Es gibt Bücher, bei denen man nach den ersten Seiten weiß: Das wird kein entspanntes Lesen auf der Couch – das wird eine emotionale Achterbahnfahrt. Und genau das ist Das Kalendermädchen.
Der Prolog? Pure Gänsehaut. Fitzek schmeißt einen ohne Vorwarnung mitten in eine Situation, die so grausam wie faszinierend ist – und ab da gibt’s kein Zurück mehr. Man liest, man zweifelt, man will verstehen. Und gleichzeitig denkt man sich: Was, wenn das wirklich passieren könnte?
Olivia Rauch ist keine typische Fitzek-Protagonistin. Sie ist verletzlich, getrieben, verzweifelt – aber gerade das macht sie so greifbar. Ihre Suche nach den Wurzeln ihrer Adoptivtochter Alma ist nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit, sondern auch eine moralische Grenzerfahrung. Und als sie von der Legende des Kalendermädchens hört, kippt das Ganze von „emotional“ in „unheimlich faszinierend und verstörend“.
Der Mix aus Mystery, Thriller und dieser fast schon märchenhaft-düsteren Atmosphäre funktioniert hier unfassbar gut. Ich hab zwischendurch wirklich vergessen zu atmen – Fitzek spielt wieder meisterhaft mit den Ängsten, die tief im Alltag lauern. Gleichzeitig hat das Buch eine zweite, ganz leise Ebene, die weh tut: Wie weit würdest du gehen, um dein Kind zu retten?
Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Geschichte in der Geschichte. Diese verschachtelte Erzählweise, dieses Spiel mit Realität und Legende – das ist so clever gemacht, dass ich mehrfach zurückblättern musste, nur um sicherzugehen, dass ich nichts übersehen habe.
Aber (und das ist der Grund für 4 statt 5 Sterne): Gegen Ende wird es etwas too much. Es überschlagen sich die Wendungen, die Enthüllungen fliegen einem nur so um die Ohren, und man verliert kurz den Halt, den man sich mühsam aufgebaut hat. Ich liebe Twists – aber hier hätte ich mir manchmal gewünscht, Fitzek würde eine seiner genialen Ideen einfach mal stehen lassen, statt direkt die nächste Explosion zu zünden.
Trotzdem: Das Kalendermädchen bleibt hängen. Es macht wütend, traurig, fassungslos – und genau deshalb konnte ich es nicht aus der Hand legen. Fitzek zeigt hier eine neue, fast poetische Seite von sich, ohne seine dunkle Signatur zu verlieren.
Fazit:
Ein düsterer, intensiver und zugleich emotionaler Fitzek, der unter die Haut geht. Kein klassischer Thriller – eher ein psychologisches Labyrinth, aus dem man erst herausfindet, wenn man die letzte Seite gelesen hat.
Ich hatte Herzklopfen, Gänsehaut und einen Knoten im Bauch – und ja, vielleicht war das genau so gewollt.