Zeit ihres Lebens stand Odessa im Schatten ihrer jüngeren Schwester Mae, die von ihrem Vater dazu bestimmt wurde, mit dem Prinzen von Turah verheiratet zu werden. Denn ein Gesetz in Calandra sorgt dafür, dass in jeder Generation jeweils ein Paar unter den Königreichen heiraten muss, um den Frieden zu wahren. Doch als Prinz Zavier von Turah mit seinen Abgesandten erscheint, will er nicht Mae sondern Odessa. Diese wird kurzerhand von ihrem Vater dazu beordert, nach der geheimnisvollen Hauptstadt Turahs zu suchen, denn ihr Vater hofft, dass es dort etwas gibt, dass ihrem Volk helfen könnte, die Wanderung der Crux, besonders gefährliche, fliegende Bestien, zu überleben. Doch schon auf der Schifffahrt stösst sie immer wieder mit Zaviers Waldläufer, dem Hüter, zusammen und Zavier schenkt ihr keinerlei Beachtung. Odessa fühtl sich überfordert, zumal ihr jeder misstraut. Kann sie es schaffen, die Turaner auszuspionieren ohne selbst in Gefahr zu geraten?
Dieses hier wird keine Rezension, sondern ein Liebeslied für dieses Buch. Nicht, weil es ein gigantisches Worldbuilding hat, nicht weil das Magiesystem absolut ausgefeilt ist, nein, es war eher dieses Gefühl von ich bin mitten drin. Ich war für ein paar Abende Odessa und hatte Angst, fühlte mich beobachtet und habe mich in die Männer der Geschichte verliebt, allen voran natürlich in den Hüter, der auf The Guardian heißt, was sich viel besser anhört, was mir zeigt, man muss nicht alles übersetzen.
Devney Perrys Schreibstil hat mich von der ersten Seite an gepackt und bis zur letzten nicht mehr losgelassen. Für mich war es wirklich, als könnte ich die Welt mit Odessas Augen sehen.
Die Geschichte wechselt zwischen spannenden, actiongeladenen Momenten und vielen ruhigen Szenen, die gespickt sind mit Odessas Fragen. Das klingt zunächst merkwürdig nervig, aber es waren all die Fragen, die auch in meinem Kopf waren und da es keine Antworten gab, war Odessas Frust für mich spürbar. Auch hier gibt es Dinge, wie den wohl größten Plottwist der Geschichte, die ich vorausahnen konnte oder gleich dachte, doch es gab auch Überraschungen und nichts konnte meine Liebe zu den Figuren trüben.
Die Welt hat mich auf ganz besondere Art verzaubert, allein die Baumhäuser in Treow wurden vor meinem inneren Auge lebendig. Die Bestien, die mit Beschreibungen unserer bekannten Tiere wie Tiger, Bären oder Wölfe beschrieben werden, aber besondere Eigenschaften erhalten, um gefährlicher zu wirken, standen beim Lesen gefährlich nah vor mir.
Mit Protagonistin Odessa, die die Geschichte aus ihrer Sicht in der Ich-Perspektive erzählt, fühlte ich mich auf den ersten Seiten verbunden. Das Gefühl, nie genug zu sein, nie an erster Stelle zu stehen, das sich so niederschmetternd anfühlt, kenne ich auch. Aber sie gibt nicht auf, sie steht für sich und die Menschen, die sie liebt ein. Ich habe gemeinsam mit ihr gezittert, war enttäuscht und bin gewachsen.
Doch nicht nur Odessa ist toll, denn der Guardian, der Hüter, hat mein Herz gestohlen. Seine Art, Odessa zu triezen, sein Sarkasmus, aber auch sein Wunsch alles und jeden zu beschützen, hat mir weiche Knie gemacht. Ab sofort Bookboyfriend Nummer eins.
Die Geschichte zwischen Odessa und dem Guardian war slow burn vom Feinsten. Die Tension zwischen den Beiden macht Herzklopfen und selbst die zwei sehr kurzen spicy Szenen waren hier einfach mal genau da, wo es passt und einfach spürbar.
Dann ist da aber auch noch die Art, wie die Nebencharaktere mit einfließen, man liebt sie, hasst sie, misstraut ihnen. Sie sind so lebendig und authentisch wie auch die beiden Protagonisten.
Mein Fazit: Dieses Buch hat mich auf der ersten Seite eingefangen und bis zum Ende, das mich absolut zerstört hat, nicht mehr losgelassen. Dieser Cliffhanger und das, was da geschehen ist, hat mich richtig mitgenommen. Für mich das Highlight des Jahres und ein Buch, das für immer einen Platz in meinem Herzen hat. Ab jetzt warte ich sehnsüchtig auf September nächsten Jahres.