie haben sich gegenseitig unter die Fittiche genommen. Mit Amelie kocht und backt die Hanni viel lieber als irgendeinen Mörder nachzujagen. Trotzdem will Hannelore dafür sorgen, dass nicht noch mehr Menschen umkommen.

Unbekannt ist, ob es besser gewesen wäre, den ersten Band zuerst zu lesen, kann mangels der entsprechenden Kenntnis halt nicht gesagt werden. So aber überzeugt Frau Huber nicht so sehr. Menschen sterben reichlich in diesem Roman und die Todesfälle konzentrieren sich hauptsächlich auf zwei Familien. Den Gedanken der Huberin zu folgen ist nicht leicht. Die Szenen um die Polizisten haben nicht so ganz viel mit der Lösung des Falles zu tun. Eher regt sich der Revierleiter über die Schwangerschaftsvertretung seiner eigentlichen Kollegin auf. Viel schwarzen Humor soll es hier geben. Wenn einem schwarzer Humor nicht so liegt, wird es durch diesen Roman nicht besser werden. Wenn man die Bücher des Autors über den Metzger kennt, könnte man hier ein wenig enttäuscht sein, vielleicht weil man etwas anderes erwartet hat.

Veröffentlicht am 03.11.2025

Friseur Geplauder

Miese kleine Morde. Crime Story
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Es soll alles besser werden, denkt sich Lars und überlegt, was er für seine Selbstoptimierung tun kann. Er landet in einem Schönheitssalon, denn mit irgendetwas muss man schließlich anfangen. Lars stellt ...

Es soll alles besser werden, denkt sich Lars und überlegt, was er für seine Selbstoptimierung tun kann. Er landet in einem Schönheitssalon, denn mit irgendetwas muss man schließlich anfangen. Lars stellt fest, dass die meist weiblichen Kunden sich ganz ungeniert alles von der Leber weg reden. Wovon sie sprechen? Es wird durchaus auch über die Ehegatten gelästert, die man nicht ungern loswerden würde, wäre da nicht der Ehevertrag oder ähnliches. Wenn man da den passenden Service anzubieten hätte, könnte man vielleicht schnell reich werden. Und tatsächlich, als er einer frustrierten Ehefrau ein entsprechendes Angebot unterbreitet, hat er seinen ersten Auftrag.

Da hofft Lars tatsächlich auf das schnelle Geld. Und er arbeitet erstmal an seinem Image und seinem Äußeren. Als es an die Ausführung seiner Aufträge geht, kommt er ins Nachdenken. Wie kann er die Sache am besten anpacken? Schließlich will er ja nicht erwischt werden. Alles muss so aussehen, als ob der Tod zumindest eine insoweit natürliche Ursache hat, bei der niemand auf die Idee kommt, da ginge etwas nicht mit rechten Dingen zu. Dementsprechend ertrinkt das erste Opfer. Lars hat Glück, niemand merkt etwas. Und das Geld in der Kasse klingelt sehr schön.

Diese Erzählung wird von Wolfram Koch ruhig und mit einem gewissen Humor vorgelesen. Dafür benötigt er als ungekürzte Lesung ein wenig über zwei Stunden.

Dieser Lars ist schon ein Hallodri. Der Plan, die Welt oder seine Kundinnen oder Kunden von unliebsamen Mitbürgern zu befreien, ist schon frech. Siegt die Frechheit? Man ist beim Lesen nicht ganz sicher, wie man seine Sympathien verteilen soll. Aber wie Lars seine Verbrechen plant, so dass zwischen den Maschen hindurchschlüpfend kann, das ringt einem doch eine gewisse Bewunderung ab. Aber irgendwie ist es nicht hundertprozentig glaubwürdig, dass ein relativ normaler Mensch plötzlich zum relativ erfolgreichen Auftragsmörder wird. Immerhin als spannende Geschichte mit einer unerwarteten Wendung funktioniert diese Story gut.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Ein unauffälliger Mann

Der Mann, der den Zügen nachsah
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Das Leben des eigentlich eher spießigen Prokuristen und Familienvaters Kees Popinga wird aus der Bahn geworfen als er von seinem Chef persönlich erfährt, dass dieser die Firma in den Bankrott geführt hat ...

Das Leben des eigentlich eher spießigen Prokuristen und Familienvaters Kees Popinga wird aus der Bahn geworfen als er von seinem Chef persönlich erfährt, dass dieser die Firma in den Bankrott geführt hat und nun mit dem verbliebenen Geld das Weite suchen wird. Dabei verhöhnt er Popinga noch, er sei kein guter Buchhalter, er habe ja nichts gemerkt. In Kees Popinga zerbricht etwas und er fragt sich, wozu das alles noch. Er will in gewisser Weise auf den Spuren seines Chefs wandeln, was zu einem Todesfall führt. Popinga flieht nach Paris und dort wird auch noch der Rest seines Lebens umgekrempelt.

Was passiert, wenn jede sicher geglaubte Lebensgrundlage sich durch fremdes Verschulden in Nichts auflöst? Popinga ist klar, dass er nicht nur seinen Job verliert. Auch mit dem Haus hat er sich übernommen. Zumindest in dem Sinne, dass er keine Rücklagen hat, um eine Durststrecke zu überbrücken. Anstatt mit seiner Frau zu sprechen und zu planen, wie man mit der Situation umgehen kann, zieht er sich zurück. Er entzieht sich durch Flucht und lässt seine Familie ohne Erklärung zurück. Ein nachvollziehbares Ziel hat er nicht. Popinga lässt sich treiben und rutscht dabei mehr und mehr ab.

Georges Simenon hat soweit bekannt um die 400 Bücher geschrieben. Bekannt ist er für seinen Kommissar Maigret, aber wie man hier sieht, gibt es auch noch mehr. Mit dem Roman um Kees Popinga legt er ein Gedankenspiel vor. Wie geht ein Mensch damit um, wenn ihm förmlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Man kann da auch gerade durch die Wache gehen. Bei Popinga gewinnt man allerdings den Eindruck, er habe eher auf die Gelegenheit zum Ausbruch gewartet. Er will wohl mal das Leben als Verbrecher ausprobieren. Das muss man nicht mögen, aber die Frechheit, mit der Popinga vorgeht, hat schon was. Erstaunlich, wie lange er damit durchkommt. Georges Simenon ist ein Schriftsteller, von dem man immer noch etwas entdecken kann.