Die innere Ordnung
Gleich eingangs muß ich sagen, dass mich dieses Buch fasziniert hat und ich total begeistert bin. Wir sind im Ruhrgebiet in den 50iger und 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Deutschland ist noch am ...
Gleich eingangs muß ich sagen, dass mich dieses Buch fasziniert hat und ich total begeistert bin. Wir sind im Ruhrgebiet in den 50iger und 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Deutschland ist noch am Beginn des Wirtschaftswunders. Da lernt die junge Kriegerwitwe Vera, die ihr Kind alleine großziehen muß, den höheren Beamten Eberhard kennen. Sie erkennt, dass er ihr und dem Kind ein sorgenfreies Leben bieten kann und heiratet ihn. Eberhard ist ein bestimmender Mensch, er fühlt sich seiner Frau total überlegen und betitelt sie des öfteren mit dumme Gans. Für den Sohn sorgt er, schickt ihn sogar aufs Gymnasium und läßt ihn studieren. Vera muß sich ihrem Mann total unterordnen, doch sie scheint sehr clever zu sein und umgeht oftmals seine Anweisungen. Eberhard steigt in der Karriere höher und höher bis hin zum höchsten Chefposten. Vera gefällt dieses Leben, da sie finanziell sehr gut gestellt sind und sie sich so manchen Luxus leisten kann. Berhard war zwar in Kriegsgefangenschaft, aber er schweigt über diese Zeit total. Doch dann in den späten 60iger Jahren wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert und er kommt gewissen Fragen und Beschuldigungen nicht mehr aus. Doch dem entzieht er sich dann raffiniert. Als dann die moderne Technik in das Berufsleben Einzug hält, muß Bernhard passen, Vera hat sich ihre eigene Welt aufgebaut. Das Buch führt uns wirklich in eine Zeit, da der Mann noch das Sagen hatte. Die Frauen ordneten sich dem unter. So, wie Bernhard sich verhält, so stellt man sich einen knöchernen starren Beamten vor, der sich streng an die Gesetze und Vorschriften hält. Doch dann holt auch ihn die Vergangenheit ein, da er während des Kriegs unrecht auf sich geladen hat. Der Autor schreibt hier ohne viel Floskeln, trocken, bürokratisch. Dieser Stil paßt haargenau zu dem Buch und läßt uns die ganze Geschichte sehr realistisch erscheinen. Hat man einmal zu Lesen begonnen, kann man nicht mehr aiufhören und ist in den Szenen mittendrin. Ich konnte mich mit diesem Stil sofort anfreunden und sah Bernhard vor mir, grauer Anzug, weißes Hemd, Krawatte, glänzend geputzte Schuhe, kurz geschnittenes Haar mit akkuratem Seitenscheitel. Ein Blick in das Leben dieser Zeit.