Dietlind Falk (Übersetzer), Lisa Kögeböhn (Übersetzer)
Mit bedrucktem Transparentumschlag und hochwertig veredeltem Bezug
Ihr Leben ist perfekt - solange man nicht hinter die Kulissen schaut
Natalie Heller Mills hat alles: eine malerisch renovierte Farm, sechs Kinder, die um ihre Liebe buhlen, und einen Mann, der in Cowboystiefeln immerhin eine gute Figur abgibt. Vom Sauerteig bis zur Kindererziehung, nichts scheint ihr zu misslingen. Kein Wunder also, dass Millionen von Menschen ihr folgen, ihre Videos schauen, ihre Bilder anklicken. Sie gibt ihnen das, was sie wollen: eine heile Welt. Skandale werden unter den Teppich gekehrt, da, wo sie hingehören.
Doch eines Tages wacht Natalie auf und sieht sich mit einer unbequemen Frage konfrontiert: Was wäre, wenn sie keine Nannys beschäftigen könnte, es keine helfenden Hände auf der Farm gäbe, kein Produktionsteam? Was wäre, wenn sie auf einmal das Leben führen müsste, das sie immer vorgetäuscht hat?
Natalie lebt ein nach außen perfektes Leben: Influencerin, glücklich verheiratet, eine Horde glücklicher, wohlerzogener Kinder, fest geerdet im christlichen Glauben. Schaut man jedoch genauer hin, werden ...
Natalie lebt ein nach außen perfektes Leben: Influencerin, glücklich verheiratet, eine Horde glücklicher, wohlerzogener Kinder, fest geerdet im christlichen Glauben. Schaut man jedoch genauer hin, werden die Schattenseiten deutlich. Sie erntet Hate, ihr Leben als „Tradwife“ wird belächelt, ihre älteste Tochter erfährt hierüber mehr, als sie trotz Handyverbot sollte und Natalie selbst ist nicht so reinen Gedankens, wie man meinen (und sie selbst wollen) sollte. Dennoch glänzt die Fassade. Bis Natalie eines Tages aufwacht und sich in genau dem Leben wiederfindet, von dem sie Ihren Kindern als „stellt euch mal vor, wie es früher war… würdet ihr so leben wollen?“-Geschichte erzählt hat. Sie ist zwar noch sie selbst, aber ihr Leben ist nicht mehr ihres, auch wenn es nach außen so wirkt.
Ich war selbst überrascht, wie sehr mich das Buch von der ersten Seite an gefesselt hat. Obwohl es nicht meinen üblichen Genre entspricht. Obwohl es nicht spannend im klassischen Sinne ist. Obwohl vieles nicht gesagt sondern „nur“ unterschwellig gezeigt wird. Aber die Sprache, der Stil, die Einblicke in Natalies Vergangenheit und gegenwärtige Gedankenwelt sind einfach interessant. Klar ist auch Neugier dabei und Senstationslust, auch ich wollte wissen, ob und wann und wie ihre Fassade zu bröckeln beginnt und was man auf der anderen Seite des Contents eben alles nicht mitbekommt.
Aber die überaus geschickte Verwebung von Gegenwart, Vergangenheit und Natalies beiden Lebenswelten führt dazu, dass man einfach wissen möchte, was als nächstes kommt.
Natalie selbst ist definitiv nicht die sympathischte Person. Und dennoch möchte man mehr von ihr und über sie erfahren. Die darüber liegende Geschichte tut ihr Übriges, dass man herausfinden möchte, was und wie da bitteschön passiert ist. Und irgendwie unterschwellig die ganze Zeit darüber nachdenkt.
Man schaut Natalie zu, als wäre sie eine Filmfigur, die ab und zu die vierte Wand durchbricht und der man beim Denken zuhören kann.
Daher nicht abwechslungsreich im eigentlichen Sinne, aber durchaus spannend, unterhaltsam und vor allem gut geschrieben.
In “Yesteryear” von Caro Claire Burke bastelt sich Nathalie Heller Mills eine Realität zwischen traditioneller Idylle, Farmleben und sozialen Medien. Zwischen Momfluencerin und TradWife. Ihr Leben, mehr ...
In “Yesteryear” von Caro Claire Burke bastelt sich Nathalie Heller Mills eine Realität zwischen traditioneller Idylle, Farmleben und sozialen Medien. Zwischen Momfluencerin und TradWife. Ihr Leben, mehr Schein als Sein, ihre Familie ein gut florierendes Unternehmen. Bis sie eines Tages, in der von ihr gespielten Rolle als perfekte Ehefrau und Amerikanerin auffliegt und der Alptraum beginnt.
Obwohl ich anfangs eher skeptisch war, hat es dann doch nicht lange gedauert bis mich die Autorin mit ihrem wortgewaltigen, bissigen Schreibstil gepackt und ganz tief in ihre Tasche gesteckt hat. In knapp zwei Tagen hatte ich das Buch durch und das will bei mir wirklich was heißen. Die Story spielt in zwei Zeitebenen, ist einerseits echt skurril und schräg, andererseits aber auch absolut nachvollziehbar und authentisch. Auf jeden Fall ist sie andersartig, ebenso schlagfertig wie scharfsinnig, treffend und entwickelt sich so ganz anders als gedacht. Was sich im Übrigen genau so auch auf die Charaktere beziehen kann. Insgesamt ein genialer Sprung zwischen Tradition, Verblendung, Irrsinn, rotziger Social Media Welt und Abbild unserer heutigen Gesellschaft, die allzu gern vorgibt etwas zu sein, was sie definitiv nicht ist.
Fazit: Auch wenn ich nicht recht weiß, wie und wo ich das Buch einordnen soll, so war es mir dennoch ein großes Vergnügen es zu lesen - auf jeden Fall ein Jahres-Highlight!
Natalie Heller Mills lebt die perfekte amerikanische Familie, sie hat den perfekten Ehemann, die perfekten Kinder, das perfekte Haus in der perfekten Umgebung und sie teilt ihr perfektes Leben gern mit ...
Natalie Heller Mills lebt die perfekte amerikanische Familie, sie hat den perfekten Ehemann, die perfekten Kinder, das perfekte Haus in der perfekten Umgebung und sie teilt ihr perfektes Leben gern mit ihren Followern in den Sozialen Netzwerken. Viele Frauen lieben sie dafür, hängen vor den Bildschirmen, begierig darauf Neues aus Natalies perfektem Universum aufzusaugen, aber es gibt auch die Hater, die Neider, die "wütenden Weiber", wie Natalie all jene nennt, die ihre Pflichten als Ehefrau und Mutter eben nicht so ernst nehmen, jene, die ihren Kindern kein selbstgebackenes Sauerteigbrot auf den Frühstückstisch stellen, bei denen es Cola statt frischgepressten Bio-Orangensaft gibt, die, deren Kinder den Gefahren des staatlichen Schulsystems ausgesetzt sind und die ihren Kinder, gottbewahre, eine Familienform vorleben, die so gar nicht den guten alten amerikanischen Traditionen entspricht.
Was Autorin Caro Claire Burke hier zeichnet klingt tatsächlich wie ein Traum, ein Traum, den die Wenigsten von uns tatsächlich leben können und natürlich beneiden wir oft jene, die es geschafft haben sich diesen zu ermöglichen. Die Social Media Profile sind voll von Influencer*innen, die all dies mit uns teilen, die uns teilhaben lassen an ihrem Leben, denen wir dabei zusehen wie sie den perfekten Heiratsantrag bekommen, für den unser eigener Mann nicht romantisch genug ist, wie sie zum genau passenden Zeitpunkt schwanger werden, dabei von Tag zu Tag strahlend und schön in die Kamera lächeln und nicht, wie man selber, von Übelkeit und geschwollenen Beinen gequält werden, wie sie drei Wochen nach der Entbindung schon wieder in Size Zero passen und in ihrer wunderschönen Landhausküche das Weihnachtsessen vorbereiten, während das Neugeborene rosig und zufrieden in seiner Wiege schlummert. Ach, wie kann man den da nicht neidisch werden und natürlich auch etwas an sich selber zweifeln, sollte/müsste man all dies nicht auch schaffen? Ja, wenn ich vielleicht auch die tolle Pfanne verwende, die sie in ihrem letzten Video gezeigt hat, oder wenn ich die sündhaft teure Gesichtscreme verwende die sie empfohlen hat und natürlich, wenn ich das Kleidchen aus biozertifizierter, nachhaltig angebauter Baumwolle kaufe, in dem ihr Baby beim Neugeborenenshooting so süß aussah.
Ich denke jeder von uns weiß wovon ich hier rede und die meisten von uns sind nicht immer immun gegen die Verheißungen der bunten Social Media Welt. Die Meisten von uns wissen allerdings, dass das, was wir da auf dem Bildschirm sehen eben nicht die Realität ist, das es "Perfekt" eben nicht gibt und vor allem, dass das, was einige als "Perfekt" propagieren nicht erstrebenswert ist, sondern einen Rückschritt bedeutet. Das Buch treibt diese Thematik natürlich etwas auf die Spitze, zeigt aber dadurch auch sehr erschreckend wohin Fatalismus und Fanatismus führen können, wie gefährliche Ideologien unter dem Deckmantel von Traditionen und familiären Werten versteckt, Ängste ausgenutzt und geschürt werden. Neu ist diese Thematik so gar nicht, denn schon die Nationalsozialisten machten sich diese zu Nutze und auch heute gibt es wieder politische Gruppierungen, die in einer Rückbesinnung auf traditionelle Werte als Maß für die Gesundung der Nation sehen, in großem Umfang natürlich in den USA, durch die Regierung Trump, aber leider auch wieder hier in Deutschland, wo man eigentlich meinen sollte, man hätte aus der Geschichte gelernt.
Mich macht all dies unglaublich wütend. Wenn ich Natalies religiöse Verklärtheit miterlebe, ihre hartnäckige Ignoranz bestimmten Realitäten gegenüber, ihr starres Beharren, ihr Festhalten und ihr Leugnen, dann möchte ich diese Frau anschreien, sie schütteln und das obwohl ich sie zu Beginn des Buches durchaus mochte, sie für ihre Standhaftigkeit gegenüber den Verlockungen des Lebens, wie Alkohol und Drogen, sogar gefeiert habe. Der Wandel, den sie vollzieht, diese Veränderung in ihrem Wesen, der sie sich so offenen Auges und mit voller Absicht hingibt, ja regelrecht ergibt, den kann ich dann aber so gar nicht mehr gutheißen, fast hatte ich beim Lesen Angst, ihre Glaubenssätze könnten aus dem Buch heraus auf mich abfärben, ähnlich einer literarischen Gehirnwäsche. Die Autorin hat hier wirklich tolle Arbeit geleistet und mit Natalie eine Figur geschaffen, die unglaublich polarisiert, die nicht nett und sympatisch ist, aber einen trotzdem in ihren Bann zieht, sie hat eine Geschichte geschrieben, die wie Treibsand ist, die in trügerischer Idylle schwelgt und gleichzeitig zäh und klebrig an einem haftet und einen nicht wieder los lässt.
Yester Year ist ein unglaublich fesselndes Buch, sprachlich ein absolutes Highlight. Hier auch ein großes Lob an die Übersetzerinnen. Die Figuren, die Stimmungen, die Emotionen kommen dem Leser so nahe, wie es nur selten der Fall ist. In zwei Teilen, Vergangenheit und Gegenwart, wird Natalies Geschichte erzählt und diese Geschichte entwickelt sich so total anders, als der Leser es zuerst erwartet hat. Tatsächlich kann es passieren, dass man hier kurz etwas stutzt, nicht ganz weiß was das soll, aber hier kann ich nur darum bitten dem ganzen seinen Lauf zu lassen, sich einzulassen. Die Erklärung kommt und Nichts hat mich auf diese Erklärung vorbereitet, ich war absolut sprachlos, nicht nur darüber wie verblendet man sein kann. Für mich war das Buch definitiv ein Jahreshighlight, ich habe noch Tage danach darüber nachgedacht, habe immer wieder nach den richtigen Formulierungen für diese Rezension gesucht und diese auch immer wieder geändert, es gab so viele Punkte, die ich hier unbedingt ansprechen und verdeutlichen wollte und die ich wahrscheinlich nicht mal zur Hälfte letztlich hier untergebracht habe. Yester Year ist ein Buch das ich nur jedem ans Herz legen kann und über das ich so unglaublich gerne mit Anderen diskutieren würde. Bitte, bitte lesen.
Mit „Yesteryear“ hat Caro Claire Burke einen Roman geschaffen in dem die Echos der Vergangenheit in ein brandaktuelles Thema hinein schallen.
Worum geht‘s?
Natalie Heller Mills, unsere Ich-Erzählerin (und Oh Gott! Was für eine Ich-Erzählerin!) hat nach außen hin alles: Farm, Mann, Kinder, das perfekte Trad Wife Leben.
Was ihre 5 Millionen Putzer-Fische... Äh... Sorry, Follower nicht ahnen: Wie viele Menschen im Hintergrund werkeln, damit Natalie die Fassade aufrecht erhalten kann.
Als sie dann plötzlich eines Morgens auf ihrer Farm aufwacht und im Jahr der Gründerväter gelandet ist beginnt ein spannender Blick auf den Zerrspiegel den Natalie der Welt vorgehalten hat.
Meine Meinung:
Ich bin von Burkes Schreibstil extrem begeistert, bzw von der Art und Weise wie sie Natalie geschrieben hat. Ich kann nicht genau sagen was für mich den Reiz ausgemacht hat einer, im Grunde, mehr als unsympathischen Protagonistin atemlos durch die Seiten zu folgen. Aber der war definitv da. Natalies Geschichte ist spannend, wenn auch ihr Denken und Handeln wenig nachvollziehbar und das soll es ja zum Glück auch gar nicht sein.
Wir dürfen sie unsympathisch, pathetisch und ja auch ganz schön fies finden und trotzdem mit ihr mitfiebern und mitleiden (wenn sie zb 1805 Wäsche am Waschbrett waschen muss. Über Stunden. In kaltem Wasser. Nur um zu sehen, dass sie sofort wieder dreckig wird.).
Zu Beginn lernen wir Natalies Leben als Trad Wife Influencerin kennen. Das fand ich persönlich schon so bizarr und spannend, dass ich noch Kapitel über Kapitel hätte lesen können. Doch ziemlich schnell landet unsere Protagonistin, ohne ihr Smartphone in der Vergangenheit.
Ab da wechseln sich die Kapitel meist ab zwischen Natalie in ihrer jetzigen Situation und mit Rückblicken auf Natalies Leben und wie sie zu der wurde die sie ist, bis dann am Ende gekonnt alle Fäden zusammen geführt werden.
Besonders faszinierend fand ich die Tatsache, dass sowohl Natalie als auch ihr Mann Caleb an den jeweiligen Rollenbildern die sie meinen ausfüllen zu müssen im Grunde, mehr oder weniger, kaputt gehen. Und auch die Diskrepanz zwischen dem Bild der Trad Wife, die ja nicht arbeitet und der Influencerin, die ganz schön viel Geld damit macht wurde aus meiner Sicht gut getroffen.
Das Buch wirft so viele wichtige Fragen auf und schneidet aktuelle politische Themen an, dass ich sehr gerne einen Buch Club dazu gehabt hätte um alles bis ins kleinste zu diskutieren.
Manosphere ist hier nur ein Schlagwort dass noch an Bedeutung in der Geschichte gewinnen wird.
Fazit:
„Yesteryear“ ist ein Roman der es versteht mit den Gefühlen der Leser:innen zu spielen, der eine Protagonistin in den Mittelpunkt stellt die im Grunde keinerlei Sympathiepunkte verdient und mit der man doch gerne auf emotionale Achterbahnfahrt geht.
Ein Buch für alle die keine „Heile Welt“ brauchen, sondern einmal hinter die Fassade blicken wollen.
Mit ‘Yesteryear‘ legt Caro Claire Burke uns Lesern ihren Debütroman vor, der sozialkritisch das Leben einer Familie zwischen Fake und Realität unter die Lupe nimmt, ungeschönt die Sichtweisen Betroffener ...
Mit ‘Yesteryear‘ legt Caro Claire Burke uns Lesern ihren Debütroman vor, der sozialkritisch das Leben einer Familie zwischen Fake und Realität unter die Lupe nimmt, ungeschönt die Sichtweisen Betroffener darstellt und schließlich die Konsequenzen wehrloser Personen offenlegt. Kritisch, scharfzüngig mit einer großen Portion Komik widmet sie sich einem in unserer Gesellschaft äußerst aktuellem Thema, das viel Raum zur Diskussion bietet und durchaus kontrovers betrachtet wird und eine Lebenseinstellung widerspiegelt.
Natalie ist erfolgreiche Bloggerin, die das Leben einer tradwife, also einer im traditionellen Sinne weiblichen Person im familiären Landleben, vermarktet und verherrlicht, in dem sie die schönen und angenehmen Seiten herausstellt, die tatsächlichen Herausforderungen beschönigt oder ganz weglässt und damit Begehrlichkeiten weckt. Aber nicht nur Bewunderung begleiten sie, sondern auch Hass und Neid. Ihr Erwachen in einem knallharten Alltag einer Siedlerfamilie der Pionierzeit im Staate Idaho schafft enorme Verwirrung in ihren Gedanken. Sie glaubt an eine Entführung, ein Mitwirken in einer Reality-Show, an einen bösen Alptraum. Doch was ist wirklich geschehen?
Die Autoren erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Natalie, spielt bis zum Schluss mit den Grenzen zwischen Fake und Realität, um schließlich zu einem völlig überraschenden Abschluss zu gelangen. Themen wie Manipulation, Selbstüberschätzung, Scheinweltverherrlichung, Täuschung der Öffentlichkeit aber auch Auswirkungen der Vermarktung von Kindern in den sozialen Medien werden kritisch betrachtet und herausgearbeitet.
‘Yesteryear‘ -Das letzte Jahr- zeigt wie Menschen sich in eine extreme Absurdität hineinsteigern können.