Verschmelzung von Fiktion und Wirklichkeit
Es ist nicht einfach, wenn Fiktion sich so der Wirklichkeit und tatsächlich existierender Personen bemächtigt, wie das in diesem Roman der Fall zu sein scheint. Da fließt vieles ineinander und es ist schwierig, ...
Es ist nicht einfach, wenn Fiktion sich so der Wirklichkeit und tatsächlich existierender Personen bemächtigt, wie das in diesem Roman der Fall zu sein scheint. Da fließt vieles ineinander und es ist schwierig, Wirklichkeit und Illusion auseinander zu halten.
Im Oktober 1989 wird der Student und Bürgerrechtler Berthold Grün inhaftiert. Ihm wirft man den Mord an mehreren Menschen vor, diese Morde hat allerdings nicht er, sondern die STASI begangen. Erst 2020 wird Berthold Grün aus der Psychiatrie entlassen. Sein Anwalt, der uns doch sehr an Gregor Gysi erinnert, hatte damals eine Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt durchgesetzt, Alternative wäre die Todesstrafe gewesen. Die Jahre in der Psychiatrie hat er aufgrund starker Medikamente im Dämmerzustand verbracht, es hätten drei Jahre oder 30 Jahre sein können. Er entscheidet sich für einen Wohnort im Westen, für Düsseldorf. Seine ersten Schritte in Freiheit verwundern ihn sehr. Da hat sich doch wohl mehr aus der DDR erhalten, als er das angenommen hatte. Menschen wohnen in Gemeinschaftsunterkünften, auf ein Auto muss man Jahre warten, während der Corona-Pandemie wird die Freiheit der Menschen massiv eingeschränkt, Gegner dieser Maßnahmen stellt man politisch ins Abseits. Auch bei der politischen Führung trifft er auf „alte Bekannte“.
Er lebt sich recht schnell in Düsseldorf ein, es erstaunt und ist wohl eher unrealistisch, wie schnell er auch den Umgang mit den neuen Medien lernt, die es vor 30 Jahren noch nicht gab. Das Handy und der PC sind bald seine treuen Begleiter. Sein Schicksal lässt ihm keine Ruhe, er beginnt zu recherchieren.
Aber natürlich gibt es da auch die andere Seite, die weiterhin ein großes Interesse daran hat, die Ereignisse von damals nicht publik werden zu lassen. Denn die Protagonisten von damals haben Karriere gemacht und sitzen in ganz hohen politischen Ämtern. So entwickelt sich daraus ein Katz- und Maus-Spiel, das leider noch einiges an Kollateralschäden hinterlässt.
Neben dieser vordergründigen und manchmal schon fast utopischen Handlung fand ich vor allem die Hintergrundüberlegungen in den Gesprächen von Markus Wolf spannend und beachtenswert. Was wäre, wenn die Entwicklungen der letzten Jahre, der Linksruck in der Politik tatsächlich von langer Hand geplant gewesen wären? Ist das schon Verschwörungstheorie?