Cover-Bild Loyalitäten

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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 176
  • Ersterscheinung: 13.09.2018
  • ISBN: 9783832183592
Delphine de Vigan

Loyalitäten

Roman
Doris Heinemann (Übersetzer)

Der 12-jährige Théo ist ein stiller, aber guter Schüler. Dennoch glaubt seine Lehrerin Hélène besorgniserregende Veränderungen an ihm festzustellen. Doch keiner will das hören. Théos Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt. Der Junge funktioniert und kümmert sich um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. Um ihren Sohn müssen sie sich keine Sorgen machen. Doch Théo trinkt heimlich, und nur sein Freund Mathis weiß davon. Der Alkohol wärmt und schützt ihn vor der Welt. Eines Tages wird ihn der Alkohol ganz aufsaugen, das weiß Théo. Doch wer sollte ihm helfen? Hélène, seine Lehrerin, würde es tun, wie aber soll das gehen, ohne dass er die Eltern verrät? Mathis beobachtet das alles voller Angst. Zu gerne würde er sich seiner Mutter anvertrauen, allerdings ist Théo sein einziger Freund. Und einen Freund verrät man nicht. Außerdem würde er damit auch demjenigen in den Rücken fallen, der den Minderjährigen den Alkohol besorgt. Und der ist es, der das gefährliche Spiel in dem schneebedeckten Park vorschlägt, bei dem Théo bewusst den eigenen Tod in Kauf nimmt.
Wer möchte nicht denen gegenüber loyal sein, die er liebt? In ihrem neuen Roman erzählt Delphine de Vigan von der manchmal gefährlichen Komplexität unserer lichen Beziehungen. Dabei erweist sie sich einmal mehr als unbestechliche Chronistin zwischenmenschlicher Missstände.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.09.2018

Unsichtbare Verbindungen

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Théo Lubin ist erst zwölfeinhalb Jahre alt und hat bereits ein Alkoholproblem. Seine Eltern haben sich scheiden lassen. Nun kümmert sich der Junge um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. ...

Théo Lubin ist erst zwölfeinhalb Jahre alt und hat bereits ein Alkoholproblem. Seine Eltern haben sich scheiden lassen. Nun kümmert sich der Junge um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. Théos Lehrerin Hélène bekommt mit, dass etwas mit dem stillen Schüler nicht stimmt. Doch ihre Beobachtungen nimmt niemand so richtig ernst. Auch Thèos Freund Mathis Guillaume weiß nicht, was er tun soll, denn sein eigener älterer Bruder besorgt den Alkohol und plant ein gefährliches Spiel, das Théo das Leben kosten könnte…

„Loyalitäten“ ist ein berührender Roman von Delphine de Vigan.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus einigen kurzen Abschnitten. Im Wechsel werden die Kapitel aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt: Lehrerin Hélène (Ich-Perspektive), Théo, Mathis und Cécile (ebenfalls Ich-Perspektive). Dieser Aufbau ist gut durchdacht.

Der besondere Schreibstil ist eindringlich, einfühlsam und gleichzeitig intensiv. In sprachlicher Hinsicht tritt das ganze Können der Autorin zutage. Schnell entfaltet die Geschichte eine Sogwirkung, der ich mich nur schwer entziehen konnte, sodass ich das Buch nur ungern zur Seite gelegt habe.

Die Charaktere wirken sehr lebensnah, haben sie doch alle ihre Ecken und Kanten. Durch den Perspektivwechsel kann man sich gut in sie hineindenken und ihr Verhalten nachvollziehen.

Auch inhaltlich konnte mich der Roman überzeugen, denn trotz der eher wenigen Seiten mangelt es ihm nicht an Tiefgang. Eine Stärke ist es, dass gesellschaftskritische Komponenten nicht fehlen. Dabei geht es nicht nur um die Alkoholkonsum von Minderjährigen. Auch wichtige zwischenmenschliche Aspekte wie Liebe, Treue, Vertrauen, Schuld und andere Verflechtungen werden beleuchtet. Dabei dreht es sich um die Folgen der Loyalitäten, jene unsichtbare Verbindungen, die alle Personen betreffen. Dadurch regt die Geschichte zum Nachdenken an.

Trotz der ernsten Themen wird die Handlung nicht langweilig, sondern bleibt bis zum Ende spannend und fesselnd. Zudem gelingt es der Autorin, mit der Geschichte zu bewegen und betroffen zu machen.

Das schlichte, aber ansprechende Cover und der kurze, prägnante Titel, der sich stark am französischen Original („Les loyautés“) orientiert, passen nach meiner Ansicht dazu hervorragend.

Mein Fazit:
„Loyalitäten“ von Delphine de Vigan ist ein gelungener Roman über Themen, die uns alle angehen. Eine empfehlenswerte Lektüre, die nachdenklich macht und noch eine Weile bei mir nachklingen wird.

Veröffentlicht am 20.09.2018

Delphine de Vigans Roman dieselt wie auch ihrer früheren Bücher sehr lange im Leser nach. Er geht ihm unter die Haut. Man kann das Buch und vor allen Dingen die Personen lange nicht vergessen. Wie viele Theos und Mathisse sitzen da in unseren Klassenzimme

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Delphine de Vigan, Loyalitäten, Dumont 2018, ISBN 978-3-8321-8359-2

Das neue Buch von Delphine de Vigan hat mich tief beeindruckt und bewegt. Sie erzählt daran von Menschen, die allesamt eine Bürde mit ...

Delphine de Vigan, Loyalitäten, Dumont 2018, ISBN 978-3-8321-8359-2

Das neue Buch von Delphine de Vigan hat mich tief beeindruckt und bewegt. Sie erzählt daran von Menschen, die allesamt eine Bürde mit sich herumtragen, die aber nicht offensichtlich werden darf. Ihr Leiden am Leben und ihrem Schicksal, ihre Scham, ihre Lügen anderen gegenüber und die Geschichten, die sie erzählen, um andere nicht zu verletzen, sie zu schützen und um selbst irgendwie zu überleben –all das sind „Loyaliäten“, denen sie sich unausgesprochen verpflichtet wissen und die sie an den Rand ihrer Kräfte bringen.

Die Hauptpersonen des kleinen Romans, dem es gelingt auf knappem Raum mehr zu erzählen als so mancher dicker Wälzer, sind der 12-jährige Theo, seine Lehrerin Helene, seine Mutter Cecile und sein Freund Mathis. Abwechselnd lässt de Vigan diese Personen in einer fortlaufenden, sich durchaus spannend zuspitzenden Handlung erzählen, wobei die beiden Erwachsenen in der Ich-Form berichten.

Helene, der Lehrerin, fällt der neue Schüler Theo Lubin bald auf. Sie spürt, dass mit dem Jungen irgendetwas nicht in Ordnung ist, und bemüht sich, in Gesprächen mit dem Schulleiter zu erklären, was sie spürt. Auch einem befreundeten Kollegen namens Frederic öffnet sie sich, doch der, durchaus auch beunruhigt, hält ihren seelischen Zustand für „kurz vor dem Zerspringen“ und rät ihr, alles nicht so ernst zu nehmen.
Helene ist nicht überzeugt, zumal sie bei Theo die ganze Zeit der Handlung über immer mehr besorgniserregende Veränderungen feststellt. Doch sie scheint in den Loyalitäten ihrer Schulbürokratie gefangen und als sie endlich durchbricht, scheint es zu spät.

Auch mit den Eltern hat Helene gesprochen, aber die sind geschieden und scheinen nur mit sich selbst beschäftigt. Theo indes, ein ruhiger und guter Schüler, kümmert sich (Loyalitäten!) um die unglückliche Mutter und den vereinsamenden und verwahrlosenden Vater.

Theo ist mit allem überlastet und trinkt heimlich Alkohol. Der wärmt ihn und schützt ihn vor der ihm als unwirtlich erscheinenden Welt. Nur sein Freund Mathis weiß von Theos immer stärker werdendem Alkoholkonsum, schweigt aber. Theo weiß genau, was der Alkohol schlussendlich mit ihm machen wird, doch er ist hilflos. Er spürt, dass seine Lehrerin Helene ihm helfen möchte, aber er kann doch nicht seine Eltern verraten!
Auch Mathis würde gerne seiner Mutter von seiner Angst um Theo erzählen, doch er ist doch sein einziger Freund. Außerdem würde er dann seinen älteren Bruder bloßstellen, der den Alkohol für Theo und andere Minderjährige besorgt.

Immer mehr spitzt sich die Lage zu, keiner wagt wirklich einzugreifen, zu viele Loyalitäten stehen dagegen. Und als Mathis` Bruder ein Spiel im schneebedeckten Park vorschlägt, ist Theo bereit, seinen eigenen Tod in Kauf zu nehmen und zu suchen.

Das Spiel läuft aus dem Ruder und als die endlich von Mathis informierte Helene im Park ankommt, und zwei Mal zu dem leblosen Theo sagt: „Ich bin da“, weiß man nicht, ob es nicht schon längst zu spät ist.

Delphine de Vigans Roman dieselt wie auch ihrer früheren Bücher sehr lange im Leser nach. Er geht ihm unter die Haut. Man kann das Buch und vor allen Dingen die Personen lange nicht vergessen. Wie viele Theos und Mathisse sitzen da in unseren Klassenzimmern und wie viele Lehrer nehmen überhaupt noch wahr, was mit ihnen los ist?

Veröffentlicht am 18.09.2018

Starkes Buch zu den Unwägbarkeiten unserer Gesellschaft

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Entsprechend des Titels ihres Romans „Loyalitäten“ zeigt die Französin Delphine de Vigan die innere Verbundenheit des zwölfjährigen Theo mit seinen geschiedenen Eltern. Auch das Cover zeigt Verbindungen. ...

Entsprechend des Titels ihres Romans „Loyalitäten“ zeigt die Französin Delphine de Vigan die innere Verbundenheit des zwölfjährigen Theo mit seinen geschiedenen Eltern. Auch das Cover zeigt Verbindungen. Die Farbstreifen, jeder in einer anderen Farbe und vor den Überschneidungspunkten eine Weile für sich laufend, bringen die Persönlichkeit des Individuums zum Ausdruck.

Théos Eltern sind schon einige Jahre geschieden und haben das gemeinsame Sorgerecht. Eine Woche lebt Theo bei seinem Vater, in der folgenden Woche bei seiner Mutter, die in unterschiedlichen Stadtteile von Paris ihre Wohnungen haben. Seine Mutter möchte längst nichts mehr über ihren früheren Mann erfahren, während sich Théos Vater aufgrund seiner Arbeitslosigkeit zunehmend der Gesellschaft entfremdet. Théo möchte helfen, aber die Vorgaben seiner Eltern, welche Informationen über sie nach außen gegeben werden dürfen, sind streng. Er versucht sich dem Dilemma zu entziehen, in dem er seinen Kummer im Alkohol ertränkt. Sein gleichaltriger Freund Mathis hält zu ihm und beginnt für ihn zu lügen. Die Biologielehrerin von beiden hat einen Verdacht, doch ihr wird nicht geglaubt.

Delphine de Vigan erzählt aus vier unterschiedlichen Perspektiven. Während die Lehrerin Hélène und Cécile, die Mutter von Mathis, in der Ich-Form berichten schaut die Autorin auf die Minderjährigen Théo und Mathis als allwissende Erzählerin. Beide erwachsenen Protagonistinnen haben in ihrer Jugend Demütigendes erlebt, die Erinnerung daran bleibt. Delphine de Vigan dringt ganz tief ein in das Beziehungsgeflecht der Gesellschaft, das nicht nur von Gesetzen sondern auch von Werten und Normen bestimmt wird. Dabei nehmen die sozialen Netzwerke einen immer höheren Stellenwert ein.
Théo fühlt sich zwar seinen Eltern gegenüber verpflichtet, aber durch ihre Unfähigkeit zum Vorbild sucht er einen Ausweg. Die Situation macht Théo sprachlos, er traut keinem mehr. Durch Alkohol betäubt er sein Bewusstsein, erhofft sich aber vielleicht unterschwellig, dass sein verändertes Verhalten auffällt. Hélène weiß durch eigene Erfahrung, dass vieles aus der Familie nicht nach außen dringt. Ihr Wunsch, hinter die Fassade von Théo zu schauen, stößt auf Unverständnis mit dem Hinweis auf gesellschaftlich konformes Verhalten.

Mathis ist ein typischer Jugendlicher zu Beginn der Pubertät. Er beginnt die Rolle seiner Eltern zunehmend in Frage zu stellen, sich mit Gleichaltrigen und älteren Jugendlichen zu vergleichen und sich deren Handlungsweisen zu eigen zu machen. Seine Freundschaft zu Théo hält länger an als zu jedem anderen und dadurch fühlt er sich ihm, zum großen Glück für seinen Freund, durch ein starkes Band verbunden.

Die Autorin hält den Schluss bewusst offen und ließ mich mit Hoffnung für alle Beteiligten aus dem Roman zurück. „Loyalitäten“ ist ein starkes Buch zu den Unwägbarkeiten unserer Gesellschaft. Es stimmt äußerst nachdenklich und hallt noch lange nach.

Veröffentlicht am 17.09.2018

Große und bewegende Geschichte auf wenigen Seiten

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Kurzmeinung:
Delphine De Vigan schafft es auf wenigen Seiten eine große und bewegende Geschichte zu erzählen. Ohne Kitsch und Pathos schreibt sie über schwere Schicksale und erschafft Figuren, die alle ...

Kurzmeinung:
Delphine De Vigan schafft es auf wenigen Seiten eine große und bewegende Geschichte zu erzählen. Ohne Kitsch und Pathos schreibt sie über schwere Schicksale und erschafft Figuren, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und in ihrem Leiden sehr authentisch sind.


Meine Meinung:
Der Roman beschäftigt sich in den Kapiteln abwechselnd mit 3 Personen.

Zunächst ist da Théo, der zu Beginn des Romans fast 13 ist und sich immer weiter in sich zurückzieht, bis er sich schließlich in den Alkohol flüchtet.
Delphine De Vigan liefert eine erschreckende, aber sehr realistische Beschreibung dessen, was mit einem Kind passieren kann, wenn sich die Eltern auf unschöne Weise trennen. Das zwischen den Stühlen Stehen. Es beiden recht machen zu wollen. Das kommt sehr gut rüber. Außerdem muss Théo viel zu viel Verantwortung übernehmen für sein Alter. Beide Eltern sind nicht für ihn da, kümmern sich nicht um ihn. Sind zu beschäftigt mit sich selbst. Im Gegenteil muss Théo sich um sie kümmern, will ihnen alles recht machen. Das alles wird sehr eindrücklich beschrieben. Mehrmals wollte ich die Eltern am liebsten schütteln und anschreien, was sie ihrem Kind da antuen. Wie sie sein stummes Leiden nicht wahrnehmen können. Wollte Théo am liebsten in den Arm nehmen.

Außerdem gibt es Hélène. Die Lehrerin hat in ihrer Kindheit Missbrauchserfahrungen gemacht und ist deswegen besonders wachsam und empfänglich für Anzeichen. Sie ist sehr besorgt um Théo, was schließlich fast schon zur Besessenheit wird. Mehrmals überschreitet sie Grenzen, überwacht zum Beispiel Théos Elternhaus. Sie hat ihre Missbrauchserfahrungen noch nicht verarbeitet und wird durch Théo gewissermaßen retraumatisiert. Alte, schmerzhafte Erinnerungen kommen wieder hoch und sie kann ihre Sorge um Théo schlecht von ihren Erinnerungen abgrenzen. Den Beschützerinstinkt, den sie Théo gegenüber hat, konnte ich als Leserin aber sehr gut nachvollziehen.

Eine weitere Figur ist Cécile, die Mutter von Théos bestem Freund Mathis. Cécile hatte selbst auch keine einfache Kindheit. Sie macht sich Sorgen um ihren Sohn und den vermeintlichen schlechten Einfluss, den Théo auf ihn hat. Außerdem sieht sie sich plötzlich mit einer schrecklichen Dunklen Seite ihres Mannes konfrontiert. Sie macht in dem Buch eine sehr spannende Entwicklung durch und war für mich ein sehr interessanter Charakter, den ich gern verfolgt habe.

Jede der Figuren in der Geschichte leidet, hat ihr Päckchen zu tragen. Bei einem 13-jährigen Junge ist es aber natürlich besonders schwer zu ertragen.

De Vigan erzählt von großem Leid, allerdings in einem eher nüchternen Ton. Sie dramatisiert nicht, schreibt ohne übertriebene Rührseligkeit oder Pathos. Das hat mir gut gefallen und die Schicksale für mich eigentlich noch umso eindrücklicher werden lassen. Die Autorin konfrontiert den Lesenden mit Fragen der Moral. Ist es vertretbar, aus den richtigen Gründen etwas Falsches zu tun? Zum Beispiel Hélène, die aus Sorge um ihren Schülern die Grenzen ihrer Befugnisse überschreitet. Oder Cécile, die aus Sorge um ihren eigenen Sohn die Augen vor dem Leid des jungen Théo verschließt.
Dabei stellt sich dem Lesenden unweigerlich die Frage, was man selbst in dieser Situation tun würde. Dabei gelingt es De Vigan jedoch, ohne erhobenen Zeigefinger zu schreiben sondern wirklich nur unvoreingenommen die Fragen aufzuwerfen und die Situationen ohne Wertung darzustellen.

Sehr gut gefallen hat mir auch, wie sich die Geschichte langsam aufgebaut hat. Schon von Anfang an hatte ich beim Lesen ein unangenehmes Gefühl. Diese dunkle Vorahnung hat sich immer weiter verstärkt, je weiter die Geschichte fortgeschritten ist. Wie in einer Abwärtsspirale werden die Geschehnisse immer dramatischer, spitzen sich immer weiter zu, bis sie schließlich in ihrem dunklen Tiefpunkt münden. Dabei braucht De Vigan nur wenige Seiten, um diesen großen Spannungsbogen aufzubauen und die Ereignisse eskalieren zu lassen. Dennoch wirkt nichts davon überstürzt oder gehetzt.


Fazit:
In diesem Buch steckt noch so viel mehr, als der Klappentext vermuten lässt. Auf wenigen Seiten erzählt Delphin de Vigan eine große und bewegende Geschichte.

Veröffentlicht am 16.09.2018

Kurz, aber äußerst intensiv

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Gebundene Ausgabe: 174 Seiten
Verlag: DuMont (17. September 2018)
ISBN-13: 978-3832183592
Originaltitel: Les loyautés
Übersetzung: Doris Heinemann
Preis: 20,00 €
auch als E-Book erhältlich

Kurz, aber ...

Gebundene Ausgabe: 174 Seiten
Verlag: DuMont (17. September 2018)
ISBN-13: 978-3832183592
Originaltitel: Les loyautés
Übersetzung: Doris Heinemann
Preis: 20,00 €
auch als E-Book erhältlich

Kurz, aber äußerst intensiv

Inhalt:
Théos Eltern sind geschieden und verfeindet. Der Zwölfjährige reibt sich zwischen den Fronten auf, sorgt mehr für die Eltern als diese für ihn. Zusammen mit seinem Freund Mathis flüchtet er sich in den Alkohol. Nur seine Lehrerin Hélène erkennt, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt. Doch kann sie ihm helfen?

Meine Meinung:
Wer meint, dass eine dramatische Geschichte einen riesigen Umfang braucht, wird von Delphine de Vigan eines Besseren belehrt. Sie verliert nicht viele Worte, doch jedes davon sitzt perfekt an der richtigen Stelle und drückt präzise aus, was passiert. So könnte man dieses Büchlein innerhalb kürzester Zeit lesen. Da es aber in der Wirkung doch sehr intensiv ist, empfehle ich, ab und an eine Pause einzulegen und die Handlung erst einmal zu verdauen.

Die Autorin entwickelt ein komplexes Netz von Loyalitäten, in denen die Charaktere einerseits geborgen, aber vor allem auch gefangen sind. Es stellt sich den Protagonisten immer wieder die Frage, ob sie das Richtige tun. Oder ob es besser ist, aus den richtigen Gründen eventuell etwas Falsches zu tun, als einfach stillzuhalten und zuzusehen, wie ein Mensch zugrunde geht.

Aus verschiedenen Perspektiven wird dieses Dilemma betrachtet. Hierbei spielt natürlich Théo eine große Rolle, der sowohl seine Mutter als auch seinen Vater liebt und keinen von ihnen bloßstellen will. Aber auch seine Lehrerin Hélène ist eine vielschichtige Figur, die mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat und vom Kollegium wenig Unterstützung erhält. Mathis will seinen Freund nicht verraten, sorgt sich aber um ihn. Cécile, Mathis’ Mutter, schließlich kümmert sich vorrangig um sich selbst und um ihren eigenen Sohn als um dessen Freund.

So spitzt sich die Handlung immer mehr zu. Ich habe beim Lesen fast den Atem angehalten, weil ich so in dieses Drama versunken war und dabei untätig auf dem Sofa sitzen musste, anstatt eingreifen zu können.

Manche Leser werden den Schluss vielleicht als zu offen empfinden - für mich war er perfekt.

★★★★★