Cover-Bild Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: C.Bertelsmann
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 23.04.2018
  • ISBN: 9783570103357
Genki Kawamura

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Roman
Ursula Gräfe (Übersetzer)

Sinnsuche auf Japanisch - was im Leben wirklich zählt

Ein junger Briefträger erfährt überraschend, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Als er nach Hause kommt, wartet auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche, entscheidet der Teufel. Der Briefträger lässt sich auf dieses Geschäft ein. Am Tag darauf verschwinden alle Telefone. Am zweiten Tag die Filme, am dritten alle Uhren. Als am vierten Tag alle Katzen verschwinden sollen, gebietet der Briefträger dem Teufel Einhalt. Und macht etwas völlig Überraschendes ...

Genki Kawamura stellt in seinem Roman, von dem in Japan über eine Millionen Exemplare verkauft worden sind, die einfache Frage: Was macht ein gutes und erfülltes Leben aus?

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2018

Ein tolles Büchlein!

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Der Protagonist des Buches, dessen Namen nicht genannt wird, erfährt, dass er vielleicht nur noch eine Woche zu leben hat. Er hat einen Hirntumor und kann dessen Auswirkungen schon in Form von Schwindelanfällen ...

Der Protagonist des Buches, dessen Namen nicht genannt wird, erfährt, dass er vielleicht nur noch eine Woche zu leben hat. Er hat einen Hirntumor und kann dessen Auswirkungen schon in Form von Schwindelanfällen und Ohnmacht spüren. Als er aus seinem ersten Ohnmachtsanfall erwacht, trifft der Briefträger auf den Teufel. Dieser bietet ihm einen Pakt an: Der Briefträger darf weiter leben, wenn der Teufel für jeden Tag, an dem er noch lebt, eine Sache von der Welt verschwinden lassen darf. Der Briefträger willigt ein und so verschwinden zunächst alle Telefone, alle Filme… doch als der Teufel die Katzen von der Welt verschwinden lassen will, bemerkt der Briefträger, dass das nicht der Preis Ist, den er bereit Ist, für sein Leben zu geben. Denn an seiner eigenen Katze merkt er, wie wichtig die meisten Dinge oder auch Katzen, egal wie alltäglich sie scheinen, für den Menschen sind…

Weiter möchte ich an diesem Punkt gar nicht auf die Handlung eingehen, denn sonst bleibt nicht viel mehr von der Geschichte übrig.

Der Schreibstil von Kawamura ist sehr flott, er verwendet viel direkte Rede, weshalb man sehr schnell voran kommt. Die Geschichte ist tiefgründiger, als man dem Klappentext vielleicht entnehmen möchte und hat auch mich drüber nachdenken lassen, welchen Preis ich für mein Leben zahlen würde und welche Menschen vor meinem Tod wissen sollten, was sie für mich bedeuten. Dafür sind Bücher da: Sie sollen uns dazu bringen, über Dinge nachzudenken, die wie häufig als unwichtig betrachten, aber doch eine wichtige Rolle spielen, wenn es drauf ankommt. Das hat dieses Buch auf jeden Fall geschafft.

Leider kann ich dem Buch nicht 5 Sterne geben, da mir der Teufel so unsympathisch war und durch seine gewollt schämische Art ein wenig die Geschichte über Liebe, Familie, Wertschätzung und natürlich Katzen versaut hat.

Meine Bewertung: 4/5

Veröffentlicht am 25.04.2018

Ein außergewöhnliches Werk über die Dinge, die im Leben wirklich wichtig sind

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Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass ich selten so ein wunderschönes Cover gesehen habe. Die Farben harmonieren total und es ist einfach wirklich gelungen.
Der Titel hat mich sofort zum Nachdenken ...

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass ich selten so ein wunderschönes Cover gesehen habe. Die Farben harmonieren total und es ist einfach wirklich gelungen.
Der Titel hat mich sofort zum Nachdenken gebracht, da ich, der totale Katzenfreak, mir ein Leben ohne diese wundervollen Tierchen, absolut nicht vorstellen kann.
Ich habe dann auch noch gelesen, dass der Autor dieses Werks, der Regisseur von dem Anime "Your Name" ist, welchen ich erst vor kurzem gesehen habe. Zusätzlich ist er auch der Autor, der "Geständnisse" geschrieben hat. Da ich den Anime wirklich super fand, war ich danach nur umso gespannter auf dieses Buch.

Es beginnt damit, dass wir erfahren, dass unser namensloser Protagonist, der Postbote ist, erfährt, dass er einen Gehirntumor hat und ihm nicht mehr viel Zeit zum Leben bleibt. Wir werden also quasi direkt ins Geschehen geworfen.
Als er schließlich Zuhause, bei seinem Kater Weißkohl, ankommt und über sein Leben nachdenkt, trifft er auf den Teufel, der genau so aussieht, wie er selbst. Hast du schon mal einen Teufel in bunten Hosen, Hawaiihemd und mit Sonnenbrille gesehen? Nein? Unser Postbote auch nicht. Die Kleidung ist auch das Einzige, was die Beiden voneinander unterscheidet, denn unser Protagonist trägt für gewöhnlich nur schwarze und weiße Sachen.
Der Teufel wird hier fantastisch dargestellt, wie ich finde, denn er ist furchtbar sarkastisch und die Szenen, in denen er auftaucht sind sehr humorvoll geschrieben.
Der Postbote bekommt einen Deal vorgeschlagen, dass er jeden Tag etwas verschwinden lassen muss und im Gegenzug wird ihm ein weiterer Lebenstag geschenkt. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass der Teufel darüber entscheidet, was verschwindet und was nicht. Deshalb überlegt sich unser junger Postbote auch immer erst "was wäre wenn .... verschwände?" und erzählt dann eine kleine Geschichte zu dem, was verschwinden soll.
Der Schreibstil von Kawamura ist gewöhnungsbedürftig, da die Sätze doch alle sehr kurz waren, was an manchen Stellen etwas abgehackt auf mich gewirkt hat. Es war auch befremdlich, dass es sehr wenige Namen gab, aber dass war nicht weiter schlimm, denn die Geschichte hat mit ihrer poetischen und tiefgründigen Seite viele Kleinigkeiten ausgeblendet.

Fazit:

Für alle Katzenliebhaber ist dieses Buch eine absolute Empfehlung, schaut es euch einfach mal an! Ansonsten kann ich sagen, dass mir das Buch viel Freude bereitet hat und mich wirklich zum Grübeln gebracht hat, was wir wirklich im Leben brauchen und was nicht und man wachgerüttelt wird, dass unser Leben hier nicht für immer ist.
Mir hat jedoch an manchen Stellen ein bisschen die Verbindung zu den Charakteren gefehlt und ich konnte nicht so gut mit ihnen fühlen. Das Ende war jedoch sehr emotional und tiefgründig und konnte mich überzeugen. Es ist definitiv ein skuriles Buch, welches man, auch wegen des Schreibstils, einfach mögen muss, was manchen Leuten vielleicht schwieriger fallen wird. Ich jedoch fand es wirklich gut, es hätte aber dennoch ein paar Seiten mehr vertragen können und dafür noch ein bisschen ausführlicher sein können, da es mit knapp 200 Seiten doch sehr kurz war.
Ich gebe diesem außergewöhnlichen Werk deshalb 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 24.04.2018

Wenn alle Katzen verschwinden würden - was wäre dann?

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Ein junger Briefträger erfährt, dass seine vermeintliche Grippe ein Hirntumor ist und er nicht mehr lange leben wird.
Zuhause erwartet ihn der Teufel persönlich, der ihm einen Pakt anbietet:
Für jede Sache, ...

Ein junger Briefträger erfährt, dass seine vermeintliche Grippe ein Hirntumor ist und er nicht mehr lange leben wird.
Zuhause erwartet ihn der Teufel persönlich, der ihm einen Pakt anbietet:
Für jede Sache, die von dieser Welt verschwindet erhält er einen weiteren Tag Leben.
Entscheiden darüber, was verschwindet, wird er, der Teufel.

Der Briefträger willigt ein - und am ersten Tag verschwinden alle Telefone von dieser Welt. Am zweiten Tag lässt der Teufel alle Filme verschwinden, am dritten die Uhren.

Als er am vierten Tag alle Katzen von dieser Welt verschwinden lassen möchte weigert sich der Briefträger und trifft eine überraschende Entscheidung.

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„Wenn alle Katzen von dieser Welt verschwänden“ ist ein kleines Buch, ein kurzes Buch. Unter 200 Seiten und doch wird wesentlich mehr gesagt, als so mancher dicke Wälzer es schafft.

Was passiert, wenn Dinge von der Welt verschwinden? Was ändert sich für den Einzelnen und die Allgemeinheit?
Wird es besser oder schlechter ohne Telefone, Filme, Uhren für uns?
Was genau bedeuten uns diese Dinge?

Diesen Fragen geht das Buch philosophisch, aber dennoch sehr pragmatisch aus der Sicht des jungen Briefträgers nach.

Er geht den Deal ein - denn sein Leben ist ihm wichtiger als jedes Telefon. Er versucht sich zu erklären, schließlich sind die Menschen doch mehr als abhängig von den Smartphones, stehen wie Zombies in der Gegend rum und starren auf ihre Displays.
Aber er selber, er war immer unfähig, seine Emotionen auszudrücken - ausser am Telefon. Das Verschwinden der Telefone lässt ihn Revue passieren, was damals das Telefon für ihn bedeutet hat. In der Beziehung mit seiner damaligen Freundin, die er als letztes Telefonat noch einmal anruft - und wieder sieht.

Auch die Filme, die lässt er verschwinden. Und die Uhren.
Und spätestens hier geht es philosophisch richtig in die Tiefe, sind die Menschen durch ihre Gebundenheit an Stunden, Minuten und Sekunden doch eigentlich Gefangene der Zeit - und das selbst verschuldet, denn schliesslich haben sie die Uhren erfunden.

Bei den Katzen dann hört der Spaß auf. Wo sich schon bei den ersten verschwundenen Sachen für unseren Briefträger teils sehr persönliche Bezüge aufgetan haben sind es die Katzen - allen Voran Weißkohl, seine eigene Katze - die ihn verbindet, mit seiner verstorbenen Mutter, der sie gehört hat. Die ihn erinnert, an den letzten Urlaub mit seiner Familie, an seinen entfremdeten Vater.
Die Katze ist seine Verbindung zur Liebe, zur Menschlichkeit.
Wie kann er die Katzen verschwinden lassen? Welches Recht hat er zu entscheiden, was auf der Welt gebraucht wird und was nicht?

Er entscheidet sich für die Katzen und damit gegen sein eigenes Leben. Und schreibt einen Brief an seinen Vater, den er Jahre nicht gesehen hat - um am Ende zu verstehen, dass er ihm nicht schreiben, sondern ihn sehen muss.

Und dann endet das kleine Buch. Auf dem Weg zu seinem Vater.
Erreicht er ihn noch? Stirbt er vorher? Stirbt er überhaupt?
Das bleibt offen und ich muss ehrlich gestehen: ich empfinde es als etwas unbefriedigend.

Ähnlich wie die Sprache des Buches. Ich habe mich ab und an schwer getan mit meiner Beziehung zum Protagonisten - denn ich konnte keine aufbauen. Es gab kaum Möglichkeiten für mich, wirklich mitzuempfinden, immer blieb eine Distanz.

Natürlich ist es hier nicht zwingend nötig, sich mit dem Postboten identifizieren zu können, ist er doch eigentlich nur der Aufhänger, um grundlegende philosophische Bezüge der Menschlichkeit besprechen zu können.
Und das hat natürlich gut funktioniert und es ist schlau gemacht, anhand von simplen Dingen wie Filmen oder Telefonen einmal aufzuarbeiten, was sie eigentlich für uns bedeuten und wie sie uns verbinden - oder auseinanderhalten - mit den anderen Menschen.

Ein Buch, das in jedem Fall zum Nachdenken anregt über das Leben, das Miteinander und das „Warum“ hinter so vielen Dingen, die wir für selbstverständlich ansehen.
Auch Katzen.

Veröffentlicht am 28.06.2020

Der Tod verpackt in einem schönen Gedankengang

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Ich möchte mich nochmal herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares beim C. Bertelsmann Verlag und dem Bloggerportal bedanken!

Obwohl ich absolut kein Katzenmensch bin, hat sich der Klappentext ...

Ich möchte mich nochmal herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares beim C. Bertelsmann Verlag und dem Bloggerportal bedanken!

Obwohl ich absolut kein Katzenmensch bin, hat sich der Klappentext sehr vielversprechend angehört und zudem fand ich es ganz interessant einmal ein Buch eines japanischen Autors zu lesen. Der Schreibstil ist auf jeden Fall etwas ungewöhnlich und ich musste mich deswegen erst einmal an ihn gewöhnen. Auch der Protagonist ist sehr eigen und seine Handlungen stehen teils etwas im Zwiespalt zu seiner Beschreibung. Doch ansonsten ist die Geschichte unfassbar durchdacht und man stellt sich selbst oft die Frage: "Was wäre, wenn ...?". Man erfährt, was dem Postboten in seinem Leben alles widerfahren ist und dabei finde ich vor allem die Beziehung zu seiner Mutter herzzerreißend. Erst am Ende realisiert er, was bestimmte Ereignisse in seinem Leben bedeuten und was für einen Sinn und Zweck diese haben. Ich finde es sehr interessant wie Kawamura das Konsumverhalten und den Egoismus des Menschen mit einbezieht und diesen in Witzen und Geschichten verpackt. Den Schluss fand ich sehr rührselig und ich musste trotz der Schwere der Geschichte andauernd lachen. Es hat sich definitiv ein roter Faden durch das Buch gezogen und mir hat es sehr gefallen, dass das Ende offen ist, sodass man sich selbst aussuchen könnte, was nun geschehen wird.
Das Buch zeigt nicht nur auf, dass man sein Leben nicht vergeuden soll, sondern dass man auch dankbar für das sein sollte, was es auf der Welt gibt und vor allem, dass man die Menschen und Tiere wertschätzen sollte, die einem viel bedeuten und denen man selbst viel bedeutet!
Trotz des hohen Preises für ein doch sehr schmales Buch empfehle ich es dennoch jedem weiter, da es über die Vergänglichkeit des Lebens erzählt und den Leser zum Nachdenken bringt.

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Veröffentlicht am 14.09.2019

Nett für zwischendurch, aber ich habe mir eine tiefgründigere Geschichte erhofft

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Spoilerfreie Rezension! *

Inhalt

Ein junger Briefträger erfährt, dass er bald sterben wird. Der Teufel bietet ihm daraufhin einen Pakt an: Er darf ein paar Tage länger leben, aber an jedem dieser Tage ...

Spoilerfreie Rezension! *

Inhalt

Ein junger Briefträger erfährt, dass er bald sterben wird. Der Teufel bietet ihm daraufhin einen Pakt an: Er darf ein paar Tage länger leben, aber an jedem dieser Tage muss eine Sache aus der Welt verschwinden. Der Teufel bestimmt jedoch, was verschwinden soll. Und am 4. Tag sollen es die Katzen sein – dabei liebt der Protagonist seine Samtpfote doch so!

Übersicht

Einzelband oder Reihe: Einzelband
Verlag: C. Bertelsmann
Seitenzahl: 192
Erzählweise: Ich-Erzähler, Präteritum
Perspektive: männliche Perspektive (Briefträger)
Kapitellänge: mittel bis lang
Tiere im Buch: +/- Der Protagonist umsorgt seine Katze sehr liebevoll; als eine Katze stirbt, herrscht in der ganzen Familie große Trauer. Was mir nicht gefallen hat: Es wird Fleisch gegessen und es werden Sardinen verspeist. Als eine Katze todkrank wird und tagelang unter großen Schmerzen leidet, schauen alle zu und behaupten, dass sie sonst nichts tun könnten. Das stimmt aber nicht, in solch einem Fall ist es als HaustierbesitzerIn meine Pflicht, das Tier gehen zu lassen und es von seinen Schmerzen zu befreien – es also fachgerecht einschläfern zu lassen! Noch ein zusätzlicher wichtiger Hinweis: Im Roman wird eine Katze alleine gehalten. Da es sich hier um einen Freigänger handelt, ist die Einsamkeit nicht ganz so schlimm, weil sich die Katze draußen Freunde suchen kann, aber die Situation ist trotzdem nicht optimal, denn grundsätzlich gilt: Katzen sind alleine niemals glücklich (sind sind EinzelJÄGER, keine EinzelGÄNGER), sondern sehr einsam und unglücklich. Sie können verschiedene Verhaltensstörungen entwickeln und depressiv und/oder aggressiv werden. Wer seine Katze liebt, schenkt ihr deshalb mindestens einen Gefährten. Von Halsbändern rate ich übrigens auch dringend ab: Wenn die Katze wo hängen bleibt, könnte das ihr Todesurteil sein – auch wenn z. B. der automatische Verschluss sich aus irgendeinem Grund doch nicht öffnet.

Warum dieses Buch?

Aufmerksam bin ich auf dieses Buch durch das wunderschöne Cover und den ungewöhnlichen Titel. Als Katzenliebhaberin konnte ich da natürlich nicht widerstehen! Zudem klang die Idee sehr erfrischend und kreativ, sodass ich das Buch unbedingt lesen wollte.

Meine Meinung

Einstieg (+)

"Wie wäre es wohl, wenn alle Katzen von der Welt verschwänden? Wie würde sie sich verändern?" Seite 5

Der Einstieg ist mir sehr schnell und gut gelungen. Gleich im ersten Kapitel werden die Leserinnen direkt angesprochen und es wird eine verrückte Geschichte angekündigt, die dem Briefträger laut eigenen Angaben tatsächlich passiert ist, was mich sofort neugierig gemacht hat.

Schreibstil (+/-)

„‘Äh – darf ich fragen, wer Sie sind?‘
‚Was glaubst du denn, wer ich bin?‘
‚Der Totengott?‘
‚Der Totengott? Dieser erbärmliche Wicht?‘“ Seite 13

Einerseits ist der einfache Schreibstil sehr locker, schnell und angenehm lesbar – das Buch lässt sich durch die Sprache und die große Schrift extrem schnell lesen! –, andererseits war er mir oft leider auch viel zu oberflächlich. Vor allem der Beginn ist sehr dialoglastig – hier fehlten mir Tiefe und Anschaulichkeit. Manche der „Lebensweisheiten“, die dem Protagonisten bewusst werden, fand ich sehr schön und weise, andere wirkten auf mich zu klischeehaft – ich hatte sie schon viel zu oft gehört. Der Humor hat nicht immer meinen Geschack getroffen, aber da kann man eben nichts machen.

Inhalt, Themen, Botschaften & Ende (+/-)

„Und mit dem Mobiltelefon hatten wir zugleich auch die Panik erfunden, mal keines zur Hand zu haben.“ Seite 43

Als ich dieses Buch entdeckt habe, war ich sofort Feuer und Flamme für die kreative, neuartige Idee. Ich erwartete eine tiefgründige Geschichte mit tiefschürfenden Reflexionen und philosophischen Fragestellungen. Leider hat mich das Buch deshalb ein wenig enttäuscht. Meiner Meinung nach wurde nämlich viel Potential verschenkt – die Geschichte hätte großartig und sehr erinnerungswürdig werden können. Stattdessen fehlte mir besonders in der ersten Hälfte Tiefe. Themen wie die Liebe zur Katze, Tod, Vergänglichkeit und vor allem die Veränderungen, die das Verschwinden von essentiellen Dingen mit sich bringen (darüber wollte ich viel mehr erfahren, deshalb habe ich das Buch ja überhaupt erst gelesen!), werden leider viel zu oberflächlich abgehandelt. Der Roman ist kurz, das gebe ich zu, aber ich habe schon ähnlich dünne Bücher gelesen, die mich nachhaltig berühren und zum Nachdenken anregen konnten. Das sollte also keine Ausrede sein – hier hätte sich der Autor einfach mehr Seiten nehmen sollen, um die Geschichte ordentlich zu entwickeln. Dazu kommen einige inhaltliche Wiederholungen – manchmal scheint die Geschichte nicht so recht vom Fleck zu kommen.

Zwei Dinge fand ich zudem etwas unglaubwürdig (und ich schreibe das mit einem Augenzwinkern): Erstens kann ich nicht verstehen, dass der Protagonist es schlimm findet, dass die geliebte Katze auf einmal sprechen kann. Wir KatzenlieberInnen wünschen uns doch seit Ewigkeiten, nur einmal hören zu können, was im Kopf des kleinen Lieblings vorgeht! Und zweitens: Die Katze behauptet, dass ihre Art neben Telefonen absolut bedeutungslos ist und dass ihr Verschwinden kein Verlust für die Welt wäre. Welche Katze würde je so reden? Katzenpersonal weiß, dass Katzen so etwas niemals sagen würden, dafür sind sie viel zu stolz und von sich überzeugt! Sie würden eher argumentieren, dass ruhig alles andere verschwinden kann, solange sie – die Krone der Schöpfung – noch auf Erden wandeln dürfen. ;)

Erstaunlicherweise wurde das Buch mit jeder Seite besser. Nach und nach erfährt man mehr über die Hauptfigur und deren Trauer um die geliebte Mutter, an der sie immer noch zu knabbern hat. Im letzten Teil habe ich richtig mitgefiebert, und nach dem offenen, aber gelungenen Ende habe ich gemerkt, dass mich das Buch mehr berührt hat, als ich das zu Beginn erwartet hätte.

Protagonist (+)

Ich fand den Protagonisten, dessen Namen wir übrigens nie erfahren, zwar nicht unbedingt sehr erinnerungswürdig, aber doch insgesamt gut gelungen und sympathisch, auch wenn ich ihn insgeheim während der Lektüre immer ein bisschen bemitleidet habe. Keine Frau, keine Kinder, keinen Kontakt mit dem Vater, keine engen Freunde, fast keine verwirklichten Träume – sein Leben klingt einfach so traurig! Seine Trauer und seine Gefühle seiner Mutter gegenüber fand ich sehr berührend und intensiv geschildert. Was ihn selbst und seine gegenwärtige Situation betrifft, hätte ich mir jedoch manchmal gewünscht, dass sein Innenleben detaillierter beschrieben wird.

Figuren (+/-)

Die anderen Figuren fand ich mittelmäßig ausgearbeitet, besonders da sie alle nur ganz kleine Rollen in der Geschichte spielen. Manche waren sehr gelungen, greifbar und sympathisch, andere blieben blass und erschienen nicht besonders liebenswert.

Spannung & Atmosphäre (+/-)

In der ersten Hälfte gab es trotz der kurzen, etwas vorhersehbaren Geschichte ein paar Längen. Wahrscheinlich, weil ich mir einfach mehr erwartet hatte und weil mich oberflächliche Geschichten schnell langweilen. Wenn ich lese, möchte ich mitgerissen, emotional berührt, unterhalten und zum Nachdenken gebracht werden – das ist dem Buch leider nur teilweise gelungen. Trotz allem war die Atmosphäre vor allem in der zweiten Hälfte erstaunlich deprimierend – das Buch hat mich echt ein bisschen runtergezogen. Dabei habe ich eigentlich mit einer positiven, herzerwärmenden und lebensbejahenden Geschichte gerechnet.

Feministischer Blickwinkel (-)

Die traditionellen Geschlechterrollen in der Familie des Briefträgers haben mich nicht gerade begeistert: Die Frau kocht gern und hält alles sauber, muss trotz ihrer Krankheit die Hausarbeit erledigen, bis sie zu schwach ist (nicht einmal dann fällt dem werten Gemahl ein, ihr zu helfen!?), ist emotional und liebevoll, kauft immer nur Kleidung fürs Kind, nie für sich selbst; einmal fragt sich der Sohn sogar, ob sie Hobbys hat oder mal Zeit für sich. Klingt ein bisschen nach weiblicher Selbstaufgabe in meinen Ohren! Der Vater ist natürlich kühl und zeigt kaum Emotionen. Eine Frau kritisiert zudem alles Mögliche als „unmännlich“, manches Mal findet sich auch die Formulierung „alle Frauen / alle Mütter“, was mir zu stereotypisierend war.

Aber es gibt auch Dinge, die ich loben möchte: Der Briefträger ist sensibel und darf weinen, und die ehemalige Freundin des Protagonisten wirkt sehr selbstbewusst – unsympathisch zwar, aber immerhin selbstbewusst.

Mein Fazit

„Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ ist ein Buch, von dem ich mir zum einen eine herzerwärmende, tiefgründige Geschichte mit philosophischen Reflexionen erwartet habe und zum anderen, dass es mich berührt und mich zum Nachdenken anregt. Das hat das Buch leider nur zum Teil und hauptsächlich in der zweiten Hälfte geschafft. Für die kreative, neuartige Idee war ich sofort Feuer und Flamme, leider wurde jedoch viel Potential verschenkt. Vor allem in der ersten Hälfte fehlte mir bei Themen wie Tod, Vergänglichkeit und den Veränderungen, die das Verschwinden von essentiellen Dingen mit sich bringt (deshalb habe ich das Buch ja überhaupt erst gelesen!), Tiefe. Hier hätte sich der Autor einfach mehr Zeit nehmen sollen, um die Geschichte ordentlich zu entwickeln. Dazu kommen einige inhaltliche Wiederholungen – manchmal scheint die Geschichte nicht so recht vom Fleck zu kommen. Der Einstieg ist mir leicht gefallen, der Schreibstil ist auf den ersten Blick einfach, locker und schnell und angenehm lesbar. Schon bald merkt man jedoch, dass er oft sehr dialoglastig ist und dass häufig Tiefe und anschauliche Beschreibungen fehlen. Manche der „Lebensweisheiten“ fand ich sehr schön und weise, andere wirkten auf mich zu klischeehaft – ich hatte sie schon viel zu oft gehört. Der Humor hat leider auch nicht immer meinen Geschmack getroffen. Ich fand den Protagonisten zwar nicht unbedingt sehr erinnerungswürdig, aber doch insgesamt gut gelungen und sympathisch, auch wenn ich ihn insgeheim während der Lektüre aufgrund seines traurigen Lebens bemitleidet habe. Die anderen Figuren sind verschieden gut gelungen: Manche überzeugen, andere bleiben blass. Nicht so gut gefallen haben mir die sehr traditionellen Geschlechterrollen in der Familie des Protagonisten. Zwischendurch gab es trotz der kurzen, etwas vorhersehbaren Geschichte ein paar Längen. Wahrscheinlich, weil ich mir einfach mehr erwartet hatte und weil mich oberflächliche Geschichten schnell langweilen. Trotz allem war das Buch überraschend deprimierend – ich hätte mit einer positiveren Atmosphäre gerechnet. Erstaunlicherweise wurde die Geschichte aber mit jeder Seite besser. Nach und nach erfährt man mehr über die Hauptfigur und deren intensive Trauer um die geliebte Mutter, an der sie immer noch zu knabbern hat. Im letzten Teil habe ich richtig mitgefiebert, und nach dem offenen, aber gelungenen Ende habe ich gemerkt, dass mich das Buch mehr berührt hat, als ich das zu Beginn erwartet hätte. Insgesamt ist „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ durchaus ein nettes Buch für zwischendurch, ich habe mir trotzdem mehr davon erhofft.

Bewertung

Idee: 5 Sterne ♥
Inhalt, Themen, Botschaft: 3,5 Sterne
Umsetzung: 3,5 Sterne
Worldbuilding: 2 Sterne
Einstieg: 5 Sterne
Schreibstil: 3 Sterne
Protagonist: 4 Sterne
Figuren: 3 Sterne
Spannung: 2 Sterne
Atmosphäre: 3,5 Sterne
Ende / Auflösung: 4 Sterne
Emotionale Involviertheit: 3-4 Sterne
Feministischer Blickwinkel: -

Insgesamt:

❀❀❀,5 Lilien

Dieses Buch bekommt von mir insgesamt dreieinhalb Lilien!