Impulsivität versus Ausharren & Geduld
Melancholisches Buch über verpasste Gelegenheiten und zweite Chancen - berührend geschrieben und nahegehend zum Nachdenken!
Katharina war für ihre demenzkranke Mutter da, obwohl sie noch eine Familie ...
Melancholisches Buch über verpasste Gelegenheiten und zweite Chancen - berührend geschrieben und nahegehend zum Nachdenken!
Katharina war für ihre demenzkranke Mutter da, obwohl sie noch eine Familie hat. Sie selbst erhält eine schreckliche Diagnose und bricht Hals über Kopf ihre Zelte ab, verlässt ihre Familie und lebt auf der Strasse.
Das ist im Jahr 1996. Unerwartet lernt sie den irischen Tierarzt ( jetzt hätte ich beinahe tierischer Irarzt geschrieben 😁 ) Odhran kennen. Eine positive Wende. Dieser "packt sie kurzerhand ein" und ab nach Irland.
Paul und Jenny, Freunde von ihm, bräuchten ohnehin jemanden, der ihnen zur Hand geht. Und das Leben in Irland tut Katharina gut.
Dank auch wegen Ordhrans Hartnäckigkeit und weil die Zuneigung ohnehin kontinuierlich wächst, erfährt sie erneut etwas, was ihr Leben und ihre vermeintlichen Erkenntnisse erneut über den Haufen wirft....
Die Protagonisten erfahren durch Heike Fröhling eine Ambivalenz, vor allem Katharina, deren Handeln, "einfach" ihre Familie zu verlassen, für den einen oder anderen hart nachvollziehbar und hart verständlich sein dürfte.
Im Laufe des Buches lernt man Katharina besser kennen und wie sehr die Pflege sie belastet hatte und auch das egozentrische Verhalten ihres damaligen Gatten. Jan verhielt sich auf seine Art auch verantwortungslos. Was kann man da tatsächlich Katharina objektiv vorwerfen?
Irland ist eine neue Chance und sein Zauber herrlich eingefangen. Die Landschaft ( en ) spielen ebenfalls eine heimliche Hauptrolle.
Der Schreibstil ist angenehm eingängig, ohne flach und trivial zu sein. Die Autorin versteht es, "schwere" Themen emotional, aber kitschfrei umzusetzen, so daß das dem Leser nahegeht.
Daß Katharinas und Odhrans anbahnende Beziehung nicht stürmisch verläuft, sondern sich langsam aufbaut, dafür aber um so größere Tiefe erhält, passt sehr gut zum Buch. Katharina muß erst wieder lernen, daß es andere Arten von Männern gibt, nachdem sie von Jan negativ konditioniert worden war.
Es gibt sogar gegen Ende des Buches hin, Hoffnung. Hoffnung - daß zwar die Vergangenheit nicht mehr zu ändern ist, dafür aber sehr wohl die Gegenwart und Zukunft.